Pehlwani
कुश्तीTraditionelles Ringen des indischen Subkontinents in Akharas, in Lehmgruben. Laut dem Anthropologen Joseph Alter eine Synthese aus persischem Ringen der Moguln und hinduistischer Tradition.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Pehlwani
Über Pehlwani
Pehlwani, geläufiger kushti, ist das traditionelle Ringen des indischen Subkontinents. Laut dem Anthropologen Joseph S. Alter (The Wrestler's Body, 1992) ist das heutige indische Ringen eine Synthese aus der persischen Form, die die Moguln nach Südasien brachten, und der einheimischen hinduistischen Tradition, die mindestens seit dem 11. Jahrhundert belegt ist, und den Sanskrit-Namen mallayuddha halten die Ringer heute für archaisch. Geübt wird in Akharas, Ringerhallen, die ein guru mit einer Gruppe älterer Schüler leitet und in denen die Ringer oft auch wohnen.
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Gerungen wird in einer Grube mit Lehm, nicht auf einer Matte. Alter gibt an, dass dem Lehm Kurkuma für heilende Wirkung beigemischt wird, in Gujarat Buttermilch, Öl und Ocker, und die Presse beschreibt auch Ghee und saure Milch. Die Grube graben die Ringer selbst mit einer kurzen schweren Hacke zu Furchen wie auf einem Acker, und Alter zählt das zu den wichtigsten Übungen. Kushti ist der Wettkampfringkampf, der Trainingsringkampf heißt jor. Das Training beruht auf Wiederholungen in riesiger Zahl. Dand ist ein Liegestütz mit durchgebogener Wirbelsäule, bethak eine tiefe Kniebeuge auf beiden Beinen mit Sprung auf die Zehenspitzen, und ein guter Ringer schafft laut Alter etwa 1 500 dand pro Stunde. Gada ist ein schwerer Stein von 10 bis 60 kg am Ende einer meterlangen Bambusstange, gar nal ein steinerner Ring, der um den Hals gehängt wird und den nur wenige Ringer benutzen. Die Ernährung besteht aus Milch, Ghee und Mandeln, zum traditionellen Regime gehören Aufstehen vor der Morgendämmerung und die Enthaltsamkeit brahmacharya. Der berühmteste Ringer ist Gama, der 1910 in London nach fast drei Stunden gegen Zbyszko unentschieden kämpfte und, nachdem dieser zur Revanche nicht erschienen war, den Gürtel John Bull erhielt. Eine Inschrift im Museum in Baroda besagt, er sei unbesiegt geblieben. Die nationale Meisterschaft im indischen Stil ist laut Alter Bharat Kesari, und das Lehmringen überlebt heute neben der Matte auch in Wettbewerben der Wrestling Federation of India, die im Dezember 2018 die erste nationale Meisterschaft im Schlammringen veranstaltete.
Geschichte
Die wichtigste Quelle zur Geschichte des indischen Ringens ist die Monografie des Anthropologen Joseph S. Alter, The Wrestler's Body: Identity and Ideology in North India (University of California Press, 1992), die auf Forschung vor Ort in Varanasi in den achtziger Jahren beruht. Laut Alter ist das heutige Ringen eine Synthese aus der persischen Form, die die Moguln nach Südasien brachten, und der einheimischen hinduistischen Form, die mindestens seit dem 11. Jahrhundert belegt ist. Die persische und die hinduistische Technik seien laut ihm identisch, es unterscheide sich die Kultur des muslimischen und des hinduistischen Ringens. Der Sanskrit-Begriff mallayuddha, Ringkampf, wird laut Alter selten verwendet, und die Ringer halten ihn für archaisch. Die Wrestling Federation of India setzt die Anfänge des Ringens in Indien bis ins fünfte Jahrtausend v. Chr. zurück, eine Quelle dafür wird nicht genannt.
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Alter betont die Rolle der königlichen Förderung: Laut heutigen Ringern wäre das Ringen ohne sie ausgestorben, und die Förderung habe den Volkssport in einen politischen Diskurs mit nationalistischem Unterton verwandelt. Die berühmteste Gestalt ist Gama (geboren am 22. Mai 1878 in Jabbowal bei Amritsar, gestorben am 23. Mai 1960), den der Maharadscha von Patiala laut Alter mit einem Dorf und einem jährlichen Stipendium von 6 000 Rupien beschenkte und der dennoch arm starb. Das Mattenringen drang laut The National 1976 in eine Akhara in Delhi ein, und seither wird in den Akharas beides gelehrt. Die Wrestling Federation of India veranstaltete Ende Dezember 2018 in Pune die erste nationale Meisterschaft im Schlammringen.
Was es unterscheidet
Vom olympischen Freistil unterscheidet sich kushti vor allem durch Untergrund und Umgebung. Scroll.in schrieb über die erste nationale Meisterschaft im Schlammringen 2018, der einzige Unterschied zur Matte sei der Untergrund gewesen, und Indian Express beschrieb das Turnier Bharat Kesari Dangal in Ambala 2017 als Ringen auf der Matte, bei dem sich die Zuschauer an kushti mit Matte statt Schlamm gewöhnen mussten. Innerhalb des indischen Ringens unterscheidet Alter eine muslimische und eine hinduistische Ringkultur, technisch identisch, aber formal verschieden. Neben kushti als Wettkampf steht das Trainingsringen jor.
Technik
Laut Alter bezeichnet kushti den Wettkampfringkampf und jor den Trainingsringkampf. Gerungen wird in einer Lehmgrube, die Ringer tragen einen Lendenschurz namens langot. Schriftliche Regeln des Lehmringens haben wir nicht gefunden. Bei der ersten nationalen Meisterschaft im Schlammringen in Pune im Dezember 2018 wurden laut Scroll.in Punkte durch Takedowns und Würfe gesammelt, gewonnen wurde durch Schultersieg, und die Ringer durften nicht nach dem langot des Gegners greifen. Der einzige Unterschied zum Mattenringen war laut dem Bericht der Untergrund. Laut ihrer Satzung richtet sich die Wrestling Federation of India nach den Regeln der United World Wrestling und führt pehlwani unter den angeschlossenen Stilen.
Training
Das Training in der Akhara beschreibt Alter ausführlich. Die Grube wird mit einer kurzen schweren Hacke namens pharsa zu Furchen wie auf einem Acker gegraben, und das Graben gehört zu den wichtigsten Übungen. In den Lehm wird Kurkuma für heilende Wirkung gemischt, in Gujarat Buttermilch, Öl und roter Ocker, am Fest Nag Panchami Öl, Kurkuma, manchmal Parfüms und Neemblätter. The National beschreibt das Graben mit einer zwanzig Kilogramm schweren Hacke, das Mischen von Kurkuma mit Senföl und das Ebnen mit einem schweren Brett namens fatta, und in Beschreibungen aus dem Jahr 2021 nennt es auch Ghee und saure Milch.
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Grundlage sind dand, ein Liegestütz mit durchgebogener Wirbelsäule, und bethak, eine tiefe Kniebeuge auf beiden Beinen mit einem Sprung auf die Zehenspitzen. Ein guter Ringer schafft laut Alter etwa 1 500 dand pro Stunde, und viele machen 2 000 täglich, bethak werden in Serien zu 60 bis 100 gemacht. Gada ist ein schwerer runder Stein von 10 bis 60 kg am Ende einer meterlangen Bambusstange, gar nal ein steinerner Ring, der um den Hals gehängt wird und den nur wenige Ringer benutzen. Die Ringer sollen um drei Uhr morgens aufstehen, in der Praxis zwischen halb fünf und fünf. Die Förderer bezahlen ihnen Milch, Ghee und Mandeln, die die Ringer für eine Kraftquelle halten. Grundlage des Ringerlebens ist laut Alter brahmacharya, Enthaltsamkeit nach dem Prinzip, den Samen zu bewahren, deren Symbol langot ist. Eine Akhara hat fünf bis siebzig Mitglieder im Alter von 8 bis 65 Jahren, der guru verlangt vom Schüler völlige Hingabe. In einer Akhara in Delhi, die The National 2008 beschrieben hat, wohnen die Ringer, dürfen weder trinken noch rauchen, essen vegetarisch, und die schwereren trinken bis zu sechs Liter Milch am Tag.
Graduierungen und Fortschritt
Grade oder Gürtel kennt das indische Ringen nicht, die Stellung ergibt sich aus Titeln. Bharat Kesari ist laut Alter die jährliche nationale Meisterschaft im indischen Stil, die in den achtziger Jahren die Indian Wrestling Federation sponserte. Den Titel Hind Kesari gewann 1960 Ganpatrao Andalkar, Rustam-e-Hind war ein Titel, den der Champion hielt. Gama erhielt ihn laut olympics.com nach seiner Rückkehr aus England 1910 durch den Sieg über Raheem Bakhsh. Wer die Titel heute vergibt, haben wir nicht gefunden, und die Indian Style Wrestling Association of India behauptet, die traditionellen Titel seien markenrechtlich geschützt.
Heute
Das Ringen in Indien leitet die Wrestling Federation of India, laut ihrer Satzung Mitglied der Indian Olympic Association und der United World Wrestling. Sie vereint staatliche und territoriale Verbände und setzt die UWW-Regeln durch, das Gründungsjahr und die Mitgliederzahl nennt sie auf ihrer Website nicht. Zu ihren Tätigkeitsgegenständen zählt auch das traditionelle Ringen, pehlwani nennt sie unter den angeschlossenen Stilen. Die erste nationale Meisterschaft im Schlammringen veranstaltete sie Ende Dezember 2018 in Pune mit Preisgeldern von 75 000 Rupien für Gold, 50 000 für Silber und 25 000 für Bronze. Um traditionelle Titel gibt es Streit: Die Indian Style Wrestling Association of India forderte unter Berufung auf Markenrechte ein gerichtliches Verbot des Wettbewerbs Maharashtra Kesari in Pune. Auf der UNESCO-Liste des immateriellen Erbes steht kein Element des indischen Ringens.
Wissenswertes
Gama wurde 1910 in London wegen seiner Größe nicht zum Wettbewerb John Bull zugelassen und erklärte eine offene Herausforderung, das Finale gegen Zbyszko am 10. September 1910 endete nach fast drei Stunden unentschieden. Zur Revanche erschien Zbyszko nicht, und Gama erhielt den Gürtel John Bull. Alter datiert die Revanche in Patiala auf 1928 und schreibt, Gama habe in zweieinhalb Sekunden vor mehr als 40 000 Zuschauern gewonnen, olympics.com nennt 1927 und unter einer Minute. Eine Inschrift im Museum in Baroda besagt, Gama sei zeitlebens unbesiegt gewesen, olympics.com spricht von mehr als 5 000 Kämpfen. Alter erzählt, Gama habe einem jungen Mann geraten, täglich elf dand und bethak zu machen, eine Handvoll Kichererbsen zu essen und an Gott zu denken.
Häufige Fragen
Was ist eine Akhara?
Eine Ringerhalle unter Leitung eines guru und einer Gruppe älterer Schüler, in der man in einer Lehmgrube ringt, trainiert und oft auch wohnt.
Was wird dem Lehm in der kushti-Grube beigemischt?
Laut Alter Kurkuma und in Gujarat Buttermilch, Öl und Ocker. Die Presse nennt auch Ghee und saure Milch.
Steht kushti auf der UNESCO-Liste?
Nein. Unter Indiens Elementen des immateriellen Erbes bei der UNESCO ist keines des Ringens.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.