Judo vs. Aikido
Kurz gesagt
Judo und Aikido verbinden Gründer, die sich kannten: Kano Jigoro schickte Studenten des Kodokan zu Morihei Ueshiba, und der Judoka Kenji Tomiki gründete das Shodokan Aikido. Judo trainiert Würfe und Bodenkampf im Randori gegen vollen Widerstand, Aikido Hebel und Würfe vor allem in Partner-Kata mit einem kooperierenden Partner. Judo ist seit 1964 olympisch, Aikido tritt nur in einem Teil der Schulen an Wettkämpfen an und ist nicht olympisch.
Auf einen Blick
| Judo | Aikido | |
|---|---|---|
| Herkunftsland | Japan | Japan |
| Entstehung | 1882 | 20. Jahrhundert (heutige Form) |
| Gründer | Kano Jigoro | Morihei Ueshiba |
| Kontakt | Vollkontakt | Leichter Kontakt |
| Sparring | Vollkontakt | Nur Partnerübungen · Leichter Kontakt (je nach Stil) |
| Wettkampfformat | Punktkampf | Gemischt |
| Olympischer Status | Aktuell olympisch | Nicht olympisch |
| Graduierungen | Ja (Gürtel) | Ja (Gürtel) |
| Anerkennung der Grade | je nach Verband | zersplittert |
| Bekleidung | Gi erforderlich | Gi erforderlich |
| Waffen | Ohne Waffen | Waffen optional |
| Formen | Formen optional | Formen optional |
| Relative Kosten | niedrig | niedrig |
| Katas und Formen in der Enzyklopädie | 5 | – |
| Techniken in der Enzyklopädie | 104 | 14 |
Skalen 1–5
Bewertet wird das typische Training eines erwachsenen Anfängers in einem normalen Verein, kalibriert über alle Künste.
Woraus die Künste bestehen
Redaktionelle Bewertung 0–3: wie viel Raum der Bereich im normalen Training hat.
Geschichte und Verwandtschaft
Judo und Aikido knüpfen an ältere japanische Kampfschulen an. Kano Jigoro ging von Tenjin Shin’yo-ryu und Kito-ryu aus, Morihei Ueshiba vor allem von Daito-ryu aiki-jujutsu. Das Judo gelangte über Studenten des Kodokan und über den Judoka Kenji Tomiki ins Aikido.
- 1882: Kano gründet den Kodokan in Tokio.
- 1911: Ueshiba studiert Judo in Tanabe, ab 1915 Daito-ryu bei Sokaku Takeda.
- 1926: der Judoka Kenji Tomiki begegnet Ueshiba, 1940 erhält er von ihm als Erster den 8. Dan im Aikido.
- 1930: Kano sieht Ueshibas Vorführung und schickt Studenten des Kodokan zu ihm, darunter Minoru Mochizuki.
- 1942: Ueshiba nimmt den Namen Aikido an.
- 1967: Tomiki gründet das Shodokan mit Techniken nach dem, was im Judo funktionierte.
Technik
- Würfe (nage-waza) und Bodenkampf (katame-waza): Haltegriffe, Würgegriffe, Hebel.
- Im Wettkampf Hebel nur auf den Ellbogen, das Greifen des Beins wird mit shido bestraft.
- Schläge (atemi-waza) nur in der Kata.
- Hebel und Würfe: ikkyo bis gokyo, shiho nage, kote gaeshi.
- Die Prinzipien irimi (Eintreten) und tenkan (Drehung).
- Atemi als Schlag oder als Ablenkung der Aufmerksamkeit vor dem Wurf.
- Techniken im Stand, im Sitzen und in der Position hanmi handachi.
Im Judo hält man den Gegner am judogi fest und der Wurf wird bewertet, im Aikido reagiert tori auf den Angriff von uke und schließt oft mit einem Hebel oder einer Fixierung ab. Das Shodokan toshu randori geht vom judoistischen Randori aus, verbietet aber den Griff an das keikogi des Gegners.
Training
| Judo | Aikido | |
|---|---|---|
| Hauptform des Unterrichts | Randori in unterschiedlicher Intensität | Partner-Kata: uke greift an, tori reagiert |
| Techniktraining | uchi-komi: Ansetzen des Wurfs ohne Abschluss | Wiederholung zu zweit mit Rollenwechsel |
| Freier Kampf | Randori gegen vollen Widerstand | Shodokan randori, Yoshinkan übt freies Randori üblicherweise nicht |
| Waffen | keine | bokken, jo, tanto |
| Gemessene Belastung | Randori 4 × 5 Minuten: Puls 174–183 pro Minute | eine Messung haben wir nicht gefunden |
Im Aikido üben die meisten Schulen mit einem kooperierenden Partner und fügen den Widerstand mit zunehmendem Können hinzu. Die Trainingshäufigkeit konnten wir bei keiner der beiden Künste belegen.
Fortschritt und Graduierungen
| Judo | Aikido | |
|---|---|---|
| Schülergrade | 6 kyu: weißer bis brauner Gürtel | kyu mit weißem Gürtel, Anzahl je nach Organisation |
| Meistergrade | 10 dan, ab dem 6. Dan rot-weißer Gürtel | dan mit schwarzem Gürtel |
| Wer verleiht | Kodokan und nationale Verbände | die Schule, im Aikikai eine Urkunde mit der Unterschrift des doshu |
| Zeichen des Fortschritts | Farbe des Gürtels | in vielen Schulen hakama ab dem Dan |
| Alter und Zeiten | shodan ab 15 Jahren (Vereinigtes Königreich), in den USA üblicherweise ab 16 | Mindestzeiten haben wir nicht gefunden |
Der Judoka zeigt sein Niveau auch im Wettkampf, der Aikidoka meist nur in der Prüfung. Das Yoshinkan veranstaltet den elfmonatigen Kurs Senshusei, seit 1957 mit der Tokioter Polizei.
Belastung und Risiken
- Olympische Spiele 2008–2016: 9,6 Verletzungen pro 1.000 Kampfminuten (BJSM 2021).
- Pocecco u. a. (2013): am häufigsten Knie, Schulter und Finger, etwa 70 % der Verletzungen beim Geworfenwerden durch den Gegner.
- Blach u. a. (PeerJ 2022): 78 % der Verletzungen im Stand.
- Zetaruk u. a. (BJSM 2005, 47 Aikidoka): 51 % hatten innerhalb eines Jahres eine Verletzung mit Trainingsausfall.
- Im Vergleich zum Karate höheres Risiko für Verletzungen an Kopf und Hals, oberen Extremitäten und Weichteilen.
- Typisch Weichteile, Gelenke und Finger, oft wenn tori falsch einschätzt, wie uke die Technik bewältigt.
Für wen
| Judo | Aikido | |
|---|---|---|
| Wettkampfalter | IJF-Veranstaltungen ab 15 Jahren | Altersklassen haben wir nicht gefunden |
| Frauen | olympische Medaillen seit 1992 | Frauenstunde im Hombu dojo |
| Höheres Alter | IJF-Veteranen bis über 70 Jahre, ab 60 Jahren ohne Würgegriffe | Ki Society unterrichtet alle Altersgruppen |
Kinder
| Judo | Aikido | |
|---|---|---|
| Kinderwettkämpfe | zum Beispiel Judo Victoria (Australien) ab 6 Jahren | Kinderwettkämpfe haben wir nicht gefunden |
| Schutz der Kinder | Judo Victoria: bis 15 Jahre ohne Hebel und Würgegriffe, bis 9 Jahre auch ohne sutemi-waza, Kampf 2–3 Minuten | Regeln für Kinder haben wir nicht gefunden |
| Programme | Mindestalter für den kyu 3–15 Jahre je nach Verband | Kinderstunde im Hombu dojo, Alter und Inhalt haben wir nicht gefunden |
| Studie | polnische Studie (1977–1980): Verletzungen bei 5,7 % der Jugendlichen, 22,5 % der Erwachsenen | eine Studie bei Kindern haben wir nicht gefunden |
Selbstverteidigung
- Randori gegen vollen Widerstand im Stand und am Boden.
- Schläge und Waffen auch im freien Training verboten.
- Abwehr von Angriffen in der Kata Kodokan goshinjutsu.
- Partner-Kata, Ausgangspunkt ist ein kooperierender Partner.
- Kritiker weisen auf bedingte Reaktionen von tori bei schwachen Angriffen von uke hin.
- Shodokan tanto randori: Widerstand gegen einen Angreifer mit Übungsmesser.
- Randori gegen mehrere Angreifer für höhere Grade.
Das Judo prüft Würfe und Kontrolle am Boden gegen einen sich voll wehrenden Gegner, ohne Schläge. Das Aikido übt mehr Arten von Angriffen einschließlich des Messers, den Widerstand des Partners schränken die meisten Schulen jedoch ein.
Praktischer Nutzen
| Judo | Aikido | |
|---|---|---|
| Formen der Selbstverteidigung | Kata Kodokan goshinjutsu und Joshi-goshinho | Shodokan: Selbstverteidigungsprogramm ab dem yondan |
| Berufliche Anwendung | konnten wir nicht belegen | Yoshinkan: Kurs Senshusei mit der Tokioter Polizei |
| Höheres Alter | Übersicht von 23 Studien (Sports 2023): bei einem Teil weniger Angst vor dem Fallen | eine Studie haben wir nicht gefunden |
| Weitere Studien | 10 fortgeschrittene Judoka, Randori: Puls 174–183 pro Minute | Übersicht von 20 Artikeln (Archives of Budo 2017): Beweglichkeit, Gleichgewicht, schwache Methodik |
| Anfänger | eine Studie haben wir nicht gefunden | 30 Anfänger, 8 Wochen (Saruhan und Bavli 2023): Verbesserung des statischen Gleichgewichts |
Die Studien betreffen kleine Gruppen und kurze Programme. Eine allgemeine Schlussfolgerung zur Eignung lässt sich daraus nicht ziehen.
Wettkampf
| Judo | Aikido | |
|---|---|---|
| Olympische Spiele | seit 1964, außer 1968 | nicht im olympischen Programm |
| Wer an Wettkämpfen teilnimmt | Verbände unter der IJF | nur ein Teil der Schulen, das Aikikai tritt nicht an |
| Format | Kampf 4 Minuten, 7 Gewichtsklassen für Männer und Frauen | Shodokan: tanto randori, toshu randori, embu, Ki Society: taigi |
| Punkte | ippon, zwei waza-ari, Haltegriff 20 Sekunden, Aufgabe | Shodokan: tanto tsukiari 1, yuko 1, waza-ari 2, ippon 4 |
Das Shodokan trägt seit 1967 Wettkämpfe aus und veranstaltet alle zwei Jahre eine Weltmeisterschaft. Ein Teil der Aikidoka hält seine Wettkämpfe für einen Widerspruch zum Geist des Aikido.
Ausrüstung und Kosten
| Judo | Aikido | |
|---|---|---|
| Kleidung | judogi, im IJF-Wettkampf weiß und blau | keikogi, üblicherweise weiß, in vielen Schulen hakama ab dem Dan |
| Hilfsmittel | keine | bokken, jo, tanto |
| Relative Kosten | niedrig | niedrig |
Verbreitung und Verbände
| Judo | Aikido | |
|---|---|---|
| Weltorganisation | International Judo Federation seit 1951 | International Aikido Federation seit 1976, daneben eigenständige Schulen |
| Zentrum | Kodokan in Tokio | Aikikai Hombu dojo in Tokio |
| Schulen | ein Judo, nationale Verbände | Aikikai, Yoshinkan, Shodokan, Ki Society, Iwama, Yoseikan |
| Anerkennung der Grade | der Kodokan verleiht Grade an Judoka aus der ganzen Welt | Grade sind zwischen den Organisationen nicht austauschbar |
Beim Aikido kommt es beim Umzug darauf an, ob der neue Verein zur selben Schule gehört. Regeln zur gegenseitigen Anerkennung zwischen den Schulen haben wir nicht gefunden.
Wechsel und Kombination
- Fallen (ukemi) und Gewöhnung an Würfe.
- Gleichgewicht und Distanz im Griff.
- Handgelenkhebel, irimi und tenkan sowie die Reaktion auf ein Messer ergänzen.
- Sich an die Rolle von uke gewöhnen.
- Fallen und Bewegung zu zweit.
- Sich an vollen Widerstand im Randori gewöhnen.
- Den Griffkampf am judogi und den Bodenkampf lernen.
- Handgelenkhebel wieder ablegen, der Judo-Wettkampf erlaubt nur Hebel auf den Ellbogen.
Links der Wechsel vom Judo ins Aikido, rechts vom Aikido ins Judo. Vom Judo ins Aikido wechselten Kenji Tomiki und Minoru Mochizuki, beide gründeten eine eigene Aikido-Schule.
Philosophie
- Seiryoku zenyo: maximal effiziente Nutzung der Energie.
- Jita kyoei: gegenseitiger Nutzen.
- Weichheit überwindet Härte.
- Masakatsu agatsu katsuhayabi: sich selbst überwinden, nicht Gewalt pflegen.
- Takemusu aiki und der Einfluss der Bewegung Omoto-kyo.
- Ki Society: One Point, Relax Completely, Keep Weight Underside, Extend Ki.
Das Judo prüft das Prinzip gegen den Gegner im Randori und im Wettkampf, das Aikido meist ohne Wettkampf. Tomiki verband Kanos Prinzipien mit Ueshibas Techniken zum Shodokan.
Formen und Terminologie
Im Judo sind die Kata eine Ergänzung, der Kodokan erkennt zehn an, und die wichtigste Trainingsform bleibt das Randori. Im Aikido ist die Partner-Kata die Hauptform des Unterrichts. Das Shodokan hat die Reihe Junanahon mit 17 im Randori erlaubten Techniken.
Trainingskultur
- Kodokan in Tokio: fünf dojo, das Haupt-dojo hat 420 Tatami.
- Die Farbe des Gürtels zeigt den Grad.
- Das Hombu dojo in Tokio trainiert sieben Tage in der Woche.
- Manche dojo bieten ein uchi-deshi-Programm an, das Leben im dojo.
- Der Film Above the Law (1988) mit Steven Seagal, der erste amerikanische Film mit Aikido in den Kampfszenen.
Häufige Irrtümer
- Aikido tritt nie an Wettkämpfen an: Das Shodokan veranstaltet seit 1967 Wettkämpfe, die Ki Society einen Wettkampf im taigi.
- Judo kennt keine Schläge: atemi-waza werden geübt, aber nur in der Kata.
- Steven Seagal war ein Schüler von Ueshiba: Ueshiba starb 1969, bevor Seagal nach Japan kam, Seagals Angaben zu seinem Studium sind umstritten.
Was wählen
Häufige Fragen
Geht Aikido aus dem Judo hervor?
Nicht direkt. Die technische Grundlage des Aikido stammt vor allem aus dem Daito-ryu aiki-jujutsu. Das Judo gelangte über Studenten des Kodokan, die Kano Jigoro zu Ueshiba schickte, und vor allem über das Shodokan von Kenji Tomiki in das Aikido.
Kannten sich Kano Jigoro und Morihei Ueshiba?
Ja. 1930 sah Kano Ueshibas Vorführung in Tokio und schickte Studenten des Kodokan zu ihm.
Wird im Aikido wie im Judo gesparrt?
Meist nicht. Das Aikikai übt Partner-Kata, das Yoshinkan übt freies Randori üblicherweise nicht. Das Shodokan hat tanto randori und toshu randori, die vom Judo inspiriert sind.
Ist Aikido olympisch?
Judo ja, seit 1964 mit Ausnahme des Jahres 1968. Aikido steht nicht im Programm der Olympischen Spiele.