Seiyunchin
制引戦 · Seiyunchin
Wörtlich: „Beherrschen, ziehen, kämpfen“
Auch bekannt als: Seienchin, Seiunchin
Kata aus der Naha-te-Tradition ohne Tritt: Griffe, Risse und Schläge mit Faustrücken und Ellbogen in tiefer Stellung. Geübt im Goju-ryu, Shito-ryu, Isshin-ryu und Kyokushin.
Auf einen Blick
Über die Kata
Seiyunchin gehört zu den Kata, in denen nicht getreten wird. Laut der englischen Wikipedia setzt sie statt auf Tritte auf Schläge mit dem Faustrücken und dem Ellbogen sowie auf die tiefe Stellung shiko dachi, die im Isshin-ryu auch seiunchin dachi genannt wird. Der Artikel über Isshin-ryu fügt hinzu, dass der einzige Hinweis auf Beinarbeit ein angehobenes Knie sei und dass jeder Teil der Kata seine eigene Art des Atmens und der Muskelspannung habe. Kraft und Ausdauer baut die Kata vor allem durch Atmung und Muskelspannung auf. GKR Karate fügt shiko dachi die Stellungen sanchin dachi, neko ashi dachi und heiko sanchin dachi hinzu und weist darauf hin, dass sich die Kata in acht Richtungen bewegt, während die vorangehenden Kata ihres Lehrplans nur vier Linien kennen. An Techniken nennt es neben dem Faustrücken den Hammerfaustschlag in den Unterleib und die senkrechte Faust. Die Goju-ryu Karate-do Kyokai betrachtet die Kata Seisan als Fortsetzung von Seiyunchin. In den Prüfungsordnungen hat die Kata unterschiedliche Plätze: GKR Karate ordnet sie dem braunen Gürtel 3. Kyu zu, im Kyokushin führt sie Jaap Kooman beim 2. Dan. Die offizielle WUKF-Kata-Liste von 2024 führt sie unter den wählbaren sentei-Kata für Goju-ryu, Shito-ryu, Isshin-ryu, Sankukai, Nanbudo, Shukokai und Shisui-ryu sowie unter den tokui-Kata für Kyokushin.
Die Kata in den Stilen
| Stil | Name im Stil | Bewegungen | Kiai |
|---|---|---|---|
| Kyokushin | Seienchin | 31 | 4 |
| Goju-ryu | Seiunchin | — | — |
| Shito-ryu | Seienchin | — | — |
| Isshin-ryu Karate | Seiunchin | — | — |
| Sankukai | Seienchin | — | — |
Bedeutung des Namens
Der Name wird auf zwei Arten geschrieben. Die englische Wikipedia nennt die Zeichen 制引戦 (in Katakana セイユンチン, auch als Seienchin ausgesprochen) und die Deutungen „ziehen" oder „beherrschen, ziehen, kämpfen"; die Karateka des Meibukan verstünden den Namen ihr zufolge als „still weit marschieren". Jaap Kooman geht von der Schreibung Seienchin 征遠鎮 aus, deren Zeichen „unterwerfen", „fern" und „beruhigen" bedeuten; das Ganze übersetzt er als „Eroberer, der aus der Ferne unterwirft", beziehungsweise als „Angriff auf einen aufständischen Außenposten". GKR Karate nennt die Übersetzungen „im Kampf packen und niederreißen" und „Ruhe im Sturm".
Urheber und Geschichte
Die englische Wikipedia leitet die Kata von Kanryo Higaonna aus der Schule Naha-te ab, von dem sie Chojun Miyagi, der Begründer des Goju-ryu, übernahm. Die Karateka des Meibukan suchten ihr zufolge die Wurzeln im chinesischen Xingyiquan; Jaap Kooman schreibt von Wurzeln im Bai He Quan, dem fujianischen Weißkranich-Stil, und davon, dass die Kata um 1883 als ausschließliche Form des Naha-te nach Okinawa gelangte. Ein Teil der Isshin-ryu-Forscher glaubt dagegen, Miyagi habe sie selbst nach Erfahrungen aus dem chinesischen Fuzhou zusammengestellt, und GKR Karate datiert diese Version auf 1920. Wer die Kata geschaffen hat, konnten wir nicht eindeutig belegen. Nach Japan brachte sie laut Kooman Kenwa Mabuni, als er 1920 dorthin übersiedelte; so gelangte sie ins Shito-ryu. Tatsuo Shimabuku lernte sie von Miyagi und trug sie ins Isshin-ryu.
Unterschiede zwischen den Stilen
Goju-ryu und Isshin-ryu üben die Kata in der Stellung shiko dachi, das Kyokushin laut Jaap Kooman in einem sehr tiefen kiba dachi. Die Kyokushin-Version stamme, so er, aus dem Training Masutatsu Oyamas beim Lehrer So Nei-Chu, einem Schüler Gogen Yamaguchis. Kooman gliedert sie in 31 nummerierte Schritte mit vier Kiai-Schreien und nennt den Schlag age tsuki sowie ganz am Ende hiji barai mit beiden Ellbogen zugleich. Auch der Name unterscheidet sich: Die WUKF-Liste führt die Kata im Goju-ryu und Isshin-ryu als Seiunchin, im Shito-ryu, Sankukai und Kyokushin als Seienchin.
Bunkai – Anwendungen
GKR Karate beschreibt die Kata als Antwort auf einen Angreifer, der uns ständig festhält: Sie ist für den Kampf gegen einen größeren, stärkeren Gegner gedacht, der immer wieder greift, und bevorzugt daher eine feste Verankerung in der Stellung vor Beweglichkeit. Erwähnt wird auch die „vibrierende" Kranich-Technik, bei der ein Arm mehrere Schläge zugleich setzt. Die spanische Website Rincon del do sieht in der Kata zahlreiche Griffe, mit denen der Übende den Gegner packt, zu sich heranzieht und in dessen Deckung eindringt.
Wettkampfeinstufung
- Sportkarate (WKF) — Offizielle Kata-Liste · gültig ab 1.1.2026 ↗
- WUKF (Weltunion der Karate-Do-Verbände) – Goju-ryu — Sentei (Auswahl) · gültig ab 26.4.2024 ↗
- WUKF (Weltunion der Karate-Do-Verbände) – Isshin-ryu Karate — Sentei (Auswahl) · gültig ab 26.4.2024 ↗
- WUKF (Weltunion der Karate-Do-Verbände) – Kyokushin — Tokui (frei gewählt) · gültig ab 26.4.2024 ↗
- WUKF (Weltunion der Karate-Do-Verbände) – Nanbudo — Sentei (Auswahl) · gültig ab 26.4.2024 ↗
- WUKF (Weltunion der Karate-Do-Verbände) – Sankukai — Sentei (Auswahl) · gültig ab 26.4.2024 ↗
- WUKF (Weltunion der Karate-Do-Verbände) – Shito-ryu — Sentei (Auswahl) · gültig ab 26.4.2024 ↗
Wichtiger Tipp
Für den einleitenden langsamen Handflächen-Block in der Kyokushin-Version rät Jaap Kooman, sich vorzustellen, man umfasse mit den Händen einen Ball und drücke ihn langsam unter Wasser bis zur Höhe des Unterbauchs, seika tanden.