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Griechisch-Römisches Ringen

Ελληνορωμαϊκή πάλη

Olympischer Ringkampfstil ohne Griffe unter der Gürtellinie und Beineinsatz. Geht auf das französische Ringen des 18. und 19. Jahrhunderts zurück, nicht unmittelbar auf die Antike.

Wichtige Daten

HerkunftslandFrankreich
RegionEuropa
HauptfokusGriffkampf
KontaktstufeVollkontakt
GürtelsystemKeine Graduierungen

Charakter & Herkunft

StatusLebendig, organisiert
LinieSportlich kodifiziert
Entstehungszeit19. Jahrhundert

Training

BekleidungRingertrikot
SparringVollkontakt
Rolle der WaffenOhne Waffen
Rolle der FormenOhne Formen

Für wen

KinderprogrammeKindergruppen üblich
SeniorenfreundlichFür Senioren nicht geeignet
Körperliche Anforderung4/5
Verletzungsrisiko4/5
Übertrag auf Selbstverteidigung4/5
Wie wir die Skalen bewerten →

Organisation & Wettkampf

GraduierungenNein
WettkampfformatPunktkampf
GewichtsklassenJa
Olympischer StatusAktuell olympisch
Geschätzte Praktizierende100 000–1 Mio.

Woraus der Stil besteht

Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.

HandschlägeNicht verwendet
TritteNicht verwendet
WürfeZentral
BodenkampfZentral
Hebel & HaltegriffeAm Rande
WaffenNicht verwendet

Vergleiche

Griechisch-Römisches Ringen vs. Freistilringen→

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Über Griechisch-Römisches Ringen

Das griechisch-römische Ringen ist neben dem Freistil einer der beiden olympischen Ringkampfstile. Trotz seines Namens hat es keinen unmittelbaren Zusammenhang mit der Antike: Es geht auf das französische Ringen des 18. und 19. Jahrhunderts zurück, und Griechen und Römer betrieben es nicht. Die UWW gibt an, dass Jean Exbrayat, ein Soldat der Armee Napoleons, allgemein als derjenige genannt wird, der einige Grundregeln festlegte. Der Name wird dem italienischen Ringer Basilio Bartoletti zugeschrieben.

Weiterlesen

Die UWW-Regeln verbieten, den Gegner unterhalb der Gürtellinie zu greifen, ein Bein zu stellen und die Beine aktiv einzusetzen, und zwar im Angriff wie in der Verteidigung. Der Stil beruht deshalb auf Griffen oberhalb der Gürtellinie und auf Würfen, die meisten Punkte, fünf, gibt ein Wurf großer Amplitude. Der Kampf der Senioren hat zwei Perioden zu je drei Minuten und endet mit einem Schultersieg, nach Punkten oder durch technische Überlegenheit bei einem Vorsprung von acht Punkten. Bei den Olympischen Spielen war das griechisch-römische Ringen schon 1896 in Athen dabei, damals ohne Gewichtsklassen. Durchgehend steht es seit 1908 auf dem Programm, und seit 1920 wird neben dem Freistil gerungen. Senioren haben heute zehn Klassen im Bereich von 55 bis 130 kg, bei den Spielen in Paris 2024 wurde in sechs gerungen. Eine griechisch-römische Frauenkategorie gibt es in den UWW-Regeln nicht. Bei den UWW-Veranstaltungen in den Jahren 2016 bis 2019 hatte der Stil 9,5 mittelschwere und schwere Verletzungen auf 1.000 Expositionen, etwas mehr als der Freistil. Grade oder Gürtel hat er nicht, die Laufbahn führt über Alters- und Gewichtsklassen.

Geschichte

Das griechisch-römische Ringen ist neben dem Freistil einer der beiden olympischen Ringkampfstile. Im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts war es meist als französisches Ringen (lutte française) oder Ringen mit der flachen Hand (flat hand) bekannt. Die UWW gibt an, dass Jean Exbrayat, ein Soldat der Armee Napoleons, der auf Märkten und Festen rang, allgemein als derjenige genannt wird, der einige Grundregeln festlegte, ein Jahr nennt sie jedoch nicht. Die Regeln beschränkten Griffe, deren Ziel nur Schmerz war, und der Name flat hand sollte den Stil von der Kraftmenschen-Unterhaltung mit Faustschlägen unterscheiden. Der Name griechisch-römisch wird dem italienischen Ringer Basilio Bartoletti zugeschrieben und entstand nach der UWW aus dem Aufruf von Sportfunktionären zur Rückkehr zu den Werten des alten Griechenland und Rom. Die Griechen und Römer betrieben diesen Stil nicht. Der internationale Verband nennt den Stil offiziell klassisches Ringen (lutte classique). Bei den Spielen 1896 in Athen wurde nur im griechisch-römischen Stil und ohne Gewichtsklassen gerungen. Im Jahr 1900 in Paris fehlte das Ringen, 1904 in St. Louis wurde nur im Freistil gerungen. Seit den Spielen 1908 in London steht das griechisch-römische Ringen durchgehend auf dem Programm, und seit den Spielen 1920 in Antwerpen wird neben dem Freistil gerungen.

Was es unterscheidet

Vom Freistil, der zweiten olympischen Ringdisziplin, unterscheidet sich der griechisch-römische Stil vor allem durch die Beine. Die UWW-Regeln verbieten darin, den Gegner unter der Gürtellinie zu greifen, Beine zu stellen und die Beine aktiv einzusetzen, im Freistil ist alles erlaubt. Der griechisch-römische Stil beruht deshalb auf Griffen am Oberkörper und auf Würfen. Auch die Wertung unterscheidet sich. Die technische Überlegenheit beendet den Kampf bei einem Unterschied von acht Punkten, im Freistil und im Frauenringen erst bei zehn. Für die erste wie die zweite Verwarnung des Gegners wegen Passivität erhält der aktive griechisch-römische Ringer einen Punkt, im Freistil beginnt nach dem zweiten Verstoß eine Dreißig-Sekunden-Phase, in der der passive Ringer punkten muss. Verweigert der untere Ringer zum zweiten Mal den angeordneten Start in Bodenlage, erhält der Gegner im griechisch-römischen Stil zwei Punkte, im Freistil einen. Frauen ringen nach Freistilregeln, nur ist zusätzlich ein doppelter Nelson verboten. Einen Vergleich mit Judo oder Sambo haben wir aus Verbandsquellen nicht gefunden.

Technik

Die UWW-Regeln (Januar 2026) verbieten in der Einleitung ausdrücklich, im griechisch-römischen Ringen den Gegner unterhalb der Gürtellinie zu greifen, ein Bein zu stellen und die Beine aktiv zu irgendeiner Aktion einzusetzen. Art. 44 verbietet dem Ringer in der unteren Position, sich mit den Beinen zu verteidigen, und Art. 18 verpflichtet die Kampfrichter, in diesem Stil den Beinen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Angriff und Verteidigung spielen sich deshalb in Griffen oberhalb der Gürtellinie ab, und der Stil beruht auf Würfen. Art. 38 spricht 5 Punkte für einen Wurf großer Amplitude aus dem Stand zu, der den Gegner in unmittelbare Gefahr bringt, und ebenso viele für einen Wurf aus der Bodenlage, bei dem der Angreifer den Gegner vollständig hochhebt und in eine solche Lage wirft. Technische Überlegenheit tritt bei einem Vorsprung von 8 Punkten ein, im Freistil erst bei 10. Bei der ersten und zweiten Passivität wird der Kampf angehalten, der aktive Ringer erhält 1 Punkt und darf wählen, ob im Stand oder in der Bodenlage weitergerungen wird (Art. 46). Bei der dritten und weiteren Passivität wählt er die Position ebenfalls, einen Punkt erhält er aber nicht mehr.

Training

Das Training eines griechisch-römischen Ringers dreht sich zu einem großen Teil um das Gewicht. Nach den UWW-Regeln findet das erste Wiegen mit ärztlicher Kontrolle am Morgen des Tages statt, an dem die jeweilige Gewichtsklasse ringt, und dauert dreißig Minuten. Wer in die Hoffnungsrunde oder ins Finale einzieht, wird am zweiten Morgen erneut in einem fünfzehnminütigen Zeitfenster gewogen und hat keine Toleranz mehr. Eine Toleranz von zwei Kilogramm lassen die Regeln nur bei Weltcups, in der Ranking Series und bei internationalen Turnieren zu. Gewichtmachen ist weit verbreitet und riskant. Eine Studie mit 350 Ringern (Frontiers in Nutrition, 2024), von denen 60 griechisch-römisch rangen, ergab, dass 49,1 % weniger als eine Woche vor dem Wettkampf mit dem Abnehmen begannen. Senioren verloren im Durchschnitt 4,91 kg, die Klasse U20 3,74 kg und U17 3,00 kg. Laufen in Regenjacke gaben 89,1 % der Abnehmenden an, Sauna 79,7 % und Muskelkrämpfe 72,9 %. Einen konkreten Trainingsplan aus einer Verbandsquelle haben wir nicht gefunden. Eine Fallstudie zu einem vierfachen Weltmeister in der 55-kg-Klasse ermittelte eine maximale Sauerstoffaufnahme von 56 ml/kg/min und 8,4 % Körperfett.

Graduierungen und Fortschritt

Im griechisch-römischen Ringen gibt es weder Gürtel noch Grade, man kommt über Altersklassen und Ergebnisse voran. Die UWW-Regeln kennen die Klassen U15 (14 bis 15 Jahre), U17 (16 bis 17), U20 (18 bis 20), U23 (19 bis 23), Senioren ab 20 Jahren und Veteranen über 35 Jahre. Kämpfe der U15, U17 und der Veteranen haben zwei Runden zu je zwei Minuten, die der U20, U23 und der Senioren zwei Runden zu je drei Minuten, immer mit einer Pause von dreißig Sekunden. Für die genannten internationalen Wettkämpfe braucht ein Ringer eine UWW-Lizenz. Sie gilt nur für das jeweilige Jahr, wird jährlich erneuert und dient zugleich als Auslandskrankenversicherung. Wie genau die Qualifikation für die Olympischen Spiele und die Punktevergabe der Ranking Series funktionieren, haben wir in den Regeln bisher nicht gefunden.

Für wen

Erster olympischer Sieger im Ringen war 1896 in Athen der Deutsche Carl Schuhmann, der damals den Wettbewerb im griechisch-römischen Stil ohne Gewichtsklassen gewann und bei denselben Spielen auch drei Turndisziplinen. Die physiologische Belastung der Ringer dieses Stils haben zwei Studien gemessen. Karnincic und Kollegen (Journal of Sports Science and Medicine, 2009) beobachteten das Laktat bei 20 Ringern, zehn kroatischen Nationalspielern und zehn Mitgliedern eines Klubs in Split. Nach dem Aufwärmen hatten sie 2,6 mmol/l, das Laktat stieg im Verlauf des Kampfes und war am Ende am höchsten. Bei einem simulierten Wettkampf von 12 Männern in der Klasse 74 kg (International Journal of Wrestling Science, 2011) stieg die durchschnittliche Herzfrequenz von 138 in der ersten Periode auf 183 Schläge pro Minute in der dritten, mit einem Maximum von 193, und das Laktat erreichte bis zu 20,3 mmol/l. Die Studie hatte drei Perioden, die heutigen Regeln haben zwei Perioden. Beide Studien beschreiben die Reaktion des Organismus der Wettkämpfer, nicht den Nutzen des Trainings für gewöhnliche Übende.

Wettkampf

Die UWW-Regeln (Januar 2026, Art. 7) haben für Senioren zehn griechisch-römische Gewichtsklassen im Bereich von 55 bis 130 kg, für U20 und U23 sechs. Eine griechisch-römische Frauenkategorie kennen die Regeln nicht, und der Frauenringkampf folgt den Regeln des Freistils. Warum Frauen nicht griechisch-römisch ringen und seit wann, haben wir nicht gefunden. Die Zahl der olympischen Wettbewerbe änderte sich: 1896 einer ohne Gewichtsklassen, 1908 vier, 2000 acht, in den Jahren 2004 bis 2012 sieben und seit 2020 sechs. Bei den Spielen in Paris 2024 wurde in den Klassen 60, 67, 77, 87, 97 und 130 kg gerungen, also in sechs der achtzehn Ringerwettbewerbe, ebenso viele hatten der Freistil der Männer und der Frauen.

Heute

Molnár und Kollegen (Journal of Sports Science and Medicine, 2022) beobachteten fünf UWW-Veranstaltungen in den Jahren 2016 bis 2019 mit 2.483 Ringern in 3.007 Kämpfen und verzeichneten 9,1 mittelschwere und schwere Verletzungen auf 1.000 Expositionen. Das griechisch-römische Ringen und das Frauenringen hatten gleichermaßen 9,5 auf 1.000 Expositionen, der Freistil 8,5. Bei den Spielen in Rio 2016 wurden unter 352 Ringern in 410 Kämpfen 22 Verletzungen verzeichnet, davon 40,9 % im griechisch-römischen Ringen der Männer, 36,4 % im Freistil der Männer und 22,7 % im Freistil der Frauen. Die Verletzungsrate je Ringer lag im griechisch-römischen Stil bei 7,6 %. Es handelt sich um eine kleine Stichprobe.

Wissenswertes

Das Halbfinale im Mittelgewicht bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm zwischen Martin Klein aus dem Russischen Kaiserreich und dem Finnen Alfred Asikainen dauerte 11 Stunden und 40 Minuten. Klein gewann durch Schultersieg, war aber so erschöpft, dass ihm die Ärzte den Start im Finale nicht erlaubten. Gold erhielt kampflos Claes Johanson, und Klein holte Silber. Alexander Karelin gewann 1988, 1992 und 1996 olympisches Gold und neun Weltmeistertitel. Laut UWW verlor er in seiner internationalen Karriere nur einen Kampf, und zwar das Finale der Olympischen Spiele 2000, wo er Silber holte. Der Kubaner Mijaín López gewann 2024 in Paris die Klasse bis 130 kg und war der erste Sportler, der fünf olympische Goldmedaillen in Folge in derselben Einzeldisziplin holte.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen griechisch-römischem Ringen und Freistil?

Im griechisch-römischen Stil verbieten die UWW-Regeln, den Gegner unter der Gürtellinie zu greifen, Beine zu stellen und die Beine aktiv einzusetzen, im Freistil ist es erlaubt. Die technische Überlegenheit tritt im griechisch-römischen Stil bei acht Punkten Vorsprung ein, im Freistil bei zehn.

Wie viele Gewichtsklassen hat das griechisch-römische Ringen?

Die UWW-Regeln sehen für Senioren zehn Klassen von 55 bis 130 kg vor. Bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 wurde in sechs Klassen gerungen, 60, 67, 77, 87, 97 und 130 kg.

Wer ist der erfolgreichste griechisch-römische Ringer?

Der Kubaner Mijaín López gewann bei fünf Spielen in Folge olympisches Gold, zuletzt 2024 in Paris bis 130 kg. Alexander Karelin hat drei olympische Goldmedaillen, neun Weltmeistertitel und laut UWW eine einzige internationale Niederlage, im Finale der Spiele 2000.

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