Handschrift
Opus Amplissimum de Arte Athletica (Paulus Hector Mair)
Originaltitel: Opus Amplissimum de Arte Athletica
1540–1550DeutschlandLehrbuch
Illustriertes Fechtkompendium des Augsburger Beamten Paulus Hector Mair aus den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts in 16 Büchern, erhalten in Exemplaren in Dresden, München und Wien.
Opus Amplissimum de Arte Athletica ist ein umfangreiches illustriertes Fechtkompendium, das der städtische Beamte Paulus Hector Mair (1517–1579) in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts in Augsburg anfertigen ließ. Mair war 1541 Kassenverwalter der Stadt und ab 1545 für die städtischen Vorräte zuständig. 1579 wurde er in Augsburg wegen Veruntreuung städtischer Gelder hingerichtet. Das Kompendium besteht aus 16 Büchern in zwei Bänden. Es lehrt den Kampf mit Langschwert, Dusack, Stock, Speer und Pike, Hellebarde, Sense, Dreschflegel, Bauernstock und Sichel, ferner den Kampf mit dem Dolch, das Ringen, das Rapierfechten, den Kampf mit der Streitaxt sowie mit Schwert oder Speer und langem Schild. Es umfasst auch den Kampf zu Pferd, das Fechten in Rüstung, den gerichtlichen Zweikampf und Turniere. Das Werk ist in drei Fassungen überliefert, jede umfangreicher als die vorige. Die deutsche Dresdner Fassung hat die wenigsten Teile, steht stilistisch Breu am nächsten und entstand wahrscheinlich als erste. Die lateinische Münchner Fassung ist am aufwendigsten ausgeführt und enthält zusätzlich einen Abschnitt über Turniere. Die deutsch-lateinische Wiener Fassung ist die umfangreichste, aber gröber ausgeführt. Deutsch ist damit die Sprache der wahrscheinlich ältesten Fassung, Latein die der Münchner und zusammen mit Deutsch auch der Wiener. Die Illustrationen schuf die Werkstatt von Jörg Breu dem Jüngeren. Mair fasste im Kompendium ältere Fechttexte aus seiner eigenen Handschriftensammlung zusammen, darunter eine Glosse zur Lehre Liechtenauers und eine Abschrift Talhoffers. Das lateinische Exemplar kaufte um 1567 der bayerische Herzog Albrecht V.
Kampfkünste im Werk
Inhalt
Das Kompendium ist in drei Exemplaren überliefert, die jeweils zwei Bände haben. Das Dresdner Exemplar in der SLUB Dresden (Mscr.Dresd.C.93 und C.94) ist deutsch geschrieben, seine Bände haben 244 und 328 Folien. Das Münchner Exemplar in der Bayerischen Staatsbibliothek (Cod.icon. 393) ist lateinisch, die Bände haben 309 und 303 Folien. Das Wiener Exemplar in der Österreichischen Nationalbibliothek (Cod. 10825 und 10826) enthält deutschen wie lateinischen Text, seine Bände haben 270 und 343 Folien. Der Inhalt gliedert sich in 16 Bücher. Neben dem Fechten mit Langschwert, Dusack und Rapier sowie dem Kampf mit dem Dolch und dem Ringen enthält es Bücher über Stangenwaffen, über Bauernwaffen wie Sense, Dreschflegel und Sichel, über den Kampf mit der Streitaxt, über den gerichtlichen Zweikampf, über das Fechten in Rüstung und über den Kampf zu Pferd. Die Münchner Fassung ergänzt einen Abschnitt über Turniere.
Entstehung
Mair arbeitete an dem Kompendium mit der Werkstatt von Jörg Breu dem Jüngeren und engagierte zwei Augsburger Fechter als Modelle für die Illustrationen. Die Herstellung dauerte mindestens vier Jahre und kostete außergewöhnliche Summen. Grundlage war Mairs Sammlung von mehr als einem Dutzend älterer Fechthandschriften. Dazu gehörten unter anderem eine Abschrift Talhoffers, Texte von Wilhalm, Sollinger und Erhart, Medels Glosse zu Liechtenauer, Pseudo-Gladiatoria, Urkunden der Marxbrüder und Breus Skizzenbuch. Das lateinische Exemplar kaufte um 1567 der bayerische Herzog Albrecht V. für etwa 800 Gulden. Das Schicksal von Mairs Bibliothek schildern die Quellen unterschiedlich. Nach Wiktenauer wurde sie nach Mairs Hinrichtung 1579 versteigert, die Fugger kauften sie, und sie gelangte in die Augsburger Universitätsbibliothek. Drei Exemplare des Kompendiums liegen jedoch in Dresden, München und Wien. Wie das Dresdner und das Wiener Exemplar an ihre heutigen Orte gelangten, konnten wir nicht belegen.
Urheberschaft
Mair ließ das Werk als Auftraggeber und Zusammensteller anfertigen, die Illustrationen schuf eine beauftragte Werkstatt. Die Quellen datieren die einzelnen Exemplare uneinheitlich. Wiktenauer legt die Entstehung in die vierziger Jahre des 16. Jahrhunderts, nennt bei der Wiener Fassung aber einmal die vierziger und einmal die fünfziger Jahre. Nach anderen Quellen entstand das Kompendium erst nach 1542, das Dresdner Exemplar 1550 und das Wiener 1542 bis 1550. Mit dem Kompendium hängt die Handschrift Reichsstadt „Schätze“ Nr. 82 zusammen, ist aber kein Exemplar davon. Mair kaufte 1549 einen unvollendeten Traktat Antonio Rasts und stellte ihn 1553 fertig. Die Jahreszahl 1553 gehört damit zu dieser eigenständigen Handschrift, nicht zur Entstehung des Kompendiums.
Personen und Kampfkünste
- Paulus Hector MairAutor
- Jörg Breu the YoungerIllustrator
Angaben
- Form
- Handschrift
Weitere Titel
- Ars Athletica (Alternativtitel, DE)