Shotokan
松濤館Karatestil aus dem Unterricht von Gichin Funakoshi in Tokyo, benannt nach seinem dojo. Er baut auf tiefen Stellungen, kihon und kata auf, gekämpft wird um Punkte mit kontrolliertem Treffer.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Vergleiche
Kataloge & Datenbanken für Shotokan
Über Shotokan
Shotokan ist ein Karatestil, der aus dem Unterricht von Gichin Funakoshi in Tokyo hervorging. Funakoshi stammte aus Shuri auf Okinawa, seine Lehrer waren Anko Asato und Anko Itosu. 1922 führte er Karate im Kodokan vor und blieb in Tokyo. Sein System benannte er nicht und nannte es schlicht Karate. Der Name Shotokan entstand aus seinem Pseudonym Shoto und dem Wort kan (Halle) auf dem Schild, das die Schüler über dem dojo aufhängten. Das Gründungsjahr des Stils konnten wir nicht belegen, das dojo Shotokan bestand nach den Quellen seit 1936 oder 1939.
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Die heutige Form prägte sein Sohn Gigo Funakoshi: tiefere und niedrigere Stellungen, kiba dachi und kokutsu dachi anstelle älterer Stellungen, die Tritte mawashi geri und yoko geri und freies Sparring. Die Japan Karate Association (JKA), 1949 gegründet (japanische Quellen nennen 1948), führte mit dem Chefinstruktor Masatoshi Nakayama kata und kumite als Wettkampfdisziplinen ein. Das Training besteht aus kihon, kata und kumite, von vereinbarten Folgen gohon und ippon kumite bis zum jiyu kumite mit kontrolliertem Kontakt. Der Lehrplan der JKA hat 27 kata, von Taikyoku Shodan und Heian Shodan bis Gojushiho Dai. Die JKA hat 10 kyu und 10 dan mit Mindestzeiten zwischen den dan, und Kinder unter zehn Jahren sparren nach ihr nicht. Eine einheitliche Organisation gibt es nicht. Von der JKA trennten sich unter anderem die ITKF (1974), die SKIF (1977), die JKS und die ISKF (2007), einen eigenen Zweig bildet das Shotokai. Gekämpft wird um Punkte mit Kontrolle des Treffers nach den Regeln der JKA und der ITKF und im Rahmen der WKF, deren Mitglied auch die JKA ist.
Geschichte
Gichin Funakoshi (1868–1957) stammte aus Shuri auf Okinawa, Karate lernte er bei Anko Asato und Anko Itosu. 1922 führte er auf Einladung von Jigoro Kano Karate im Kodokan vor und zog nach Tokio um. Sein System benannte er nicht und nannte es Karate. In den Jahren 1922 bis 1927 oder 1928 übte und assistierte bei ihm Hironori Otsuka, der spätere Gründer des Wado-ryu. Der Name entstand aus seinem Pseudonym Shoto (Kiefernwellen) und dem Wort kan (Halle) auf dem Schild, das die Schüler über dem dojo aufhängten. Der Verein Dai-Nihon Karate-do Kenkyukai von 1930 wurde 1936 in Shoto-kai umbenannt. Das dojo Shotokan eröffnete er nach den einen Quellen 1936 in Mejiro, nach japanischen 1939 in Zoshigaya. Die heutige Gestalt des Stils formte Funakoshis Sohn Gigo Funakoshi (1906–1945). Funakoshi lernte einige kata von Kenwa Mabuni und schickte Gigo zu ihm nach Osaka. Bei Gichin und Gigo übte Masutatsu Oyama, die Quellen setzen seinen Beginn auf 1943 oder 1946. Das Kyokushin übernahm aus dem Shotokan die nördlichen kata Taikyoku, Pinan, Kanku und Sushi, eine angepasste Version von Gojushi.
Was es unterscheidet
Shotokan gehört zu den vier Hauptstilen des Japanischen Karate-Verbands neben Goju-ryu, Shito-ryu und Wado-ryu, und von diesen vier Stilen geht auch die kata-Liste des Karate-Weltverbands aus. Die Website nippon.com beschreibt Shotokan als Stil mit direkter dynamischer Bewegung, Goju-ryu als Stil der Nahkampftechniken mit eigenem Atmen und Shito-ryu als Stil mit einer Sammlung von kata mehrerer Meister. Wado-ryu schuf Funakoshis Assistent Otsuka Hironori, der laut WIKF zu dem Schluss kam, dass sich das Okinawa-Karate zu sehr auf kata konzentriere, und Partnerübungen aus dem Jujutsu ergänzte. Bei kata-Wettbewerben werden laut dem japanischen Außenministerium 98 kata verwendet, die vier Stilen zugeordnet sind. Eine Fachstudie von 1858 kata, die in der Serie K1 Premier League gezeigt wurden, ermittelte einen Anteil von 44,7 % für Shotokan, 50,5 % für Shito-ryu, 4,7 % für Goju-ryu und keine kata aus Wado-ryu. Shotokan beruht laut Japan Karate Association auf drei Säulen, kihon, kata und kumite.
Technik
Shotokan baut auf tiefen langen Stellungen auf. Gigo Funakoshi vertiefte und senkte die Stellungen, ersetzte in den kata shiko dachi durch kiba dachi und neko ashi dachi durch kokutsu dachi und betonte die Schläge oi tsuki und gyaku tsuki. Ihm werden auch die Tritte mawashi geri, yoko geri kekomi und keage sowie ushiro geri kekomi zugeschrieben. Kokutsu dachi kommt in fast allen kata vor und wird zuerst in Heian Shodan gelernt, kiba dachi in Tekki. Die Prüfung der JKA zum 10. kyu enthält chudan chokuzuki, jodan ageuke, chudan sotouke und maegeri, zum 2. kyu kommt mawashigeri hinzu und zum 1. dan jodan mawashigeri im jiyu ippon kumite. Kata mit Waffe enthält die Liste von 26 kata der ITKF nicht.
Training
Das Training besteht aus kihon, kata und kumite. Das kumite schreitet von vereinbarten Folgen zum freien Kampf fort. Nach der Prüfungsordnung der JKA kommt gohon kumite ab dem 8. kyu, ippon kumite ab dem 6. kyu, jiyu ippon kumite, in dem sich der Verteidiger bewegt, ab dem 3. kyu und jiyu kumite auf die dan. Die Grundübungen sind Folgen von einem, drei oder fünf Angriffen mit Block und Gegenschlag am Ende. Freies Sparring mit kontrolliertem Kontakt förderte schon Gigo Funakoshi. Den Lehrplan von 27 kata legte für die JKA Masatoshi Nakayama fest, er führt von Taikyoku Shodan und fünf Heian bis Gojushi Dai. Die Quellen nennen 26, 27 oder 29 kata. Das okinawanische Pinan ist im Shotokan Heian und Chinto Gankaku. Hangetsu, die shotokanische Version der kata Seisan, nahm Funakoshi anstelle von Sanchin in den Lehrplan auf. Den Aufbau einer üblichen Stunde und die typische Häufigkeit des Trainings haben wir nicht gefunden.
Graduierungen und Fortschritt
Die JKA führt 10 kyu und 10 dan auf, ein Anfänger beginnt laut ihr beim 9. kyu. Die Prüfungen leiten Instruktoren mit der Berechtigung technical examiner, höhere dan beurteilt nur die Zentrale in Tokio. Die Mindestzeiten auf dem vorherigen dan gelten ab dem 1. April 2022: 1. und 2. dan nach einem Jahr, 3. dan nach zwei Jahren, 4. nach drei, 5. nach vier, 6. dan nach sechs Jahren. Für den 3. dan ist ein Alter von 18 Jahren erforderlich, für den 7. dan 50 und für den 8. dan 60. Zu den Prüfungen der JKA gehören Taikyoku Shodan für den 8. kyu, Heian Shodan bis Godan für den 7. bis 3. kyu, Tekki Shodan für den 2. kyu und Bassai Dai für den 1. kyu, für den 1. dan Bassai Dai, Kanku Dai und nach Wahl Enpi oder Jion. Funakoshis System von 1924 hatte weiße Gürtel für den 8. bis 4. kyu, braune für den 3. bis 1. kyu und schwarze ab dem 1. dan. Wer aus einer anderen Organisation wechselt, kann von der JKA einen niedrigeren dan erhalten.
Für wen
Die JKA bezeichnet Trainierende von 6 bis 18 Jahren als Kinder und Jugend und trennt sie seit 1983 bei Turnieren von den Erwachsenen. Sparring dürfen Kinder nach der JKA erst, wenn sie zehn Jahre alt sind. Bei der Meisterschaft der SKDUN 2025 treten Kinder von 10–11 Jahren in kata, kumite und jiyu ippon kumite an, der Kampf der Kinder und der Kategorie minicadets von 12–13 Jahren dauert 1:30, und für übermäßigen Kontakt droht eine Strafe. Schützer für Kinder bei der JKA, eine Studie an Kindern und eine Stellungnahme von Ärzten haben wir nicht gefunden. Die Übersicht von Swanson, Morrissey und Barragan (The Sport Journal, 2017) fasste sieben Turnierstudien zum Shotokan zusammen: Eine Verletzung trat im Durchschnitt in 20,5 % der Kämpfe auf (9–31,4 %), am häufigsten Kontusionen. Kandidaten der JKA für den 2. bis 7. dan über 60 Jahre zeigen jiyu kumite oder jiyu ippon kumite. Besondere Regeln für Frauen haben wir nicht gefunden.
Wettkampf
Gekämpft wird in kata und kumite um Punkte für einen kontrollierten Treffer. Kata und kumite als Wettkampfdisziplinen setzte Masatoshi Nakayama fest, die erste All Japan Karate Championship der JKA fand 1957 statt. Nach den Regeln der ITKF muss der Schlag innerhalb von 5 cm vom Kopf oder 3 cm vom Rumpf enden und der Tritt innerhalb von 10 oder 5 cm. Ein ippon für 8 Punkte beendet den Kampf, ein waza-ari gibt 4 Punkte. Verboten sind Greifen, Schieben, gefährliche Würfe und Treffer zu Augen, Kehle und Schritt. Die Meisterschaft der SKDUN 2025 verwendet die Formate ippon shobu und sanbon shobu, der Kampf der Erwachsenen dauert 2 Minuten, das Finale der Senioren 3 Minuten. Die JKA ist Mitglied der WKF, Karate war nur in Tokyo 2020 eine olympische Sportart.
Ausrüstung
Trainiert wird im keikogi mit Gürtel. Das System von kyu und dan sowie das keikogi übernahm Funakoshi 1924 von Kano Jigoro. Die Regeln der WKF, deren Mitglied die JKA ist, verlangen im kumite zugelassene Handschuhe in Rot und Blau, Zahnschutz, Körper-, Schienbein- und Fußschutz und bei Männern einen Tiefschutz. Die Ausrüstung, die die Wettkämpfe der JKA und der ITKF vorschreiben, haben wir nicht gefunden.
Philosophie
Funakoshi verfasste das Niju kun, zwanzig Grundsätze, die auf Bushido und Zen beruhen und Demut, Respekt, Geduld und Ruhe betonen. Auf Englisch erschienen sie 1975 als The Twenty Guiding Principles of Karate. Das dojo kun bilden fünf Grundsätze, die im dojo aushängen. Funakoshi wird der Ausspruch zugeschrieben, das letzte Ziel des Karate sei weder Sieg noch Niederlage, sondern die Veredelung des Charakters der Trainierenden. Funakoshi verkündete Karate ohne Teilung in Schulen. Shigeru Egami vom Shotokai nahm den sportlichen Kampf nie an, weil Wettkämpfe nach seiner Ansicht das Training und den Geist des Karate zu sehr verändern.
Heute
Die Japan Karate Federation erkennt vier Stile an: Goju-ryu, Shito-ryu, Shotokan und Wado-ryu. Eine einheitliche Organisation des Shotokan gibt es nicht. Die Japan Karate Association gründeten Schüler von Funakoshi nach Angaben der JKA im November 1948, andere Quellen nennen den 27. Mai 1949. Masatoshi Nakayama (1913–1987) wurde 1958 Hauptinstruktor. Im Jahr 1956 richtete sie das Programm kenshusei zur Ausbildung von Instruktoren ein. Hidetaka Nishiyama schied 1974 aus und leitete die ITKF. 1977 entstand eine Organisation mit Hirokazu Kanazawa als Hauptinstruktor, das heutige SKIF. Nach Nakayamas Tod spaltete sich die JKA. Der Streit endete am 10. Juni 1999 mit einer Entscheidung des japanischen Obersten Gerichts, und die Gruppe von Asai gründete unter anderem die JKS. Die ISKF wurde 2007 selbstständig. Ein eigenständiger Zweig ist Shotokai, den Motonobu Hironishi und Shigeru Egami leiteten.
Wissenswertes
Funakoshi Gichin wurde am 10. November 1868 in Yamakawa in Shuri in eine Familie geboren, die dem Adel des Königreichs Ryukyu diente. Im Jahr 1922 führte er Karate bei der ersten Sportausstellung des Bildungsministeriums vor und gab im selben Jahr das Buch Ryukyu Kempo Karate heraus. Unter dem Einfluss des Zen änderte er das erste Zeichen des Wortes Karate vom chinesischen in das Zeichen für leer und benannte 1929 karate-jutsu in karate-do um. Das erste Zertifikat über einen dan-Grad stellte er im April 1924 aus. Das Shotokan-dojo ließ er auf eigene Kosten errichten, im Krieg wurde es bei Luftangriffen zerstört. Funakoshi starb am 26. April 1957, sechzehn Tage nachdem das Bildungsministerium die JKA als juristische Person anerkannt hatte, und zur Gedenkveranstaltung in der Halle Ryogoku Kokugikan kamen über 20 000 Menschen. Im Oktober desselben Jahres richtete die JKA die ersten Japanmeisterschaften aus, nach eigener Angabe das erste Turnier mit Kampfregeln in der Geschichte des Karate. Der zweite von Funakoshis zwanzig Grundsätzen lautet, dass es im Karate keinen ersten Angriff gibt.
Häufige Fragen
Was ist Shotokan?
Shotokan ist ein Karatestil, den Funakoshi Gichin von Okinawa nach Japan brachte. Laut Japan Karate Association legt er den Schwerpunkt auf kihon, kata und kumite und gehört zu den vier Hauptstilen der Japanischen Karate-Föderation.
Was bedeutet Shotokan?
Shoto war der Künstlername von Funakoshi Gichin aus Poesie und Kalligrafie und bedeutet Kiefernwellen. Kan bedeutet Halle, der Name bedeutet also Shotos Halle. Das Dojo benannten so Funakoshis Schüler.
Welche Grade gibt es im Shotokan?
Die Japan Karate Association nennt zehn Schülergrade kyu und zehn Meistergrade dan. Ein Anfänger beginnt beim 9. kyu, Prüfungen können nach drei bis vier Monaten stattfinden. Für den 1. dan sind mindestens drei Jahre Training nötig, für den 3. dan ein Alter von 18 Jahren und für den 8. dan von 60 Jahren.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.