ImpakuImpaku

Karate

空手

Okinawanische Schlagkunst, im 20. Jahrhundert zu japanischem Budo und olympischem Sport geformt. Sie ruht auf Kata sowie Hand- und Fußtechniken.

Wichtige Daten

HerkunftslandJapan
RegionAsien
HauptfokusSchlagtechnik
KontaktstufeHalbkontakt · Vollkontakt (je nach Stil)
GürtelsystemGürtel

Charakter & Herkunft

StatusLebendig, organisiert
LinieTraditionell
Entstehungszeit20. Jahrhundert

Training

BekleidungGi erforderlich
SparringMittlerer Kontakt · Vollkontakt (je nach Stil)
Rolle der WaffenOhne Waffen · Waffen optional (je nach Stil)
Rolle der FormenFormen im Zentrum
Übliche Häufigkeit2 × pro Woche
Erster Grad in4 Monaten

Für wen

Übliches Mindestalter5 Jahren
KinderprogrammeKinder sind die Hauptzielgruppe
SeniorenfreundlichMit Anpassungen geeignet
Körperliche Anforderung3/5
Verletzungsrisiko3/5
Übertrag auf Selbstverteidigung3/5
Wie wir die Skalen bewerten →

Organisation & Wettkampf

GraduierungenJa (Gürtel)
WettkampfformatPunktkampf
GewichtsklassenJa
Olympischer StatusEhemals olympisch
WeltverbandWorld Karate Federation (WKF)
Geschätzte PraktizierendeÜber 10 Mio.

Woraus der Stil besteht

Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.

HandschlägeZentral
TritteZentral
WürfeAm Rande
BodenkampfNicht verwendet
Hebel & HaltegriffeAm Rande
WaffenAm Rande

Vergleiche

Karate vs. Taekwondo→Karate vs. Ninjutsu→Karate vs. Judo→Karate vs. Shorinji Kempo→Karate vs. Kung Fu→Karate vs. Boxen→Karate vs. Aikido→Karate vs. Kenpo Karate→Karate vs. Kickboxen→

Kataloge & Datenbanken für Karate

📜 Traditionelle Katas255 Einträge · über 36 Stile hinweg
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⚔️ Traditionelle Waffen2 Einträge · über 36 Stile hinweg
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👊 Technik-Datenbank449 Einträge · über 36 Stile hinweg
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📖 Glossar31 Einträge · über 36 Stile hinweg
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👥 Persönlichkeiten & Meister71 Einträge · über 36 Stile hinweg
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🎬 Karate in der Kultur19 Einträge · über 36 Stile hinweg
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Über Karate

Karate entstand auf Okinawa als örtliches waffenloses System (Ti, später Tode), das sich zur Zeit des Waffenverbots mit chinesischen Stilen aus Fujian mischte. Okinawische Lehrer, vor allem Gichin Funakoshi, brachten es in den 1920er Jahren nach Japan, wo es zum Budo umgeformt wurde: Gi, Gürtel, Dojo-Etikette und das von Judo übernommene Dan-System. Technisch beruht Karate auf Schlägen, Tritten und Blöcken aus festen Ständen. Kennzeichnend ist das Bestreben, die ganze Kraft in einen einzigen Augenblick zu bündeln (Kime) — daher die kurze, explosive Ausführung und das hörbare Ausatmen. Kern des Unterrichts sind die Kata, festgelegte Abläufe, in denen Techniken bewahrt und weitergegeben werden; ihre Analyse (Bunkai) zeigt, was die Bewegungen ursprünglich bedeuteten. Die Stile unterscheiden sich stärker, als der gemeinsame Name vermuten lässt. Shotokan arbeitet mit langen Ständen und geradliniger Ausführung, Goju-ryu mit kreisförmigen Bewegungen und Atemarbeit, Kyokushin mit Vollkontakt ohne Handschuhe, Wado-ryu mit Jujutsu-Elementen. Was ein Verein tatsächlich übt und wie dort gespart wird, sagt am meisten darüber, was einen erwartet. Das Wettkampfkarate kennt zwei Disziplinen: Kumite (Kampf) und Kata (Vorführung vor Kampfrichtern). Olympisch war es nur einmal, in Tokio 2021; im Programm blieb es nicht.

Geschichte

Karate entstand im Königreich Ryukyu, auf dem heutigen Okinawa, aus der örtlichen Kunst te und aus Techniken, die ab dem 14. Jahrhundert chinesische Kämpfer dorthin brachten, wahrscheinlich auch aus dem Fujian-Stil White Crane. Kanryo Higaonna reiste 1873 nach Fuzhou und lehrte daheim anschließend Naha-te, woraus sein Schüler Chojun Miyagi das Goju-ryu schuf. Kanbun Uechi studierte in Fujian Pangai-noon und seine Schüler benannten den Stil 1940 in Uechi-ryu um. Auf die japanischen Hauptinseln brachte das Karate Gichin Funakoshi (1868–1957). Im Mai 1922 führte er es bei einer Sportausstellung in Tokio vor und im Juni desselben Jahres im Kodokan vor dem Begründer des Judo, Jigoro Kano.

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Die Schreibweise 空手 (leere Hand) verwendete erstmals Chomo Hanashiro im Jahr 1905, 1933 ersetzte sie die ältere Schreibweise 唐手 (chinesische Hand). Die Japan Karate Association legt den Übergang zur Schreibweise 空手道 bereits in das Jahr 1929. Die Meister Okinawas nahmen sie offiziell bei einem Treffen in Naha am 25. Oktober 1936 an, und dieser Tag ist seit 2005 der Karate-Tag von Okinawa. Masutatsu Oyama, ein Schüler Funakoshis und von Goju-ryu-Lehrern, eröffnete 1953 in Tokio ein Dojo, aus dem das Vollkontakt-Kyokushin hervorging. Nach dem Krieg entstanden Organisationen: die Japan Karate Association (JKA) 1949 (die JKA selbst nennt das Jahr 1948), der Weltverband WUKO 1970, seit 1992 umbenannt in World Karate Federation (WKF). Bei Olympischen Spielen war Karate nur einmal dabei, in Tokio 2020 (die Spiele fanden im August 2021 statt). Das Programm der Spiele 2024 und 2028 enthält es nicht.

Technik

Der Unterricht beruht auf drei Komponenten: kihon (Stände, Schläge, Tritte und Blocks), kata (Formen) und kumite (Kampf). Kumite wird geübt von abgesprochenen Angriffen und Abwehren (yakusoku kumite) über den freien Kampf (jiyu kumite) bis zum Wettkampf-Kumite shiai kumite. Im Sport-Kumite nach den Regeln der WKF gilt 1 Punkt für einen Fauststoß zum Körper, 2 Punkte für einen Tritt zum Körper und 3 Punkte für einen Tritt zum Kopf. Den Kopf darf der Wettkämpfer nur mit leichter Berührung treffen. Verboten sind Kontakt zum Hals, Angriffe auf Gelenke, Schläge mit der offenen Hand ins Gesicht sowie Schläge mit Ellbogen und Knien. Die Stile unterscheiden sich technisch. Wado-ryu geht vom Jujutsu des Shindo Yoshin-ryu aus und enthält neben Schlägen auch Hebel und Würfe. Goju-ryu legt Gewicht auf die Atmung in den Kata Sanchin und Tensho. Sanchin stammt aus dem Fujian White Crane, wird auch im Uechi-ryu geübt und ins Shito-ryu übernahm es Kenwa Mabuni, der auch bei dem chinesischen Meister Go Kenki lernte. Im Vollkontakt-Kyokushin sind nach den Regeln der WKO Schläge mit Hand und Ellbogen zum Kopf verboten, erlaubt sind aber Tritte zum Kopf, Knie und Tritte gegen die Beine.

Training

Der Karate-Unterricht beruht auf drei Bestandteilen: Kihon (Grundtechniken), Kata (vorgeschriebene Abfolgen gegen gedachte Gegner) und Kumite (Kampf). Die Japan Karate Association betrachtet die Kata als Grundlage des gesamten Trainings. Im Sport-Kumite werden Schläge knapp vor dem Ziel gestoppt, in der Regel bis zu einem Zoll, und ein Kampf dauert gewöhnlich etwa drei Minuten. Zum Training gehört die Etikette, die Britannica ebenso wie den Trainingsanzug und das Gürtelsystem zu den Merkmalen des Karate zählt. Im Universitätsclub der JKA an der Columbia University verbeugt man sich zum Beispiel beim Betreten und Verlassen des Dojo. Zu Beginn der Stunde stellen sich die Übenden nach Rang auf, knien sich in den Seiza, meditieren kurz (Mokuso) und verbeugen sich auf die Kommandos Shomen ni rei und Sensei ni rei vor der Stirnseite des Dojo und dem Lehrer. Am Ende der Stunde wird der Ablauf wiederholt und das Dojo Kun rezitiert.

Graduierungen und Fortschritt

Das System von Kyu und Dan übernahm Funakoshi 1924 von Jigoro Kano. Die Gürtelfarben sind über die Stile hinweg nicht einheitlich, und in einigen Stilen wird der weiße Gürtel bis zum ersten Dan getragen. Ein Beispiel aus der JKA (Shotokan): 10 Kyu und 10 Dan, die Mindestwartezeit beträgt 1 Jahr vor dem 1. und 2. Dan, 2 Jahre vor dem 3. Dan und 3 Jahre vor dem 4. Dan. Für den 3. Dan und höher ist ein Alter von mindestens 18 Jahren nötig, für den 7. Dan 50 Jahre und für den 8. Dan 60 Jahre. Die Prüfung umfasst Kihon, Kata und Kumite. Andere Stile haben eigene Ordnungen: Das Wado-ryu betrachtet den 1.–5. Dan als technisch und den 6.–10. Dan als ehrenhalber, das Kyokushin zählt die Kyu ab der 11. Stufe. Die typische Dauer bis zum schwarzen Gürtel konnten wir in den Quellen nicht belegen. Sie hängt von Stil, Organisation und Trainingshäufigkeit ab.

Für wen

Die WKF-Regeln teilen die Wettkämpfer in Kategorien bis 14 Jahre (12–13 Jahre), Kadetten (14–15), Junioren (16–17), bis 21 Jahre und Senioren ab 18 Jahren. Der Kampf dauert bei Senioren 3 Minuten, bei Junioren und Kadetten 2 Minuten und in der Kategorie bis 14 Jahre 1,5 Minuten reine Zeit. Kinder bis 14 Jahre müssen im kumite Helm und Körperschutz tragen. Frauen kämpfen bei der Weltmeisterschaft seit 1980. In Tokio 2020 hatten sie drei Gewichtsklassen im kumite und die Disziplin kata. Die WKF veranstaltet auch Para-Karate, offizielle Weltmeisterschaften gibt es seit 2014. Ein Mindestalter in den Klubs und Veteranenkategorien der WKF haben wir in den Quellen nicht gefunden. Eine Metaanalyse von 28 Studien zum Sport-kumite nennt 88,3 Verletzungen auf 1.000 Starts, meist Prellungen leichtester Schwere, die Gehirnerschütterung macht etwa 2 % der Verletzungen aus. Zetaruk u. a. (Br J Sports Med 2005) fanden eine Verletzung mit Trainingsausfall binnen eines Jahres bei 30 % von 114 Shotokan-Karateka, bei den Aikidoka in derselben Kohorte bei 51 %.

Wettkampf

Die WKF-Weltmeisterschaft findet seit 1970 alle zwei Jahre statt. Senioren kämpfen im Kumite in fünf Gewichtsklassen: Männer −60, −67, −75, −84 und +84 kg, Frauen −50, −55, −61, −68 und +68 kg. Den Kampf leitet der Hauptkampfrichter (shushin) mit vier Kampfrichtern (fukushin). Im Kata zeigt der Wettkämpfer eine Form aus der offiziellen WKF-Liste, im olympischen Turnier durfte er keine Form wiederholen. Das Team-Kata führen drei Wettkämpfer gleichzeitig aus, und im Kampf um die Medaillen zeigen sie auch Bunkai, die Analyse des Kata in Paaren. Kyokushin und weitere Vollkontakt-Stile veranstalten eigene Wettkämpfe außerhalb der WKF. Das erste Weltturnier des Kyokushin fand 1975 in Tokio statt. Karateka waren auch im Kickboxen erfolgreich: Bill Wallace (Shorin-ryu) war 1974 PKA-Champion, das K-1 World Grand Prix gewannen Andy Hug (Kyokushin, Seidokaikan) 1996 und Semmy Schilt (Kyokushin, Ashihara Kaikan) in den Jahren 2005, 2006, 2007 und 2009.

Ausrüstung

Trainiert wird im weißen karategi mit Gürtel nach Grad. Für das WKF-Wettkampf-kumite sind zugelassene Handschuhe in Rot oder Blau, Zahnschutz, Körperschutz, Schienbein- und Spannschützer und bei Männern ein Tiefschutz Pflicht. Der Wettkämpfer trägt nach Los einen roten (aka) oder blauen (ao) Gürtel. In der kata dürfen die Ärmel nicht hochgekrempelt werden, Brillen sind verboten.

Philosophie

Die Endung do im Namen Karate-do verweist auf die spirituelle Seite der Kunst. Der Dojo kun, kurze im Dojo rezitierte Regeln, betont die Entwicklung des Charakters, Anstrengung und Höflichkeit. Funakoshi verfasste den Niju kun (Zwanzig Regeln des Karate) mit Betonung auf Demut, Respekt und Geduld. Die Terminologie ist japanisch: Wettkampfkommandos, Namen der Techniken und der Kata. Im Kata werden Kiai und die Ansage des Namens der Form verlangt. Kata bewahren die Techniken des Stils, über alle Stile hinweg gibt es etwa hundert, jede mit 20 bis 70 Bewegungen. Die JKA erkennt rund 26 Standard-Kata des Shotokan an, das Wado-ryu neun offizielle.

Stile und Schulen

Die Namen der wichtigsten Karate-Stile verraten etwas über ihre Herkunft. Shotokan wurde nach dem Dojo benannt, das Funakoshi Gichin eröffnete. Shoto war sein literarisches Pseudonym, das sein Interesse an chinesischer Dichtung widerspiegelte. Funakoshi selbst nannte sein Karate nicht Shotokan-ryu, und die Bezeichnung setzte sich durch, damit sich seine Schule von Shito-ryu, Goju-ryu und Wado-ryu unterschied. Funakoshi benannte auch die Kata um: Heian, Bassai, Kanku, Tekki, Hangetsu, Jitte, Empi, Gankaku und Jion sind japanische Lesungen chinesischer Schriftzeichen, die er selbst für sie auswählte.

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Shito-ryu setzt sich aus den ersten Zeichen der Namen zweier Lehrer von Mabuni Kenwa zusammen, Itosu Anko (shi) und Higaonna Kanryo (to). Mabuni lehrte unter diesem Namen ab 1934 im Dojo Yoshukan in Osaka, und 1939, als er von der Dai Nippon Butokukai den Titel Renshi erhielt, gründete er formell das Shito-ryu Karatedo. Goju-ryu, den harten und weichen Stil, benannte Miyagi Chojun 1929 nach einem Vers aus dem Kempo Hakku (Acht Gesetze der Faust), nach dem der Atem zugleich Härte und Weichheit ist. Wado-ryu begründete Otsuka Hironori (1892–1982), der sowohl vom Shotokan als auch vom Jujutsu des Shindo Yoshin-ryu ausging. Wa im Namen bedeutet Frieden und Harmonie. Die Stile unterscheiden sich auch darin, wie gekämpft wird. Funakoshis Karate kannte keinen freien Kampf. Kumite entstand später auf Wunsch von Hochschulstudenten, und die JKA unter Nakayama Masatoshi arbeitete für sie die Sundome-Regel aus, das Anhalten der Technik vor dem Ziel. Der Begründer des Kyokushin, Oyama Masutatsu, lernte bei Funakoshi und bei Yamaguchi Gogen vom Goju-ryu. Seine Organisation IKO Kyokushinkaikan entstand 1964, und ihr Kampf wird als Knockdown-Karate bezeichnet.

Heute

Karate ist in Stile und Organisationen gegliedert. Die Japan Karate Federation vereint Goju-ryu, Shito-ryu, Shotokan und Wado-ryu und ist Mitglied der WKF. Karatedo ist zugleich eine von neun Disziplinen des Japanischen Budo-Verbands neben Judo, Kendo, Aikido oder Shorinji Kempo. Nach dem Tod der Gründer spalteten sich mehrere Stile: Shotokan nach 1957 in JKA, Shotokai und weitere Gruppen, Wado-ryu nach 1982 in drei Organisationen und Kyokushin nach 1994 in IKO, Shinkyokushinkai und weitere. Die Grade vergibt jede Organisation selbst, ihre gegenseitige Anerkennung konnten wir nicht belegen. Aus dem Vollkontakt-Karate erwuchs das Kickboxen. Im Lumpinee-Stadion in Bangkok traten drei Karateka aus dem Dojo von Masutatsu Oyama gegen thailändische Boxer an (Quellen nennen Februar 1964 oder den 12. Februar 1963), in den USA gewann 1970 Joe Lewis aus dem Shorin-ryu den ersten anerkannten Vollkontakt-Kampf, und die WAKO begann als World All-Style Karate Organization.

In der Kultur

Der Film The Karate Kid hatte am 22. Juni 1984 Premiere, Regie führte John G. Avildsen, und in den USA spielte er 91 Millionen Dollar bei einem Budget von rund acht Millionen ein. Der Produzent Jerry Weintraub ließ sich von einem Bericht über einen Jungen inspirieren, der Karate wegen Mobbings lernte, und der Drehbuchautor Robert Mark Kamen schöpfte aus seinem eigenen Training bei einem Meister aus Okinawa. Die Kämpfe choreografierte Pat E. Johnson, unter den Stuntleuten war Fumio Demura. Der Film erhielt drei Fortsetzungen, ein Remake aus dem Jahr 2010 und eine Zeichentrickserie. Die Geschichte belebte 2018 die Serie Cobra Kai mit Ralph Macchio und William Zabka wieder. Sie entstand für den Abodienst YouTube, und nachdem die ersten zwei Staffeln Ende August 2020 zu Netflix verschoben wurden, wurde sie in den USA zur meistgesehenen Sendung von Netflix. Ob der Film oder die Serie die Zahl der Übenden erhöht haben, konnten wir aus den Quellen nicht belegen.

Wissenswertes

Karate kam durch eine bei den Spielen in Rio 2016 getroffene Entscheidung ins olympische Programm und debütierte in Tokio 2020 im Nippon Budokan mit achtzig Sportlern, zu gleichen Teilen Männer und Frauen. Zuvor hatte es sich bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires 2018 präsentiert. Acht olympische Titel gewannen acht verschiedene Länder: Japan, Spanien, Ägypten, Italien, Bulgarien, Frankreich, Iran und Serbien. Erster olympischer Sieger im Kumite der Männer wurde der Franzose Steven Da Costa, der in der Klasse bis 67 kg alle sieben Kämpfe gewann und im Finale den Türken Eray Samdan 5:0 besiegte. Die Spanierin Sandra Sanchez gewann die Kata mit 28,06 Punkten und wurde mit knapp vierzig Jahren zur ältesten spanischen Olympiasiegerin. Die Bulgarin Ivet Goranova gewann die Klasse bis 55 kg und brachte Bulgarien das erste olympische Gold seit 2008. Im Finale über 75 kg streckte der Saudi-Araber Tareg Hamedi den Iraner Sajad Ganjzadeh mit einem Tritt gegen die Brust nieder, und dieser wurde auf einer Trage weggebracht. Hamedi wurde disqualifiziert, und das Gold ging an Ganjzadeh. Die Japan Karate Association veranstaltet alle drei Jahre eine Weltmeisterschaft um den Funakoshi Gichin Cup.

Stile & Zweige

Kyokushin極真

Vollkontakt-Stil des Karate, den Masutatsu Oyama entwickelte. Gekämpft wird ohne Handschuhe, Tritte zum Kopf sind erlaubt, Schläge mit Faust und Ellbogen zum Gesicht nicht.

Shotokan松濤館

Karatestil aus dem Unterricht von Gichin Funakoshi in Tokyo, benannt nach seinem dojo. Er baut auf tiefen Stellungen, kihon und kata auf, gekämpft wird um Punkte mit kontrolliertem Treffer.

Goju-ryu剛柔流

Okinawanischer Karate-Stil, den Chojun Miyagi gründete. Den Namen „hart-weich“ nahm er aus einem Vers des chinesischen Textes Bubishi, Erkennungszeichen ist die Atem-kata Sanchin.

Shito-ryu糸東流

Japanischer Karate-Stil, den Kenwa Mabuni in Osaka gründete. Den Namen bildete er aus den ersten Zeichen der Namen seiner Lehrer Itosu und Higaonna, bekannt ist der Stil für viele kata.

Shorin-ryu少林流

Eine Familie okinawanischer Linien aus dem Shuri-te. Der Name verweist auf Shaolin, doch das ist ein Bekenntnis zur Tradition, kein Beleg einer direkten Linie.

Shuri-te首里手

Historische Strömung des Okinawa-Karate aus der Königsstadt Shuri, verbunden mit Matsumura Sokon und Itosu Anko. Aus ihr gingen Kobayashi-ryu, Shorin-ryu und Japans Shotokan hervor.

Wado-ryu和道流

Japanischer Karate-Stil von Hironori Otsuka, Inhaber der höchsten Lizenz des jujutsu Shindo Yoshin-ryu. Statt harter Deckung beruht er auf taisabaki, der Bewegung aus der Angriffslinie.

Isshin-ryu Karate一心流空手道

Okinawa-Karate von Tatsuo Shimabuku, 1956 benannt. Erkennbar an der senkrechten Faust mit dem Daumen oben und an Blocks mit dem Unterarmmuskel statt mit dem Knochen.

Uechi-ryu上地流

Okinawanisches Karate chinesischer Herkunft, gegründet auf Tiger, Kranich und Drache. Erkennbar am Ein-Knöchel-Schlag und an der Körperabhärtung.

Ashihara Karate芦原空手

Japanisches Vollkontakt-Karate von Ashihara Hideyuki aus dem Jahr 1980. Es beruht auf sabaki, dem Ablenken eines Angriffs und dem Konter von der Seite oder von hinten.

Shorei-ryu

Ein Ordnungsbegriff, keine Schule. Die Karate-Einteilung in kraftvolles Shorei und leichtes Shorin verwendete Funakoshi, doch die Quellen sind uneins, was sie genau meint.

Kenpo Karate

System von Ed Parker aus den USA mit Wurzeln beim hawaiianischen Lehrer William Chow, aufgebaut auf 154 benannten Selbstverteidigungssequenzen und Gürteln bis zum 10. dan.

Chito-ryu Karate千唐流空手道

Okinawa-Karate, das nach dem Krieg in Kumamoto vom Arzt Tsuyoshi Chitose gegründet wurde. Der Name bedeutet „tausend Jahre Tang“ und verweist auf die chinesischen Wurzeln.

Motobu-ryu Karate本部流

Karate von Motobu Choki auf Grundlage der Kata naihanchi, des Nahkampfs und der gleichzeitigen Arbeit beider Hände (me-oto-de). Die Schule leitet ihre Entstehung von 1922 ab.

Matsubayashi-ryu松林流

Ein Zweig des Shorin-ryu, den Shoshin Nagamine 1947 in Naha begründete. Der Name "Kiefernwald" ehrt Matsumura und Matsumora, der Lehrplan umfasst 18 kata.

Gensei-ryu玄制流

Okinawa-Karate von Seiken Shukumine aus den Jahren 1949–1953, aufgebaut auf unerwarteter Bewegung in drei Dimensionen und auf eigenen kata wie Sansai.

Shorin-ryu Seibukan少林流聖武館

Okinawanische Shorin-ryu-Schule von 1962, gegründet von Shimabukuro Zenryo, einem Schüler von Kyan Chotoku. Sie fügte die eigene kata Wanchin hinzu.

Shorin-ryu Shorinkan小林流小林館

Okinawanischer Karate-Zweig, den Nakazato Shugoro 1975 gründete, ein Schüler von Chibana Choshin aus der Linie des Kobayashi Shorin-ryu.

Enshin Karate円心空手

Vollkontakt-Karate von Ninomiya Joko, gegründet 1988, mit Hauptsitz in Denver. Es beruht auf sabaki, dem Ableiten des Angriffs und dem Wechsel in den toten Winkel des Gegners.

Koshiki Karatedo古式空手道

Karate-Wettkampfsystem mit Super Safe-Schutz aus der Schule Kenkokan. Laut WKKF wurde es 1980 vorgestellt und erlaubt Treffer auf Gesicht und Körper.

Meibukan Goju-ryu明武舘剛柔流

Okinawanischer Zweig des Goju-ryu, den Yagi Meitoku 1952 gründete. Er hat eine eigene Reihe von fünf katas Meibuken, benannt nach chinesischen Sternbildern.

Naha-te那覇手

Historische Strömung des Okinawa-Karate aus der Hafenstadt Naha, verbunden mit Higaonna Kanryo und dessen Schüler Miyagi Chojun. Aus ihr ging Goju-ryu hervor, daneben wird Ryuei-ryu geführt.

Okinawa Kenpo沖縄拳法

Okinawanischer Karatestil von Nakamura Shigeru, der laut Ryukyu Shimpo den Kampf mit Schutzausrüstung und ein Knockdown-System der Kämpfe durchsetzte.

Ryuei-ryu劉衛流

Okinawa-Karate der Familie Nakaima, mit dem Goju-ryu verwandt und bekannt für die Kata Anan und Ohan. Der olympische Kata-Sieger Kiyuna Ryo stammt aus diesem Stil.

Sankukai三空会

Karatestil von Yoshinao Nanbu, laut der englischen Wikipedia einem Schüler von Chōjirō Tani. Die Wikipedia nennt die Entstehung 1971 in Paris, später wechselte Nanbu zum Nanbudo.

Seiwakai Goju-ryu

Japanische Linie des Goju-ryu, gegründet von Tasaki Shuji, einem Schüler von Yamaguchi Gogen. Fujiwara Seiichi leitet sie, und sie hat dojo in mehr als dreißig Ländern.

Shindo Jinen-ryu神道自然流

Japanisches Karate von Konishi Yasuhiro, der neben Karate auch Jujutsu und Kendo übte. Laut Wikipedia entstand der Stil 1933, heute wird er von Ryobukai geleitet.

Shorin-ryu Kyudokan小林流究道館

Okinawanischer Zweig des Shorin-ryu, den Higa Yuchoku in Naha gründete. Typisch sind das Training an der makiwara und die Partnerübung kakie.

Shorin-ryu Shidokan小林流志道館

Okinawanischer Zweig des Kobayashi Shorin-ryu, den Miyahira Katsuya leitete. Er hat die eigene kata Tetsu Shou, und das erste dojo entstand 1948.

Shorinji Ryu Renshinkan少林寺流錬心舘

Karateschule aus dem Zweig Shorinji-ryu, die laut ihrer Website Isamu Tamotsu 1955 in Kagoshima gegründet hat. Der Kampf wird laut ihr in Bogu-Schutzausrüstung geführt.

Shorinji-ryu Kenkokan少林寺流拳行館

Japanisches Karate von Kori Hisataka aus der Nachkriegszeit: senkrechte Faust, Fersentritt und Kampf in Schutzausrüstung, aus dem das Wettkampfsystem koshiki karatedo hervorging.

Tomari-te泊手

Historische Linie des Okinawa-Karate vom Hafen Tomari, heute Teil Nahas. Als Erneuerer gilt Matsumora Kosaku, heute berufen sich Matsubayashi-ryu, Shorin-ryu-Schulen und Gohaku-kai auf ihn.

Häufige Fragen

Was macht man beim Karate?

Das Karatetraining beruht auf drei Bestandteilen: kihon, also Grundtechniken (Stellungen, Schläge, Tritte und Abwehr), kata, vorgeschriebene Abläufe gegen gedachte Gegner, und kumite, der Kampf. Im Sport-kumite werden die Schläge kurz vor dem Ziel gestoppt.

Was ist der Unterschied zwischen Karate und Judo?

Karate arbeitet auf Schlag- und Trittdistanz, Judo mit vollem Widerstand bei Würfen und am Boden ohne Schläge. Im Jahr 1922 lud der Judo-Gründer Jigoro Kano Funakoshi Gichin in das Kodokan ein, und Karate übernahm danach vom Judo die Grade kyu und dan. Judo ist seit 1964 olympisch, Karate stand nur in Tokio 2020 auf dem Programm.

Welche Grade und Gürtel gibt es im Karate?

Karate verwendet Schülergrade kyu und Meistergrade dan. Die Gürtelfarben sind nicht in allen Stilen einheitlich. Zum Beispiel beginnt im Kyokushin nach der Ordnung der IKO der 10. kyu mit einem orangefarbenen Gürtel, und der Weg führt über Blau, Gelb, Grün und Braun zum schwarzen Gürtel. Im JKA ist ab dem 3. dan ein Mindestalter von 18 Jahren nötig.

Wann sollte man mit Karate anfangen?

Die Wettkampfordnung des Tschechischen Karateverbands hat als jüngste Kategorie Kinder bis 7 Jahre, danach folgen die Schüler ab 8 Jahren. Laut dem Weltverband für Karate sind etwa zwei Drittel der Karateka weltweit jünger als 14 Jahre, und für Wettkämpfer bis 14 Jahre gelten besondere Regeln und eine Schutzausrüstungspflicht.

Wofür ist Karate gut?

Laut dem Weltverband für Karate entwickelt das Training Beweglichkeit, Ausdauer und Koordination und führt zu Selbstbeherrschung, Mut und Ehre. Britannica zählt zum Karate auch die Betonung von Höflichkeitsregeln. Eine unabhängige Studie zum Nutzen von Karate haben wir bisher nicht gefunden.

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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.

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