Istunka
Jährliches Fest im somalischen Afgooye, bei dem sich nach Castagno (1975) Gruppen junger Männer von den gegenüberliegenden Ufern des Shabeelle in einem Scheinkampf mit Stöcken maßen.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über Istunka
Die istunka ist nach dem Historischen Wörterbuch Somalias von Margaret Castagno aus dem Jahr 1975 ein Fest des Stockkampfes, das jedes Jahr in Afgooye am Fluss Shabeelle stattfindet. Sie ist eine Scheinschlacht zwischen Gruppen junger Männer von den gegenüberliegenden Ufern des Flusses, eine dreitägige Veranstaltung zur Zeit von dabshid, dem somalischen saisonalen Neujahr. Die Kämpfer tragen nach Abdulahi Ahmed in der linken Hand ein Bündel frisch abgeschnittener Stöcke und schlagen damit nacheinander auf die nackten Körper der Gegner. Castagno schreibt, das Fest sei früher sehr blutig gewesen, habe sich aber in den letzten Jahrzehnten vor 1975 abgemildert und sei zu einer Attraktion für Besucher aus anderen Teilen der Republik geworden. Über den Ursprung werden verschiedene Geschichten erzählt, nach Castagno von einer uralten Schlacht um das Wasser des Flusses in der Trockenzeit oder von der Ausbildung junger Männer gegen einen tyrannischen Sultan. Den letzten datierten Bericht über das Fest fanden wir aus dem Jahr 1996.
Geschichte
Margaret Castagno definiert im Historischen Wörterbuch Somalias von 1975 die istunka als ein Fest des Stockkampfes, das jedes Jahr in Afgooye am Fluss Shabeelle stattfindet, eine Scheinschlacht zwischen Gruppen junger Männer von den gegenüberliegenden Ufern des Flusses. Es ist ihr zufolge eine dreitägige Veranstaltung zur Zeit von dabshid, dem saisonalen Neujahr. Castagno zählt sie zu den vorislamischen Bräuchen, oft mit einer starken islamischen Überlagerung, die sich ihr zufolge in Somalia damals noch hielten.
Weiterlesen
Über den Ursprung verzeichnet sie zwei Überlieferungen. Nach der ersten stammt das Fest von einer uralten Schlacht darum, welche Gruppe in der Trockenzeit das Wasser des Flusses nutzen darf. Nach der zweiten war es ursprünglich eine Übung, die junge Männer auf die Niederlage des Heeres eines tyrannischen Sultans vorbereiten sollte, der das Gebiet besetzt hatte, dann besiegt wurde und dessen Dorf zerstört wurde. Die englischsprachige Wikipedia gibt an, das Turnier sei in der mittelalterlichen Zeit der Ajuran entstanden und im 19. Jahrhundert unter Sultan Ahmed Yusuf vom Sultanat Geledi gebündelt worden. Das Internationale Zentrum für Kampfkünste der UNESCO (ICM) gibt unter Berufung auf Mukhtars Historisches Wörterbuch von 2003 an, dass das Fest und sein Kampf im August oder September die neue Saatzeit eröffnen und Glück bringen sollen. Abdulahi Ahmed schreibt dagegen 2015, dass die istunka die Ernte Ende Juli oder Anfang August eröffnet.
Was es unterscheidet
Castagno beschreibt die istunka als Scheinschlacht zwischen Gruppen und Ahmed als Massenkampf, in dem eine Seite die andere aus der Arena vertreibt, nicht als Zweikämpfe von Paaren. Castagno spricht von Gruppen junger Männer, Ahmed von jungen wie alten.
Technik
Nach dem ICM, das Mukhtar zitiert, kämpfen die Männer nackt bis auf einen Lendenschurz und ein Stirnband, tragen Amulette und halten in der linken Hand frische Stöcke, mit denen sie nacheinander zuschlagen. Abdulahi Ahmed schreibt, jeder Kämpfer trage etwa ein Dutzend Stöcke, frisch von einem für Festigkeit und Widerstandsfähigkeit bekannten Baum geschnitten, halte sie in einem Bündel in der linken Hand und benutze sie nacheinander auf den nackten Körpern der Gegner. Die vorgeschriebene Kleidung ist nach ihm der Lendenschurz ma'wis, der Schal garbassar, ein Stoffband um den Kopf mit einer seidenen Quaste über der Stirn und Amulette um Hals oder Arm. Dass früher mit Äxten und Klingen gekämpft wurde, geben nur Ahmed und die englischsprachige Wikipedia an.
Wettkampf
Castagno beschreibt die istunka als Scheinschlacht zwischen Gruppen junger Männer von den gegenüberliegenden Ufern des Flusses. Nach Ahmed treffen die Bewohner des westlichen und des östlichen Ufers des Flusses aufeinander, der durch Afgooye fließt, und der Kampf beginnt, wenn ein alter Mann in der Mitte der Arena in die lange örtliche Trompete siimbaar bläst. Eine Seite beherrscht schließlich das Feld und verfolgt die Besiegten aus der Arena in die Straßen. Am Ende umarmen sich beide Gruppen, wenn ihr Ältestenkomitee ihnen sagt, sie sollen aufhören.
Heute
Castagno schrieb 1975, die istunka sei zu einer Attraktion für Besucher aus anderen Teilen der Republik geworden und sei früher sehr blutig mit vielen Verletzten gewesen, habe sich aber in den letzten Jahrzehnten abgemildert. Die kanadische Einwanderungs- und Flüchtlingsbehörde zitierte 1999 einen Bericht der Agentur Xinhua vom 22. Juli 1996, wonach der Klan Galadi einer von zwei Hauptklans ist, die am dreitägigen Fest istunka im Bezirk Afgooye teilnehmen, das die Agentur als 600 Jahre alt bezeichnete. Nach dem ICM, das Mukhtar von 2003 zitiert, lockt das Fest viele Besucher an, auch Ausländer. Ahmed beschreibt 2015, dass das Turnier gewöhnlich drei Tage dauert, begleitet von Tieropfern, Volkstänzen und Liedern zum Lob der Kämpfer, und dass dann in Afgooye das normale Leben zurückkehrt. Die englischsprachige Wikipedia gibt an, dass die istunka im Gebiet von Afgooye noch immer jedes Jahr stattfindet. Einen Pressebericht über die Abhaltung des Festes nach 1996 konnten wir nicht finden.
Wissenswertes
Dabshid ist nach Castagno das somalische saisonale Neujahr, eine Feuernacht, das gewöhnlich auf einen der ersten vier Augusttage fällt, wenn ein kleines Feuer entzündet wird und Familienmitglieder darüberspringen. Nach Ahmed werden vor der istunka in der Freitagnacht Lieder gesungen und Poesie shirib vorgetragen, und der Höhepunkt ist die schlaflose Nacht dhafarka vor dem Kampf. Die Einheimischen glauben nach ihm, dass bei Ausfall des Kampfes Missernte, Hunger, Seuche und Dürre kämen und Frauen nicht schwanger würden. Die englischsprachige Wikipedia nennt isgaraac als weiteren Namen der istunka.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die istunka?
Nach Margaret Castagno und nach einem Bericht der Agentur Xinhua von 1996 ist die istunka ein dreitägiges Fest. Es findet zur Zeit von dabshid statt, dem somalischen saisonalen Neujahr.
Wer kämpft in der istunka gegen wen?
Nach Castagno Gruppen junger Männer von den gegenüberliegenden Ufern des Flusses Shabeelle in Afgooye. Abdulahi Ahmed schreibt von den Bewohnern des westlichen und östlichen Ufers des Flusses und von einem Massenkampf, in dem eine Seite die andere aus der Arena vertreibt.
Findet die istunka bis heute statt?
Den letzten datierten Bericht fanden wir aus dem Jahr 1996, als die Agentur Xinhua über das Fest schrieb. Die englischsprachige Wikipedia gibt an, dass sie im Raum Afgooye weiterhin jedes Jahr stattfindet, jedoch ohne Quellenverweis.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.