Ringen (mittelalterlich)
Ringen der deutschen Kampfkunst des 14. bis 16. Jahrhunderts. Mit dem Schwert gelehrt, eine Lehrschrift wird Meister Ott zugeschrieben, der erste Ringdruck erschien um 1507.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
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Über Ringen (mittelalterlich)
Ringen ist der Ringkampf, der in den deutschen Ländern im 14. und 15. Jahrhundert in Fechtgesellschaften zusammen mit Entwaffnungstechniken namens Ringen am Schwert gelehrt wurde. Green (2001) ordnet ihn der deutschen Kampfkunst (Kunst des Fechtens) neben dem langen Schwert und dem Messer (Messer) zu. Die Allgemeine Deutsche Biographie (1875) gibt an, dass die Lehre vom Ringen in älterer Zeit mit dem Fechten verbunden war.
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Eine der Ringlehren wird laut ADB Meister Ott zugeschrieben. Die Sammlung von Lew dem Juden führt sie mit den Worten ein, es handle sich um das Ringen, das Meister Ott verfasst habe, der ein getaufter Jude gewesen sei, und laut Jaquet (2017) folge daraus, dass Ott zur Zeit der Niederschrift nicht mehr lebte. Die ADB bezeichnet ihn als Ringer der österreichischen Herren. Sein ursprünglicher Text ist laut Jaquet verloren oder unbekannt, Abschriften befinden sich laut Rainer Welle in den Sammlungen von Talhoffer, Peter von Danzig, Ringeck, Lew, Hans von Speyer, Paulus Kal und in der Krakauer Handschrift. Das Ringen erschien auch im Druck. Das erste gedruckte Fechtbuch überhaupt ist laut Jaquet das Ringbuch von Hans Wurm aus Landshut, um 1507 datiert. Fabian von Auerswald veröffentlichte 1539 in Wittenberg bei Hans Lufft das Buch Ringer kunst mit fünfundachtzig Stücken. Green schreibt, es beschreibe Würfe, Niederwürfe, Hebel und eine Reihe traditioneller Griffe. Heute wird historisches Ringen in der HEMA-Bewegung geübt. Laut einer Zählung in der Zeitschrift Acta Periodica Duellatorum (2021) wurde es in Deutschland an 50 Orten gelehrt, das sind 40 Prozent der gemeldeten Orte.
Geschichte
Green (2001) gibt an, dass die deutschen Fechtgesellschaften des 14. und 15. Jahrhunderts systematisch Ringtechniken namens Ringen und Entwaffnungstechniken namens Ringen am Schwert lehrten. Die Allgemeine Deutsche Biographie (1875) schreibt, dass eigenständige handschriftliche Lehrbücher des Ringens erst im 15. Jahrhundert auftauchen und eines davon Meister Ott zugeschrieben wird, einem getauften Juden und Ringer der österreichischen Herren. Green ergänzt, Ott sei in seiner Heimat offenbar so angesehen gewesen, dass er die Grenzen des damaligen Antisemitismus überwand.
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Otts ursprünglicher Text ist laut Jaquet (Acta Periodica Duellatorum, 2017) verloren oder unbekannt. Rainer Welle zeigte in seiner Dissertation von 1993, dass in der Linie der Abschriften offenbar zwei Fassungen fehlen. Abschriften befinden sich in den Handschriften von Talhoffer in Gotha, Peter von Danzig in Rom, Ringeck in Dresden, Lew der Jude in Augsburg, Hans von Speyer in Salzburg, Paulus Kal in Wien und in Krakau. Laut Jaquet (2020) ist das erste gedruckte Fechtbuch das Ringbuch von Hans Wurm aus Landshut, um das Jahr 1507 datiert. Die ältere Datierung in die neunziger Jahre des 15. Jahrhunderts stammt aus Bibliographien des 19. Jahrhunderts. Bauer (2016) nennt noch zwei kleine Ringdrucke aus Straßburg und Augsburg aus den Jahren um 1510 bis 1512. Fabian von Auerswald, geboren 1462, lebte laut ADB am Hof der sächsischen Kurfürsten, und sein Buch Ringer kunst: fünff vnd achtzig stücke erschien 1539 in Wittenberg bei Hans Lufft. Die ADB gibt an, die Bilder habe Lucas Cranach gezeichnet oder sie seien nach ihm entstanden, das Metropolitan Museum of Art schreibt sie Cranach dem Jüngeren zu. Laut Rainer Welle, den Kellers Dissertation aus Regensburg (2017) zitiert, verlor das Ringen zwischen 1600 und 1800 seine gesellschaftliche Bedeutung, und Turner wie Jahn, GutsMuths und Vieth konnten das nicht umkehren.
Was es unterscheidet
Italienische Handbücher beschreiben nach Green (2001) Griffe aus der Nähe unter der Bezeichnung gioco stretto, das deutsche Gegenstück waren Ringen am Schwert und Schwertnehmen. Pietro Monte bezeichnete nach Green das Ringen als Grundlage jedes Kampfes, kritisierte aber das Ringen anderer Nationen, am meisten das deutsche, dessen Bodenkampf er für gefährlich hielt. Manche Autoren unterscheiden zwischen Ringbüchern und Fechtbüchern. Jaquet (2020) hält dies für eine ungeeignete Einteilung, die aus der Geschichtsschreibung des späten 19. Jahrhunderts übernommen wurde, und gibt an, dass das Ringen bis zu einem gewissen Grad in allen Fechtbüchern enthalten ist.
Technik
Green (2001) schreibt, dass die deutsche Kampfkunst auch Techniken ohne Waffen umfasste, darunter Ringen und der Bodenkampf namens Unterhalten, also das Halten unten. Der deutsche Fechtmeister beherrschte laut ihm Niederwürfe und Griffe aus der Nähe namens Ringen am Schwert sowie Entwaffnungstechniken namens Schwertnehmen. Das Fechtbuch von Hans Talhoffer enthält mehrere Seiten mit Abbildungen, auf denen ein Ringer ohne Waffen in die Reichweite des Schwerts eintritt und es einem bewaffneten Gegner abnimmt, andere Bücher zeigen Würfe, Niederwürfe und Armhebel.
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Die Handschrift Hs. 3227a gibt an, dass alles Fechten ursächlich und von Grund auf aus dem Ringen hervorgeht. Kellers Dissertation (2017) liest das so, dass das Schwertfechten nicht im Ringen endet, sondern aus ihm hervorgeht. Das Lexikon des Mittelalters deutet dieselbe Stelle umgekehrt, als Ringen in der Rolle der letzten Möglichkeit. Der Autor der Handschrift versteht das einhändige lange Messer laut Keller als Zwischenstufe zwischen Ringen und dem Fechten mit dem zweihändigen Schwert. Das Buch von Fabian von Auerswald aus dem Jahr 1539 beschreibt laut Green Würfe, Niederwürfe, Gelenkhebel und eine Reihe traditioneller Griffe des deutschen Ringens und Bodenkampfs. Rainer Welle hält das Ringen laut Keller für einen wesentlichen Teil der mittelalterlichen Kampfkunst, der weitgehend auch den Stil des Kampfes mit Waffen prägt.
Heute
Karl Wassmannsdorff veröffentlichte nach Kellers Dissertation (2017) spätestens seit 1866 über das Ringen und gab 1869 mit G. H. Schmidt eine neue Edition von Auerswalds Buch heraus. Heute wird Ringen in der HEMA-Bewegung geübt. Die HEMA-Zählung in der Zeitschrift Acta Periodica Duellatorum (2021) gibt an, dass in Deutschland das historische Ringen an 50 gemeldeten Orten (40,32 Prozent) gelehrt wurde, im Jahr 2019 an 52 Orten. Das Langschwert wurde an mehr als 88 Prozent der Orte gelehrt. In Österreich wurde das historische Ringen 2021 an 10 von 34 HEMA-Orten geübt. Zusammen mit dem langen Messer, dem Dolch und dem Schwert mit Buckler gehört es zu den Disziplinen, die in Deutschland an 40 bis 44 Prozent der Orte gelehrt werden.
Wissenswertes
Die Sammlung von Lew der Jude aus der Augsburger Universitätsbibliothek führt Otts Lehre mit dem Satz Hie heben sich an die Ringen die maister Ott gedicht hat, der ein getauffter Jud gewesen ist an, also hier beginnt das Ringen, das Meister Ott verfasst hat, der ein getaufter Jude war. Kellers Dissertation (2017) nennt Ott unter den Meistern, über die wir biografische Einzelheiten kennen, und setzt seinen Tod in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Allgemeine Deutsche Biographie (1875) gibt an, dass Auerswalds Buch das Ringen so festhält, wie es unter Kurfürst Ernst seine weltberühmten Ringmeister den jungen Fürsten und dem Adel lehrten.
Häufige Fragen
Wer war Meister Ott?
Meister Ott ist der Autor einer deutschen Ringlehre, die in einer Reihe von Handschriften abgeschrieben wurde. Die Sammlung von Lew der Jude bezeichnet ihn als getauften Juden und die Allgemeine Deutsche Biographie als Ringer der österreichischen Herren. Sein Originaltext ist nach Jaquet verloren oder unbekannt, und Rainer Welle ordnete der Linie seiner Abschriften sieben Handschriften zu.
War das Ringen Teil des Fechtens?
Ja. Green (2001) ordnet das Ringen der deutschen Kampfkunst neben dem langen Schwert und dem Messer zu, und Jaquet (2020) gibt an, dass das Ringen bis zu einem gewissen Grad in allen Fechtbüchern enthalten ist.
Wann erschien das erste gedruckte Buch über das Ringen?
Nach Jaquet (2020) ist das erste gedruckte Fechtbuch überhaupt das Ringbuch von Hans Wurm aus Landshut, datiert um das Jahr 1507. Das Buch von Fabian von Auerswald erschien 1539 in Wittenberg.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.