Gichin Funakoshi
船越義珍
Okinawanischer Lehrer, der 1922 Karate auf die japanische Hauptinsel brachte, Shotokan gründete und das Lehrbuch Karate-Do Kyohan (1935) schrieb.
Auf einen Blick
JapanBiografie
Gichin Funakoshi wurde am 10. November 1868 in Shuri auf Okinawa geboren und starb am 26. April 1957 in Tokyo im Alter von 88 Jahren. Er gilt als Begründer des Shotokan-Stils, den Namen wählte laut Wikipedia aber nicht er: Er entstand nach dem Schild Shoto-kan, das seine Schüler nach seinem Pseudonym Shoto über dem Saal aufhängten. Im Mai 1922 zeigte er Karate auf der Ausstellung für Budo und Körpererziehung des Bildungsministeriums in Tokyo und blieb dort, um zu unterrichten.
Sein erster Lehrer war Asato Anko, und um 1888 begann er auch bei Itosu Anko zu lernen. Weitere Lehrer, Matsumura Sokon und Arakaki Seisho, nennen manche Übersichten, einen unabhängigen Beleg haben wir aber nicht gefunden. Er trainierte die Stile Shorei-ryu und Shorin-ryu.
1930 gründete er die Dai-Nihon Karate-do Kenkyukai, die 1936 in Dai-Nippon Karate-do Shotokai umbenannt wurde. Das Dojo Shoto-kan im Tokyoter Stadtteil Zoshigaya wurde laut Shotokai am 29. Januar 1939 gebaut. Er änderte die Schreibweise des Wortes Karate von den Zeichen für „chinesische Hand“ zu denen für „leere Hand“ und formulierte die zwanzig Leitprinzipien des Karate (Niju Kun). Er schrieb die Bücher To-te Ryukyu Kenpo (1922) und Karate-Do Kyohan (1935, englische Übersetzung 1973). Zu seinen Schülern zählten Hidetaka Nishiyama und Masatoshi Nakayama. Masutatsu Oyama und Won Kuk Lee, der Begründer des Taekwondo, werden ebenfalls genannt, einen Beleg haben wir aber nicht gefunden.
Seit der Gründung der Japan Karate Association (JKA) 1949 war er ihr oberster Meister. Laut Richard Kim ist kein Dan-Grad Funakoshis belegt. Seine Autobiografie Karate-Do: My Way of Life erschien 1956 auf Japanisch und 1975 auf Englisch. Am 1. Dezember 1968 wurde ihm im Tempel Engaku-ji in Kamakura ein Denkmal enthüllt, und bei der Weltmeisterschaft der JKA wird der Funakoshi Gichin Cup verliehen.
Frühe Jahre
Gichin Funakoshi wurde am 10. November 1868 im Stadtteil Yamakawa von Shuri auf Okinawa geboren. Die JKA gibt an, die Familie sei samuraiischer Herkunft gewesen und ihre Vorfahren Vasallen des ryukyuischen Adels. Laut der Beschreibung seiner Autobiografie hieß der Vater Gisu, der ursprüngliche Familienname lautete Tominakoshi, und Gichin kam zu früh zur Welt.
Ab dem sechsten Lebensjahr lernte er laut einer Studie von Toshiro Oda von der Waseda-Universität vom Vater den Stockkampf, und um das zwölfte Lebensjahr begann er bei Asato Anko mit dem Karate-Training, zu dem er über die Freundschaft mit dessen Sohn kam. Die medizinische Schule konnte er trotz bestandener Aufnahmeprüfung nicht besuchen, weil die Familie nicht zuließ, dass er sich die traditionelle Frisur abschneiden ließ. Laut Wikipedia wurde er dann Hilfslehrer an einer Grundschule.
Ausbildung und Lehrer
Sein Hauptlehrer war Asato Anko, den er nach Funakoshis eigener Erzählung nachts zum Unterricht aufsuchte. Um 1888 begann er laut der Studie der Waseda-Universität auch bei Itosu Anko zu lernen, einem Mitschüler Asatos. Die Lehrer Matsumura Sokon und Arakaki Seisho nennen manche Übersichten, einen Beleg haben wir aber nicht gefunden.
Später leitete er auf Okinawa den Verein Okinawa Shobu-kai und unterrichtete laut Shotokai auch ausgewählte Matrosen der Yashiro-Flotte, die Marine übernahm das Karate jedoch nicht.
Beitrag und Neuerungen
Am 6. März 1921 bereitete er im Schloss Shuri eine Karate-Vorführung von Schülern für Kronprinz Hirohito vor, der auf dem Weg nach Europa durch Okinawa reiste. Im Mai 1922 zeigte er Karate auf der ersten Ausstellung für Budo und Körpererziehung des Bildungsministeriums in Tokyo und blieb in Tokyo, um zu unterrichten. Im selben Jahr veröffentlichte er das Buch Ryukyu Kempo Karate, das die JKA als erste umfassende Darstellung des Karate in Japan bezeichnet, 1925 laut Wikipedia das Buch Karate Jutsu und 1935 Karate-do Kyohan, 1973 auf Englisch erschienen.
Im April 1924 verlieh er die ersten Dan-Grade im Karate, laut Richard Kim an sieben Männer, darunter Otsuka, Gima und Tokuda. Im selben Jahr wurde er erster Karate-Instruktor des Karate-Clubs der Keio-Universität, des ersten universitären Karate-Clubs in Japan. 1930 gründete er den Verband Dai-nihon Karate-do Kenkyukai, der 1936 in Dai-nippon Karate-do Shoto-kai umbenannt wurde. Das Dojo Shoto-kan im Tokyoter Stadtteil Zoshigaya wurde am 29. Januar 1939 mit Hilfe seines Sohnes Gigo und seiner Schüler gebaut und brannte bei einem Luftangriff am 29. April 1945 nieder.
Philosophie und Prinzipien
Funakoshi fasste seine Auffassung des Karate in zwanzig Grundsätzen zusammen, Shoto Niju Kun, ursprünglich Karate Niju kajo genannt. Jeder beginnt mit dem Wort hitotsu, also eins, zum Zeichen, dass alle gleich wichtig sind. Der erste erinnert daran, dass Karate mit einem Gruß beginnt und endet, der zweite lautet karate ni sente nashi, im Karate gibt es keinen ersten Angriff. Die JKA gibt an, Funakoshi habe sie 1929 festgelegt, Wikipedia setzt den ersten Druck in Genwa Nakasones Buch Karate-do Taikan von 1938 an. Der Grundsatz zum ersten Angriff steht auch auf seinem Denkmal im Tempel Engaku-ji. Mit dem Jahr 1929 verbindet die JKA auch den Übergang zum Namen Karate-do.
Legenden und belegte Fakten
Das Jahr des ersten Shotokan-Dojo wird oft mit 1936 angegeben. Laut der offiziellen Chronologie der Shotokai und der JKA wurde das Dojo Shoto-kan am 29. Januar 1939 gebaut, das Jahr 1936 gehört zur Umbenennung des Verbands. Auch den Stilnamen wählte laut Wikipedia nicht Funakoshi: Er entstand aus dem Schild shoto-kan, das die Schüler nach seinem Pseudonym Shoto über dem Saal aufhängten.
Als erste öffentliche Karate-Vorführung in Japan gilt das Jahr 1922. SKIF nennt jedoch bereits 1917 eine Vorführung in Kyoto, und 1922 war die erste Vorführung mit Unterstützung des Bildungsministeriums. Uneinheitlich ist auch das Jahr der Änderung der Schreibweise des Wortes Karate: Die offizielle Chronologie der Shotokai nennt 1929, eine andere Website der Shotokai 1924.
Die verbreitete Angabe eines 5. Dan zu Lebzeiten und eines posthumen 10. Dan ist nicht belegt. Richard Kim schreibt, kein Dan-Grad Funakoshis sei belegt, mit ihm verbunden sei nur der Titel Renshi des Butoku-kai. Umstritten ist auch der Urheber der Taikyoku-Katas: Die Shotokai schreibt sie Funakoshi zu, Wikipedia seinem Sohn Gigo.
Vermächtnis
1949 gründeten seine Schüler die Japan Karate Association mit Funakoshi als oberstem Meister, und am 10. April 1957 erkannte das Bildungsministerium sie als juristische Person an. Funakoshi starb sechzehn Tage später, am 26. April 1957 in Tokyo, und zur Trauerfeier in der Halle Ryogoku Kokugikan kamen über zwanzigtausend Menschen. Nach seinem Tod spalteten sich die Schüler in JKA und Shotokai, der Hauptstreit drehte sich laut Wikipedia um Wettkämpfe.
Die Shotokai reorganisierte sich im April 1958 zur heutigen Nihon Karate-do Shoto-kai und enthüllte ihm laut Wikipedia am 1. Dezember 1968 ein Denkmal im Tempel Engaku-ji in Kamakura. Mitglieder der JKA besuchen es jedes Jahr am 29. April, dem Tag des Shoto-Festivals. Zum 130. Geburtstag wurde am 27. August 1998 im Sueyoshi-Park in Naze ein Baum der Dankbarkeit gepflanzt, und bei der Weltmeisterschaft der JKA wird der Funakoshi Gichin Cup verliehen.
Lehrer, Schüler und Familie
Assoziierte Kampfkünste
Karatestil aus dem Unterricht von Gichin Funakoshi in Tokyo, benannt nach seinem dojo. Er baut auf tiefen Stellungen, kihon und kata auf, gekämpft wird um Punkte mit kontrolliertem Treffer.
KarateGroßmeister→Okinawanische Schlagkunst, im 20. Jahrhundert zu japanischem Budo und olympischem Sport geformt. Sie ruht auf Kata sowie Hand- und Fußtechniken.
Kata und Formen
Werke und Quellen
Grade und Titel
- 10. danKarate · posthum
- 5. danKarate
Zitate
Die Kunst macht nicht den Menschen, der Mensch macht die Kunst.
Art does not make the man, the man makes art.
Zugeschrieben
Unter keinen Umständen darf Karate offensiv eingesetzt werden.
Whatever the circumstances, karate must not be used offensively.
Zugeschrieben