Naha-te
那覇手Historische Strömung des Okinawa-Karate aus der Hafenstadt Naha, verbunden mit Higaonna Kanryo und dessen Schüler Miyagi Chojun. Aus ihr ging Goju-ryu hervor, daneben wird Ryuei-ryu geführt.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Naha-te
Über Naha-te
Naha-te ist eine der Linien, in die sich das Okinawa-Karate gliedert, benannt nach Naha, seit jeher Handelshafen des Königreichs Ryukyu mit Verbindungen nach Fuzhou und heute Hauptstadt der Präfektur. Das Präfekturhandbuch für Schulkarate verortet sie im Stadtteil Nishimachi und in der Umgebung von Kume und Izumizaki. Das Dorf Kume war laut Kabinettsbüro (Okinawa-Politik) eine Siedlung chinesischer Einwanderer aus Fuzhou, und das Handbuch nennt als Theorie, dass dort von 1372 bis 1879 eine Berufsgruppe namens sechsunddreißig Familien aus Fujian lebte und auch den chinesischen Faustkampf mitbrachte.
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Laut dem Okinawa-Verband für traditionelles Karate sprach man von Naha-te erst unter Higaonna Kanryo (1853–1915), der bei Arakaki Seisho (1840–1920) und in Fuzhou bei einem als Ru Ru Ko bekannten Lehrer lernte. Die Präfektur, der Verband und das Okinawa-Karate-Informationszentrum bezeichnen Higaonna als Erneuerer der Linie (chuko no so), nicht als Gründer. Sein Karate setzte sich über Miyagi Chojun (1888–1953) als Goju-ryu fort, 1930 benannt und laut Informationszentrum der älteste Name einer Karateschule. Daneben wurde in der Familie Nakaima gesondert Ryuei-ryu überliefert, ebenfalls von Ru Ru Ko abgeleitet, und Kyoda Juhatsu nannte seine Linie Higaonna-ryu. Uechi-ryu führen Kabinettsbüro, Verband und Informationszentrum als eigenständige vierte Linie mit Wurzeln in Fujian, nicht als Teil von Naha-te. Die Quellen gehen auseinander bei der Dauer von Higaonnas Aufenthalt in China (fünfzehn Jahre, drei Jahre oder ein Jahr und vier Monate), beim Todesjahr (1915, auf dem Denkmal 1917) und dabei, wann die Gliederung in drei Linien entstand. Naha-te als schwerere, langsamere Bewegung im Stand sanchin mit Betonung des Atems beschreibt aus den uns vorliegenden Quellen nur die Enzyklopädie Martial Arts of the World, die offiziellen okinawanischen Quellen beschreiben die Linie nicht technisch.
Geschichte
Naha war einst ein Handelshafen mit China, den südlichen Ländern und dem japanischen Festland, und der Okinawa-Verband für traditionelles Karate erinnert an seinen älteren Namen Ukishima. Im Dorf Kume lebten Familien aus Fujian, das Präfekturhandbuch nennt die Theorie, dass es sechsunddreißig waren und sie von 1372 bis 1879 mit China verbundene Ämter innehatten. Der Verband ergänzt, einige von ihnen hätten den chinesischen Faustkampf beherrscht, der Naha-te später angeblich stark beeinflusst habe.
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Higaonna Kanryo wurde laut Kabinettsbüro (Okinawa-Politik) am 17. April 1853 (der Verband nennt den 10. März des sechsten Jahres der Kaei-Ära) als vierter Sohn eines Brennholzhändlers im Stadtteil Nishimura von Naha geboren. Ab etwa siebzehn Jahren lernte er bei Arakaki Seisho. Nach China reiste er laut Kabinettsbüro 1874, laut Verband um 1875 auf einem Schmugglerschiff mit einem Empfehlungsschreiben, und 1877 kehrte er auf einem Schiff mit Schiffbrüchigen zurück, was der Verband durch einen Beleg der Behörden der Qing-Dynastie vom 21. Oktober 1877 und das Zeugnis von Higaonnas Enkel über einen dreijährigen Aufenthalt untermauert. Das Kabinettsbüro selbst vermerkt, dass die Aufenthaltsdauer in den Quellen unterschiedlich angegeben wird (fünfzehn Jahre, drei Jahre, ein Jahr und vier Monate), und die Enzyklopädie Martial Arts of the World (Green 2001) nennt eine Abreise um 1867, vierzehn Jahre und eine Rückkehr 1881. In Fuzhou war Higaonna Schüler des als Ru Ru Ko bekannten Meisters, den der Verband mit Xie Chongxiang (1852–1930) gleichsetzt und von Grundlagen des Kranichstils spricht, während das Kabinettsbüro mehrere Theorien zu seiner Identität anführt. Higaonna starb 1915 an verschlimmertem Asthma, das gemeinsame Denkmal mit Miyagi im Matsuyama-Park in Naha nennt 1917. Um 1902 und 1903 begannen bei Higaonna Kyoda Juhatsu (1887–1968) und Miyagi Chojun (1888–1953) zu lernen. Miyagis Schüler Shinzato Jinan führte im November 1930 bei einem Kata-Turnier am Meiji-Schrein die kata sanchin vor und wurde nach dem Namen der Schule gefragt, Miyagi nannte sie daraufhin Goju-ryu nach einem der acht Verse über das Wesen der Faust aus dem okinawanischen Manuskript Bubishi. Green verlegt dieses Ereignis auf die gesamtjapanische Kampfkunstvorführung am 5. Mai 1930 in Tokio und fügt hinzu, Miyagi habe den Namen 1933 der Dainippon Butokukai gemeldet. Kyoda, langjähriger Lehrer in Beppu in der Präfektur Oita, nannte seine Linie Higaonna-ryu. Ryuei-ryu, eine eigene Linie von Ru Ru Ko, die in der Familie Nakaima an einen einzigen Nachfolger weitergegeben wurde, benannte um 1944 Nakaima Kenko (1911–1989) und öffnete sie laut Ryukyu Shimpo 1970 weiteren Schülern.
Was es unterscheidet
Die offiziellen okinawanischen Quellen, das Kabinettsbüro (Okinawa-Politik), das Präfekturhandbuch, der Okinawa-Verband für traditionelles Karate und das Informationszentrum, unterscheiden Naha-te von Shuri-te und Tomari-te nach Ort und Personen. Einen technischen Unterschied beschreibt aus den uns vorliegenden Quellen nur die Enzyklopädie Martial Arts of the World: Shuri-te mit natürlichen Ständen und leichter, schneller Bewegung, Naha-te mit dem Stand sanchin und schwererer, langsamerer Bewegung, und sie relativiert das selbst. Die Gleichsetzung von Naha-te mit dem Begriff Shorei-ryu nennen Green und der Verband nur als informell, Funakoshi selbst ordnet dem Shorei die kata Tekki und Jion aus dem Lehrplan des Shuri-te zu, und der Verband bezeichnet Itosu aus Shuri als Vertreter des Shorei-ryu.
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Uechi-ryu führen alle offiziellen Quellen als eigenständige vierte Linie mit Wurzeln in Fujian, die Schultabelle der Präfektur bezeichnet Goju-ryu als Naha-te, Uechi-ryu ohne Angabe einer Linie. Uechi Kanbun (1877–1948) lernte laut Verband dreizehn Jahre in Fuzhou bei Zhou Zihe, kehrte 1909 zurück, eröffnete 1926 in Wakayama das dojo Pangainoon-ryu und benannte es 1940 in Uechi-ryu um, das Informationszentrum setzt die Eröffnung auf 1932, Green die Rückkehr auf 1907. Schulen, die Naha-te mit einer anderen Linie verbinden, gibt es: Isshin-ryu nahm laut Informationszentrum Einflüsse von Naha-te und Shuri-te auf, und Gohaku-kai (Okinawa Goju-ryu und Tomari-te Karatedo Association) erbt Naha-te und Tomari-te.
Technik
Laut dem Okinawa-Verband für traditionelles Karate lernte Higaonna in Fuzhou die Grundlagen des Kranichfaustkampfstils und unterrichtete nach seiner Rückkehr als Grundlage die kata sanchin zusammen mit der kata Peichurin, etwa um 1889 den Sohn einer der Fürstenfamilien. Die Enzyklopädie Martial Arts of the World (Green 2001) gibt an, Higaonna habe neun kata ohne Waffe aus Fuzhou mitgebracht, nennt aber acht: Sanchin, Saifa, Seiyunchin, Shisochin, Seipai, Kururunfa, Seisan und Suparinpei, und diese kata bilden den Kern von Naha-te. Green schreibt weiter, Higaonna habe von 1905 bis 1915 auf Einladung des Direktors Kabayama Junichi an der Handelsschule von Naha sanchin, die Übung kakie und vereinbartes kumite (yakusoku kumite) unterrichtet.
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Der Verband führt als kata des heutigen Goju-ryu Sanchin, Tensho, Gekisai dai ichi und dai ni, Saifa, Seiyunchin, Shisochin, Sanseru, Seipai, Kururunfa, Seisan und Suparinpei an. Green charakterisiert Naha-te durch den Stand sanchin und schwerere, langsamere Bewegung, fügt hinzu, dass sanchin nicht der einzige Stand ist, und behauptet, die kata von Naha-te beruhten auf buddhistischen Mudras: Sanchin stelle den Übenden in die Vajra-Mudra (kongo) und verbinde Atemmuster mit geistiger Übung. Diese Deutung haben wir in den offiziellen okinawanischen Quellen nicht gefunden. Funakoshi Gichin ordnet in Karate-do kyohan dem kraftbetonten Shorei-ryu die kata Tekki, Jutte, Hangetsu und Jion zu, sanchin und Naha-te erwähnt er in dieser Einteilung nicht.
Training
Higaonna unterrichtete laut der Enzyklopädie Martial Arts of the World (Green 2001) nur ausgewählte Schüler, die guten Charakter bewiesen hatten, und bestimmte Miyagi zu seinem Nachfolger. Miyagi Chojun, geboren am 25. April 1888 im Stadtteil Higashimachi von Naha, wurde mit vierzehn Jahren sein Schüler. Green fügt hinzu, dass ihn der Tomari-te-Lehrer Arakaki Ryuko zu Higaonna brachte, dass er zuerst sanchin lernte und als seine kata (tokui-gata) Suparinpei erhielt und dass er 1915 und erneut zwischen 1920 und 1930 nach Fuzhou reiste. Das Präfekturhandbuch gibt an, Miyagi habe 1934 auf Einladung auf Hawaii unterrichtet, der Okinawa-Verband für traditionelles Karate setzt die Einladung der hawaiianischen Zeitung Yoko Jiho auf April 1939. Schulunterricht verbinden die Quellen mit Naha seit 1905, als Higaonna laut Green an der Handelsschule Aufwärmübungen, sanchin, kakie und vereinbartes kumite zu unterrichten begann. Zu Miyagis führenden Schülern zählt der Verband Higa Seiko (1898–1966) und Shinzato Jinan (1901–1945). Kyoda Juhatsu (1887–1968), der zweite von Higaonnas Schülern aus den Jahren 1902 und 1903, unterrichtete lange in Beppu in der Präfektur Oita und nannte seine Linie Higaonna-ryu. Ryuei-ryu wurde in der Familie Nakaima an einen einzigen Nachfolger weitergegeben und laut Ryukyu Shimpo erst 1970 unter dem vierten Oberhaupt Nakaima Kenko weiteren Schülern geöffnet.
Heute
Naha-te setzt sich heute im Goju-ryu fort, der zahlenmäßig größten Schule Okinawas: Die Präfekturerhebung von 2022 zählte unter 212 dojo 58 dojo des Goju-ryu, dazu 55 Kobayashi-ryu, 30 Uechi-ryu und 37 Schulen der Gruppe Shorin-ryu, nach den Linien Shuri, Naha und Tomari ordnet sie die dojo nicht. Neben Goju-ryu bekennen sich zu Naha-te Ryuei-ryu, das Ryukyu Shimpo als aus Naha-te hervorgegangene Linie beschreibt, Higaonna-ryu von Kyoda Juhatsu in Beppu und Gohaku-kai, das Naha-te mit Tomari-te verbindet. Der Okinawa-Verband für traditionelles Karate, 2008 als einheitliche Organisation des okinawanischen Karate unter dem Präfekturgouverneur gegründet, nennt unter den heutigen Schulen Goju-ryu, Uechi-ryu, Gohaku-ryu, Ryuei-ryu, Kobayashi-ryu, Shorin-ryu, Matsubayashi-ryu, Shorinji-ryu, Isshin-ryu und Motobu-ryu. An Higaonna und Miyagi erinnert ein Denkmal im Matsuyama-Park in Naha gegenüber dem Garten Fukushuen. Die Präfektur eröffnete am 4. März 2017 in Tomigusuku das Okinawa Karate Kaikan und feiert seit 2005 den 25. Oktober als Tag des Karate.
Wissenswertes
Der Name Goju-ryu entstand laut dem Okinawa-Karate-Informationszentrum aus einem der acht Verse über das Wesen der Faust im okinawanischen Manuskript Bubishi, als Shinzato Jinan nach der Vorführung am Meiji-Schrein im November 1930 nach dem Namen seiner Schule gefragt wurde, und ist der älteste Name einer Karateschule. Higaonnas Todesjahr unterscheidet sich je nach Quelle: Kabinettsbüro, Präfektur und Verband nennen 1915, das Denkmal im Matsuyama-Park 1917. Sein Aufenthalt in Fuzhou wird mit fünfzehn Jahren, drei Jahren oder einem Jahr und vier Monaten angegeben. Laut Verband gelangte Higaonna auf einem Schmugglerschiff nach Fuzhou und auf einem Schiff mit Schiffbrüchigen zurück, was ein amtlicher Beleg der Qing-Dynastie bezeugt. Green gibt an, Higaonna habe neun kata mitgebracht, nenne aber nur acht. Die Präfektur datiert Miyagis Reise nach Hawaii auf 1934, der Verband auf 1939.
Häufige Fragen
Ist Naha-te dasselbe wie Goju-ryu?
Nein. Naha-te ist eine ältere Linie des Okinawa-Karate aus der Stadt Naha, Goju-ryu ist die Schule, die Miyagi Chojun, ein Schüler von Higaonna Kanryo, daraus schuf und 1930 benannte. Aus Naha-te geht auch Higaonna-ryu von Kyoda Juhatsu hervor, Ryuei-ryu der Familie Nakaima führt der präfekturale Leitfaden für Schulkarate als eigene Linie von Ru Ru Ko.
Gehört Uechi-ryu zu Naha-te?
Laut Kabinettsbüro (Okinawa-Politik), Okinawa-Verband für traditionelles Karate und Okinawa-Karate-Informationszentrum nicht: Uechi-ryu wird als eigenständige vierte Linie mit Wurzeln in Fujian geführt, die Uechi Kanbun unabhängig von Higaonna aus Fuzhou mitbrachte.
Wer war Higaonna Kanryo?
Der Erneuerer von Naha-te (1853–1915), Sohn eines Brennholzhändlers aus Naha, der bei Arakaki Seisho und in Fuzhou bei dem als Ru Ru Ko bekannten Meister lernte. Nach seiner Rückkehr 1877 unterrichtete er als Grundlage die kata sanchin, zu seinen Schülern zählten Miyagi Chojun und Kyoda Juhatsu.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.