Handschrift
Glasgow Fechtbuch (MS E.1939.65.341)
Originaltitel: Glasgow Fechtbuch
1508DeutschlandLehrbuch
Deutsche Fechthandschrift von 1508 in den Glasgow Museums, eine Kompilation von Meistern der Liechtenauer-Tradition mit der einzigen bekannten illustrierten Fassung von Ringecks Glosse.
Das Glasgow Fechtbuch ist eine deutsche Papierhandschrift zum Fechten und Ringen, die unter der Signatur MS E.1939.65.341 in der Sammlung von R. L. Scott im Kelvingrove Museum (Glasgow Museums) in Schottland aufbewahrt wird. Auf Blatt 22r trägt sie das interne Datum 1508, die englischsprachige Wikipedia nennt das Jahr 1505. Sie ist in Frühneuhochdeutsch verfasst, ihre Blätter messen 206 × 155 mm. Wiktenauer zählt 107 Folien, Wikipedia 105. Den Schreiber, den Entstehungsort und den Auftraggeber konnten wir nicht belegen. Die Handschrift ist eine Kompilation von Lehren aus der Tradition Johannes Liechtenauers, Wiktenauer führt darin zehn namentlich genannte Autoren neben mehreren anonymen Abschnitten auf. Sie beginnt mit einem Fragment der Glosse Sigmund Ringecks zu Liechtenauers Zettel für das lange Schwert, danach folgen ein anonymer Traktat, ein neuer Zettel von Martin Syber und die Lehren von Andres Juden, Jobs von der Nissen, Nicklas Preußen und Hans Döbringer. Es schließen sich eine kurze anonyme Lehre zum Messer, das Ringen der Augsburger Gruppe, André Lignitzer und Ott Jud, Ringecks Glosse zum Fechten zu Pferd, Glossen zum kurzen Schwert, der Dolch und das kurze Schwert von Martin Huntsfeld und zum Schluss Lignitzers Schwert mit Buckler an. Laut Wiktenauer ist dies die einzige bekannte Fassung von Ringecks Glosse, in der die Illustrationen so ausgeführt sind, wie der Text es vorschreibt, vermutlich nach älteren Vorlagen. Das Ringfragment der Augsburger Gruppe ergänzt nach derselben Quelle die Fassung im Bauman Fechtbuch, und die Aufnahme von Martin Syber und weiteren Meistern hilft, ihre Verbindung zu Liechtenauer zu belegen.
Kampfkünste im Werk
Inhalt
Der Abschnitt zum langen Schwert umfasst die Blätter 1r–29v: ein Fragment von Ringecks Glosse (1r–22r), den anonymen Traktat Stuck im aufstreichen (22v–24r), Martin Sybers neuen Zettel (24v–25r) und auf den Blättern 27r–29v die Lehren von Andres Juden, Jobs von der Nissen, Nicklas Preußen und Hans Döbringer. Dazwischen ist die anonyme Lehre zum Messer (25v–26v) eingefügt, mit Stellungen, Schritten in ein Dreieck, Deckung sowie Hieb oder Stich zum Kopf. Das Ringen bilden die Augsburger Gruppe (35r–56r), Lignitzer (64r–66r) und Ott Jud (67r–73v). Es folgen Ringecks Glosse zum Fechten zu Pferd (74r–82r), eine anonyme Glosse und die Glosse von Pseudo-Peter von Danzig zum kurzen Schwert (83r–95v), Martin Huntsfelds Dolch (95v–97v) und ein anonymer Dolch (97v–100r), Huntsfelds kurzes Schwert (100v–104v) und Lignitzers Schwert mit Buckler (105r–105v). In manchen Abschnitten trägt jede Seite eine Illustration mit dem Text darüber, die Gesamtzahl der Abbildungen haben wir in den Quellen nicht gefunden.
Urheberschaft
Die Datierung der Handschrift weicht zwischen den Quellen ab. Wiktenauer verweist auf das interne Datum 1508 auf Blatt 22r, die englischsprachige Wikipedia nennt das Jahr 1505. Wir halten uns an das interne Datum. Auch der Umfang weicht ab: Wiktenauer zählt 107 Folien und führt die letzten Blätter 106r–107v als leer, Wikipedia nennt 105 Folien, und keine der Quellen erklärt den Unterschied. Den Schreiber, den Entstehungsort, den Auftraggeber und eine Widmung konnten wir nicht belegen. Unbekannt ist also nur der Abschreiber, nicht die Texte, denn die Kompilation trägt die Namen von zehn Meistern von Johannes Liechtenauer bis Martin Huntsfeld. Wem die Handschrift gehörte und wie sie in die Sammlung von R. L. Scott gelangte, haben wir in den Quellen nicht gefunden.
Ausgaben und Übersetzungen
Die Handschrift ist vollständig digitalisiert, die Scans sind gemeinfrei und werden von Wiktenauer und der Online-Sammlung der Glasgow Museums veröffentlicht. Die Transkription stammt von Dierk Hagedorn. Die anonyme Lehre zum Messer der Blätter 25v–26v übersetzte Jens P. Kleinau ins Englische und veröffentlichte sie 2011 im Blog The Fencing and Life of Hans Talhoffer. Eine englische Übersetzung des Dolchabschnitts bereitete Harrison Ridgeway vor. Die englischsprachige Wikipedia verweist außerdem auf die Studie Messer Fighting from the Glasgow Fechtbuch von Christian Henry Tobler von 2010, den Herausgeber und die Art dieser Ausgabe haben wir in den Quellen jedoch nicht gefunden.
Personen und Kampfkünste
- Johannes LiechtenauerAutor
- Sigmund RingeckAutor
- Martin SyberAutor
- Andres JudenAutor
- Jobs von der NissenAutor
- Nicklass PreußenAutor
- Hanko DöbringerAutor
- Andreas LiegnitzerAutor
- Ott JudAutor
- Martin HuntsfeldAutor
- Jens P. KleinauÜbersetzer
Angaben
- Form
- Handschrift
- Aufbewahrungsort
- R. L. Scott Collection, Kelvingrove Museum (Glasgow Museums), Glasgow
- Signatur
- MS E.1939.65.341
- Blätter
- 107
- Material
- Papier
Weitere Titel
- MS E.1939.65.341 (Alternativtitel, GB)