Shuri-te
首里手Historische Strömung des Okinawa-Karate aus der Königsstadt Shuri, verbunden mit Matsumura Sokon und Itosu Anko. Aus ihr gingen Kobayashi-ryu, Shorin-ryu und Japans Shotokan hervor.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Shuri-te
Über Shuri-te
Shuri-te ist eine der drei Linien, in die das Okinawa-Karate eingeteilt wird. Es ist nach Shuri benannt, der Hauptstadt des Ryukyu-Königreichs und dessen politischem und kulturellem Zentrum bis zur Abschaffung des Lehens 1879. Daneben werden Naha-te aus der Hafenstadt Naha und Tomari-te aus dem Hafen Tomari genannt. Das Kabinettsbüro (Okinawa-Politik) und der Okinawa-Verband für traditionelles Karate zählen als vierte Linie Uechi-ryu mit Wurzeln in Fujian.
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Laut dem Schulkarate-Handbuch der Präfektur Okinawa wurde die „chinesische Hand“ (tode) bis etwa Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Ort der Überlieferung benannt. Das Okinawa-Karate-Informationszentrum gibt dagegen an, die Bezeichnungen Shuri-te, Naha-te und Tomari-te seien erstmals 1927 bei einer Vorführung für den Judo-Gründer Kano Jigoro verwendet worden, veranstaltet von Miyagi Chojun und Mabuni Kenwa, und zwar „der Bequemlichkeit halber“. Wann die Einteilung entstand, darüber sind sich die Quellen also uneins. Shuri-te entwickelte sich unter den samure von Shuri, Menschen im Dienst der königlichen Regierung. Laut dem Historiker Kurima Yasuo, zitiert vom Informationszentrum, waren es unbewaffnete Zivilbeamte, keine japanischen Krieger, keine bushi. Als Erneuerer der Linie (chuko no so) bezeichnen Matsumura Sokon (1809–1899) sowohl die Präfektur als auch das Informationszentrum, das Kabinettsbüro nennt ihn Urvater, Ryukyu Shimpo Gründer. Matsumura diente als Beamter und Diplomat des Königreichs, nach der Überlieferung als Beschützer dreier Könige und Kampfkunstlehrer des Königs. Sein Schüler war Itosu Anko (1831–1915), der das Karate in die Schulen Okinawas brachte und die fünf kata pinan zusammenstellte. Aus Shuri-te gingen das Kobayashi-ryu von Chibana Choshin (benannt 1933), die Linie von Kyan Chotoku (Shorin-ryu, Shorinji-ryu) und über Funakoshi Gichin das japanische Shotokan hervor. Shuri-te hat keinen Gründer und kein Entstehungsjahr, keine Grade und keine eigene Organisation. Die heutigen Erhebungen der Präfektur ordnen die dojo Okinawas nach Schulen, nicht nach den drei Linien.
Geschichte
Shuri war vom 15. Jahrhundert bis zur Abschaffung des Lehens 1879 die Hauptstadt des Ryukyu-Königreichs und sein politisches und kulturelles Zentrum. Die Kampfkunst der dortigen samure, der Menschen im Dienst der königlichen Regierung, formten und entwickelten laut dem Schulkarate-Handbuch der Präfektur Sakugawa Kanga (1786–1867, das Kabinettsbüro nennt auch das Geburtsjahr 1782) und Matsumura Sokon (1809–1899, als Geburtsjahr wird auch 1800 genannt). Ob Sakugawa Matsumuras Lehrer war, ist unsicher: Sakugawas Biografie auf der Website des Kabinettsbüros (Okinawa-Politik) sagt es, Matsumuras Biografie auf derselben Website besagt, dass weder Sakugawa noch Makabe Choken als seine Lehrer bestätigt sind. Matsumura wirkte als Verwaltungsbeamter und Diplomat des Königreichs, nach der Überlieferung als Beschützer dreier aufeinanderfolgender Könige, ein solches Amt gab es in der Verwaltung des Königreichs jedoch nicht, vermutlich war es eine private oder zeitweilige Funktion. Im Alter lehrte er in der königlichen Villa in Shuri, zu seinen direkten Schülern zählte Motobu Choki, der in seinem Buch Watashi no tode-jutsu über ihn schrieb. Ryukyu Shimpo schreibt, Matsumura sei die bekannteste Gestalt des Karate, es gebe viele Legenden über ihn und wenige erhaltene historische Belege.
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Nach der Enzyklopädie Martial Arts of the World (Green 2001) führten Matsumuras Linie seine Schüler Itosu Anko, Asato Anko, Chibana Choshin und Kyan Chotoku weiter. Itosu (1831–1915) wurde in Shuri Yamakawa geboren, lernte bei Matsumura und tauschte Erfahrungen mit Sakiyama und Nagahama aus Naha und mit Matsumora aus Tomari aus. Funakoshi Gichin selbst schreibt in Karate-do kyohan jedoch, Itosu sei Schüler von Gusukuma gewesen und Asato Schüler von Matsumura. Im Oktober 1908 legte Itosu der Bildungsabteilung der Präfektur eine schriftliche Stellungnahme vor, bekannt als die zehn Artikel des Karate. Zu seinen führenden Schülern gehörten Yabu Kentsu, Funakoshi Gichin, Hanashiro Chomo, Kyan Chotoku, Chibana Choshin, Mabuni Kenwa und Shiroma Shimpan. Hanashiro schrieb den Namen Karate schon 1905 mit dem Zeichen für „leer“, offiziell änderte sich die Schreibweise von „chinesische Hand“ zu „leere Hand“ bei einem von Ryukyu Shimpo veranstalteten Treffen in Naha am 25. Oktober 1936. Schulnamen (ryuha) entstanden laut dem Schulkarate-Handbuch der Präfektur erst zu Beginn der Showa-Zeit, als budoka vom japanischen Festland danach fragten. Chibana Choshin eröffnete 1919 ein dojo in Shuri Toribori, nannte seine Linie 1933 Shorin-ryu (Kobayashi-ryu), um sie von anderen Schulen des Shuri-te abzugrenzen, und gründete 1948 den Okinawa-Kobayashi-ryu-Karatedo-Verband. Aus der Linie von Kyan Chotoku gingen Shorin-ryu, Chubu Shorin-ryu und Shorinji-ryu hervor, Soken Hohan nannte seine Schule Matsumura Shorin-ryu. Funakoshi, Schüler von Asato und Itosu, brachte Shuri-te nach Japan, 1924 entstand an der Keio-Universität der erste Universitätsklub für Karate weltweit, und laut Green trug Funakoshi 1933 zur Anerkennung des Karate durch den Dainippon Butokukai bei.
Was es unterscheidet
Aus den uns vorliegenden Quellen beschreibt nur die Enzyklopädie Martial Arts of the World (Green 2001) den Unterschied zwischen den drei Linien: Shuri-te nutze natürliche Stellungen für leichte, schnelle Bewegung, Naha-te die sanchin-Stellung und schwerere, langsamere Bewegung, und sie fügt selbst hinzu, dass dies eine Vereinfachung sei. Die offiziellen Quellen Okinawas (Präfektur, Kabinettsbüro (Okinawa-Politik) und Informationszentrum) kennzeichnen die Linien durch Ort und Personen, nicht durch Technik. Kyan Chotoku und Motobu Choki werden zugleich bei Shuri-te und Tomari-te geführt: Kyan lernte bei Matsumura und Itosu sowie bei Oyadomari Kokan aus Tomari, Motobu war direkter Schüler von Matsumura und Erbe von Matsumora Kosaku.
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Die Quellen gehen auch darin auseinander, wann die Einteilung entstand. Das Schulkarate-Handbuch der Präfektur sagt, tode habe man bis Ende des 19. Jahrhunderts so genannt, das Informationszentrum, die drei „te“ seien erstmals 1927 bei einer Vorführung für Kano Jigoro benannt worden. Auch Matsumuras Rolle wird verschieden beschrieben: Erneuerer (Präfektur, Informationszentrum), Urvater (Kabinettsbüro), Gründer (Ryukyu Shimpo). Funakoshis Einteilung der kata in Shorin und Shorei deckt sich nicht mit der Linie des Shuri-te, der Okinawa-Verband für traditionelles Karate nennt sogar Itosu als Vertreter des Shorei-ryu und Asato als Vertreter des Shorin-ryu, Itosus Stil sei zu sechs Zehnteln von Naha und zu vier von Shuri geprägt gewesen.
Technik
Nach der Enzyklopädie Martial Arts of the World (Green 2001) bilden die kata Chinto, Jion, Jitte, Kusanku, Naihanchi, Pinan, Passai, Rohai, Seisan, Useishi und Wansu den Kern des Shuri-te-Lehrplans, wobei Rohai und Wansu aus Tomari-te ins Shuri-System übernommen wurden. Dieselbe Enzyklopädie beschreibt Shuri-te als Stil natürlicher Stellungen und leichter, schneller Bewegung, im Gegensatz zur schwereren, langsameren Bewegung des Naha-te in der sanchin-Stellung, und fügt sofort hinzu, dass sanchin nicht die einzige Stellung des Naha-te ist und Übende beider Linien sich schnell wie langsam bewegen. Green behauptet auch, die Formen des Shuri-te seien aus einzelnen Techniken zu einem Ganzen gefügt, die kata des Naha-te dagegen auf buddhistischen Mudras aufgebaut, in japanischen Quellen haben wir diese Deutung jedoch nicht gefunden.
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Matsumuras Biografie auf der Website des Kabinettsbüros (Okinawa-Politik), gestützt auf das Buch von Motobu Choki, besagt, seine Methode habe Gewandtheit, die Analyse der kata (bunkai) und kumite betont. Itosus Spezialität war nach dem Okinawa-Verband für traditionelles Karate die kata Naihanchi, er lehrte, sie sei die Grundlage des Karate, und niemand kam ihm darin gleich. Bei der Einführung in die Schulen entfernte Itosu laut dem Schulkarate-Handbuch der Präfektur gefährliche Techniken aus den kata des Shuri-te, etwa Angriffe auf lebenswichtige Stellen, und schuf die fünf kata pinan von shodan bis godan. Funakoshi Gichin teilt die kata in Karate-do kyohan in zwei Gruppen: Zu Shorin-ryu zählt er Heian (pinan), Bassai, Kanku, Empi und Gankaku, also leichte und schnelle Formen, zu Shorei-ryu Tekki (Naihanchi), Jutte, Hangetsu und Jion. Diese Einteilung deckt sich nicht mit der Linie des Shuri-te, denn Naihanchi und Jion gehören beide zum Shuri-Lehrplan.
Training
Das Karate wurde in Shuri unter den samure weitergegeben, Menschen im Dienst der königlichen Regierung. Der Historiker Kurima Yasuo von der Internationalen Universität Okinawa, zitiert vom Okinawa-Karate-Informationszentrum, weist darauf hin, dass es unbewaffnete Zivilbeamte waren und der Begriff shizoku erst nach den Meiji-Reformen auftauchte, die samure Okinawas dürfe man daher nicht mit den japanischen Kriegern, den bushi, gleichsetzen. Matsumura unterrichtete im Alter Schüler in der königlichen Villa in Shuri.
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Einen Wendepunkt brachte Itosu Anko. Laut dem Okinawa-Verband für traditionelles Karate leitete er den Unterricht, als Karate im April 1901 erstmals in den Sportunterricht einer Grundschule aufgenommen wurde, und ab April 1905 lehrte er Karate an der ersten Mittelschule der Präfektur und an der Lehrerbildungsanstalt, wo er damals die kata pinan schuf. Das Schulkarate-Handbuch der Präfektur gibt an, er habe nach der Anpassung der Formen 1905 an der Mittelschule der Präfektur Karate als ordentliches Sportfach unterrichtet und 1908 der Bildungsabteilung die zehn Artikel des Karate vorgelegt. Die Dissertation von Abe Akiyuki (Universität Hokkaido, 2026) argumentiert dagegen, Karate sei an den Mittelschulen Okinawas von 1905 bis 1916 eine freiwillige AG gewesen, kein ordentliches Fach. An der Lehrerbildungsanstalt unterrichteten Karate auch Yabu Kentsu und Hanashiro Chomo, von dort führt der Weg zum Shotokan. Funakoshi Gichin schrieb später in Karate-do kyohan, Schulen und Stile des Karate unterschieden sich nach den Namen der Inhaber einzelner dojo, wie früher im Kendo und Judo, und die Auslegung variiere von Lehrer zu Lehrer.
Heute
Shuri-te lebt heute in Schulen fort, die sich zu ihm bekennen: Kobayashi-ryu (das Shorin-ryu von Chibana Choshin), Shorin-ryu und Shorinji-ryu aus der Linie von Kyan Chotoku, Matsumura Shorin-ryu von Soken Hohan und Matsubayashi-ryu von Nagamine Shoshin, das laut dem Okinawa-Karate-Informationszentrum Shuri-te und Tomari-te verbindet und im Namen das Zeichen „matsu“ beider Erneuerer trägt. Die Erhebung der Präfektur von 2022 (212 dojo) ordnet die dojo Okinawas nach Schulen: Goju-ryu 58, Kobayashi-ryu 55, Uechi-ryu 30, die Gruppe Shorin-ryu und verwandter Schulen 37, kobudo 19, übrige 13, nach den Linien Shuri, Naha und Tomari ordnet sie nicht. Die Erhebung der Abteilung für Karate-Förderung von 2017 zählte in der Präfektur etwa 400 dojo und über hundert Schulen und Zweige. Das Präfekturparlament erklärte am 29. März 2005 den 25. Oktober zum Tag des Karate, in Erinnerung an den Beschluss von 1936 über die Schreibweise „leere Hand“, und am 4. März 2017 eröffnete die Präfektur in der Stadt Tomigusuku die Okinawa Karate Kaikan, in der auch das Informationszentrum seinen Sitz hat. Der Okinawa-Verband für traditionelles Karate, eine Dachorganisation von 2008 unter dem Gouverneur der Präfektur, nennt Shuri-te als eine von vier Wurzellinien.
Wissenswertes
In der Okinawa Karate Kaikan hängt eine Kalligrafie, die laut dem Informationszentrum (mit Verweis auf Miyagi Tokumasa, Geschichte des Karate, 1987) Matsumura Sokon mit 76 Jahren schrieb. Er benutzte Künstlernamen, und sein Name Sokon wird mit zwei verschiedenen Zeichen geschrieben. Das Amt des „Beschützers an der Seite des Königs“, das Matsumura nach der Überlieferung bei drei Königen innehatte, gab es im Ämtersystem des Königreichs nicht. Der Beschluss des Präfekturparlaments zum Tag des Karate von 2005 besagt, Karate sei auf Okinawa vor etwa 700 Jahren entstanden und habe zunächst „ti“ geheißen, um 1400 bis 1500 seien die chinesischen Kampfkünste gekommen, und heute übten etwa 50 Millionen Menschen in 150 Ländern Karate. Laut dem Schulkarate-Handbuch der Präfektur durchlief der Name Karate die Folge te, kumiaijutsu, kenpo, tode, karate (chinesische Hand), karate (leere Hand) und karatedo, und auf dem Festland wird die Schreibweise „leere Hand“ seit 1929 allgemein verwendet, auf Okinawa seit 1936.
Häufige Fragen
Ist Shuri-te eine Karateschule?
Nein. Shuri-te ist eine der Linien, nach denen das Okinawa-Karate nach dem Ort der Entstehung eingeteilt wird, und hat keinen Gründer, kein Gründungsjahr und keine eigene Organisation. Als Erneuerer gilt laut der Präfektur Okinawa Matsumura Sokon, heute tragen es Schulen wie Kobayashi-ryu, Shorin-ryu oder Matsubayashi-ryu.
Welche Schulen gingen aus Shuri-te hervor?
Kobayashi-ryu von Chibana Choshin (benannt 1933), Shorin-ryu und Shorinji-ryu aus der Linie von Kyan Chotoku, Matsumura Shorin-ryu, Matsubayashi-ryu (zusammen mit Tomari-te) und über Funakoshi Gichin das japanische Shotokan.
Wer führte Karate an den Schulen Okinawas ein?
Itosu Anko. Laut dem Okinawa-Verband für traditionelles Karate leitete er den Unterricht, als Karate 1901 in den Sportunterricht der Grundschule aufgenommen wurde, ab 1905 lehrte er an der Mittelschule der Präfektur und an der Lehrerbildungsanstalt und schuf für den Unterricht die fünf kata pinan. Eine neuere Dissertation (Abe 2026) behauptet jedoch, an den Mittelschulen sei es eine freiwillige AG gewesen.
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