Mensur (Akademisches Fechten)
Fechten mit scharfen Waffen namens Schläger, das deutsche Studentenverbindungen pflegen. Die heutige Form festigte sich im 19. Jahrhundert, die Legalität bestätigte 1953 ein Gericht.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über Mensur (Akademisches Fechten)
Die Mensur ist das Fechten der Studentenverbindungen in Deutschland und der Schweiz. Laut dem Historischen Lexikon der Schweiz war seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die sogenannte Bestimmungsmensur üblich, ein ritterliches Kampfspiel ohne vorherige Beleidigung. Kiermayer (Acta Periodica Duellatorum) beschreibt, wie der Universitätsfechtmeister Friedrich August Wilhelm Ludwig Roux ab 1839 in Jena den Übergang von Stichwaffen zu Hiebwaffen durchsetzte. Nach mehreren Todesfällen bei studentischen Duellen erklärte der Jenaer Senat am 16. November 1840 Duelle mit Stichwaffen für strafbar.
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Gefochten wird mit Waffen namens Schläger. Kiermayer gibt an, dass die Familie Roux den Korbschläger bevorzugte, der in Studentenverbindungen bis heute weit verbreitet ist. Bei der Entwicklung der Mensur kam immer mehr Schutz hinzu, zuerst Bandagen für Handgelenk und Hals, dann Schürzen oder gepolsterte Hosen und Bandagen für den ganzen Arm, und schließlich verschwand der Ausfall. Kellers Dissertation aus Regensburg (2017) beschreibt das studentische Fechten als Fechten auf feste Distanz mit festen Regeln, die der Bewegung wenig Freiheit lassen. Die nach 1949 erneuerten Verbindungen belebten die Mensur laut Keller wieder, ihre Rechtsstellung sicherte erst der Bundesgerichtshof. Mit dem Urteil vom 29. Januar 1953 erkannte er laut den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages Verletzungen aus der Mensur als gefährliche Körperverletzung an, jedoch mit Einwilligung der Beteiligten und im Einklang mit den guten Sitten. Ausdrücklich betraf es keine Mensuren zur Erledigung von Ehrenangelegenheiten. Der Verband Deutsche Burschenschaft führte nach eigenen Worten 2024 nach 53 Jahren die Pflichtmensur wieder ein.
Geschichte
Kiermayer (Acta Periodica Duellatorum) zufolge war eine besondere Form des zivilen Duells im Deutschland des 19. Jahrhunderts die studentische Mensur, und die Werke der Familie Roux kreisen vor allem um sie, weil die meisten ihrer Mitglieder als Universitätsfechtmeister tätig waren. Friedrich August Wilhelm Ludwig Roux (1817–1897) wurde am 1. Juli 1839 Universitätsfechtmeister in Jena, um den Hiebcomment einzuführen, Regeln, die nur Hiebwaffen erlauben, anstelle des früheren Stosscomment für Stichwaffen. Nach mehreren Todesfällen bei Mensuren bemühten sich Roux und Karl Hermann Scheidler, das Stichfechten durch das weniger tödliche Hiebfechten zu ersetzen, und am 16. November 1840 erklärte der Jenaer Senat Duelle mit Stichwaffen für strafbar.
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Roux schrieb zwei Bücher über das Hiebfechten, Anweisung zum Hiebfechten mit graden und krummen Klingen und Deutsches Paukbuch (1857). Ludwig Caesar Roux (1843–1913), ab 1865 Universitätsfechtmeister in Leipzig, war laut Kiermayer Gründungsmitglied des Vereins Deutscher Fechtmeister (Frankfurt, 20. August 1884), und sein Buch Die Hiebfechtkunst wurde zur Grundlage des akademischen Fechtens in ganz Deutschland. Laut dem Historischen Lexikon der Schweiz war seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Bestimmungsmensur ohne vorherige Beleidigung üblich. In Olten entstand demnach 1928 durch die schlagenden Studentenverbindungen der Schweizerischer Waffenring, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch bestand. Die deutsche Wikipedia gibt an, dass der Kösener Kongress 1859 auf Antrag der Marburger Corps den Grundsatz der Bestimmungsmensur beschloss. Kellers Dissertation aus Regensburg (2017) schreibt, dass mit der Wiederbegründung vieler Studentenverbindungen nach 1949 auch die Mensur wieder auflebte und ihre rechtliche Stellung erst die Entscheidung des Bundesgerichtshofs von 1953 sicherte.
Was es unterscheidet
Der Bundesgerichtshof erklärte 1953 laut den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages, dass die Beweggründe der fechtenden Studenten nicht allein im Sport zu suchen seien. Die Schlägermensur wird demnach als einziger unter den Sportarten von breiten Volksschichten abgelehnt wegen des geschichtlichen Zusammenhangs mit dem Anspruch einzelner Stände auf Vorrechte. Kellers Dissertation aus Regensburg (2017) gibt an, dass sich HEMA-Trainer kaum auf Universitätsfechtmeister stützen, weil sie dem Fechten mit Schlägermensur auf feste Distanz und mit festen Regeln zu nahe stehen.
Technik
Die meisten deutschen Handbücher des Hiebfechtens, besonders die frühen, arbeiten laut Kiermayer (Acta Periodica Duellatorum) mit der Waffe Glockenschläger. Die Familie Roux bevorzugte den Korbschläger, der in Studentenverbindungen bis heute weit verbreitet ist. F. A. W. L. Roux ließ die Fechter die Spitze nach unten und zur Seite halten, damit der Gegner nicht hineinlaufe. Er führte waagerechte Hiebe und ein völlig symmetrisches Hiebschema ein, dessen Benennung im akademischen Fechten bis heute geblieben ist. Er übernahm außerdem die Deckung durch eine schützende Armbandage (Paukstulp). Der Schutz nahm während der Entwicklung der Mensur zu. Kiermayer nennt Bandagen von Handgelenk und Hals, Schürzen oder gepolsterte Hosen, Bandagen des ganzen Arms und schließlich die vollständige Abschaffung des Ausfalls, wodurch sich die Mensur immer weiter vom wirklichen Kampf entfernte. Kellers Dissertation aus Regensburg (2017) beschreibt das Fechten mit Schlägermensur als Fechten auf feste Distanz mit festen Regeln, die der Bewegung wenig Freiheit lassen. Die Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages (2014) geben an, dass im Göttinger Fall von 1953 die Klingen scharf geschliffen waren, die Fechter aber durch Verbände, Bandagen und weitere Schutzmittel vor lebensgefährlichen Verletzungen geschützt wurden.
Training
Die meisten deutschen Handbücher des 19. Jahrhunderts stimmten laut Kiermayer (Acta Periodica Duellatorum) darin überein, dass das Training mit dem leichteren Rapier beginnen und erst nach einiger Beherrschung zum schwereren Säbel wechseln soll. Laut deutscher Wikipedia bereitet sich ein Teilnehmer auf die Mensur durch Üben reiner Technik namens Pauken vor, und einige nichtschlagende Verbindungen hatten bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts ein Fechttraining ohne Mensur. Bei den Corps durchläuft ein neues Mitglied laut der gemeinsamen Website der Corps als Fuchs eine Probezeit, in die auch die Mensuren fallen.
Heute
Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 29. Januar 1953 (5 StR 408/52) betraf den sogenannten Göttinger Prozess um drei Mensuren vom Anfang des Jahres 1951 und ist laut dem Rechtsportal Legal Tribune Online bis heute der Maßstab. Laut den Wissenschaftlichen Diensten des Bundestages (2014) erkannte das Gericht, dass eine Mensurverletzung eine gefährliche Körperverletzung ist, nahm aber die Einwilligung der Teilnehmer an und verneinte einen Verstoß gegen die guten Sitten. Es fügte ausdrücklich hinzu, dass sich seine Erwägungen nicht auf Mensuren zur Erledigung von Ehrensachen beziehen. Die spätere Rechtsprechung ändert laut den Wissenschaftlichen Diensten nichts an der Bewertung der Mensur, solange die Fechter gegen lebensgefährliche Verletzungen geschützt sind. Die Verbände geben über sich selbst unterschiedliche Anforderungen an. Die Deutsche Burschenschaft führte laut ihrer Pressemitteilung im Mai 2024 in Eisenach nach 53 Jahren mit großer Mehrheit wieder die Pflichtmensur ein. Der Coburger Convent gibt an, von jedem Mitglied zwei Mensuren zu verlangen. Die Kösener und Weinheimer Corps bezeichnen die Mensur als Prüfung und unentbehrliche Form der Charakterfestigung.
Wissenswertes
Die Universität Heidelberg verbot laut Kellers Dissertation aus Regensburg (2017) in ihren Statuten den Studenten schon 1386, Fechtschulen zu besuchen. Die deutsche Wikipedia gibt an, dass am 8. April 1953 die fechtenden Verbände Präsident Theodor Heuss bestätigten, dass sie auf die Erledigung von Ehrensachen mit der Waffe verzichten. Ihr zufolge hob der Alliierte Kontrollrat 1946 den Paragraphen 210a des Strafgesetzbuchs auf, und die Mensuren wurden wegen der unklaren Rechtslage jahrelang heimlich gefochten.
Häufige Fragen
Ist die Mensur in Deutschland legal?
Der Bundesgerichtshof erkannte im Urteil vom 29. Januar 1953, dass eine Mensurverletzung eine Körperverletzung mit Einwilligung ist, die nicht gegen die guten Sitten verstößt. Das betrifft nicht Mensuren zur Erledigung von Ehrensachen.
Mit welchen Waffen wird die Mensur gefochten?
Mit Waffen namens Schläger. Kiermayer (Acta Periodica Duellatorum) nennt den Glockenschläger und den Korbschläger, der bis heute weit verbreitet ist. Im Göttinger Fall von 1953 waren die Klingen scharf geschliffen.
Seit wann wird die Mensur in der heutigen Form gefochten?
Laut dem Historischen Lexikon der Schweiz ist die Bestimmungsmensur seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts üblich. Den Übergang von Stichwaffen zu Hiebwaffen betrieb in Jena seit 1839 der Universitätsfechtmeister F. A. W. L. Roux.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.