Koryu Bujutsu
古流武術Sammelbegriff für die vor 1868 gegründeten japanischen Kampfschulen. Kein Stil, sondern die Grenze zwischen alten Schulen und modernen Wegen wie Judo oder Kendo.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Koryu Bujutsu
Über Koryu Bujutsu
Koryu Bujutsu ist keine Kampfkunst, sondern ein Sammelbegriff für die japanischen Kampfschulen, die vor 1868 gegründet wurden, also vor dem Ende des Shogunats. Die Grenze ist bewusst und scharf: Was früher entstand, ist Koryu, eine alte Schule; was danach kam, gehört zum Gendai Budo — den modernen Wegen wie Judo, Kendo, Aikido oder Karate in japanischer Gestalt. Der Unterschied liegt nicht nur im Datum. Koryu-Schulen entstanden für den Kampf, und ihr Stoff ist entsprechend breit: Eine Schule lehrt üblicherweise Schwert, Speer, Glefe, Stab, Dolch, Harnischkampf und Ringen, denn ein Krieger musste alles können. Überliefert wird in vorgeschriebenen Partner-Kata, es gibt weder Turniere noch sportlichen Wettstreit, und der Aufstieg folgt oft überlieferten Menkyo-Lizenzen statt Gürteln und Dan-Graden. Der Eintritt ist meist an einen schriftlichen Eid und eine Empfehlung gebunden, die Schulen bleiben also klein. Wie viele es gibt, lässt sich nicht genau sagen; Hunderte werden behauptet, belegt ungebrochene Linien haben weit weniger. Die japanische Kobudō-Vereinigung führt unter ihrem Dach mehrere Dutzend davon. Die bekanntesten sind Tenshin Shoden Katori Shinto-ryu, Kashima Shin-ryu, Niten Ichi-ryu und Yagyu Shinkage-ryu. Die Dachverbände sind die Nihon Kobudo Kyokai und die Nihon Kobudo Shinkokai; beide nehmen nur Schulen mit belegter Überlieferung auf, weshalb ihre Listen Dutzende und nicht Hunderte umfassen.
Stile & Zweige
Schwertschule von Miyamoto Musashi mit Formen für das lange Schwert, das kurze Schwert und zwei Schwerter. Heute überliefern sie mehrere Linien auf der Insel Kyushu.
Alte japanische Schule aus Katori, gegründet von Iizasa Choisai Ienao. Sie lehrt Schwertkunst, iai, Stab, Speer und naginata und ist ein immaterielles Kulturgut der Präfektur Chiba.
Schwertziehschule aus Tosa, laut Green eine der beiden beliebtesten iai-Schulen. Sie trägt den Namen des siebten Trägers Hasegawa Eishin, den Gründer nennen die Quellen unterschiedlich.
Schwertschule aus dem späten 18. Jahrhundert, in der Kondo Isami und weitere Männer der Shinsengumi lernten. Man übt mit einem dicken Holzschwert von bis zu zwei Kilogramm.
Schwertschule der Familie Ono, deren Gründer den Shogun Tokugawa Hidetada unterrichtete. Kern der Technik ist laut der Nihon Kobudo Kyokai kiriotoshi, der Sieg mit einem einzigen Takt.
Edo-Zweig der alten japanischen Schule Yagyu Shingan-ryu, den die Nihon Kobudo Kyokai unter den taijutsu-Schulen führt. Als Gründer nennt sie Araki Mataemon.
Japanische Sammelschule alter Art, gegründet von Asayama Ichidensai. Den Namen tragen heute mehrere getrennte Linien, und die Angaben zum Gründer weichen zwischen ihnen ab.
Eine Schule des Speerkampfes, die in Nara der Mönch In'ei vom Kofuku-ji gegründet hat. Typische Waffe ist der Speer kama yari mit einer Querklinge in Kreuzform.
Vielseitige alte Schule aus Kashima, laut Wörterbüchern von Matsumoto Bizen-no-kami gegründet. Neben dem Schwert lehrt sie jujutsu, naginata und Speer.
Alte Schwertschule, gegründet von Tsukahara Bokuden. Die Familie Yoshikawa aus Kashima überliefert sie, und sie ist als immaterielles Kulturgut der Präfektur Ibaraki eingetragen.
Alte japanische Schule, deren Lehrplan koryu.com mit torite kogusoku beginnt. Die Nihon Kobudo Shinkokai führt drei Nennungen in Gunma und Kanagawa.
Schwertschule aus dem Dorf Maniwa in der Präfektur Gunma, die Higuchi Sadatsugu zu Beginn der Edo-Zeit gründete. Die Familie Higuchi führt sie bis heute.
Eine Schwertschule, die Wikipedia von Shinkage-ryu ableitet und mit der Familie Kuroda und dem Dojo Shinbukan verbindet. Weitere Quellen zu ihrer Geschichte suchen wir noch.
Alte japanische Naginata-Schule, abgeleitet von Toda-ryu. Seit der 14. Generation führen sie Frauen, heute besteht sie in zwei Linien.
Alte Naginata-Schule aus Kumamoto. Laut Nihon Kobudo Kyokai übt man mit Klinge und Schaft von je vier Shaku, und seit der Taisho-Zeit führen Frauen die Schule.
Japanische Kriegsreitkunst: Laut Nipponica entwickelte sie sich seit alters als Schießen vom Pferd mit Bogenschießen. Die Schulen Ogasawara-ryu und Otsubo-ryu, yabusame, kasagake, inuoumono.
Ein Zweig der Schwertschule Shinkage-ryu, benannt nach Hikita Bungoro, einem Schüler von Kamiizumi. Eine lebende Linie konnten wir in den Quellen nicht belegen.
Japanische Kunst des Fesselns mit dem Seil. Laut Nipponica zunächst auf dem Schlachtfeld ausgeübt, später zum Festhalten und Eskortieren von Verbrechern. Eine Fertigkeit, keine Schule.
Schwertschule, gegründet von Chiba Shusaku am Ende des Shogunats. Laut Enzyklopädie Heibonsha hatte sie von allen Schulen den größten Einfluss auf System und Theorie des modernen Kendo.
Schwertschule des Fürstentums Satsuma, gegründet von Togo Shigekata. Nihon Kobudo Kyokai beschreibt sie als Schwertkampf des einzigen Schlags, man übt Schläge auf einen stehenden Stamm.
Alte Naginata-Schule, nach Heibonsha eine der zwei wichtigsten erhaltenen. Sie beruft sich auf Jikishinkage-ryu, Ellis Amdur hält sie für das Werk von Satake Yoshinori.
Japanische Kampfkunst mit dem Jitte, einer Metallstange mit Haken, die Polizeibeamte der Edo-Zeit trugen. Keine Schule, sondern eine Fertigkeit.
Sammelname alter japanischer Schulen des meist unbewaffneten Kampfes: Würfe, Hebel, Würgen, Schläge auf empfindliche Stellen, Umgang mit kurzen Waffen. Aus ihnen ging Kanos Judo hervor.
Alte Schwertschule, die sich auf Matsumoto Bizen-no-kami und Kashima beruft. Wörterbücher halten Yamada Mitsunori für den Gründer. Grundlage des Unterrichts sind die Kata hojo.
Japanische alte Schule des Stockkampfs, die die Nihon Kobudo Kyokai zusammen mit Takagi-ryu jujutsu unter der Nummer 014 führt. Die Überlieferungen zu ihrem Ursprung gehen auseinander.
Schwertschule der Tensho-Jahre, nach Nihon Kobudo Kyokai von Ono Shogen gegründet. Man übt mit dicken Holzschwertern, eine Form ist laut Nihon Kobudo Kyokai das Vorbild des Kendo-Schlags.
Älterer Name des japanischen Bogenschießens, das heute kyudo heißt. Schulen wie Heki-ryu und Ogasawara-ryu, Schießen zu Fuß und zu Pferd, toshiya-Wettkämpfe in Sanjusangendo.
Japanische Schule des Shuriken-Werfens, die Negishi Shorei am Ende der Edo-Zeit gründete. Laut Nihon Kobudo Kyokai fliegt der Shuriken mit der Spitze voran ohne Rotation.
Schwertschule der Herrschaft Yanagawa, gegründet von Oishi Susumu. Bekannt für den Stoß mit dem langen Bambusschwert, mit dem der Gründer 1832 in Edo bestand.
Linie des Schwertziehens aus Kumamoto, abgeleitet von der Wakayama-Schule der Familie Sekiguchi. Einhändige Schnitte und wechselnde Schritte beschreibt Nihon Kobudo Kyokai.
Schwertzieh-Schule, gegründet von Hayashizaki Jinsuke Shigenobu, laut Nipponica eine der Quellen des modernen iai. Heute wird sie in Tokio gemeinsam mit Ono-ha Itto-ryu geübt.
Alte japanische Schule des Kampfes mit dem Stock jo, gegründet von Muso Gonnosuke. Aus ihren Kata stammt das heutige Jodo der Zen Nihon Kendo Renmei.
Schwertschule auf Grundlage des Ziehens, die einzige erhaltene Schwertschule der Domäne Tsuyama. Geübt wird mit Holzschwert in der Scheide, ein Zweig in Rüstung.
Japanisches Schwimmen als Kampfkunst, alter Name von nihon eiho. Schulen der Edo-Zeit unter Schutz der Han-Lehen, Schwimmen in Rüstung und mit Bogen, heute 13 im japanischen Schwimmverband.
Alte japanische Schule des Schwertziehens aus Shizuoka, gegründet von Mima Yoichizaemon Kagenobu. Neben iai lehrt sie Schwertkampf, Stock, naginata und kusarigama des Masaki-ryu.
Prüfung der Schwertschärfe durch einen echten Hieb in einen Gegenstand oder Körper, in der Edo-Zeit erbliches Gewerbe der Familie Yamada Asaemon, die die Schwerter des Shogun prüfte.
Alte japanische Schule aus Chiba mit iai und Schwertkunst im Kern, die der Überlieferung nach Tatsumi Sankyo gründete. Sie ist ein immaterielles Kulturgut der Präfektur Chiba.
Alte japanische Schule der Naginata, Schwerter, Kusarigama und Kodachi. Die Enzyklopädie Heibonsha zählt sie mit der Jikishinkage-ryu zu den zwei großen lebendigen Naginata-Schulen.
Japanische Gruppe, die sich auf die Edo-Schule Tenshin-ryu und die Shinkage-ryu-Linie beruft. Einen unabhängigen Beleg für ihr Alter konnten wir nicht finden.
Japanischer Kampf mit dem Eisenfächer tessen, einer Schutzwaffe der Bushi in der Edo-Zeit. Keine Schule, sondern eine Fertigkeit, zu der wir nur wenige verlässliche Quellen gefunden haben.
Schule des Schwertziehens der Familie Seigo-ryu, deren iai in der Edo-Zeit in die Shinkage-ryu der Familie Owari Yagyu aufging. Heute führt sie der 14. Träger aus der Familie Yagyu.
Sendai-Zweig der alten japanischen Schule Yagyu Shingan-ryu, der den Kampf in Rüstung bewahrt. Laut Nihon Kobudo Kyokai ist er seit 1981 ein Kulturgut von Miyagi.
Linie der Schwertschule Shinkage-ryu, die Yagyu Munetoshi von Kamiizumi übernahm. Berühmt durch muto-dori, der 22. Träger ist laut NKK in Nagoya ansässig.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.