Kalaripayattu
കളരിപ്പയറ്റ്Traditionelle Kampfkunst Keralas, verwurzelt mindestens im zwölften Jahrhundert. Sie lehrt Körperschulung, Holz- und Metallwaffen und die verwundbaren Stellen marmmam.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
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Über Kalaripayattu
Kalaripayattu ist eine traditionelle Kampfkunst des indischen Bundesstaates Kerala. Der Name, zusammengesetzt aus den Wörtern kalari, Ort des Trainings, und payattu, Übung, wurde nach Phillip Zarrilli, dem Autor des Artikels darüber in Greens Enzyklopädie der Kampfkünste, erst im zwanzigsten Jahrhundert für die Kunst aus Kerala gebräuchlich. Die Formen, die heute geübt werden, reichen seiner Ansicht nach mindestens bis ins zwölfte Jahrhundert zurück und wurzeln sowohl in der tamilischen als auch in der dhanurvedischen Kriegertradition. Zarrilli bezeichnet sie als die vollständigste erhaltene Kampftradition Südasiens. Die Überlieferung führt die Gründung des ersten kalari auf den Krieger und Weisen Parasurama, den Begründer Keralas, zurück.
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Vom zwölften Jahrhundert bis zum Beginn der britischen Herrschaft im Jahr 1792 war die Kunst vor allem mit Nair-Familien verbunden, die als Soldaten und Betreuer der örtlichen Herrscher dienten. Sie wurde aber auch von einigen Brahmanen, Angehörigen der Kaste Ilava, Christen und sufischen Muslimen geübt. Unter britischer Herrschaft verfiel sie wegen der Feuerwaffen und der europäischen Institutionen und überlebte nur bei wenigen Meistern, vor allem im Norden Keralas. Die breite Öffentlichkeit nahm sie erstmals in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wahr, 1958 entstand die Kerala Kalaripayattu Association beim Kerala State Sports Council, und seit den siebziger Jahren verbreitete sich die Kunst in Indien und in der Welt. Das Training leitet ein Meister, genannt gurukkal oder asan, im kalari, traditionell einer in die Erde gegrabenen Grube mit einem Dach aus Kokosblättern, die als Tempel gilt. Man beginnt mit der Körperschulung, mit nach Tieren benannten Haltungen, Schritten, Tritten und Sprüngen, danach kommen hölzerne Waffen und nach einigen Jahren metallene, darunter Dolch, Speer, Schwert mit Schild und das biegsame Schwert urumi. Alle Waffen lehren den Angriff auf die verwundbaren Stellen des Körpers, marmmam, die die Meister auch aus ihrer Heilpraxis kennen. Die Vereinigung veranstaltet seit 1958 Bezirks- und Landeswettbewerbe in Formen, und das indische Sportministerium nahm kalaripayattu im Dezember 2020 in die Khelo India Youth Games auf.
Geschichte
Phillip Zarrilli schreibt in Greens Enzyklopädie Martial Arts of the World, dass kalaripayattu in seinen heutigen Formen seit mindestens dem zwölften Jahrhundert geübt wird und Wurzeln sowohl in der tamilischen als auch in der dhanurvedischen Kriegertradition hat. Geübt wurde es an der gesamten malayalamsprachigen Südwestküste Indiens, also im heutigen Kerala und in angrenzenden Teilen des Distrikts Coorg in Karnataka, und nach Zarrilli hatte jedes Dorf sein kalari mit einem Meister. Die mündliche wie die schriftliche Überlieferung führt die Gründung des ersten kalari und der erblichen Lehrerlinien auf den Krieger und Weisen Parasurama, den Gründer Keralas, zurück.
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Zwischen dem zwölften Jahrhundert und dem Beginn der britischen Herrschaft 1792 war die Kunst vor allem mit Untergruppen der hinduistischen Nair verbunden, die als Soldaten und Diener von Dorfvorstehern, Distriktverwaltern und lokalen Rajas dienten. Geübt wurde sie aber auch von einigen Brahmanen, einem Teil der Ilava-Kaste mit dem Titel chekor, einigen Christen und sufischen Muslimen. In manchen Nair- und Ilava-Familien übten auch Mädchen, und zwar bis zur Pubertät, und nach den nördlichen Balladen erreichten einige Schülerinnen berühmter Meister hohe Meisterschaft. Einige Ilava-Kämpfer trugen Duelle auf Leben und Tod aus, ankam, mit denen Streitigkeiten zwischen verzweigten Familien der höheren Kasten beigelegt wurden. Beim Fest Mamakam, das bis 1766 stattfand, griffen dem Tod geweihte Kämpfer aus Valluvanadu das Heer des Zamorin von Calicut an. Unter britischer Herrschaft verfiel die Kunst wegen der Feuerwaffen sowie der Polizei, der Armee und der Institutionen europäischen Typs und überlebte nur bei einigen Meistern in verstreuten Gebieten Keralas, vor allem im Norden. Die englische Wikipedia gibt an, dass die Briten kalaripayattu 1804 verboten haben, Zarrilli schreibt über ein Verbot nicht. Die breite Öffentlichkeit nahm die Kunst erstmals in den zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wahr, im Zuge der Wiederentdeckung einheimischer Künste. 1958, zwei Jahre nach der Gründung des einheitlichen Bundesstaats Kerala, wurde unter der Leitung von Govindankutty Nayar die Kerala Kalaripayattu Association als eines von siebzehn Mitgliedern des Kerala State Sports Council gegründet. Zarrilli schreibt einmal, sie habe mit fünfzehn Mitglieds-kalari begonnen, an anderer Stelle mit siebzehn. Noch in den siebziger Jahren war die Kunst nach ihm der breiteren Öffentlichkeit wenig bekannt, seither hat sie sich in Kerala, Indien und weltweit verbreitet.
Was es unterscheidet
Historisch gab es laut Zarrilli viele Stile und Linien des kalaripayattu, unter anderem Arappukai, Pillatanni, Vatten Tirippu und Dronamballi Sampradayam, und mehrere davon wurden unterdrückt oder starben aus, hauptsächlich im neunzehnten Jahrhundert im Süden Keralas. Die Kerala Kalaripayattu Association erkennt heute offiziell drei Stile nach dem ungefähren Herkunftsgebiet an: den nördlichen, den mittleren und den südlichen. Als nördlicher Stil wurde nach 1958 das kalaripayattu selbst bezeichnet, weil es sich hauptsächlich im mittleren und nördlichen Kerala erhalten hat. Als südlicher Stil wurden dagegen die tamilischen Formen bezeichnet, die auch varma ati oder adi murai heißen. Zarrilli beschreibt sie gesondert, weil sich ihr Ursprungsmythos und ihre Techniken vom eigentlichen kalaripayattu deutlich unterscheiden.
Technik
Zarrilli beschreibt die traditionelle Praxis als Verbindung dreier Körperkonzepte: des flüssigen Körpers der Körpersäfte, mit dem das Ayurveda arbeitet, des Körpers aus Knochen, Muskeln und verwundbaren Stellen marmmam und des feinen inneren Körpers des Yoga, in dem kundalini shakti erwacht. Es gibt meist acht Grundstellungen, benannt nach dynamischen Tieren, zum Beispiel Pferd, Pfau, Schlange und Löwe, an anderer Stelle nennt Zarrilli Elefant, Pferd und Löwe.
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Die Waffen folgen der Reihe nach. Zuerst die hölzernen: der lange Stab, der kurze Stab und der gebogene Stab otta, über den auch der Kampf ohne Waffen gelernt wird. Nach einigen Jahren metallene Kampfwaffen: Dolch, Speer, Streitkolben, Schwert mit Schild, zweischneidiges Schwert gegen Schwert, Speer gegen Schwert mit Schild und das biegsame Schwert urumi. Bogen und Pfeil wurden nach Zarrilli vor langer Zeit geübt, sind aber aus der Tradition des kalaripayattu verschwunden. Alle Waffen lehren den Angriff auf verwundbare Stellen des Körpers und deren Verteidigung. Der Kampf ohne Waffen, verumkai, wird entweder über die otta oder durch besondere Techniken im fortgeschrittenen Training gelernt. Marmmam sind nach Zarrilli Körperstellen, die so verwundbar sind, dass ein Angriff auf sie in manchen Fällen den sofortigen Tod herbeiführen kann. Der Meister lernt sie, um sie anzugreifen, um nach einer Verletzung Gegenmaßnahmen zu leisten und um sie bei der Heilmassage zu meiden.
Training
Das Training begann nach Zarrilli traditionell mit sieben Jahren in einem eigens gebauten kalari, idealerweise in einer in die Erde gegrabenen Grube mit einem Dach aus geflochtenen Kokosblättern. Das kalari gilt als Tempel, und in hinduistischen kalari sind sieben bis einundzwanzig Gottheiten anwesend und werden täglich verehrt, zumindest während der Trainingssaison. Das Vorbereitungstraining fand in der kühlen Monsunzeit von Juni bis September statt und umfasste eine gründliche Massage des ganzen Körpers, die der Meister mit den Füßen ausführte, wobei er sich an von der Decke hängenden Seilen festhielt. Zu den Regeln gehörte, tagsüber nicht zu schlafen, sich in der Zeit der intensiven Massage des Geschlechtsverkehrs zu enthalten, nachts nicht zu wachen und Milch und geklärte Butter zu sich zu nehmen.
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Das Körpertraining, meippayattu, verbindet Stellungen, die an Yoga-Asanas erinnern, Schritte, Tritte, Sprünge, Drehungen und Armbewegungen zu immer schnelleren Abfolgen, die der Übende im kalari hin und her vorführt. Zur feineren Praxis gehören vratam, das Sitzen in der Katzenhaltung mit dem Gesicht zur Schutzgottheit, bei dem der Übende mit tiefem Atem die Kommandos der Übungsfolge wiederholt, und Mantras, die der Meister nur den fortgeschrittensten Schülern weitergibt. Gitanjali Kolanad beschreibt in der begutachteten Zeitschrift Martial Arts Studies (2022) vanakkam, den zeremoniellen Gruß in verschiedenen Phasen des Lernens und Übens. Jede Waffe hat ihr eigenes vanakkam, und in hinduistischen, muslimischen und christlichen kalari unterscheiden sie sich. George Pati (Contemporary South Asia, 2010) schreibt, das kalari überliefere einen ganzen Bestand keralischen Wissens und werde heute oft nur als Zentrum kultureller Aufführungen bezeichnet.
Graduierungen und Fortschritt
Der Lehrer heißt gurukkal, eine respektvolle Pluralform von guru, oder asan. Manche erblichen Meisterlinien tragen die Titel Panikkar oder Kurup, die ein örtlicher Herrscher verlieh. Nach Zarrilli soll der Schüler die erste Waffe erst in die Hand nehmen, wenn er körperlich, geistig und ethisch bereit ist. Zuerst lernt er die hölzernen Waffen, zunächst den langen Stab, dann den kurzen Stab und zuletzt den gebogenen Stab otta, und erst nach einigen Jahren die metallenen Kampfwaffen. Mantras erhalten nur die fortgeschrittensten Schüler. Die Tourismus-Website der Regierung von Kerala unterteilt das Training in vier Bereiche: meythari, Körpertraining, kolthari, hölzerne Waffen, angathari, metallene Waffen, und verumkai, Kampf ohne Waffen, und gibt an, dass die Beherrschung aller Techniken mindestens fünf Jahre dauert. Zarrilli bestätigt die Reihenfolge Körper, Holz und Metall, der Kampf ohne Waffen wird nach ihm aber entweder über die otta oder als Teil des fortgeschrittenen Trainings gelernt.
Wettkampf
Laut Zarrilli verfolgt die Kerala Kalaripayattu Association seit 1958 das Ziel, die Kunst zu fördern und zu lenken. Sie veranstaltet jährliche Bezirks- und Staatsmeisterschaften, legt Regeln für das Training und den Bau eines kalari fest und akkreditiert die angeschlossenen kalari. Bei den Wettbewerben führen Schüler des nördlichen und des südlichen Stils Formen vor, einzeln oder zu zweit mit Waffen, und eine Jury aus Meistern bewertet sie, vergibt Diplome und Pokale und kürt in jedem der beiden Stile einen Gesamtsieger. Das indische Ministerium für Jugend und Sport genehmigte am 20. Dezember 2020 die Aufnahme von kalaripayattu, gatka, thang-ta und mallakhamb in die Khelo India Youth Games 2021 in Haryana. Laut der Antwort des Ministers im Unterhaus des Parlaments vom Juli 2022 war kalaripayattu Teil der dritten Spiele in Panchkula und gehört zu den einheimischen Sportarten, die das Programm Khelo India mit Zuschüssen für Sportstätten, Ausrüstung, Trainer und Stipendien fördert. Die keralische Tageszeitung Kerala Kaumudi berichtet, dass kalaripayattu bei den Nationalspielen 2015 in Kerala eine Demonstrationsdisziplin war und 2023 als Wettkampfdisziplin der Nationalspiele anerkannt wurde.
Heute
Meister des kalaripayattu bieten bis heute traditionelle ayurvedische körperliche Therapien und Massagen bei Muskelbeschwerden an und richten Knochenbrüche. In den 1980er Jahren nutzte der Theaterregisseur Kavalam Narayana Panikkar die Kunst zum Training seines Ensembles Sopanam, und die Choreografinnen Chandralekha aus Madras und Daksha Seth schöpften reichlich daraus. Zarrilli schreibt, dass das Interesse an der Kunst in den 1980er und 1990er Jahren wieder gewachsen sei, dass die traditionelle Praxis jungen Menschen, die schnelle Ergebnisse wollen, im Vergleich mit Karate und Kung-Fu aber veraltet vorkommen könne. Ian McDonald (Contributions to Indian Sociology, 2007) behauptet, dass die Globalisierung das früher ganzheitliche kalaripayattu in eine körperliche Praxis, eine Bühnenkunst und einen Wettkampfsport verwandle. Laut einem Artikel von Ashitha Mandakathingal (Women's Studies, 2020) erhielt Ende 2017 Meenakshi aus dem Norden Keralas die staatliche Auszeichnung Padma Shri für lebenslange Praxis des kalaripayattu. Das indische Ministerium für Jugend und Sport drehte einen Dokumentarfilm über kalaripayattu und andere einheimische Sportarten, und die Tageszeitung Kerala Kaumudi berichtet, dass die Indian Kalaripayattu Federation 2015 landesweite Anerkennung erlangte.
Wissenswertes
Den Idealzustand des Übenden fasst laut Zarrilli das malayalamische Sprichwort zusammen, dass der Körper ganz zum Auge wird. Dieselben Worte tragen den Titel seiner Monografie über kalaripayattu, die 1998 bei Oxford University Press erschien. Die Vorstellung von verwundbaren Stellen ist laut Zarrilli sehr alt. Die sanskritische medizinische Schrift des Sushruta aus dem zweiten Jahrhundert unserer Zeitrechnung grenzte 107 solcher Stellen als Hilfsmittel für chirurgische Eingriffe ab, und schon im Rigveda besiegte der Gott Indra den Dämon Vritra durch einen Angriff auf dessen verwundbare Stelle. Das kalaripayattu beeinflusste direkt den rituellen Tanz teyyam aus dem Norden Keralas, das Tanzdrama kathakali und das christliche Tanzdrama cavittu natakam, die seine Techniken für den Bühnenkampf übernahmen. Der christliche Meister Thomas T. Tuttothu Gurukkal leitet seine Familientradition von Thoma Panikkar ab, dem Befehlshaber der christlichen Soldaten des Raja von Champakassery bis zu dessen Sturz im Jahr 1754.
Stile & Zweige
Nördlicher Stil des kalaripayattu. Laut Zarrilli nannte man so nach 1958 die keralische Kunst selbst, im Unterschied zu den tamilischen Formen des südlichen Stils.
Zentraler Stil des kalaripayattu, einer von drei Stilen, die der keralische Verband anerkennt. Laut Zarrilli kommen Techniken in einer Reismehlzeichnung und Schritte in fünf Kreisen hinzu.
Südlicher Stil des kalaripayattu, seit 1958 der Name der tamilischen Kunst varma ati. Er beginnt sofort mit Angriff und Abwehr an verwundbaren Stellen, ohne vorbereitende Körperübungen.
Häufige Fragen
Was bedeutet das Wort kalaripayattu?
Das Wort entstand aus den malayalamischen Wörtern kalari, Ort des Trainings, und payattu, Übung. Nach Phillip Zarrilli wurde es für die Kampfkunst aus Kerala erst im zwanzigsten Jahrhundert gebräuchlich.
Gibt es im kalaripayattu Wettbewerbe?
Ja. Die Kerala Kalaripayattu Association veranstaltet seit 1958 Bezirks- und Landesmeisterschaften in Formen, und seit 2021 gehört kalaripayattu zu den Khelo India Youth Games.
Welche Waffen werden im kalaripayattu geübt?
Zuerst hölzerne, langer und kurzer Stab und der gebogene Stab otta, später metallene, darunter Dolch, Speer, Keule, Schwert mit Schild und das biegsame Schwert urumi. Der Bogen verschwand laut Zarrilli aus der Tradition.
Was sind marmmam?
Verwundbare Stellen des Körpers, deren Treffer nach Zarrilli in manchen Fällen den sofortigen Tod herbeiführen kann. Die Meister kennen sie für den Angriff, für die Behandlung nach Verletzungen und für die Heilmassage.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.