Bartitsu
Ein Selbstverteidigungssystem, das Edward William Barton-Wright 1899 in Pearson's Magazine vorstellte. Es verband Jujutsu, Boxen, Savate und den Kampf mit dem Spazierstock.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Bartitsu
Über Bartitsu
Bartitsu ist ein Selbstverteidigungssystem, das der englische Ingenieur Edward William Barton-Wright an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert in London zusammenstellte. Der älteste Beleg für das System ist sein Artikel The New Art of Self Defence in Pearson's Magazine vom März 1899. Es verband Jujutsu, das Barton-Wright während eines dreijährigen Aufenthalts in Japan erlernt hatte, mit Boxen, Savate und dem Kampf mit dem Spazierstock. Graham Noble (Journal of Asian Martial Arts, 1999) schreibt, Barton-Wright sei der Erste gewesen, von dem er wisse, dass er versucht habe, Elemente verschiedener Kampfkünste zu einem umfassenden System der Selbstverteidigung zu verbinden. Er holte die japanischen Instruktoren Yukio Tani und Sadakazu Uyenishi nach England, und sein Club hatte seinen Sitz in der Shaftesbury Avenue in London. Laut der englischsprachigen Wikipedia war der Club Mitte 1902 als Schule nicht mehr in Betrieb. Barton-Wright lehrte laut Noble wahrscheinlich bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, doch das Bartitsu geriet in Verfall und wurde bald vergessen. An ihn erinnert Arthur Conan Doyle, bei dem Sherlock Holmes das japanische Ringen Baritsu erwähnt. Das heutige Bartitsu ist eine Rekonstruktion nach zeitgenössischen Artikeln, die laut der englischsprachigen Wikipedia seit 2002 von der Bartitsu Society weiterentwickelt wird.
Geschichte
Edward William Barton-Wright wurde laut Graham Noble (Journal of Asian Martial Arts, 1999) im November 1860 in Indien geboren. Als Ingenieur betrieb er Bergbaukonzessionen in Spanien und Portugal und wirkte dann in Ägypten, in Japan und in den Straits Settlements. Während eines dreijährigen Aufenthalts in Japan lernte er Jujutsu bei einem namentlich nicht genannten Lehrer, der sich auf Kata konzentrierte, und besuchte danach Unterricht an der Schule, die Jigoro Kano leitete. Er gab selbst zu, dass er die höheren Formen der Kunst nicht erlernt hatte.
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Im März 1899 veröffentlichte er in Pearson's Magazine den Artikel The New Art of Self Defence und im April 1899 dessen zweiten Teil. Er schrieb darin, dass er seiner neuen Kunst der Selbstverteidigung, die dreihundert Angriffs- und Gegenangriffsmethoden umfasst, den Namen Bartitsu gegeben habe und dass er die Ideen für viele der Methoden in Japan gewonnen habe. Green (Martial Arts of the World, 2001) datiert die Veröffentlichung des Artikels auf das Jahr 1899. Barton-Wright schrieb an Kontakte in Japan und bat um Fachleute. Es kamen Yukio Tani und Sadakazu Uyenishi, die laut Noble zu zwei Pionieren des Jujutsu und Judo in England wurden. Der Club hatte seinen Sitz in der Shaftesbury Avenue in London, und Alfred Hutton bezeichnete ihn in dem Buch The Sword and the Centuries (1901) als Zentrale des alten elisabethanischen Fechtens in England. Am 11. Dezember 1901 fand in der Londoner St. James's Hall ein Bartitsu-Turnier statt. Den Kampf mit dem Spazierstock führten dort der Instruktor Pierre Vigny und Herr Noel von der Bartitsu School of Arms vor, und auch Uyenishi und Tani traten auf. Als Tani Barton-Wright verließ und William Bankier sein Manager wurde, blieb Barton-Wright laut Noble dem Aufschwung des Jujutsu fern. Er lehrte wohl bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts, doch das Bartitsu geriet in Verfall und wurde bald vergessen. Die englischsprachige Wikipedia gibt an, dass der Club Mitte 1902 nicht mehr als Kampfkunstschule in Betrieb war. Barton-Wright starb 1951 im Alter von 90 Jahren und wurde in einem unmarkierten Grab beigesetzt.
Technik
Barton-Wright fasste das Prinzip seiner Kunst in Pearson's Magazine (März 1899) in drei Grundsätzen zusammen: das Gleichgewicht des Angreifers stören, ihn überraschen, bevor er es wiedergewinnt und seine Kraft einsetzen kann, und nötigenfalls seine Gelenke einem Druck aussetzen, dem sie anatomisch und mechanisch nicht standhalten können. Als Gelenke nannte er Hals, Schulter, Ellbogen, Handgelenk, Rücken, Knie und Knöchel. Das System umfasste nach seinen Angaben etwa dreihundert verschiedene Würfe, Angriffe, Gegenangriffe und Tricks, die auf Gleichgewicht und Hebelwirkung beruhten.
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In einem Aprilartikel schrieb er, das System solle Boxen, Fechten, Ringen und savate nicht ersetzen, sondern deren beste Elemente verbinden. In einem 1902 gedruckten Vortrag vor der Japan Society in London sagte er, Judo und Jujutsu seien nicht als Hauptmittel gegen einen Boxer oder einen tretenden Gegner gedacht, sondern nur für den Nahkampf. Um an ihn heranzukommen, müsse man nach seiner Ansicht Boxen und Tritte verstehen. Nach diesem Vortrag umfasste das bartitsu Boxen, den Einsatz der Füße und des Spazierstocks sowie als Nahkampf Judo und Jujutsu. Den Kampf mit dem Spazierstock schrieb Barton-Wright in zwei Artikeln vom Januar und Februar 1901 einem Schweizer Waffenprofessor zu, bei dem es sich um Vigny handelte. Graham Noble gibt an, Pierre Vigny sei Lehrer der la boxe française gewesen. Ein Reporter von Sandow's Magazine (Januar 1902) beschrieb Vignys Stockspiel als auf denselben Prinzipien wie singlestick beruhend, mit dem Unterschied, dass der Stock bei der Abwehr wie ein quarterstaff mit beiden Händen gefasst und im Angriff von einer Hand in die andere geworfen werden kann. Welchen Jujutsu-Stil die Fotografien in Pearson's Magazine zeigen, ist laut Noble nicht bekannt.
Training
Laut Mary Nugent, die die englischsprachige Wikipedia zitiert, musste ein Schüler vor der Aufnahme in eine Gruppe Privatstunden absolvieren. Deník.cz (2017) nennt dasselbe und erwähnt auch Atemübungen und Zirkeltraining. Die englischsprachige Wikipedia ergänzt, dass die Atemübungen ab Mitte 1901 Kate Behnke leitete und dass die Schüler laut The Sketch vom 10. April 1901 möglicherweise bei einzelnen spezialisierten Instruktoren wechselten.
Heute
Das heutige bartitsu ist eine Rekonstruktion nach zeitgenössischen Artikeln. Laut der englischsprachigen Wikipedia entstand 2002 die internationale Vereinigung von Enthusiasten Bartitsu Society, die sich der Erforschung und Wiederbelebung des Systems widmet. Die Vereinigung unterscheidet laut derselben Quelle das kanonische bartitsu, also die Sequenzen, die Barton-Wright und seine Mitarbeiter in den Jahren 1899 bis 1902 beschrieben, und das neo-bartitsu, moderne Interpretationen nach Handbüchern ehemaliger Instruktoren des Clubs und ihrer Schüler bis in die frühen zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Barton-Wrights Artikel, die Richard Bowen in der British Library aufspürte, begann laut der englischsprachigen Wikipedia 2001 die Website EJMAS erneut zu veröffentlichen. Die Bartitsu Society gibt auf ihrer Website an, dass im Dezember 2022 der dritte Band von The Bartitsu Compendium erschien, und bezeichnet den Dokumentarfilm Bartitsu: The Lost Martial Art of Sherlock Holmes als den ersten und einzigen abendfüllenden Dokumentarfilm über das bartitsu. Deník.cz berichtete 2017, dass die neuen Clubs hauptsächlich in den Vereinigten Staaten und Großbritannien sowie in Kanada und Deutschland tätig sind. Robert Waschka, Lehrer für bartitsu und Fechten am Haus der ritterlichen Tugenden in Brno, sagte Deník damals, dass regelmäßig mit Kontakt gekämpft werde.
Wissenswertes
In The Adventure of the Empty House sagt Sherlock Holmes, er verfüge über gewisse Kenntnisse des baritsu, des japanischen Systems des Ringkampfs, die ihm schon mehrmals gedient hätten. Dank ihnen habe er sich am Wasserfall aus dem Griff von Moriarty befreit, und Moriarty sei gestürzt. History Today schreibt, das Wort baritsu sei eine Verballhornung des Namens bartitsu, wohl aus einem Artikel in The Times von 1901 übernommen. Barton-Wright schrieb in Pearson's Magazine über sich, er sei während eines langen Aufenthalts in Portugal wiederholt von Männern mit einem Messer oder einem sechs Fuß langen Stock angegriffen worden und habe sie ohne Stock in der Hand überwältigt. Die Redaktion der Zeitschrift beschrieb eine Vorführung, bei der ihn Herr Chipchase, ein Amateurmeister im Cumberland- und Westmorland-Ringen, wiederholt nicht bezwingen konnte. In späteren Jahren widmete sich Barton-Wright laut Noble der Behandlung von Arthritis und Rheuma mit Wärme, Licht und Elektrizität.
Häufige Fragen
Wer hat das bartitsu geschaffen?
Der englische Ingenieur Edward William Barton-Wright, der während eines dreijährigen Aufenthalts in Japan Jujutsu lernte. Das System stellte er im März 1899 in Pearson's Magazine vor und eröffnete dafür in London einen Club in der Shaftesbury Avenue.
Was bedeutet baritsu bei Sherlock Holmes?
In The Adventure of the Empty House sagt Holmes, er habe sich dank seiner Kenntnis des baritsu, das er das japanische System des Ringkampfs nennt, aus dem Griff von Moriarty befreit. History Today hält das Wort für eine Verballhornung des Namens bartitsu, wohl aus einem Artikel in The Times von 1901 übernommen.
Wird das bartitsu heute geübt?
Ja, als Rekonstruktion nach zeitgenössischen Artikeln. Laut der englischsprachigen Wikipedia widmet sich ihm seit 2002 die internationale Vereinigung Bartitsu Society. Deník.cz schrieb 2017 über Clubs vor allem in den Vereinigten Staaten und Großbritannien sowie über einen Lehrer in Brno.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.