Singlestick
Englischer Kampf mit dem Holzstock und einem Korb zum Schutz der Hand. Im 19. Jahrhundert Übungsersatz für den Säbel, auf Jahrmärkten wurde bis zum Blut am Kopf gespielt.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über Singlestick
Singlestick ist ein englischer Kampf mit einem Holzstock mit einem Korb zum Schutz der Hand. Viktorianische Autoren setzten ihn mit dem Säbel in Beziehung. J. M. Waite schrieb um 1880, der Stock sei nur ein Ersatz für den Säbel und werde genau gleich verwendet, und C. Phillipps-Wolley 1890, singlestick sei für den Säbel das, was das Florett für das Rapier sei. Green (Martial Arts of the World, 2001) gibt an, dass cudgel oder singlestick ursprünglich zur Ausbildung von Soldaten im Schwertkampf dienten und später zu einer eigenständigen Kunst wurden.
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Auf ländlichen Jahrmärkten wurden Spiele gespielt, die Allanson-Winn cudgel-play und Hughes back-swording nennt. Allanson-Winn (1890) schreibt, das Ziel sei gewesen, dem Gegner die Haut am Kopf oder an der Stirn so aufzuschlagen, dass Blut floss, und wer zuerst Blut fließen ließ, gewann. Thomas Hughes beschreibt im Roman Tom Brown's School Days, dass ein Spieler verlor, sobald ihm das Blut einen Zoll breit irgendwo über den Augenbrauen herabgelaufen war. Im 19. Jahrhundert wurde singlestick an Londoner Fechtschulen geübt und es wurde darin gekämpft. Bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis fand ein Wettbewerb im singlestick mit drei Teilnehmern aus den Vereinigten Staaten statt, der bei keinen anderen Spielen wiederholt wurde. Green gibt an, dass singlestick bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts an englischen Privatschulen gespielt wurde und dass die Versuche seiner Wiederbelebung andauern.
Geschichte
Green gibt an, dass cudgel oder singlestick ursprünglich der Ausbildung von Soldaten im Schwertkampf dienten, später zu einer eigenständigen Kunst wurden und an Colleges, Schulen und bei Jahrmärkten der Grafschaften gespielt wurden. Die englischsprachige Wikipedia bezeichnet als ursprüngliche Form des singlestick den waster, ein hölzernes Schwert zum Üben des backsword im 16. Jahrhundert, und gibt an, dass unter Georg I. und Georg II. das Spiel mit Stöcken unter den Namen cudgel-play und singlesticking überaus beliebt war.
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Thomas Hughes schildert im Roman Tom Brown's School Days back-swording als ein Spiel, das einmal im Jahr in jedem Dorf zum Fest kam. Seine Figur Benjy erwarb sich laut Roman ihren Ruf mit einem Paar schwerer Stöcke gegen ausgewählte Männer aus Wiltshire und Somersetshire. Hughes selbst schreibt, dass das Spiel in letzter Zeit traurigerweise sogar im Vale of White Horse verschwunden sei. Im 19. Jahrhundert wurde singlestick an Londoner Fechtschulen gelehrt. J. M. Waite, Professor der Fechtkunst und ehemaliger Angehöriger des 2. Regiments der Life Guards, veröffentlichte um 1880 das Handbuch Lessons in Sabre, Singlestick, Sabre and Bayonet, and Sword Feats. Das Buch Broad-sword and Single-stick (1890), dessen Autoren Allanson-Winn und C. Phillipps-Wolley sind, enthält ein Kapitel über singlestick, das Phillipps-Wolley von der Fechtschule Inns of Court School of Arms geschrieben hat. Darin führte Phillipps-Wolley an, dass es in England mehrere eigenständige singlestick-Schulen gebe, die sich nur in den Regeln darüber unterschieden, wohin man treffen dürfe, und dass nach seiner Meinung auch die englische Marine eine eigene Schule habe.
Was es unterscheidet
Allanson-Winn definiert den cudgel als jeden kräftigen Stock, der kürzer als zwei Fuß ist, etwa den Stock eines Nachtwächters oder einen Polizeiknüppel, und widmet ihm ein eigenes Kapitel. Hughes beschreibt die Waffe für das back-sword als festen Eschenstock mit großem Korb, schwerer und etwas kürzer als ein gewöhnlicher singlestick. Die Quellen setzen den singlestick unterschiedlich zu einer Waffe in Beziehung. Green nennt als ursprünglichen Zweck das Training für backsword, Waite und Phillipps-Wolley beziehen ihn auf den Säbel. Waite schreibt, der Stock sei nur ein Ersatz für den Säbel und werde genau gleich verwendet, sodass alles, was für das Säbelfechten gilt, auch für den singlestick gilt.
Technik
Phillipps-Wolley empfahl Eschenruten von etwa vierzig Zoll Länge und Daumendicke, astfrei und ungeschält, in einem Trog mit Wasser eingeweicht, damit sie hielten. Die Finger schützte seiner Aussage nach stets ein Korb aus Weidengeflecht oder Büffelleder, wobei das Leder unvergleichlich besser sei, weil ein Weidenkorb die Knöchel aufscheuert. Green beschreibt den Spielerstock als aus Esche, etwa ein Yard lang und so dick wie ein Mittelfinger, mit einem Korb namens pot, meist aus Weidengeflecht oder Leder. Die linke Hand beteiligte sich nicht am Spiel. In der Grundstellung hielt Phillipps-Wolley die linke Hand hinter dem Rücken und riet Anfängern, deren Finger in den Gürtel zu stecken. Green gibt an, dass die linke Hand nach örtlichen Regeln unterschiedlich festgebunden wurde, damit sie nicht unfair benutzt wurde. Hughes beschreibt, dass der Spieler die Finger der linken Hand durch ein Tuch oder einen Riemen fädelte, der um das linke Bein befestigt war, sodass der erhobene linke Ellbogen die linke Kopfseite deckte, und mit der rechten Hand den Stock quer über und vor dem Kopf hielt. Phillipps-Wolley schreibt, dass singlestick beide Arten des Fechtens verbindet, Spitze und Schneide.
Training
Phillipps-Wolley zählte die Ausrüstung seiner Zeit auf: einen Drahthelm mit Oberteil aus Büffelleder und gepolsterten Ohrenschützern, ein festes Lederwams, eine Lederschürze von der Taille fast bis zu den Knien und einen elastischen Ring oder Handschuh am Handgelenk. Die gesamte Ausrüstung kostete etwas mehr als eine Fünfpfundnote. Die alten englischen Spieler benutzten seiner Aussage nach weder Polsterung noch Masken und schützten den Kopf mit dem erhobenen Ellbogen.
Wettkampf
Allanson-Winn schreibt, dass cudgel-play in vielen Teilen Englands eine der Hauptattraktionen der ländlichen Jahrmärkte war und auf einer aufgebauten Bühne gespielt wurde. Das Ziel war, dem Gegner die Haut am Kopf oder an der Stirn so aufzuschlagen, dass Blut floss, und wer zuerst Blut fließen ließ, gewann. Er selbst gibt zu, einen solchen Kampf nie gesehen zu haben. Green gibt an, dass nach manchen Regeln gekämpft wurde, bis einem der Spieler das Blut vom Kopf einen Zoll über den Augen lief. Waite nennt Pokale des London Athletic Club für singlestick, die seine Schüler in den Jahren 1877 und 1878 gewannen, sowie einen Preis der German Gymnastic Society für singlestick aus dem Jahr 1878. Bei den Olympischen Spielen 1904 in St. Louis fand am 8. September ein Einzelwettbewerb im singlestick in der Turnhalle der Washington University statt. Drei Männer aus den Vereinigten Staaten traten an. Der offizielle Bericht der Spiele im Spalding's Official Athletic Almanac (1905) nennt die Reihenfolge A. V. Z. Post, Wm. Grebe und W. Scott O'Connor, während Olympedia den zweiten und dritten Platz in umgekehrter Reihenfolge führt.
Heute
Green gibt an, dass der singlestick in der Armee und bei der Polizei gelehrt wurde, in englischen Privatschulen bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gespielt wurde und Versuche, ihn mit gepolsterten Jacken und Fechtmasken wiederzubeleben, andauern. Die englischsprachige Wikipedia schreibt, dass die singlestick-Wettkämpfe in den britischen Streitkräften in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts endeten und dass die Royal Navy den singlestick in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts wiederbelebte. Die Regeln, die Treffer auf den Oberkörper außer dem Nacken und auf den oberen Teil des vorderen Beins beschränken, verwendet ihr zufolge heute die Association for Historical Fencing.
Wissenswertes
Green merkt an, dass auch die literarischen Figuren Sherlock Holmes und Tom Brown im singlestick glänzten. Olympedia beschreibt das Fechten mit dem singlestick als dem Säbelfechten ähnlich, nur mit einem Holzstock statt einer Metallklinge, und gibt an, dass Matrosen das Säbelfechten mit singlesticks lernten. Laut der englischsprachigen Wikipedia ergab neuere Forschung, dass der olympische Wettkampf von 1904 wohl ein Kampf mit dem Spazierstock war, weil singlestick damals in amerikanischen Zeitungen ein Sammelbegriff war.
Häufige Fragen
Warum hatte der Stock für den singlestick einen Korb?
Der Korb schützte die Finger. C. Phillipps-Wolley schrieb 1890, er werde aus Weidenruten oder Büffelleder gemacht und das Leder sei unvergleichlich besser, weil ein Korb aus Weidenruten die Knöchel aufscheuert.
War singlestick eine olympische Sportart?
Einmal, bei den Spielen in St. Louis 1904. Am Einzelwettbewerb nahmen drei Männer aus den Vereinigten Staaten teil, und A. V. Z. Post gewann. Bei anderen Spielen fand kein singlestick statt.
Wie gewann man beim cudgel-play auf den Jahrmärkten?
Allanson-Winn (1890) schreibt, das Ziel sei gewesen, dem Gegner die Haut am Kopf oder an der Stirn so aufzuschlagen, dass Blut floss, und wer zuerst Blut fließen ließ, gewann. Thomas Hughes beschreibt, dass ein Spieler verlor, sobald ihm Blut einen Zoll über der Augenbraue herunterlief.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.