Kenpo Karate
System von Ed Parker aus den USA mit Wurzeln beim hawaiianischen Lehrer William Chow, aufgebaut auf 154 benannten Selbstverteidigungssequenzen und Gürteln bis zum 10. dan.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Vergleiche
Kataloge & Datenbanken für Kenpo Karate
Über Kenpo Karate
Kenpo Karate ist der frühere Name des Systems von Ed Parker (1931–1990), der es in den USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelte und kodifizierte und später American Kenpo Karate nannte. Parker wurde in Honolulu geboren und lernte fast sechs Jahre bei William Kwai Sun Chow, der seit 1944 auf Hawaii unter dem Namen Kenpo Karate unterrichtete. Chow war ein Schüler von James Mitose, dessen Angaben zur Familienlinie des Kosho-ryu unsicher sind. Eine ausdrückliche Aussage, dass Parkers System auf dem okinawanischen oder japanischen Karate beruht, haben wir nicht gefunden. Die Quellen geben an, dass Parker 1954 in Provo oder 1957 zu unterrichten begann. In Pasadena hatte er 1956 ein Dojo, und die International Kenpo Karate Association gründete er 1962 oder Ende 1963.
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Die technische Grundlage bilden 154 benannte Selbstverteidigungssequenzen und dazu 96 Erweiterungen. Das System stützt sich auf Prinzipien wie „Marriage of Gravity“ oder den Grundsatz, dass jeder Block ein Schlag und jeder Schlag ein Block ist. Parker verstand Techniken als Ideen zum logischen Begreifen der Bewegung und ermunterte die Schüler, sie anzupassen. Der Unterricht verläuft in den Phasen Ideal Phase, What-if Phase und Formulation Phase, und Parker schuf elf Formen. Die Gürtel führen von weiß über gelb, orange, violett, blau und grün zu braunen und schwarzen Gürteln des 1. bis 10. dan, die Zahl der Techniken pro Gürtel unterschied sich je nach Schule. Seit 1964 veranstaltete Parker das Kumite-Turnier Long Beach International Karate Championships, bei dessen erster Ausgabe Bruce Lee auftrat. Wettkampfregeln einer Kenpo-Organisation haben wir nicht gefunden. Nach Parkers Tod 1990 blieben weder ein ernannter Nachfolger noch ein einheitlicher Lehrplan. Seine höheren Schüler unterrichteten auf eigene Weise, und es entstanden abgeleitete Stile, eine gegenseitige Anerkennung der Grade zwischen den Organisationen haben wir nicht gefunden.
Geschichte
Kenpo Karate ist der frühere Name des Systems, das Ed Parker (Edmund Kealoha Parker, 1931–1990, gebürtig aus Honolulu) in den USA entwickelte und kodifizierte. Später nannte er es American Kenpo Karate. Die Linie führt über Hawaii. James Mitose (1916–1981) lehrte seit 1936 kenpo, seine Angaben zur Familienlinie des Kosho-ryu sind aber unsicher, und der Inhalt seines Buches stimmt mit dem Buch Karate Kenpo von Mutsu Mizuho aus dem Jahr 1933 überein. Sein Schüler William Kwai Sun Chow lehrte seit 1944 im Nuuanu YMCA in Honolulu unter dem Namen Kenpo Karate, und Parker lernte bei ihm fast sechs Jahre. Nach dem Weggang an die Brigham Young University begann Parker zu unterrichten. Die Quellen nennen das Jahr 1954 in Provo in Utah oder das Jahr 1957. Ein Dojo in Pasadena in Kalifornien hatte er laut dem Magazin Black Belt im Jahr 1956. Die International Kenpo Karate Association (IKKA) gründete er 1962 oder Ende 1963. Er veröffentlichte die Bücher Kenpo Karate: Law of the Fist and the Empty Hand (1960 oder 1961) und Secrets of Chinese Karate (1963).
Was es unterscheidet
Das Wort Kenpo steht für mehrere Künste, die historisch nur lose zusammenhängen. Karate wurde laut Britannica im 17. Jahrhundert auf Okinawa systematisiert und gelangte in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach Japan, und das Wettkampfkarate hat laut olympics.com zwei Formate, Kata und Kumite. Das amerikanische Kenpo von Ed Parker hat weder ein einheitliches Wettkampfreglement noch einen Lehrplan, und sein Unterricht beruht auf benannten Selbstverteidigungssequenzen. Shorinji Kempo ist eine andere Kunst mit demselben Wort im Namen. Gegründet wurde sie 1947 von Doshin So in Tadotsu in der Präfektur Kagawa, und laut World Shorinji Kempo Organization gibt es weltweit nur eine Schule mit derselben Lehre, denselben Techniken und demselben Erziehungssystem. Nippon Budokan führt an, dass ihre Schläge, Tritte und Haltegriffe nie dazu verwendet werden, Aggression zu beginnen, und die Organisation bezeichnet sie als Methode der Menschenentwicklung nach dem Grundsatz, zur Hälfte für das eigene Glück und zur Hälfte für das Glück anderer. Kajukenbo entstand laut eigener Geschichte in den Jahren 1947 bis 1949 im Gemeindezentrum Palama Settlement auf Oahu, und sein Name verbindet die Abkürzungen für Karate, Judo, Kenpo und chinesisches Boxen, wobei Kenpo nur eine von vier Komponenten ist. Hinter dem Kenpo stand laut der Organisation Adriano Emperado.
Technik
Das Wort kenpo (拳法) bedeutet „Faust“ und „Methode“ und bezeichnet im Japanischen vor allem Schlagsysteme, besonders chinesischen Ursprungs. Mitose behauptete einen japanischen Ursprung der Kunst, beschrieb aber okinawanische und chinesische Wurzeln. Eine ausdrückliche Aussage, dass Parkers System auf dem okinawanischen oder japanischen Karate beruht, haben wir nicht gefunden. Parkers Kodifizierung enthält 154 benannte Selbstverteidigungssequenzen der sogenannten „ideal phase“ und dazu 96 Erweiterungen. Angegeben wird, dass Parker Namen wie Thundering Hammers, Five Swords, Prance of the Tiger oder Flashing Mace den Techniken als Gedächtnisstütze gab. Zu den Prinzipien des Systems gehören „Marriage of Gravity“, der Grundsatz, dass jeder Block ein Schlag und jeder Schlag ein Block ist, der Ursprungspunkt (point of origin), Bewegungsökonomie und Personalisierung. John Sepulveda zitiert in einem Artikel des Magazins Black Belt Parker, dass Selbstverteidigungstechniken Ideen seien, die den Schülern helfen sollen, die Bewegung logisch zu begreifen, und Parker ermunterte sie, diese anzupassen.
Training
Der Unterricht verläuft in drei Phasen: Ideal Phase, What-if Phase und Formulation Phase. Die Kodifizierung des Unterrichts fasste Parker in der fünfteiligen Reihe Infinite Insights into Kenpo (1982–1987) zusammen. Bis zu seinem Tod schuf er elf Formen, drei kurze und acht lange. Ihre Namen und die Einordnung in Wettkampfdivisionen haben wir nicht gefunden. Eine Quelle zum Grad des Widerstands des Gegners im Training, also ob und wie Sparring mit vollem Widerstand geübt wird, haben wir ebenfalls nicht gefunden. Al Tracy beschreibt Parkers Schulen der sechziger Jahre als Klassen zweimal pro Woche, am Montag und Mittwoch oder am Dienstag und Donnerstag, in denen die Formen viel Zeit einnahmen. Als Orte der Schulen nennt er Pasadena, Santa Monica, San Francisco, Daly City, San Jose und Portland. Es handelt sich um die persönliche historische Deutung einer Organisation.
Graduierungen und Fortschritt
Die Farbgürtel folgen in der Reihenfolge weiß, gelb, orange, violett, blau und grün. Es folgen braune Gürtel vom 1. bis 3. Grad und schwarze Gürtel vom 1. bis 10. dan. Die Grade des schwarzen Gürtels unterscheiden sich durch rote Markierungen, und ab dem 3. dan aufwärts stützt sich die Beförderung eher auf den Beitrag zur Kunst, zum Beispiel Unterricht und Forschung. Die Zahl der Techniken pro Streifen unterschied sich nach Schule und Zeit. Die Schulen der IKKA verlangten 24 Techniken pro Streifen, einige Schulen verwenden den Lehrplan 16–20–24. Die Schul-AG American Kenpo Karate an der Grundschule Fremont in Stockton gibt an, dass in ihr die Gürtel die International Kenpo Karate Academies (IKKA) oder deren Instruktoren vergeben und die Anforderungen von Parkers ursprünglichen 24 Techniken ausgehen. Al Tracy gibt an, dass die Brüder Tracy etwa 40 Techniken pro Streifen einführten, 1966 waren es 30, und Parker verringerte das Ganze später auf unter 200 Techniken, je 25 pro Streifen. Nach Tracy ging den Farbgürteln ein System brauner Streifen voraus, und Parker datierte die Zertifikate der IKKA rückwirkend, frühe Grade sind daher schwer überprüfbar.
Wettkampf
Im Jahr 1964 veranstaltete Parker unter dem Dach der IKKA im Long Beach Municipal Auditorium die ersten Long Beach International Karate Championships. Das Turnier fand bis 1999 statt und war ein Wettkampf im Kumite. Bei der ersten Ausgabe zeigte Bruce Lee einen Schlag aus einem Zoll Entfernung, Liegestütze auf zwei Fingern und eine Vorführung von wing chun, und Parker machte ihn dort der nationalen Aufmerksamkeit bekannt. Sieger des ersten Turniers war laut dem Magazin Black Belt Mike Stone. Unter den Teilnehmern waren auch Chuck Norris, Joe Lewis, Jim Kelly, Benny Urquidez und Bill Wallace. Die detaillierten Regeln des Turniers und offizielle Wettkampfregeln einer Kenpo-Organisation, der IKKA oder ihrer Nachfolger, haben wir nicht gefunden. Wertung, Kampfdauer und erlaubte Treffer bleiben daher unbelegt.
Heute
Parker ernannte bei seinem Tod im Dezember 1990 keinen Nachfolger in der Position des Senior Grandmaster. Seine höheren Schüler unterrichteten auf ihre Weise weiter, und es entstanden abgeleitete Stile. Jeff Speakman führt zum Beispiel Kenpo 5.0 als seine Anpassung des Systems an, das ihn Parker lehrte, ergänzt um den Bodenkampf. Einen einheitlichen standardisierten Lehrplan über die Schulen hinweg hat das amerikanische Kenpo nicht, zum Teil deshalb, weil sich Parkers Kunst mit der Zeit veränderte und einige Instruktoren vor seinen späteren Änderungen gingen. Eine gegenseitige Anerkennung der Grade zwischen den Organisationen haben wir nicht gefunden. Ed Parker Jr. beteiligte sich in den Jahren 1983–1991 an der Produktion von acht Ausgaben der International Karate Championships und veröffentlichte 1992 The Encyclopedia of Kenpo. Dass er die IKKA geleitet hätte, geben die Quellen nicht an. Das Wort kenpo tragen mehrere Kampfkünste, und in den USA wird es oft zum Namen Kenpo Karate verbunden. Eine eigene Linie führte auch William Kwai Sun Chow, der sein System kurz vor seinem Tod im Jahr 1987 in Kara-Ho Kempo umbenannte. Zu seinen Schülern gehörten auch Adriano und Joseph Emperado, die mit Kajukenbo in Verbindung gebracht werden.
Wissenswertes
Der bekannteste Schüler Parkers war Elvis Presley. Laut der Enzyklopädie Martial Arts of the World (ABC-CLIO, 2010) lernten sie sich 1960 nach Presleys Rückkehr aus der Armee im Health Club des Hotels Beverly Wilshire kennen, wo Parker Karate vorführte, während Peter Guralnick in der Biografie Careless Love (1999) die Vorführung in das Hotel Beverly Hills verlegt. Die Freundschaft dauerte bis zu Presleys Tod 1977. Presley erhielt laut der Enzyklopädie ehrenhalber den 7. Dan in Parkers Kenpo und ließ das IKKA-Logo auf einer Gitarre abbilden, einen 6. Dan hatte er auch im koreanischen System bei Kang Rhee aus Memphis. Der Weltverband für Karate gibt an, dass Parker Presley mit Henry Slomanski bekannt machte, der ihn weiter trainierte. Parker veröffentlichte 1978 das Buch Inside Elvis, und das Magazin Black Belt berichtete im Dezember 2002, dass Presley in den siebziger Jahren den Dokumentarfilm The New Gladiators mit Parker sponserte, der 32 Minuten Aufnahmen von Presley bei der Vorführung von Techniken in Memphis enthält.
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Das Magazin Time nannte Parker laut derselben Enzyklopädie im März 1961 den Hohepriester der schnell wachsenden Hollywood-Karatesekte, und Inside Kung-Fu bezeichnete ihn im Mai 1974 als Vater des amerikanischen Karate, weil er 1955 das erste kommerzielle Karatestudio in den USA eröffnet hatte. Parker spielte mehrere Rollen in den Pink-Panther-Filmen von Blake Edwards, seinem Schüler, und in der Folge Lucy and Viv Learn Judo der Serie I Love Lucy (25. Februar 1963) spielte er einen Eindringling. Laut der Enzyklopädie drehte er eine Vorführung von Bruce Lee aus Long Beach und zeigte sie dem Produzenten William Dozier, der Lee in der Serie The Green Hornet besetzte, während Linda Lee Cadwell angibt, dass Parker Lee im August 1964 zum Turnier einlud. Parkers internationale Meisterschaft in Long Beach hatte auf ihrem Höhepunkt 4500 Teilnehmer. Parker erhielt die Auszeichnung Black Belt Hall of Fame 1976, 1979 und 1990, von 1968 bis 1969 gab er das Magazin Action Karate heraus, das nach vier Ausgaben eingestellt wurde, und von 1982 bis 1987 veröffentlichte er das fünfbändige Infinite Insights into Kenpo.
Häufige Fragen
Was ist Kenpo Karate?
Kenpo Karate ist eine Kampfkunst, die in den USA von Ed Parker entwickelt und kodifiziert wurde und die er später American Kenpo Karate nannte. Das Wort kenpo bedeutet Faust und Methode und bezeichnet im Japanischen hauptsächlich Schlagsysteme chinesischen Ursprungs. Der Unterricht beruht auf benannten Selbstverteidigungssequenzen.
Wer war Ed Parker?
Ed Parker (Edmund Kealoha Parker, 1931–1990) stammte aus Honolulu, lernte fast sechs Jahre lang Kenpo bei William Chow und kodifizierte in den USA sein System als American Kenpo Karate. Er gründete die International Kenpo Karate Association und veranstaltete 1964 die ersten Long Beach International Karate Championships.
Was ist der Unterschied zwischen Kenpo und Karate?
Karate wurde laut Britannica auf Okinawa systematisiert, und Wettkampfkarate hat die Formate kata und kumite. Amerikanisches Kenpo entstand in den USA aus der hawaiianischen Linie von James Mitose und William Chow, das Wort kenpo verweist auf Schlagsysteme chinesischen Ursprungs, und der Unterricht beruht auf Selbstverteidigungssequenzen, nicht auf dem Wettkampf.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.