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Handschrift

Goliath (MS germ. quart. 2020)

Originaltitel: Goliath Fechtbuch

1535–1540DeutschlandLehrbuch

Fechthandschrift aus Augsburg oder Landshut von etwa 1535–1540, heute in Krakau, mit der Lehre der Liechtenauer-Tradition über Schwert, Dolch, Ringen und Kampf zu Pferde.

Goliath ist eine deutsche Fechthandschrift, ein Sammelband von Lehren mehrerer Meister, überwiegend aus der Tradition von Johannes Liechtenauer. Nach Rainer Welle, der sich auf Schrift und Wasserzeichen des Papiers stützt, entstand sie in den späten dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts, etwa 1535–1540. Entstehungsort war Augsburg oder Landshut. Schreiber und Auftraggeber sind unbekannt. Heute liegt sie in der Biblioteka Jagiellońska in Krakau unter der Signatur MS germ. quart. 2020. Den Beinamen verdankt sie dem Gemälde des Kampfes zwischen David und Goliath auf der Innenseite des Einbands. Die Papierhandschrift hat 285 Blätter. Sie beginnt mit Liechtenauers Recital mit einer Glosse über das lange Schwert, die Pseudo-Peter von Danzig zugeschrieben wird. Es folgen Stangenwaffen von Andre Paurenfeyndt und Peter Falkner, der Dolch von Andre Lignitzer und Martin Huntsfeld, das Ringen von Otto Jud und Lignitzer, das Fechten zu Pferde und der Kampf mit dem kurzen Schwert. Die Illustrationen stammen von einem einzigen Maler. Welle identifiziert ihn mit dem Maler und Holzschneider Georg Lemberger, doch ist das nur seine These, keine Gewissheit. Die ersten Abschnitte sind reich bemalt, am Beginn des Abschnitts über den Kampf in Rüstung enden die Illustrationen plötzlich, und leere Stellen in den späteren Teilen zeigen, dass die Ausstattung unvollendet blieb. Vor 1564 schrieb Lienhart Sollinger einen Teil der Handschrift in seinen eigenen Sammelband ab. 1938 kaufte die Staatsbibliothek zu Berlin sie aus Luzern, seit 1946 ist sie in Krakau. Digitalisate stellt die digitale Bibliothek Pionier bereit.

Kampfkünste im Werk

Deutsche FechtschuleZentralRingen (mittelalterlich)ProminentHEMA

Inhalt

Die Handschrift ordnet den Stoff nach Waffen. Das lange Schwert umfasst Liechtenauers Recital (fol. 1r–7r) und die Glosse von Pseudo-Peter von Danzig (7v–73v). Den Stangenwaffen widmen sich Andre Paurenfeyndt (75r–84v) und Peter Falkner (85r–86r). Der Dolchabschnitt besteht aus anonymer Lehre (89r–97v), Andre Lignitzer (98r–102v) und Martin Huntsfeld (103r–110v). Das Ringen enthält anonyme Lehre (111r–128r und 157v–159r), die Lehre von Otto Jud (130v–147v) und von Lignitzer (148r–157r). Das Fechten zu Pferde eröffnet Liechtenauers Recital mit Figuren (163r–166r), es folgen die Glosse von Pseudo-Peter (166v–192r) und Huntsfeld (192v–196r). Dem kurzen Schwert gehören die Glosse von Pseudo-Peter (199r–251v), Lignitzer (252r–271v) und Huntsfeld (272r–281v). Ein zeitgenössisches Verzeichnis auf dem Einband nennt 40 Abbildungen des langen Schwerts, 17 des Dolchs, 29 des Ringens zu Fuß und 52 des Kampfes in Rüstung zu Pferde und zu Fuß.

Entstehung

Vor 1564 schrieb Lienhart Sollinger einen Teil der Handschrift in den Sammelband Cod. I.6.2º.2 ab. Vor 1923 besaßen die Handschrift Johann Ludwig Burckhardt (1807–1878) und Jean Louis Burckhardt (1883–1943), unter welchen Umständen, konnten wir nicht belegen. In den Jahren 1923–1938 befand sie sich bei den Händlern Fischer Gallery und Kunsthandel A.-G. Böhler & Steinmeyer in Luzern, die sie 1935 wiederholt Robert Lyons Scott anboten, doch kam es nicht zum Verkauf. 1938 kaufte sie die Staatsbibliothek zu Berlin. Im Krieg wurde sie 1941 auf Schloss Fürstenstein und 1944 in das Kloster Grüssau verbracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte sie nach Krakau und ist seit 1946 in der Biblioteka Jagiellońska.

Urheberschaft

Auf der Innenseite des Einbands steht das Datum 1510–1520. Zabinski (2010) hält es für richtig und meint, die Handschrift sei für Kaiser Maximilian I. (1459–1519) entstanden. Rainer Welle (2017) lehnt das ab und datiert sie anhand von Schrift und Wasserzeichen des Papiers in die späten dreißiger Jahre des 16. Jahrhunderts. Wiktenauer hält das Datum auf dem Einband für einen späteren Zusatz, offenbar unrichtig. Strittig ist auch die Urheberschaft der Ausstattung. Die ganze Handschrift illustrierte ein Maler, und vielleicht schrieb sie auch ein einziger Schreiber ganz, obwohl in ihr mehrere Schriftarten wechseln. Welle identifiziert diesen Maler mit Georg Lemberger (geboren um 1490–1500 in Landshut, gestorben um 1540–1545), zuletzt sicher belegt 1537. Wiktenauer nennt seine Urheberschaft nur als möglich. Den Grund für den Abbruch der Ausstattung belegen die Quellen nicht, Wiktenauer bringt ihn nur vermutungsweise mit Lembergers Tod in Verbindung.

Personen und Kampfkünste

Angaben

Form
Handschrift
Aufbewahrungsort
Biblioteka Jagiellońska, Kraków
Signatur
MS germ. quart. 2020
Blätter
285
Material
Papier
Digitalisat der Bibliothek
fbc.pionier.net.pl/id/oai:jbc.bj.uj.edu.pl:350451

Weitere Titel

  • Goliath (Alternativtitel)
  • MS 5879 (Alternativtitel)
Weitere Quellen zum Thema (2)
  1. wiktenauer.com/wiki/Goliath_Fechtbuch_(MS_Germ.Quart.2020)
  2. wiktenauer.com/wiki/Georg_Lemberger