Thang-Ta
Kampfkunst der Meitei im indischen Manipur mit Schwert, Speer, Schild und dem unbewaffneten sarit sarak, das nicht alle Quellen dazuzählen. Wettkampf ist das phunaba-Duell mit Lederstock.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über Thang-Ta
Thang-ta ist laut Green der volkstümliche manipurische Name für eine Gesamtheit bewaffneter und unbewaffneter Kampftechniken, die die Meitei im Bundesstaat Manipur entwickelt haben. Thang bedeutet Schwert und ta Speer. Der formale Name des Systems ist laut Green Huyen Lallong, die Kunst des Krieges, und die Manipur University of Culture führt beide Namen als Synonyme an. Das Lehrskript der indischen University Grants Commission fasst Huiyen Lalong dagegen als weiteren Begriff auf, zu dem thang-ta gehört. Gründer ist in der Mythologie der Meitei der Urvater Pakhangba, einen historischen Gründer oder ein Entstehungsjahr konnten wir nicht belegen.
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Nach dem Anglo-Manipur-Krieg und dem Anschluss Manipurs an das Britische Empire im Jahr 1891 verboten die Briten den Manipuris laut Green den Waffenbesitz und erklärten die Kampfkünste, darunter thang-ta, für illegal. Die Kunst überlebte laut ihm zurückgezogen bei einigen Meistern und kehrte nach 1947 allmählich zurück. Meister Huidrom Premkumar gibt in der Presse an, dass ein lokaler Raja sie schon 1930 erneuert habe. Die Thang-Ta Federation of India wurde am 21. November 1993 in Imphal gegründet. Das Wettkampfduell phunaba wird laut der Föderation statt mit einem Schwert mit dem Lederstock cheibee ausgetragen, mit oder ohne Schild chungoi. Das Sportministerium nahm thang-ta laut dem Regierungspressedienst PIB in die Khelo India Youth Games 2021 auf, und die Manipur University of Culture lehrt es im Bachelor- und im Masterstudium.
Geschichte
Green führt in dem Buch Martial Arts of the World, in dem der Artikel von Sohini Ray stammt, eine Überlieferung aus der Mythologie der Meitei an, nach der sich die Glieder und Knochen des Urvaters Tin sidaba, auch Pakhangba genannt, in Schwerter und Geräte verwandelten, von denen einige im thang-ta verwendet werden. Aus den Rippen entstand das breite Schwert thangjao. Die Schöpfungsgeschichte Leishemlon nennt nach Green Pakhangba als Urheber des thang-ta. Die Thang-Ta Federation of India legt die Anfänge nach der Website EastMojo in die Jahre 1404 bis 1432, als König Punshiba ein Militäramt einrichtete, und nach der Überlieferung der Föderation musste unter König Pamheiba in den Jahren 1709 bis 1748 jeder Mann über sechzehn Jahre dem Staat eine festgelegte Zahl von Tagen im Jahr dienen und im Kampf üben. Seinen Höhepunkt erreichte das thang-ta nach Green unter König Khagemba.
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Nach dem Vorsitzenden der Föderation H. Premkumar Singh war das thang-ta zur Zeit, als Manipur ein Fürstenstaat war, ein Pflichtfach der militärischen Ausbildung, und die Wettkämpfe fanden vor dem König statt. Nach der Niederlage im Anglo-Manipur-Krieg wurde Manipur 1891 dem Britischen Weltreich angegliedert. Die Briten verboten den Manipuris laut Green sofort den Waffenbesitz und ächteten die manipurischen Kampfkünste, darunter das thang-ta. Ein Lehrskript der indischen University Grants Commission schreibt, dass nach 1891 niemand auch nur mit einem Stock in der Hand auf der Straße gehen durfte. Die Kunst überlebte nach Green zurückgezogen bei einigen Meistern und kehrte nach der Unabhängigkeit Indiens 1947 allmählich zurück. Die Manipur University of Culture gibt an, dass das thang-ta seit 1976 auf Festivals und im Ausland vorgeführt wurde. Meister Huidrom Premkumar gibt in der Zeitung The Shillong Times an, dass das thang-ta 1930 ein örtlicher Raja wiederbelebte und es danach sein Guru Rajkumar Sanahan leitete, nach dessen Tod 1988 Premkumar selbst die Leitung übernahm.
Was es unterscheidet
Die Quellen gehen im Verhältnis der Namen auseinander. Green und die Manipur University of Culture sehen Huyen Lallong als anderen Namen für thang-ta und ordnen den unbewaffneten Kampf sarit sarak seinem Repertoire zu. Das Lehrskript der University Grants Commission of India versteht Huiyen Lalong als weiteren Begriff für die Kunst des Krieges und der Waffen, zu dem thang-ta gehört, und ordnet muknu und sarit sarak den unbewaffneten Künsten zu. Die cheibi-Wettbewerbe führte die Regierung von Manipur im Jahr 2020 als eigene Disziplin neben thang-ta, die thang-ta-Federation führt den Zweikampf mit dem Stock cheibee und dem Schild chungoi jedoch als ihren Wettbewerb phunaba. Thang-ta gab nach Green dem klassischen manipurischen Tanz und den Tänzern des nata sankirtana mit Trommeln und Becken die Grundlage.
Technik
Green teilt das traditionelle Repertoire des thang-ta in vier Kategorien, ta-khousarol (Kunst des Speertanzes), thanghairol (Kunst des Fechtens), sarit-sarat (Kampf ohne Waffen) und thengkourol (Kunst der Berührung und des Rufens). Im ta-khousarol hält der Übende den Speer ta in der rechten Hand und den Schild chungoi in der linken. Der Speer ist nach Green aus Bambus, etwa fünf Fuß lang oder länger, beidseitig mit einer Klinge, der Schild etwa drei Fuß lang und eineinhalb Fuß breit.
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Thanghairol umfasst nach Green das Zierfechten leiteng-thang und das Kampffechten yanna-thang. Der Meister trägt einen Schild und drei Schwerter, eines für die rechte Hand, eines für die linke und ein Reserveschwert auf dem Rücken, das er im Notfall als Pfeil nutzt. Bei einer typischen Technik des leiteng-thang kreist er mit zwei Schwertern so um den Körper, dass sie eine Acht beschreiben und sich nicht berühren. Das Schwert thang ist nach Green etwa zwei Fuß lang, gerade oder leicht gebogen. Sarit-sarat beginnt nach Green mit Purzelbäumen und Rollen am Boden und geht über in Angriff und Verteidigung ohne Waffen, Schläge und Tritte gegen einen plötzlichen Angriff und Verteidigung gegen einen bewaffneten Gegner. Thengkourol sind nach Green zeremonielle Bewegungen entlang des symbolischen Diagramms paphal, einer zusammengerollten Schlange. Es dient der magischen Praxis, nicht dem unmittelbaren Kampf, wird geheim gehalten und nie öffentlich vorgeführt. Lernen darf es nur ein vertrauenswürdiger Schüler eines Gurus, älter als vierzig Jahre. Der Vorsitzende der Föderation H. Premkumar Singh rechnet zum thang-ta auch sarit sarak, körperliche und Atemübungen, spirituelle Lehre und Meditation.
Training
Das Training beginnt nach Green mit der Zeremonie zur Aufnahme von Ojha Boriba. Vor dem Bild von Pakhangba, dem Urheber und herrschenden Gott des thang-ta, wird eine Kerze angezündet, und der Schüler opfert Obst, Stoff, Betelblätter und Nüsse, eine Kerze und eine symbolische Gabe, meist eine Rupie. Green zitiert die Ordnung der Schule Hula Sindamsang in Imphal, nach der man den Übungsplatz barfuß betritt, sich vor dem Lehrer, vor Pakhangba und vor dem Partner verbeugt, eine Waffe vor dem Aufheben mit den Fingern und der Stirn berührt und sie nie mit dem Fuß berührt. Nach den Grundübungen für Gleichgewicht, Beweglichkeit, Geschicklichkeit, Ausdauer und Koordination üben Anfänger nach Green mit Stöcken verschiedener Größe. Das Training mit Schwertern, Schild und Speer folgt, sobald der Schüler fit genug für echte Waffen ist. Das Portal EastMojo gibt an, dass Fechten und der unbewaffnete Kampf sharit-sharak geübt werden und zum Training auch körperliche und Atemübungen, geistige Lehre, Naturheilkunde und Meditation gehören.
Graduierungen und Fortschritt
Ein System von Gürteln oder Graden haben wir nicht gefunden. Die Technische Kommission der Thang-Ta Federation of India nennt nur die Titel Großmeister, Vize-Großmeister und Instruktor. Laut Green lernt der Schüler zuerst mit Stöcken und geht erst zu echten Waffen über, wenn er geschickt genug ist, und die Lehre thengkourol darf nur ein vertrauenswürdiger Schüler über vierzig kennenlernen.
Wettkampf
Die erste nationale Meisterschaft im thang-ta fand laut der Thang-Ta Federation of India vom 21. bis 25. November 1993 in Imphal statt, und am selben Tag wurde die Federation gegründet. Die Wettbewerbe gliedern sich laut dem Präsidenten der Federation, H. Premkumar Singh, in den Zweikampf phunaba und die Solovorführung kanglon chatpa. Phunaba ahanba wird mit dem Stock cheibee, auch phunachei genannt, der mit weichem Leder überzogen ist, und mit dem Lederschild chungoi ohne Tritte ausgetragen, phunaba anishuba nur mit dem Stock, ohne Schild und mit Tritten. Der Stock wird laut ihm anstelle des Schwerts verwendet, damit er junge Schüler in der Arena nicht erschreckt. Die Solovorführung hat fünf Disziplinen: Fechten mit zwei Zierschwertern, Fechten mit einem Schwert, Kampf mit freier Hand, mit dem langen Stock und mit dem Speer. Laut EastMojo wird in einer runden Arena mit dreißig Fuß Durchmesser gekämpft, getroffen werden darf jeder Körperteil oberhalb der Gürtellinie, und der Schild darf nur zur Verteidigung dienen. Ein Kampf hat zwei Runden von zwei bis drei Minuten mit einer Minute Pause und wird von einem Kampfrichter mit sechs Punktrichtern geleitet. Bei den Khelo India Youth Games 2025 wurde laut The Shillong Times in vier Gewichtsklassen gekämpft.
Heute
Das Sportministerium nahm laut dem staatlichen Pressedienst PIB im Dezember 2020 gatka, kalaripayattu, thang-ta und mallakhamb in die Khelo India Youth Games 2021 auf, die im Juni 2022 in Panchkula stattfanden. PIB schrieb damals, thang-ta sei in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit geraten. Thang-ta gehört laut PIB zu den ursprünglichen Spielen, die das Programm Khelo India fördert, und 2024 nannte PIB Trainingszentren für thang-ta in Imphal, in Assam und in Tripura. Bei den Khelo India Youth Games 2025 in Gaya wurde auch thang-ta ausgetragen. Die Manipur University of Culture hat eine Abteilung für thang-ta mit Bachelor- und Masterstudium. Die Föderation führte thang-ta laut ihrer Website 2012 auf einem Kampfkunstfestival auf der iranischen Insel Kisch vor und 2013 und 2014 auf einem Festival im südkoreanischen Chungju. Die erste Weltmeisterschaft fand im März 2011 in Imphal mit Teilnehmern aus Malaysia, dem Vereinigten Königreich, Bangladesch, Nepal und Indien statt.
Wissenswertes
Jeder der sieben Clans der Meitei hat laut Green bis heute ein traditionelles Schwert von eigener Form, das bei jeder Ahnenverehrung ausgestellt werden muss. Das Manuskript Chainarol aus dem 16. bis 17. Jahrhundert beschreibt laut Green Kriegsbräuche, nach denen verlor, wer als Erster blutete, die Gegner danach gemeinsam aßen und tranken und der Sieger dem Besiegten den Kopf abschlug. Der thang-ta-Guru Kakchingtabam Shanathoiba Sharma wurde laut der Agentur PTI 2023 für die Auszeichnung Padma Shri ausgewählt, die zuvor auch sein Onkel und Lehrer Gurumayum Gourakishore Sharma erhalten hatte.
Häufige Fragen
Was bedeutet thang-ta?
Thang bedeutet Schwert und ta Speer. Der formale Name des Systems ist laut Green Huyen Lallong, die Kunst des Krieges.
Wird im thang-ta-Wettkampf mit einem echten Schwert gekämpft?
Nein. Das phunaba-Duell wird laut der Thang-Ta Federation of India mit dem weich lederbezogenen Stock cheibee ausgetragen, mit oder ohne Schild chungoi.
Warum wurde thang-ta verboten?
Nach dem Anschluss Manipurs an das Britische Empire im Jahr 1891 verboten die Briten den Manipuris laut Green den Waffenbesitz und erklärten die manipurischen Kampfkünste, darunter thang-ta, für illegal.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.