Marxbrüder (Bruderschaft St. Marci)
Bruderschaft unserer lieben Frauen und reinen Jungfrauen Marien und des heiligen und gewaltigen Himmelsfürsten Sanct MarxenDeutsche Fechtbruderschaft der Schwertmeister, die 1487 ein Privileg von Kaiser Friedrich III. erhielt. Sie hielt öffentliche Fechtschulen ab und rivalisierte mit den Federfechtern.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
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Über Marxbrüder (Bruderschaft St. Marci)
Die Marxbrüder oder Bruderschaft des heiligen Markus waren eine deutsche Fechtbruderschaft. Nach Kellers Dissertation aus Regensburg (2017) nannten sie sich selbst Bruderschaft unnser lieben Frawen der reynen Jungfrawen Marien und des heiligen und gewaltsamen Hyemelsfürsten sanct Marxen. Jaquet (Acta Periodica Duellatorum, 2015) gibt an, dass die Aufzeichnungen der Nürnberger Zunft bis ins Jahr 1477 zurückreichen. Chandler (2015) bezeichnet sie als die erste Fechtzunft im Heiligen Römischen Reich.
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Am 10. August 1487 erhielten die als Marxbrüder bekannten Fechter von Kaiser Friedrich III. das Privileg, sich Meister des Schwerts zu nennen, gegen Geld zu unterrichten und eine Schule zu halten. Nach Jaquet gab es ihnen auch das ausschließliche Recht auf den Beruf, die Wahl der Mitglieder, eigene Ordnungen und die Bestrafung von Missetätern. Die Bruderschaft bestand nach Keller schon vor dem Privileg, das genaue Gründungsdatum kennen wir nicht. Ob Meister Hans Talhoffer ihr angehörte oder sie mitbegründete, ist nach Keller unbekannt. Die Mitglieder waren hauptsächlich Handwerker aus Städten wie Nürnberg, Augsburg und Frankfurt am Main, der Adel war ausdrücklich ausgeschlossen. Das wichtigste Datum war die jährliche Herbstmesse in Frankfurt, wo unter Aufsicht der Hauptleute neue Meister geschlagen wurden. Die Bruderschaft veranstaltete öffentliche Fechtschulen und konkurrierte seit dem Ende des 16. Jahrhunderts mit den Federfechtern, die sich nach einer Beschwerde von 1576 von ihr getrennt hatten. Die Bedeutung der Fechtbruderschaften nahm nach Keller ab, bis sie im 18. Jahrhundert untergingen.
Geschichte
Kellers Dissertation aus Regensburg (2017) gibt an, dass es in der Mitte des 15. Jahrhunderts in Süddeutschland Erwähnungen von Brüdern des heiligen Georg und Brüdern der Jungfrau Maria gibt, aus denen später im 15. Jahrhundert die sogenannten Marxbrüder hervorgegangen sein könnten. Jaquet (Acta Periodica Duellatorum, 2015) schreibt, dass die Aufzeichnungen der Nürnberger Zunft bis 1477 zurückreichen und dass die Geschichtsschreibung Nürnberg fälschlich für die erste Stadt mit einer Fechtschule hält.
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Das Privileg von Kaiser Friedrich III. vom 10. August 1487 gab den als Marxbrüder bekannten Fechtern das Recht, sich Meister des Schwerts zu nennen, gegen Geld zu unterrichten und eine Schule zu halten. Seit 1541 durfte die Bruderschaft laut Keller ein Wappen führen, das 1670 erweitert wurde. Für die Zeit von 1490 bis 1566 sind Aufzeichnungen über die Regeln der Schwertmeister, über neu gewählte Hauptleute und über zu Meistern geschlagene Personen erhalten. Die Hauptleute sind im Kodex I.6.2.5 teils mit Herkunftsort eingetragen, zwischen 1492 und 1563 werden Bern, Herborn, Frankfurt, Nürnberg und Ravensburg genannt. Keller vermutet, dass die Frankfurter Messe möglicherweise einer der Gründe dafür war, dass der Sitz der Bruderschaft von Nürnberg nach Frankfurt verlegt wurde. In einer Beschwerde von 1576 schreiben die Frankfurter Marxbrüder, dass sich einige von ihnen vor einigen Jahren abgespalten und sich Freye oder Federfechter genannt hätten. Aus ihrem Gesuch an die Stadt Frankfurt vom 6. September 1575 geht hervor, dass sie eine Zeitlang keine Fechtschulen veranstalten konnten, weil vor Ort nicht genug Meister waren. Am 7. März 1607 erhielten die Federfechter von Kaiser Rudolf II. ein Privileg, das sie den Marxbrüdern gleichstellte. Die Bedeutung der Fechterbruderschaften nahm laut Keller zugunsten anderer Vereinigungen wie Schützengesellschaften ab, bis sie im 18. Jahrhundert verschwanden.
Was es unterscheidet
Die Rivalität zwischen Marxbrüdern und Federfechtern war laut Kellers Dissertation (2017) seit dem Ende des 16. Jahrhunderts das Hauptelement der Fechtschulen. Die Marxbrüder bekannten sich zur Tradition des Fechtens nach Liechtenauer. Im Unterschied zu Liechtenauers Gesellschaft nannten sich die Marxbrüder Bruderschaft mit Bezug auf die Jungfrau Maria und den heiligen Markus. Die Federfechter kamen laut Keller in ihrem Namen Freifechter von der Feder zum Greifenfels ohne Heiligen aus, Chandler (2015) bringt sie dagegen mit dem heiligen Veit in Verbindung. Fechter, die auf einer Fechtschule gegen Marxbrüder und Federfechter antraten, wurden Lucasbrüder oder Luxbrüder genannt, laut Keller war das aber keine eigene Gesellschaft. Green (2001) führt sie als Gesellschaft des heiligen Lukas an.
Training
Die Fechterbruderschaften waren laut Kellers Dissertation (2017) in den Waffen vielseitig. Auf den Fechtschulen kommen Waffen vom einhändigen Schwert mit Buckler bis zu Rapier und Dolch des 17. Jahrhunderts vor. Green (2001) gibt an, dass sich die Marxbrüder und die Federfechter auf viele Waffen spezialisierten, darunter Zweihandschwerter und später Rapiere. Eine Verordnung des Augsburger Stadtrats von 1568 legte fest, dass jeweils für ein Jahr ein Meister und ein Freifechter für die Fechtschulen verantwortlich waren. Meister von auswärts durften neue Schüler nur mit Erlaubnis annehmen.
Graduierungen und Fortschritt
Neue Meister wurden laut Kellers Dissertation (2017) auf der jährlichen Herbstmesse in Frankfurt unter Aufsicht der Hauptleute zu Meistern geschlagen. Nach den Regeln der Bruderschaft musste ein auf der Messe bestätigter Meister noch zwei Jahre warten, bevor er vollberechtigter Meister des langen Schwerts werden konnte. Das Privileg von 1487 spricht laut Keller von Meistern des Schwerts. Die Verordnung des Augsburger Stadtrats von 1568 verlangte, dass Meister von auswärts angaben, bei wem sie gelernt hatten, und sich einer Prüfung mit langem Schwert, Dussack und Stab unterzogen.
Wettkampf
Eine öffentliche Fechtschule verlief laut Kellers Dissertation (2017) wie folgt. Sie brauchte die Erlaubnis des Stadtoberhaupts und eine öffentliche Bekanntmachung, es folgten ein Umzug der Fechter, die Verlesung der Regeln und eine Vorführung des örtlichen Meisters und seiner Vorfechter. Dann traten in der Regel zwei Mannschaften gegeneinander an. Die Teilnehmer konnten durch einen Sieg Ehrenkränze und Geld gewinnen, und in Deutschland sagte man, man fechte um den Kranz. Den Preis oder Kranz bekam laut Keller offenbar nur, wer dem Gegner eine blutende Wunde beibrachte. In Augsburg betrug 1568 die Teilnahmegebühr 15 Kreuzer, und jeder Fechter durfte in jeder Waffe nur einmal antreten, außer er focht um den Kranz. Die Belege für Fechtveranstaltungen von Bürgern sind laut Dupuis (Acta Periodica Duellatorum, 2015) für das 15. Jahrhundert, besonders vor dem Privileg von 1487, viel spärlicher. Ältere Berichte gibt es aus Frankfurt von 1397 und aus Rothenburg von 1444.
Wissenswertes
Der Meistersinger Hans Sachs, Schuhmacher und Mitglied der Marxbrüder in Nürnberg, schrieb laut Jaquet (2015) im Jahr 1555 ein Fechtgedicht. Fechtschulen waren nicht ohne Risiko. Kellers Dissertation (2017) gibt an, dass der Federfechter Hermann Mayer am 28. Juni 1590 auf einer Fechtschule in Nürnberg vom Zimmermann Paulus einen so schweren Stich in den Kopf erhielt, dass er auf der Stelle starb. Im Jahr 1610 traf der Marxbruder Jobst Petermann seinen Gegner Kaspar Zapf mit dem Rapier tödlich, und auf dem letzten Weg begleiteten Zapf 509 Männer. Im selben Jahr mussten die Marxbrüder in Nürnberg wegen des Vorwurfs der Beleidigung der Federfechter eine vierundzwanzigstündige Haft absitzen. Gustav Freytag schreibt laut Keller, dass in Nürnberg öffentliche Zweikämpfe der Fechtgemeinschaften kurz vor 1700 verboten wurden und dass eines der letzten großen Fechtfeste 1741 in Breslau stattfand.
Häufige Fragen
Wann entstand die Bruderschaft der Marxbrüder?
Das genaue Entstehungsdatum kennen wir nicht. Laut Jaquet (2015) reichen die Aufzeichnungen der Nürnberger Zunft bis 1477 zurück, und das kaiserliche Privileg erhielt die Bruderschaft am 10. August 1487. Nach Kellers Dissertation (2017) bestand sie schon davor.
Wer waren die Federfechter?
Die zweite deutsche Fechterbruderschaft, die im 16. Jahrhundert auftaucht. In einer Beschwerde von 1576 schreiben die Marxbrüder, dass sich die Federfechter vor einigen Jahren von ihnen getrennt hätten. Ein Privileg von Kaiser Rudolf II. stellte sie am 7. März 1607 den Marxbrüdern gleich.
Konnte ein Adliger Mitglied werden?
Nein. Kellers Dissertation (2017) gibt an, dass die Marxbrüder ihre Mitglieder hauptsächlich aus den Handwerkern in Städten wie Nürnberg, Augsburg und Frankfurt aufnahmen und Adlige sowie Angehörige des Rittertums ausdrücklich ausgeschlossen waren.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.