Deutsche Fechtschule
Fechttradition, die Handschriften des 14. bis 16. Jahrhunderts auf Meister Johannes Liechtenauer zurückführen. Seine Verslehre kommentierten Schüler, heute rekonstruiert sie die HEMA.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Deutsche Fechtschule
Über Deutsche Fechtschule
Die deutsche Schule des Fechtens ist eine Tradition, die die Fechthandschriften auf Meister Johannes Liechtenauer zurückführen. Die Neue Deutsche Biographie (1985) führt ihn als Fechtmeister der Mitte des 14. Jahrhunderts an, der 1389 bereits tot war. Von ihm selbst sind nach der NDB keine Aufzeichnungen überliefert, und die einzige spärliche biographische Quelle ist ein Fragment seines Schülers Hanko Döbringer.
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Liechtenauer stellte nach der NDB als erster Fechtpraktiker ein geschlossenes Regelwerk einfacher gereimter Regeln für den ernsten Kampf mit ritterlichen Waffen zusammen. Die Regeln waren für die mündliche Weitergabe bestimmt und absichtlich in dunklen und verhüllten Worten abgefasst, damit sie nur der Eingeweihte verstand. Die älteste Handschrift mit seiner Lehre, Hs. 3227a, Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg, datiert Handschriftencensus auf etwa 1389. Sie enthält Liechtenauers Lehre vom langen Schwert und vom Ringen sowie Texte über das Fechten mit Schild, Stock, langem Messer und Dolch. Alle wichtigen Handschriften knüpfen nach der NDB mit Prosaglossen daran an und suchen die Verbindung zu Liechtenauer, und selbst Drucke des 17. Jahrhunderts zitieren ihn als Autorität. Sigmund Ringeck versah seine Verse mit umfangreichen praktischen Kommentaren, und seine Lehre ging in die Handschrift von Peter von Danzig über. Nach Jaquet (Acta Periodica Duellatorum, 2015) bilden mehr als siebzig Handschriften aus dem 14. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die Tradition der Fechtbücher. Ringecks Techniken sind nach der NDB bei heutigen Gruppen der historischen Kampfkünste sehr beliebt.
Geschichte
Die Neue Deutsche Biographie (Wierschin 1985) führt Johannes Liechtenauer als Fechtmeister der Mitte des 14. Jahrhunderts an, der 1389 bereits tot war. Nach Hankos Fragment war er gebildet, ein adliger Ursprung ist nicht auszuschließen, er diente offenbar zeitweise an oberdeutschen Höfen und lebte später in einer großen oberdeutschen Stadt mit einem kleinen Schülerkreis. Hanko betont nach der NDB, dass die Kunst nicht Liechtenauers Erfindung ist, sondern eine vor vielen hundert Jahren erdachte Kunst, die der Meister auf langen Reisen kennenlernte und zu einem System ordnete.
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Die älteste Handschrift mit der Lehre, Hs. 3227a, Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg, hat nach Handschriftencensus 169 Blätter und ist ein lateinisch-deutscher Sammelband mit technischen, medizinischen und astrologischen Texten und mehreren Fechtlehren. Sie wird auf etwa 1389 datiert. Als ihr Schreiber galt lange irrtümlich Liechtenauers Schüler Hanko Döbringer, die Korrektur bringt Cermann (2014). Green (2001) und die NDB halten ihn noch für den Verfasser der Aufzeichnung von 1389. Die deutsche Wikipedia erwägt unter Verweis auf Leiske (2018), dass Liechtenauer bei der Aufzeichnung noch am Leben gewesen sein könnte. Sigmund Ringeck diente nach der NDB (Leng 2010) als Fechtmeister von Herzog Albrecht von Bayern, und seine Lehre, nach Liechtenauer die älteste Aufzeichnung der Fechtkunst, ging in die Handschrift von Peter von Danzig über. Jaquet und Walczak (Acta Periodica Duellatorum, 2015) führen an, dass neben den Glossen zu Liechtenauers Kampf in Rüstung und zu Pferd in Handschriften der Jahre 1452 bis 1570 Lehren kursieren, die Andreas Liegnitzer, Martin Hundsfeld oder Lew dem Juden zugeschrieben werden. Nach ihnen stammen sie aus einer einzigen Handschrift, nicht aus mündlicher Tradition, und wurden über hundert Jahre fast wörtlich abgeschrieben.
Was es unterscheidet
Green (2001) gibt an, dass Fiore dei Liberi, dessen Flos Duellatorum nach ihm erstmals 1410 erschien, einen Gegensatz zu ausschließlich deutschen Systemen bietet und dass dei Liberi ursprünglich bei deutschen Meistern lernte. Green schreibt außerdem, dass Liechtenauer offenbar bei älteren Meistern lernte, wie Lamprecht von Böhmen, Virgily von Krakau und Liegnitzer aus Schlesien. Jaquet und Walczak (2015) geben an, dass Paulus Kals Meisterliste, die sogenannte Liechtenauer-Gesellschaft, von Thomas Stangier (2009) für erfunden gehalten wird. Die Allgemeine Deutsche Biographie (1883) setzte Liechtenauer noch in die Mitte des 15. Jahrhunderts, die NDB (1985) bereits in die Mitte des 14. Jahrhunderts.
Technik
Liechtenauer nannte die geschätzten Techniken nach Green (2001) meisterhau, meisterhafte Hiebe, bei denen das Schwert den Hieb des Gegners abwehrt und zugleich trifft. Er lehrte, dass der bessere Fechter die Initiative durch den Angriff sucht und dass passives Decken ohne Antwort schlechter ist und zur Niederlage führt. Die deutschen Meister drückten nach Green das Ideal stuck und bruch aus, also dass jede Technik eine Gegentechnik hat und jede Gegentechnik eine Technik, und kannten den Kampf mit dem halben Schwert, bei dem die behandschuhte Hand die Klinge hält. Die englische Wikipedia zitiert die Handschrift Hs. 3227a, nach der die ganze Kunst des Meisters Liechtenauer in den Worten vor, nach, swach, stark und Indes liegt. Sie führt auch an, dass die Lehre den Kampf mit dem langen Schwert in siebzehn Hauptstücke teilt, darunter fünf verborgene Hiebe Zornhau, Krumphau, Zwerchhau, Schielhau und Scheitelhau und vier Huten Pflug, Ochs, vom Tag und Alber. Sigmund Ringeck versah nach der NDB die oft unverständlichen Merkverse der Vorlagen Liechtenauers, zedel genannt, mit umfangreichen praktischen Kommentaren. Eigene Teile widmen sich Varianten des Schwertkampfs und dem Fechten mit dem Faustschild. Die Handschrift Hs. 3227a enthält nach Handschriftencensus neben dem langen Schwert und dem Ringen auch Texte über das Fechten mit Schild, Stock, langem Messer und Dolch.
Training
Laut Neue Deutsche Biographie waren Liechtenauers Regeln ausschließlich für die mündliche Überlieferung bestimmt. Ringecks Lehre richtet sich laut NDB ausdrücklich an Fürsten und Herren, damit sie jn schimpf vnd in ernst bestehen. Das heutige HEMA betreibt laut der Studie von Gassmann und Kollegen (Acta Periodica Duellatorum, 2017) großen Aufwand für Repliken von Langschwertern und von Federn-Übungsschwertern nach Museumsobjekten und verwendet sonst moderne Schutzausrüstung, vor allem aus Sicherheitsgründen.
Wettkampf
Die mit Liechtenauers Namen verbundene Fechtschule lässt sich laut Neue Deutsche Biographie nicht als Bildungseinrichtung verstehen. Es handelte sich um gelegentliche öffentliche Veranstaltungen, bei denen Fechter ihr Können zeigten. Dupuis (Acta Periodica Duellatorum, 2015) beschreibt die Regeln eines Fechtturniers aus dem Straßburger Archiv, die ungefähr auf die Jahre 1470 bis 1471 datierbar sind. Der Kampf endete mit dem ersten Treffer, und Preise erhielten die zwei Fechter mit den höchsten und blutigsten Treffern. Die vor der Fechtschule verkündeten Regeln verboten laut Jaquet (2015) unter anderem Stechen, Knaufschlag, Eintritt in den Kampf, Armbrechen, Schlag in den Schritt, Augenausstechen und Steinewerfen. Sie entsprechen den verbotenen Griffen, die die Glossatoren von Liechtenauers Lehre seit 1452 im Abschnitt Kampffechten beschreiben. Heutige HEMA-Turniere im Langschwert haben laut Gassmann und Kollegen (2017) den ganzen Körper als Trefferfläche, der Treffer muss spürbar sein, und ein erfolgreicher Gegentreffer wird voll oder teilweise gewertet. Die Regeln unterscheiden sich von Turnier zu Turnier.
Heute
Die Lehre wird heute von der HEMA-Bewegung rekonstruiert. Eine HEMA-Zählung in Acta Periodica Duellatorum (Fürgut, 2021) erfasste 3186 Übende an 124 Orten in Deutschland und 801 Übende an 34 Orten in Österreich. Das Langschwert ist die beliebteste Disziplin und wird an mehr als 88 Prozent der Orte in beiden Ländern geübt. Der Deutsche Dachverband für Historisches Fechten strebt laut dem Autor den Beitritt zum Deutschen Olympischen Sportbund an. Hans-Peter Hils (1985) wandte laut Jaquet und Walczak (2015) als Erster nach Martin Wierschin (1965) philologische Methoden auf eine breite Gruppe von Fechtbüchern an, hauptsächlich ausgerichtet auf die Überlieferung der von Liechtenauer begründeten Kunst. Die englische Wikipedia gibt an, dass die ersten Versuche, europäische Kampfsysteme zu rekonstruieren, Ende des 19. Jahrhunderts begannen und dass Patri J. Pugliese seit den achtziger und neunziger Jahren Kopien historischer Traktate zugänglich machte.
Wissenswertes
Die Allgemeine Deutsche Biographie (1883) zitiert den Eingangsvers von Liechtenauers Lehre, Jung Ritter, lehre Gott lieb haben, Frauen jo ehre. Der Name Ringeck entstand laut NDB (Leng 2010) durch eine Fehllesung. Die Handschriften haben die Formen Sigmund ain ringeck, sigmund amring, sigmund schninig und Sigmund Emring.
Stile & Zweige
Ringen der deutschen Kampfkunst des 14. bis 16. Jahrhunderts. Mit dem Schwert gelehrt, eine Lehrschrift wird Meister Ott zugeschrieben, der erste Ringdruck erschien um 1507.
Fechten nach dem Straßburger Meister Joachim Meyer, der 1570 ein Buch über Schwert, Dussack, Rapier, Dolch, Stab und Hellebarde drucken ließ. Auch seine Handschriften sind erhalten.
Fechten mit der gekrümmten Waffe namens Dussack, oft aus Holz, das Joachim Meyer 1570 als Vorbereitung der Schüler auf das Rapier beschrieb. Heute üben es manche HEMA-Gruppen.
Häufige Fragen
Wer war Johannes Liechtenauer?
Ein Fechtmeister, von dem die deutschen Handschriften ihre Tradition herleiten. Die Neue Deutsche Biographie setzt ihn in die Mitte des 14. Jahrhunderts und gibt an, dass er 1389 nicht mehr lebte. Eigene Aufzeichnungen von ihm sind nicht erhalten.
Warum ist Liechtenauers Lehre unverständlich geschrieben?
Laut Neue Deutsche Biographie war sie für die mündliche Überlieferung bestimmt und absichtlich in dunklen und verhüllten Worten geschrieben, damit nur der Eingeweihte sie verstand. Mit Prosaglossen versahen sie laut NDB alle wichtigen Handschriften, umfangreiche Kommentare dazu schrieb zum Beispiel Sigmund Ringeck.
Wie alt ist die älteste Handschrift der deutschen Schule?
Die Handschrift Hs. 3227a aus dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg datiert der Handschriftencensus auf etwa 1389. Sie enthält Liechtenauers Lehre vom Langschwert und vom Ringen sowie weitere Fechttexte.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.