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Handschrift

Codex Ringeck (Mscr.Dresd.C.487)

Originaltitel: Johan Liechtnawers Fechtbuch geschriebenn

1504–1519DeutschlandLehrbuch

Dresdner Handschrift von 1504–1519 mit Sigmund Ringecks Glosse zu Liechtenauers Versen über das lange Schwert und mit Texten über das kurze Schwert, den Kampf zu Pferd und das Ringen.

Der Codex Ringeck ist eine deutsche Fechthandschrift, die die Sächsische Landesbibliothek in Dresden unter der Signatur Mscr.Dresd.C.487 aufbewahrt. Sie entstand zwischen 1504 und 1519 in Schwaben oder Bayern, wie Hoffmann 2010 durch die Analyse der Wasserzeichen zeigte. In die Dresdner Bibliothek gelangte sie vor 1755 und wird dort seitdem aufbewahrt. Der Band umfasst 148 Papierblätter im Format 150 × 110 mm, die mit schwarzer und roter Tinte in frühneuhochdeutscher Sprache beschrieben sind. Auf Liechtenauers Verse (Blätter 3r–9v) folgt Sigmund Ringecks Glosse zum langen Schwert (10v–48v). Ringeck werden auch die Glosse zum kurzen Schwert (88r–108r) und der Beginn des Kampfes zu Pferd (109r–110v) zugeschrieben, an den sich der Kampf zu Pferd des pseudo-Peter von Danzig (110v–121v) anschließt. Dazwischen stehen eine anonyme Abhandlung über das lange Schwert, Andre Lignitzers Text über das Schwert mit Buckler (54r–55v), ein Fragment von Liechtenauers Versen, ein Fragment über das Ringen von Otto Jud (78r–84r) und anonyme Passagen über das Ringen. Die Blätter 126r–148v sind leer. Wer den Band zusammengestellt hat, konnten wir nicht belegen. Die Handschrift wird fälschlich vollständig Ringeck zugeschrieben, obwohl die Einleitung in der dritten Person von ihm spricht. Laut Wiktenauer handelt es sich um eine hastige, fehlerhafte Abschrift voller Streichungen, Einschübe und Auslassungen, die zudem die meisten Verweise auf die Illustrationen der Vorlage weglässt. Die Glosse zum langen Schwert ohne Rüstung bietet sie jedoch vollständig.

Kampfkünste im Werk

Deutsche FechtschuleZentralRingen (mittelalterlich)ProminentHEMA

Urheberschaft

Die Datierung der Handschrift hat sich in der Forschung deutlich verschoben. Wierschin setzte sie 1956 in die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts, gegebenenfalls bis ans Ende des 14. Jahrhunderts, und stützte sich dabei auf das Verhältnis Ringecks zu Liechtenauer und auf die Abhängigkeit von der Handschrift MS 3227a. Hils schlug 1985 die Jahre 1438–1452 vor, sah im Widmungsträger Herzog Albrecht III. von Bayern und hielt die Handschrift für eine Quelle des Starhemberg Fechtbuchs. Die heute anerkannte Datierung 1504–1519 lieferte Hoffmann 2010 durch die Analyse der Wasserzeichen. Sigmund Ringeck gilt als Autor der Glosse zum langen Schwert, die Glossen zum kurzen Schwert und zum Kampf zu Pferd werden ihm nur zugeschrieben. Sein Name steht in Kals Verzeichnis der Mitglieder von Liechtenauers Gesellschaft um 1470. Laut Wiktenauer kann er auf das Dorf Ainring an der deutsch-österreichischen Grenze verweisen. Als Ringecks Gönner gilt Herzog Albrecht von Bayern, es ist jedoch nicht sicher, ob Albrecht III. oder Albrecht IV.

Einfluss

Ringecks Glosse ist neben der Dresdner Handschrift in weiteren Abschriften überliefert: Cluny Cl. 23842 (um 1490), Salzburg M.I.29 (1491), Glasgow E.1939.65.341 (1508), Nürnberg Pirckh.Papp.353 und Wien 26-232 (beide aus dem 16. Jahrhundert), Augsburg Reichsstadt 82 (1553) und Rostock Var.82 (um 1570). Laut Wiktenauer handelt es sich um unabhängige und fragmentarische Überlieferungslinien eines verlorenen Originals, das reich illustriert war. Die Dresdner Abschrift hat die meisten Verweise auf diese Illustrationen weggelassen. Auf Ringecks Auslegung von Liechtenauers Versen knüpften laut derselben Quelle Hans Medel und Joachim Meyer an.

Ausgaben und Übersetzungen

Die erste gedruckte Ausgabe von Ringecks Glosse bereitete Christian Henry Tobler 2001 vor. Die englische Übersetzung von David Lindholm mit Illustrationen von Peter Svärd erschien 2003 und 2006. Weitere englische Übersetzungen fertigten Bellinghausen (1999), Rawlings (1999–2003), Farrell (2010), Trosclair (2015), Cheney (2020) und das Paar Chidester und Hagedorn (2024) an. Diese Ausgaben betreffen Ringecks Glosse, nicht unbedingt den gesamten Dresdner Band mit den Texten von Lignitzer, Otto Jud und pseudo-Peter von Danzig.

Personen und Kampfkünste

Angaben

Form
Handschrift
Aufbewahrungsort
Sächsische Landesbibliothek, Dresden
Signatur
Mscr.Dresd.C.487
Blätter
148
Material
Papier

Ausgaben

  • 2001 · EN · Erstausgabe
  • 2003 · EN · Übersetzung
  • 2006 · EN · Übersetzung

Weitere Titel

  • Codex Ringeck (Alternativtitel, en)
  • Johannes Liechtenauer's Written Fencing Book (Übersetzter Titel, en)
Weitere Quellen zum Thema (2)
  1. wiktenauer.com/wiki/Johan_Liechtnawers_Fechtbuch_geschriebenn_(MS_Dresd…
  2. wiktenauer.com/wiki/Sigmund_ain_Ringeck