Yang Style Tai Chi
楊式太極拳Familienstil des Taijiquan, den Yang Luchan begründete und Yang Chengfu festigte. Die Handform des großen Rahmens ist fließend, ohne Kraftstöße, Sprünge und Stampfen.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Vergleiche
Kataloge & Datenbanken für Yang Style Tai Chi
Über Yang Style Tai Chi
Der Yang-Stil ist ein Familienstil des Taijiquan, den Yang Luchan (1799–1872) aus dem Kreis Yongnian in der Provinz Hebei begründete. Er lernte bei Chen Changxing im Dorf Chen als erster belegter Schüler außerhalb der Familie Chen und unterrichtete später in Peking. Wann er das Studium begann und wen genau er in Peking unterrichtete, geben die Quellen unterschiedlich an. Die Geschichten über seine Unbesiegbarkeit bleiben Tradition. Die heutige Gestalt des Stils festigte sein Enkel Yang Chengfu (etwa 1883–1936), der in Peking und seit 1928 in Shanghai unterrichtete. Die Handform des großen Rahmens glättete er, betonte weite Schritte und große Armbögen und entfernte aus ihr die Kraftstöße fajin, Sprünge und Stampfen. Die Waffenformen mit Schwert, Säbel, Stock und Speer bewahren sie. Die lange Form wird je nach Zählweise als 85, 88, 103 oder 108 Stellungen gezählt. Aus der Familie Yang ging auch der Wu-Stil hervor: Erster Schüler von Yang Banhou war Wu Quanyou. Aus dem Yang-Stil geht die vereinfachte Form 24 aus dem Jahr 1956 hervor und eine verkürzte Form mit 37 Stellungen, die Cheng Man-ch’ing schuf und die die Familie Yang nicht anerkennt. Die Linie nach Yang Chengfu trug sein Sohn Yang Zhenduo, der 1998 die internationale Vereinigung des Yang-Stils gründete. Den klassischen Yang-Stil nutzte eine randomisierte Studie an Menschen mit Fibromyalgie (BMJ 2018).
Geschichte
Den Yang-Stil (Yang Style Tai Chi) begründete Yang Luchan (1799–1872) aus Guangping im Kreis Yongnian in der Provinz Hebei. Zu Chen Changxing ins Dorf Chen empfahl ihn Chen Dehu, der Besitzer einer Apotheke in Yongnian, wo Yang arbeitete. Das Jahr des Studienbeginns nennen die Quellen nicht übereinstimmend, eine setzt den Beginn in das Jahr 1820, allerdings ohne Beleg. Die Quellen gehen auch darin auseinander, wen Yang Luchan ab 1850 in Peking unterrichtete: Eine nennt den Unterricht der Palastgarde, eine andere nur den Unterricht am Hof und bezahlten Unterricht für wohlhabende Einwohner. Der zweite Sohn Yang Banhou blieb Instruktor der Kaiserfamilie, und sein erster Schüler war der mandschurische Offizier Wu Quanyou, der mit seinem Sohn Wu Jianquan am Ursprung des Wu-Stils steht. Der dritte Sohn Yang Jianhou unterrichtete seine Söhne Yang Shaohou und Yang Chengfu und gab die Form des mittleren Rahmens weiter, kämpferischer und näher am Chen-Stil. Yang Chengfu (etwa 1883–1936) unterrichtete in den Jahren 1914–1928 am Pekinger Institut für Forschung der Körperkultur zusammen mit Yang Shaohou, Wu Jianquan und Sun Lutang und zog 1928 nach Shanghai. Die ererbte Form vereinheitlichte und erweiterte er, unter seinem Namen erschienen die Bücher Application Methods of Tai Chi (1931) und Essence and Applications of Tai Chi (1934).
Was es unterscheidet
Der Yang-Stil entstand aus dem Chen-Stil. Laut dem staatlichen Portal des immateriellen Kulturerbes der VR China vereinfachte Yang Luchan (1799–1872) den alten Rahmen und ließ für Pekinger Schüler, darunter wohlhabende und körperlich schwächere Mäzene, Sprünge, Stürze und Stampfen weg. Das Portal kennzeichnet den Stil durch geöffneten Rahmen und feste Struktur, der Wu-Stil (Hao) hat dagegen einen kleinen Rahmen und strenge Beinarbeit, der Sun-Stil bewegliche Beinarbeit in hoher Stellung. Der Stil von Wu Quanyou und Wu Jianquan ging unmittelbar aus dem Yang-Unterricht hervor. Die staatliche Auflistung nennt für den Yang-Stil den großen, mittleren und kleinen Rahmen, den schnellen Rahmen, 32 kurze Schläge und Waffen. Bei den Weltmeisterschaften haben nur Chen- und Yang-Stil standardisierte Formen. Laut Nick Scrima übte Yang Jianhou den mittleren Rahmen, Yang Shaohou den kleinen und Yang Chengfu den großen, auf dem die heutigen Formen beruhen.
Technik
Die heutige Handform des Yang-Stils ist der sogenannte große Rahmen (Da Jia). Yang Chengfu glättete die ererbte Form, betonte weite Schritte und große Armbögen und entfernte aus der Handform die heftigen Kraftstöße Fajin, Sprünge, Stampfen und plötzliche Bewegungen. In den Waffenformen mit Schwert, Säbel, Stock und Speer ließ er sie, sodass diese Fajin und Sprünge bewahren. Gegenüber dem Chen-Stil, aus dem er hervorging, ist der Yang-Stil in der Handform also flüssiger und ohne Kraftstöße. Näher am Chen-Stil bleibt der mittlere Rahmen, den Yang Jianhou weitergab. Die lange Form des großen Rahmens hat etwa 150 Bewegungen, ursprünglich 300. Lehrer zählen sie als 85, 88, 103 oder 108 Stellungen, die Zahl hängt also von der Zählweise ab, nicht vom Inhalt.
Training
Neben der langen Form wird im Yang-Stil eine standardisierte Form mit 88 Stellungen und verkürzte Formen geübt. Cheng Man-ch’ing (1902–1975), Schüler von Yang Chengfu in den Jahren 1932–1936, schuf bis 1946 eine Form mit 37 Stellungen und verbreitete sie nach seinem Weggang nach Taiwan 1949 und in die USA 1964 weiter. Die Familie Yang erkennt seine verkürzten Formen nicht an. Auch die vereinfachte Form 24, die 1956 eine Gruppe von Meistern unter Leitung von Li Tianji für das Chinesische Sportkomitee zusammenstellte, geht auf den Yang-Stil zurück. Bei den Weltmeisterschaften im taijiquan wird der Yang-Stil in einer Form mit 40 Stellungen gezeigt, die Form mit 46 Stellungen gehört zum Wu-Stil (Hao). Wer die Wettkampfformen wann geschaffen hat, konnten wir nicht belegen.
Graduierungen und Fortschritt
Eine eigene Gradordnung für Schüler des Yang-Stils haben wir in den offiziellen Quellen nicht gefunden. Taijiquan ist laut einem Fachartikel eine der zwölf Faustdisziplinen der landesweiten duanwei-Prüfung der Chinesischen Wushu-Vereinigung. Für Trainer gab die Huaxia Culture Promotion Association im Januar 2022 einen Gruppenstandard mit drei Stufen heraus, der Grund-, Mittel- und Oberstufe, die nacheinander abgelegt werden. Für die Grundstufe muss der Bewerber eine Form mit 85 Stellungen zeigen, mindestens drei Jahre Praxis haben und eine Theorieprüfung bestehen, für die höhere Stufe wird unter anderem eine schriftliche Arbeit mit Verteidigung verlangt. Es handelt sich nicht um einen Standard der Chinesischen Wushu-Vereinigung. Bei den Weltmeisterschaften im taijiquan hatte der Yang-Stil die meisten Wettkampfkategorien aller Stile, standardisiertes und traditionelles taijiquan und taijijian. Yang Zhenduo (1926–2020), Träger der Familienlinie, wird im Nachruf der Familienvereinigung als Inhaber des 9. duan geführt.
Für wen
Die Studie, die ausdrücklich mit dem klassischen Yang-Stil arbeitete, ist Wang u. a. (BMJ 2018). Sie randomisierte 226 Erwachsene mit Fibromyalgie, von denen 151 Taijiquan nach einem standardisierten Protokoll von 60-minütigen Stunden einmal oder zweimal pro Woche über 12 oder 24 Wochen übten. Die Stunden leiteten drei erfahrene Instruktoren, sie wurden auf Video aufgenommen und kontrolliert. Eine konkrete Form nennt der Artikel nicht. Nach 24 Wochen unterschied sich die Taijiquan-Gruppe vom aeroben Training im Fragebogen FIQR um 5,5 Punkte. Mit dem Training standen 12 unerwünschte Ereignisse in Zusammenhang, 8 beim Taijiquan und 4 beim Aerobic, meist leichte Beschwerden des Bewegungsapparats. Eine eigene Verletzungsstudie nur zum Yang-Stil haben wir nicht gefunden. Bekannte Studien zu Taijiquan über Stürze und die Parkinson-Krankheit (Li 2012 und 2018) und die Studie Wolf 1996 nennen den Yang-Stil nicht, und man kann sie deshalb dem Yang-Stil nicht zuschreiben.
Heute
Die Familienlinie nach Yang Chengfu trug sein dritter Sohn Yang Zhenduo (1926–2020). Er wurde in Peking geboren, zog 1960 nach Taiyuan in der Provinz Shanxi und gründete dort 1982 die Shanxi Yang Style Tai Chi Chuan Association. Im Oktober 1998 gründete er die International Yang Style Tai Chi Chuan Association. Um den Begründer halten sich Gerüchte. Der Beiname Yang Wudi („der Unbesiegbare“) und die Geschichten über seine Zusammenstöße mit dem Haus des Fürsten Duan lassen sich nicht unabhängig überprüfen, ebenso wenig wie die älteren Namen der Kunst Mianquan („Baumwollfaust“) und Huaquan („neutralisierende Faust“), die als Tradition angegeben werden. Ein fester schriftlicher Beleg des Begriffs taijiquan stammt erst aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.
Wissenswertes
Über Yang Luchan gibt es laut dem Historiker David Wile nur ein einziges zeitgenössisches schriftliches Zeugnis, das Vorwort von Li Yiyu aus dem Jahr 1881, das sein Studium im Dorf Chen und die Rückkehr nach Yongnian beschreibt. Wile gibt auch an, dass das 1931 mit Yang Chengfu signierte Buch in Wirklichkeit Dong Yingjie schrieb und das Buch von 1934 Zheng Manqing. Yang Chengfu behauptete im Vorwort von 1934, seinen Großvater persönlich gesehen zu haben, was unmöglich ist, da Yang Luchan 1872 starb. Der Yang-Stil wurde 2006 in die erste Gruppe der staatlichen Liste des immateriellen Kulturerbes der VR China aufgenommen, und die Aufnahme selbst gibt an, dass die Zahl der Übenden sinkt und ein Teil der Formen vom Verschwinden bedroht ist. Die Internationale Organisation für Normung bereitet die Norm ISO 18290-2 vor, die die Namen und Methoden der Bewegungen des Yang-Stils definieren soll.
Häufige Fragen
Wer hat den Yang-Stil begründet?
Laut dem staatlichen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der VR China begründete Yang Luchan den Yang-Stil unter Kaiser Daoguang in Guangfu im Kreis Yongnian. Das einzige zeitgenössische Zeugnis über sein Studium stammt laut dem Historiker David Wile von 1881.
Wie viele Bewegungen hat die Form des Yang-Stils?
Die staatliche Liste schreibt Yang Luchan eine Form mit 108 Stellungen zu. Bei den Weltmeisterschaften wird der Yang-Stil in einer Form mit 40 Stellungen gezeigt, und die vereinfachte Form mit 24 Stellungen von 1956 geht auf ihn zurück.
Ist der Yang-Stil geschütztes immaterielles Erbe?
Ja. Seit 2006 steht er auf der staatlichen Liste des immateriellen Kulturerbes der VR China, und taijiquan als Ganzes trug die UNESCO 2020 ein.
Ähnliche Stile
Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.