Johannes Liechtenauer
Deutscher Fechtmeister an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert, Autor des Gedichts Zettel, auf dem die deutsche Tradition des Kampfes mit dem langen Schwert beruht.
Auf einen Blick
DeutschlandBiografie
Johannes Liechtenauer war ein deutscher Fechtmeister an der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert, dessen mnemotechnisches Gedicht Zettel zur Grundlage der am weitesten verbreiteten deutschen Fechttradition wurde. Geburts- und Sterbedaten sind nicht belegt, und der Name erscheint in den Handschriften auch als Hans Lichtenauer oder Lichtnawer.
Den einzigen biografischen Eintrag über ihn enthält die anonyme Handschrift GNM 3227a aus dem Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg. Demnach erfand Liechtenauer die Kunst nicht, sondern bereiste viele Länder, um die wahre Kunst kennenzulernen. Die Namen seiner Lehrer haben wir nicht gefunden. Der Nachname verweist auf einen der Orte namens Liechtenau, von denen der Forscher Massmann 1844 fünf nannte.
Der Zettel ist ein Gedicht in gereimten Zweizeilern über das lange Schwert, den Kampf zu Pferd, das kurze Schwert und den Dolch. Die älteste datierte Aufzeichnung steht in Talhoffers Handschrift von 1448, und die Bezeichnung zedel erscheint erstmals 1452. Die Tradition kennt fünf Meisterhiebe, Zornhau, Krumphau, Zwerchhau, Schielhau und Scheitelhau, und vier Leger Pflug, Ochs, Vom Tag und Alber.
Auslegungen, die sogenannten Glossen, zu seinem Gedicht verfassten im 15. Jahrhundert Sigmund Ringeck, Peter von Danzig, Jud Lew und andere. Um das Jahr 1470 hielt Paulus Kal eine Liste von siebzehn Meistern der sogenannten Gesellschaft Liechtenauers fest, und seine Tradition übernahm die Bruderschaft der Marxbrüder.
Frühe Jahre
Den einzigen biografischen Eintrag über Liechtenauer enthält die anonyme Handschrift GNM 3227a aus dem Germanisches Nationalmuseum in Nürnberg, deren Autor noch zu Liechtenauers Lebzeiten gelebt haben könnte. Der Name erscheint in den Varianten Hans Lichtenauer und Lichtnawer, Geburts- und Sterbedaten sind nicht belegt. Der Forscher Massmann nannte 1844 fünf Orte namens Liechtenau, in Oberösterreich, in Franken bei Nürnberg, in Baden, in Hessen und in Westfalen. Die englische Wikipedia hält Franken für am wahrscheinlichsten.
Ausbildung und Lehrer
Laut der Handschrift GNM 3227a erfand Liechtenauer die Kunst nicht, sondern bereiste viele Länder, um die wahre Kunst zu finden und kennenzulernen. Die Quellen nennen keinen Namen eines seiner Lehrer, und auch wir haben keinen gefunden. Wiktenauer bietet diese Passage nur in englischer Übersetzung, den deutschen Originalwortlaut haben wir nicht eingesehen.
Beitrag und Neuerungen
Der Zettel ist ein Gedicht in gereimten Zweizeilern über das lange Schwert, den berittenen Kampf mit Lanze und Schwert, das kurze Schwert und den Dolch. Der älteste datierte Text steht in Talhoffers Handschrift MS Chart.A.558 von 1448 auf den Folios 18r und 18v, die Bezeichnung zedel erscheint erstmals in der Handschrift Cod.44.A.8 von 1452. Die Tradition kennt fünf Meisterhiebe, Zornhau, Krumphau, Zwerchhau, Schielhau und Scheitelhau, und vier Leger Pflug, Ochs, Vom Tag und Alber. Wiktenauer verzeichnet siebzehn Handschriften mit unglossierten Teilen des Zettel und weitere Dutzende Versionen innerhalb der Glossen.
Legenden und belegte Fakten
Die Datierung der Handschrift GNM 3227a auf um 1390 und die Annahme, ihr Autor sei ein direkter Schüler Liechtenauers gewesen, sind umstritten. Die englische Wikipedia nennt um 1400, und Kleinau erwog 2013 die Jahre 1410 bis 1420. Der Abstand zwischen dieser Handschrift und dem ältesten datierten Zettel von 1448 deutet laut Wiktenauer darauf hin, dass Liechtenauer auch zu Beginn des 15. Jahrhunderts gewirkt haben könnte. Sigmund Ringeck wird die Unterweisung Albrechts III. von Bayern zugeschrieben, auch das ist jedoch nicht direkt belegt.
Vermächtnis
Die Glossen des Zettel schrieben Sigmund Ringeck, Peter von Danzig und Lew, zu den weiteren Glossatoren gehören Pseudo-Hans Döbringer und Antonius Rast. Paulus Kal hielt um das Jahr 1470 eine Liste von siebzehn Meistern der Gesellschaft Liechtenauers aus dem heutigen Österreich, Tschechien, Deutschland und Polen fest, die meisten von ihnen sind jedoch unbekannt. Kal schrieb den Zettel auch in den Handschriften MS 1825 in Bologna und KK5126 in Wien nieder. Die Tradition übernahm in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts die Bruderschaft der Marxbrüder mit einem Monopol auf die Prüfung von Meistern, das Ende des 16. Jahrhunderts die Federfechter infrage stellten.
Assoziierte Kampfkünste
Werke und Quellen
Zitate
wer offt versezt, wirt offt gelezt
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