Dussackfechten
Fechten mit der gekrümmten Waffe namens Dussack, oft aus Holz, das Joachim Meyer 1570 als Vorbereitung der Schüler auf das Rapier beschrieb. Heute üben es manche HEMA-Gruppen.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Dussackfechten
Über Dussackfechten
Der Dussack ist eine Waffe und zugleich eine eigene Fechtdisziplin der frühen Neuzeit. Deutsches Wörterbuch beschreibt in seiner Neubearbeitung den Dussack als schwertähnliche Waffe ohne Parierstange und Korb, die hauptsächlich von umherziehenden Fechtern (klopffechter) benutzt wurde, und bezeichnet das Wort als Entlehnung aus einer slawischen Sprache. Zum Vergleich nennt es das tschechische tesák sowie das polnische tasak und tesak. Grimms älteres Wörterbuch verweist direkt auf das tschechische tesák. Der früheste Beleg, den das neue Wörterbuch nennt, stammt aus dem Jahr 1522.
Weiterlesen
Der Dussack konnte auch aus Holz sein. Grimms Wörterbuch zitiert ältere Lexikographen, nach denen es ein hölzernes und stumpfes Schwert war, eine hölzerne Waffe zum Fechten. Green (2001) schreibt, dass ein hölzernes Übungsschwert namens Dussack im Spätmittelalter eine beliebte Waffe der Handwerker war. Laut Grimms Wörterbuch war er in den Fechtschulen verbreitet, wie eine Ulmer Ordnung von 1613 anführt. Joachim Meyer widmete dem Dussack das ganze zweite Buch seines Drucks von 1570. Dessen Titel besagt, dass es viele männliche und schnelle Stücke enthält, mit denen sich angehende Schüler zur Gewandtheit und anschließend zum Fechten mit dem Rapier ausbilden. In Meyers Münchner Handschrift von 1561 bildet der Dussack einen eigenen Abschnitt mit 23 Illustrationen, den meisten von allen Waffen. Heute wird der Dussack in der HEMA-Bewegung geübt. Eine Zählung in der Zeitschrift Acta Periodica Duellatorum erfasste ihn 2021 an 33 von 124 Orten in Deutschland.
Geschichte
Die Neubearbeitung von Deutsches Wörterbuch bezeichnet das Wort Dussack als Entlehnung aus einer slawischen Sprache und nennt zum Vergleich das tschechische tesák sowie das polnische tasak und tesak. Das Wort ist laut ihr in vielen orthographischen und lautlichen Formen belegt, auch mit anlautendem t-, und bezeichnet in älterer Bedeutung eine schwertähnliche Waffe ohne Parierstange und Korb, vor allem eine Waffe umherziehender Fechter, auch ein Hirschfänger. Der erste genannte Beleg stammt aus dem Jahr 1522. Grimms Wörterbuch von 1857 nennt die Formen thiesak, dussacken, tiessacken, duseck, dusek, dusecke, dusak und desek und verweist auf das tschechische tesák, ein kurzes breites Schwert, das wie ein Säbel gekrümmt ist. Green (2001) schreibt, dass ein hölzernes Übungsschwert namens Dussack im Spätmittelalter eine beliebte Waffe der Handwerker war. Die englische Wikipedia gibt an, dass das tschechische Wort während der Hussitenkriege nach der Seitenwaffe der Hussiten ins Deutsche gelangte, nennt dafür aber keine Quelle. Joachim Meyer fasste den Dussack als eigenen Abschnitt des Unterrichts auf. In der Münchner Handschrift von 1561 gehören ihm nach Dupuis (Acta Periodica Duellatorum, 2021) die Blätter 25r bis 51r mit 23 Illustrationen, im Druck von 1570 das gesamte zweite Buch.
Technik
Der Titel des zweiten Buches von Meyers Druck von 1570 lautet Ordenliche Beschreibung und Anweisung des Fechtens im Dusacken. Er besagt, dass es viele männliche und schnelle Stücke enthält, mit denen sich angehende Schüler zur Gewandtheit und anschließend zum Fechten mit dem Rapier ausbilden. In der Münchner Handschrift von 1561 hat der Abschnitt über den Dussack nach Dupuis (2021) die meisten Illustrationen aller Waffen. Die englische Wikipedia gibt an, dass Meyer 1570 den Dussack als Übungswaffe mit breiter gekrümmter Klinge und einfachem ovalem Griff abbildet. Deutsches Wörterbuch bestimmt den Dussack als schwertähnliche Waffe ohne Parierstange und Korb.
Training
Grimms Wörterbuch zitiert ältere Lexikographen. Stieler erklärt den Dussack als hölzernes und stumpfes Schwert (ensis ligneus et obtusus), Steinbach als hölzerne Waffe zum Fechten. Fischart erwähnt laut dem Wörterbuch lederne Dussacken (lederen tusacken). Die englische Wikipedia gibt an, dass sich weder ein hölzerner noch ein lederner Übungsdussack erhalten hat.
Wettkampf
Das Grimmsche Wörterbuch führt an, dass der Dussack laut einer Ulmer Verordnung von 1613 in Fechtschulen üblich war, und Schönsleder übersetzt das Fechten mit Dussacken ins Lateinische als rudibus depugnare. Die Augsburger Verordnung des Stadtrats von 1568 verlangte laut Kellers Dissertation aus Regensburg (2017), dass sich Meister von auswärts einer Prüfung mit Langschwert, Dussack und Stab unterziehen. Heute werden laut Gassmann und Kollegen (Acta Periodica Duellatorum, 2017) neben dem Langschwert auch in weiteren Waffen HEMA-Turniere abgehalten, darunter im Dussack.
Heute
Die HEMA-Zählung in der Zeitschrift Acta Periodica Duellatorum (Fürgut, 2021) führt den Dussack als eigene Waffendisziplin. In Deutschland wurde er 2021 an 33 von 124 Orten geübt (26,61 Prozent), 2019 an 20 von 141 Orten. In Österreich wurde er an 4 von 34 Orten geübt.
Wissenswertes
Laut Frisch, den das Grimmsche Wörterbuch zitiert, war der Dussack ein breites, meist hölzernes Schwert ohne Griff, an dessen Stelle sich in der Klinge ein Loch wie ein Nadelöhr befand, so groß, dass man die Hand hindurchstecken konnte. Die Beschreibung entspricht laut dem Wörterbuch der Abbildung in Comenius' Buch Orbis pictus. Simplicissimus erwähnt laut dem Wörterbuch Dussacken als wenig geschätzte Waffe, und Abraham a Sancta Clara schreibt, Simsons Dussack sei ein Eselskinnbacken gewesen.
Häufige Fragen
Stammt das Wort Dussack aus dem Tschechischen?
Deutsches Wörterbuch nennt es eine Entlehnung aus einer slawischen Sprache und vergleicht das tschechische tesák und das polnische tasak. Das ältere Grimmsche Wörterbuch verweist direkt auf tschechisch tesák.
Warum lehrte Meyer das Fechten mit dem Dussack?
Die Überschrift des zweiten Buchs seines Drucks von 1570 besagt, dass Dussack-Stücke Anfänger zur Gewandtheit und dann zum Rapierfechten ausbilden.
War der Dussack aus Holz?
Möglich. Das Grimmsche Wörterbuch zitiert ältere Lexikographen, nach denen es ein hölzernes, stumpfes Fechtschwert war, und Fischart erwähnt auch lederne Dussacken. Green (2001) schreibt von einem hölzernen Übungsschwert, beliebt bei Handwerkern.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.