Tomari-te
泊手Historische Linie des Okinawa-Karate vom Hafen Tomari, heute Teil Nahas. Als Erneuerer gilt Matsumora Kosaku, heute berufen sich Matsubayashi-ryu, Shorin-ryu-Schulen und Gohaku-kai auf ihn.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Tomari-te
Über Tomari-te
Tomari-te ist eine von drei Linien des Okinawa-Karate und nach Tomari benannt, einst Handelshafen der königlichen Regierung von Shuri und heute Teil der Stadt Naha. Laut dem Okinawa-Karate-Informationszentrum luden Fremde ihre Waren auf dem Gelände des Seigenji-Tempels aus, gelegentlich liefen chinesische und koreanische Handelsschiffe auf Grund, und die Einheimischen übernahmen die Kampfkunst angeblich von Kämpfern unter den Schiffbrüchigen, so entstand das eigenständige Tomari-te, verschieden von Shuri und Naha. Auch Funakoshi Gichin hielt die Überlieferung von einem Lehrer aus Südchina fest, der auf Okinawa an Land ging und Männer aus Tomari unterrichtete.
Weiterlesen
Laut dem Zentrum und dem Okinawa-Verband für traditionelles Karate beginnt die Linie bei Teruya Kishin (1804–1864) und Uku Karyu (1800–1850), die das Kabinettsbüro (Okinawa-Politik) als Urheber bezeichnet. Als Erneuerer (chuko no so) gilt ihr Schüler Matsumora Kosaku (1829–1898), ältester Sohn einer adligen Familie aus Tomari, der nach Teruya den Unterricht übernahm und Tomari-te so weit brachte, dass man es neben Shuri-te und Naha-te nannte. Mit Oyadomari Kokan und einem Meister aus der Familie Yamada bildete er „die drei Großen von Tomari“. Sein Karate übernahmen Motobu Choki, Kyan Chotoku und Iha, von dem die Linie zu Nakasone (1893–1983) führt, dem einzigen Nachfolger, der lange Schüler ablehnte, weshalb man Tomari-te die „Phantom-Hand“ nannte. Die Quellen sind sich über das Schicksal der Linie nicht einig. Die Enzyklopädie Martial Arts of the World schreibt, Shuri-te habe Tomari-te aufgesogen. Die Präfektur, das Kabinettsbüro und das Zentrum geben an, dass daraus Matsubayashi-ryu hervorging und dass es die Shorin-ryu-Schulen stark beeinflusste. Eine technische Charakteristik von Tomari-te haben wir in den offiziellen Quellen nicht gefunden. Grade oder eine eigene Organisation konnten wir für Tomari-te in den Quellen nicht belegen.
Geschichte
Tomari lag an der Küste bei Naha und diente als Handelshafen der königlichen Regierung von Shuri. Laut dem Okinawa-Karate-Informationszentrum luden Fremde ihre Waren auf dem Gelände des Seigenji-Tempels aus, gelegentlich strandeten chinesische und koreanische Handelsschiffe am Ufer, und von Kämpfern unter den Schiffbrüchigen übernahmen die Einheimischen angeblich die Kampfkunst, aus der das eigenständige Tomari-te hervorging. Funakoshi Gichin hielt im Karate-do kyohan die mündliche Überlieferung fest, dass der Lehrer von Gusukuma, Kanagusuku, Matsumura, Oyadomari, Yamada, Nakazato, Yamazato und Toguchi, allesamt aus Tomari, ein auf Okinawa gestrandeter Chinese aus dem Süden war. Die Enzyklopädie Martial Arts of the World (Green 2001) ergänzt, er stamme aus Annan, was der Bezirk Fuzhou oder ein alter Name für Vietnam sein könne. Die Biografie Matsumoras auf der Website des Kabinettsbüros (Okinawa-Politik) besagt, er habe bei einem Chinesen gelernt, der in der Kaminuya-Höhle am Strand von Tomari lebte.
Weiterlesen
Laut dem Zentrum und dem Okinawa-Verband für traditionelles Karate beginnt Tomari-te bei Teruya Kishin (1804–1864) und Uku Karyu (1800–1850), die das Kabinettsbüro als Urheber der Linie bezeichnet. Matsumora Kosaku wurde 1829 in Tomari als ältester Sohn des Adligen Matsumora Koten aus Tomari geboren, lernte zuerst bei Uku und dann bei Teruya, von dem er den Unterricht übernahm, und beherrschte die meisten Kata des Tomari-te, darunter Passai und Wanshu. Teruya unterrichtete ihn laut dem Verband abgeschieden im Friedhofshof am Seigenji-Tempel in Kata und Drehtechniken und prägte ihm den Grundsatz „Im Karate gibt es keinen ersten Schlag“ und fünf Tugenden ein. Matsumora starb im November 1898, das Kabinettsbüro nennt ein Alter von 69 Jahren, der Verband 70. Mit Oyadomari Kokan (1827–1905) und einem Meister aus der Familie Yamada (1835–1905) nannte man ihn einen der „drei Großen von Tomari“: Oyadomari tat sich in der Fußarbeit hervor, Yamada in der Abhärtung des Körpers. Matsumoras Kunst ging auf Motobu Choki, Kyan Chotoku und Iha (1873–1928) über, von Iha auf Nakasone (1893–1983). Kyan Chotoku (1870–1945) lernte bei Matsumura und Itosu aus Shuri sowie bei Oyadomari aus Tomari, das Zentrum bringt ihn mit beiden Linien in Verbindung. Nagamine Shoshin (1907–1997), laut Green Schüler von Kyan, Motobu Choki und Arakaki Ankichi, nannte seine Schule 1947 Matsubayashi-ryu nach dem Zeichen „matsu“ in den Namen beider Erneuerer, Matsumura und Matsumora. Nakasone, der einzige Erbe der Linie Matsumoras, lehnte lange Schüler ab, weshalb man Tomari-te laut dem Verband „Phantom-Hand“ nannte und seine Geschichte eine Lücke hat. Öffentlich zeigte er es erst am 26. November 1961 bei der ersten Kobudo-Vorführung Okinawas im Theater von Naha, und 1976 übergab er seinem ersten Schüler die Dojo-Tafel Matsumora-ha Shoshinkan.
Was es unterscheidet
Die Quellen gehen darüber auseinander, was aus Tomari-te wurde. Die Enzyklopädie Martial Arts of the World (Green 2001) schreibt, Tomari-te sei ursprünglich als eigenes System anerkannt gewesen, später aber vom Shuri-te aufgesogen worden, besonders in der Form, die Itosu übte. Das Präfektur-Handbuch für Schulkarate, das Kabinettsbüro (Okinawa-Politik) und das Okinawa-Karate-Informationszentrum geben dagegen an, dass aus Tomari-te das Matsubayashi-ryu hervorging und es die Shorin-ryu-Schulen stark beeinflusste, und der Okinawa-Verband für traditionelles Karate spricht von der „Phantom-Hand“, der nach Nakasone das Aussterben drohte. Zwei führende Meister erscheinen bei Tomari-te wie bei Shuri-te: Kyan Chotoku lernte bei Matsumura, Itosu und Oyadomari, Motobu Choki war direkter Schüler Matsumuras und Erbe Matsumoras. Während sich Shuri-te unter den Beamten des königlichen Hofes entwickelte und Naha-te im Hafen mit dem chinesischen Viertel Kume, bringen die Quellen Tomari-te mit Schiffbrüchigen im Handelshafen in Verbindung. Einen technischen Unterschied zu Shuri-te und Naha-te beschreiben die offiziellen Quellen nicht, nur ein Webartikel des Instruktors Matsubara Natsuho von 2020, eine Quelle ohne Verweise, ordnet Tomari-te „zwischen Shuri-te und Naha-te“ ein.
Technik
Laut der Biografie auf der Website des Kabinettsbüros (Okinawa-Politik) lernte Matsumora die meisten Kata des Tomari-te, darunter Passai und Wanshu, seine erste Grundkata war Naihanchi. Die Enzyklopädie Martial Arts of the World (Green 2001) gibt an, dass Rohai und Wansu aus dem Tomari-te in den Lehrplan von Shuri übernommen wurden, während sie Chinto, Passai und Kusanku ohne Bezug zu Tomari dem Shuri-te zuordnet. Der Okinawa-Verband für traditionelles Karate nennt unter den Kata des Matsubayashi-ryu, das Shuri-te und Tomari-te verbindet, Tomari Passai, Wankan, Rohai, Wanshu, Chinto, Useishi und Kushanku von Chatan Yara, das ist aber eine Liste der Kata der Schule und kein Beleg, dass alle aus Tomari stammen. Eine Verbindung der Kata Chinto mit dem chinesischen Schiffbrüchigen haben wir in den Quellen nicht gefunden. Funakoshi und Green überliefern die Tradition vom Schiffbrüchigen, verknüpfen den Namen der Kata aber nicht mit ihm. Der Verband beschreibt Matsumora als Meister des Faustschlags und Teruyas Unterricht als Kata und Techniken der Drehungen und Wechsel, die für den echten Kampf nötig sind. Eine Charakteristik des Tomari-te als Ganzes, etwa die Behauptung, es sei geschmeidiger oder stehe zwischen Shuri-te und Naha-te, haben wir in den Quellen der Präfektur, des Kabinettsbüros und der Enzyklopädie nicht gefunden.
Training
Tomari-te wurde unter den Shizoku von Tomari weitergegeben, das Kabinettsbüro (Okinawa-Politik) nennt Oyadomari Kokan, Yamada und Matsumora Kosaku. Teruya Kishin verlegte Matsumoras Training laut dem Okinawa-Verband für traditionelles Karate auf den abgelegenen Friedhofshof am Seigenji-Tempel und lehrte ihn Kata und Drehtechniken, Zurückhaltung, den Grundsatz „Im Karate gibt es keinen ersten Schlag“ und fünf Tugenden. Matsumora führte seine Schüler laut dem Verband zu eigenem Denken. Sein Karate übernahmen Motobu Choki, Kyan Chotoku und Iha, aus Ihas Linie gingen Nakasone und Kuba hervor. Nakasone lehnte als einziger Nachfolger lange Schüler ab, zeigte Tomari-te erst 1961 öffentlich und übergab 1976 seinem ersten Schüler die Dojo-Tafel Matsumora-ha Shoshinkan. Kyan Chotoku lehrte außerhalb von Tomari, sein Denkmal steht seit 1999 in Kadena, und Nagamine Shoshin verband Tomari-te mit Shuri-te im Matsubayashi-ryu (1947). Grade im Tomari-te nennen die Quellen nicht.
Heute
Zum Tomari-te bekennen sich heute mehrere Schulen. Das Matsubayashi-ryu Nagamine Shoshins verbindet laut dem Okinawa-Karate-Informationszentrum Shuri-te und Tomari-te, das Präfektur-Handbuch für Schulkarate führt es als Schule beider Linien, benannt um 1947. Gohaku-kai (Okinawa Goju-ryu und Tomari-te Karatedo Association) erbt laut dem Zentrum Naha-te und Tomari-te, der Okinawa-Verband für traditionelles Karate führt sie als Gohaku-ryu. An den Denkmälern Matsumoras nennt das Zentrum als verwandte Schulen Matsubayashi-ryu, Shorin-ryu, Shorinji-ryu und Gohaku-ryu, am Denkmal Kyan Chotokus (Kadena, 1999) Shuri-te, Tomari-te, Shorin-ryu und Shorinji-ryu. Die Dojo-Erhebung der Präfektur von 2022 ordnet nicht nach Linien, die Schulen der Shorin-ryu-Gruppe einschließlich Matsubayashi-ryu haben darin 37 von 212 Dojo. An Matsumora erinnern ein Denkmal von 1983 im Shin-yashiki-Park in Tomari, ein Relief hinter dem Itokazu-Krankenhaus, die Kaminuya-Höhle, ein Grab im Dorf Onna und die Ruine eines Hauses in Nago. Der Stadtrat von Naha betonte 2012 in seiner Stellungnahme zum Bau der Karatehalle, dass alle drei großen „te“, das von Naha, Shuri und Tomari, auf dem Gebiet des heutigen Naha liegen.
Wissenswertes
Laut der Biografie, die Matsumoras Enkel Matsumura Kosho verfasste und die das Okinawa-Karate-Informationszentrum zitiert, bezwang Matsumora mit zwanzig Jahren in Tomari einen Samurai aus Satsuma mit gezogenem Schwert mit einem Handtuch, an dessen Ende ein Stein geknotet war, und zog sich dann in den Norden Okinawas zurück, wo er am Felsen Fere im Dorf Onna angeblich einmal einen Räuber niederriss. Tomari-te nannte man laut dem Okinawa-Verband für traditionelles Karate „Phantom-Hand“, weil sein einziger Erbe Nakasone lange niemanden unterrichtete. Nagamine Shoshin gab seiner Schule 1947 den Namen Matsubayashi-ryu nach dem Zeichen „matsu“ in den Namen Matsumuras und Matsumoras, der Erneuerer von Shuri-te und Tomari-te. Matsumoras Alter beim Tod wird mit 69 Jahren (Kabinettsbüro) oder 70 Jahren (Verband) angegeben.
Häufige Fragen
Gibt es Tomari-te heute noch?
Nicht als eigene Schule, aber die Präfektur Okinawa, das Kabinettsbüro (Okinawa-Politik) und das Okinawa-Karate-Informationszentrum geben an, dass daraus das Matsubayashi-ryu hervorging und dass es die Shorin-ryu-Schulen beeinflusste, und Gohaku-kai beruft sich auf Naha-te und Tomari-te. Die Enzyklopädie Martial Arts of the World schreibt dagegen, Shuri-te habe Tomari-te aufgesogen.
Wer war Matsumora Kosaku?
Der Erneuerer des Tomari-te (1829–1898), Sohn einer adligen Familie aus Tomari und Schüler von Uku Karyu und Teruya Kishin. Er beherrschte die meisten Kata des Tomari-te, darunter Passai und Wanshu, und seine Kunst übernahmen Motobu Choki und Kyan Chotoku. Ein Denkmal hat er in Tomari seit 1983.
Wodurch unterscheidet sich Tomari-te vom Shuri-te?
Die offiziellen Quellen Okinawas unterscheiden die Linien nach Ort und Personen, nicht nach Technik. Shuri-te entwickelte sich unter den Beamten des königlichen Hofes, Tomari-te im Handelshafen, wo die Einheimischen die Kunst der Überlieferung nach von Schiffbrüchigen übernahmen. Eine technische Charakteristik des Tomari-te haben wir in den Quellen nicht gefunden.
Ähnliche Stile
Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.