Niederländisches Kickboxen
Niederländische Kickbox-Schule aus den Amsterdamer Gyms Mejiro und Chakuriki, mit Wurzeln im Kyokushin und im japanischen Kickboxen. Sie beruht auf Boxkombinationen und tiefen Tritten.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Vergleiche
Kataloge & Datenbanken für Niederländisches Kickboxen
Über Niederländisches Kickboxen
Das holländische Kickboxen ist eine niederländische Kickbox-Schule, die sich ab den siebziger Jahren in Amsterdamer Gyms herausbildete. Einen einzelnen Gründer hat es nicht. Die Quellen beschreiben zwei Gym-Linien: das Mejiro Gym von Jan Plas, einem Schüler von Kenji Kurosaki, das laut Gym 1975, laut anderen Quellen 1978 eröffnet wurde, und das Chakuriki von Thom Harinck aus dem Jahr 1972. Plas und Harinck gründeten 1976 gemeinsam den niederländischen Verband NKBB.
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Die Wurzel ist kyokushin und japanisches Kickboxen. Kenji Kurosaki verbrachte 1966 elf Monate in den Niederlanden bei Jon Bluming, einem Pionier des kyokushin im Land. Beschreibungen des Stils fügen den Einfluss von Muay Thai und westlichem Boxen hinzu. Ein Teil der Autoren versteht ihn eher als Trainingsansatz denn als eigenständigen Stil, und in Übersichten der Kickbox-Regeln steht das „holländische Regelwerk“ als eine der Varianten. Technisch beruht er auf Boxkombinationen und tiefen Tritten. Die niederländischen Regeln verbieten Ellbogen, sofern sich die Kämpfer nicht anders einigen, verbieten Knie zum Kopf und begrenzen den Clinch auf fünf Sekunden, Glory erlaubt ihn nach den Regeln von 2026 nur für einen unmittelbaren Kniestoß. Nach den Niederlagen niederländischer Kämpfer in Thailand 1990 legten die Gyms laut einer Beschreibung aus jener Zeit zusätzlich Gewicht auf Clinch, Ellbogen und Knie. Niederländische Kämpfer gewannen 15 von 19 Titeln des K-1 World Grand Prix aus den Jahren 1993 bis 2012, darunter Peter Aerts, Ernesto Hoost, Remy Bonjasky, Semmy Schilt und Alistair Overeem. Die 2012 gegründete Organisation Glory veranstaltet viele Events in den Niederlanden. Ein Gürtelsystem und einheitliche Amateurregeln haben wir in den Quellen nicht gefunden.
Geschichte
Das holländische Kickboxen entstand ab den siebziger Jahren in Amsterdamer Gyms aus kyokushin, japanischem Kickboxen und Muay Thai. Keine Quelle nennt einen einzelnen Gründer, und ein Teil der Autoren sieht darin eher einen Trainingstrend als einen eigenständigen Stil. Die Wurzel führt über kyokushin. Jon Bluming erhielt 1965 als erster Nichtjapaner von Masutatsu Oyama den 6. dan im kyokushin. Kenji Kurosaki verbrachte 1966 elf Monate in den Niederlanden bei Bluming und leitete nach seinem Weggang von Kyokushin-kaikan um 1969 in Tokio das Mejiro Gym. Thom Harinck gründete 1972 in Amsterdam das Chakuriki Gym. Gemeinsam mit Jan Plas gründete er 1976 den niederländischen Verband NKBB und 1983 den Muay-Thai-Verband MTBN. Plas, ein Schüler Kurosakis, eröffnete das Amsterdamer Mejiro Gym, laut Gym 1975, laut anderen Quellen 1978, und wird als Vater des Kickboxens in den Niederlanden bezeichnet. Zu seinen Schülern zählen Lucien Carbin, Rob Kaman, Ernesto Hoost und Peter Aerts.
Was es unterscheidet
Seit der Einführung von K-1 Max kämpfen niederländische Kickboxer hauptsächlich nach den Regeln von K-1 und später von Glory. Die K-1-Regeln verbieten laut dem technischen Handbuch von WAKO Ellbogen und erlauben nur einen unmittelbaren Kniestoß, nachdem der Gegner am Hals oder an den Schultern gefasst wurde. Die WAKO-Disziplin Low Kick ergänzt das full contact, bei dem nur oberhalb der Gürtellinie getreten wird, um Schienbeintritte auf den Oberschenkel und verbietet Knie, Ellbogen und Würfe. Die Amateur-Ringdisziplinen der WAKO haben drei Runden zu je zwei Minuten. Der Promoter Glory verbietet in den Regeln vom März 2026 Ellbogen, Würfe und Fußfeger, erlaubt Knie, gestattet den Clinch nur für einen unmittelbaren Kniestoß und lässt von den Beintritten nur Bogentritte zu. Muay Thai bewertet nach den Regeln des Verbands IFMA Schläge, Tritte, Knie und Ellbogen. Senioren kämpfen drei Runden zu je drei Minuten, und vor der ersten Runde ist das Ritual Wai Kru mit drei Verbeugungen zum Boden Pflicht. Laut dem Magazin Black Belt entstand die Bezeichnung Dutch Muay Thai nur, weil Ramon Dekkers und andere Niederländer in Thailand nach den Regeln des Muay Thai kämpften. Das holländische Kickboxen ist laut ihm ein eigenständiger Sport und in den Gyms eher ein Trainingstrend.
Technik
Technisch beruht das holländische Kickboxen auf Boxkombinationen, die die Deckung des Gegners öffnen, und auf Tritten gegen Bein, Rumpf und Kopf, die aus dem kyokushin übernommen wurden. Niederländische Gyms betonten laut Beschreibungen jener Zeit Schläge und tiefe Tritte. Das Mejiro Gym setzte auf Schläge und tiefe Tritte, Lucien Carbin entwickelte später einen Ansatz mit den wichtigsten Techniken des Muay Thai. Niederländische Regeln verbieten Ellbogen, sofern sich die Kämpfer nicht anders einigen, verbieten Knie zum Kopf und begrenzen den Clinch auf fünf Sekunden. Die Glory-Regeln von 2026 erlauben Knie, verbieten Ellbogen und Würfe und erlauben den Clinch nur für einen unmittelbaren Kniestoß. Nach den Niederlagen niederländischer Kämpfer in Thailand 1990 legten die Gyms zusätzlich Gewicht auf Clinch, Ellbogen und Knie. Zu den typischen Merkmalen gehört das Streben nach einem frühen KO, das Beschreibungen mit der Furcht vor thailändischer Punktewertung verbinden.
Training
Nach der Beschreibung von ONE Championship sparren niederländische Kämpfer härter als Thailänder, die das Sparring len cheng nennen, also spielerisches Sparring. An den Pratzen wiederholen sie dieselben Serien von bis zu sechs Techniken hintereinander, während thailändische Boxer mit dem Trainer verschiedene Übungen im Wechsel machen. Das schnelle Tempo der niederländischen Kämpfer leiten die Beschreibungen vom Kyokushin ab. Es handelt sich um eine Beschreibung, nicht um eine Messung. Den Aufbau der Stunde, die empfohlene Trainingshäufigkeit und das Verhältnis von Sparring und Pratzenarbeit konnten wir nicht belegen.
Graduierungen und Fortschritt
Ein einheitliches Gürtelsystem des niederländischen Verbands fanden wir nicht. Für das Kickboxen allgemein hat die WAKO ein freiwilliges Klassifikationsprogramm, das nationale Verbände anpassen können. Es reicht vom weißen über gelben, orangen, grünen, blauen und braunen bis zum schwarzen Gürtel und weiter bis zum 7. dan. Die Mindestvorbereitung beträgt sechs Monate bei niedrigeren Gürteln, ein Jahr von Braun zu Schwarz, zwei Jahre zum 2. dan, drei zum 3. dan und fünf bis sieben für den 4. bis 7. dan. Wer den schwarzen Gürtel anstrebt, muss im Prüfungsjahr 16 werden. Die Prüfungen zum 1. bis 3. dan führen nationale Verbände durch, zum 4. bis 7. dan das WAKO-Komitee, den 8. bis 10. dan verleiht der WAKO-Vorstand nach mindestens 35 Jahren im Kickboxen. Geprüft werden die Disziplinen Point Fighting, Light Contact, Kick Light, Full Contact, Low Kick, K1 Rules und Formen, einen eigenen holländischen Stil gibt es im Programm nicht.
Für wen
Die Kinderregeln des niederländischen Verbands, Alterskategorien und die Dauer der Kämpfe haben wir nicht gefunden. Nach der Beschreibung eines Clubs in Utrecht trainieren Kinder von 7 bis 15 Jahren mit Handschuhen, Schienbeinschonern und Zahnschutz, und statt hartem Sparring gibt es kontrolliertes Training. Für das Kickboxen allgemein hat die WAKO die Kategorien Kinder 7–9 Jahre und Kadetten 10–15 Jahre nur auf der Tatami, in den Ring kommen erst Junioren mit 15–16 Jahren, Veteranen kämpfen im Alter von 41–55 Jahren. Frauen haben bei der WAKO eigene Gewichtsklassen und ab den älteren Kadettinnen einen Pflicht-Brustschutz. Eine auf den niederländischen Stil bezogene Verletzungsstudie haben wir nicht gefunden. Lystad (2015) zählte in Aufzeichnungen aus Nevada über 15 Jahre 390,1 Verletzungen pro 1.000 Starts im Kickboxen, 57,8 % am Kopf. Bilgoe, Kerkhoffs und Gouttebarge (Amsterdam UMC, 2025) fanden bei 45 aktiven und 29 ehemaligen Elite-Kickboxern eine psychische Belastung bei 57 % der aktiven und 36 % der ehemaligen.
Wettkampf
Die Profiszene bestimmt heute Glory, 2012 nach den finanziellen Schwierigkeiten von K-1 gegründet. Ein Standardkampf hat drei Runden zu drei Minuten, ein Titelkampf fünf Runden zu drei Minuten. Die Runde wird nach dem verursachten Schaden vergeben, und geblockte Schläge punkten nicht. Viele Glory-Veranstaltungen fanden in den Niederlanden statt, unter anderem in Rotterdam und in Arnhem. Die Regeln der NKBB und der niederländischen Amateurwettkämpfe haben wir nicht gefunden. Niederländische Kämpfer gewannen 15 von 19 Titeln des K-1 World Grand Prix aus den Jahren 1993 bis 2012, unter ihnen Peter Aerts, Ernesto Hoost, Remy Bonjasky, Semmy Schilt und Alistair Overeem. Aerts siegte in den Jahren 1994, 1995 und 1998. Gegen thailändische Boxer traten die Niederländer auch nach den Regeln des Muay Thai an. Rob Kaman besiegte am 18. Februar 1990 in Amsterdam Changpuek Kiatsongrit, im April 1990 verloren Kaman und Ramon Dekkers im Lumpinee nach Punkten.
Ausrüstung
Zum Training gehören nach der Beschreibung des Clubs in Utrecht Handschuhe, Schienbeinschoner und Zahnschutz. Glory verlangt eine kurze Hose über dem Knie ohne Taschen und einen Zahnschutz. Das Wettkampfgewicht der Handschuhe und die Ausrüstung für niederländische Amateurwettkämpfe haben wir nicht gefunden. Für das Amateurkickboxen allgemein schreibt die WAKO Europe in den Ringdisziplinen Handschuhe von 10 oz, einen Helm, Schienbeinschoner, einen Zahnschutz und einen Tiefschutz vor, Frauen ab den älteren Kadettinnen zusätzlich einen Brustschutz.
Heute
In den Übersichten der Kickbox-Regeln steht „niederländische Regeln“ als eine Variante neben den Regeln von K-1 und dem amerikanischen Vollkontakt. Die niederländischen Gyms Mejiro, Chakuriki und Golden Glory gehen vom japanischen Kickboxen und vom Kyokushin aus oder wurden von ihnen stark beeinflusst. Das Niederländische Kickboxen ist nicht Muay Thai, hat mit ihm aber mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Die Bezeichnung Dutch Muay Thai beschreibt ein Teil der Autoren als Missverständnis, das daraus entstand, dass Ramon Dekkers in Thailand nach den Regeln des Muay Thai kämpfte. Dekkers trainierte in Breda bei Cor Hemmers und gewann seine Titel hauptsächlich im Muay Thai, Rob Kaman vom Mejiro Gym hatte Titel im Kickboxen und im Muay Thai. Die Einführung von K-1 Max im Jahr 2002 zog niederländische Kämpfer zu den Regeln von K-1 und später von Glory. Ein einheitliches Gürtelsystem und eine Prüfungsordnung haben wir in den Quellen nicht gefunden.
Wissenswertes
1964 trafen laut dem Magazin Black Belt in Thailand drei Karateka aus dem Umfeld von Masutatsu Oyama auf drei thailändische Boxer. Nach dieser Erfahrung verband Kenji Kurosaki kyokushin mit Techniken des Muay Thai, und sein Tokioter Mejiro Gym beschreibt Black Belt als das erste Kickbox-Gym der Welt. Kurosakis Schüler Toshio Fujiwara gewann am 18. März 1978 in Tokio als erster Ausländer den Titel des Rajadamnern-Stadions, und auch Jan Plas trainierte bei ihm. Das Amsterdamer Mejiro Gym erhielt seinen Namen nach dem Tokioter Stadtteil Mejiro, wo Kurosaki sein Dojo hatte. Laut VICE von 2018 gingen aus ihm unter anderem Rob Kaman, Andy Souwer, Peter Aerts und Remy Bonjasky hervor, und es wird von André Mannaart mit seinem Sohn Roël geführt. Den Titel der Wiege des niederländischen Kickboxens beansprucht laut demselben Artikel mehr als eine Schule.
Häufige Fragen
Was ist Holländisches Kickboxen?
Holländisches Kickboxen ist ein Kickbox-Stil, der sich seit den siebziger Jahren in Amsterdamer Gyms aus kyokushin, japanischem Kickboxen und Muay Thai herausbildete. Das Magazin Black Belt beschreibt es eher als Trainingstrend innerhalb des Kickboxens mit Wurzeln im Mejiro Gym von Kenji Kurosaki.
Was ist der Unterschied zwischen Holländischem Kickboxen und Muay Thai?
Muay Thai wertet nach den Regeln der IFMA auch Ellbogen, und der Kampf beginnt mit dem Ritual Wai Kru. Niederländische Kämpfer treten hauptsächlich nach den Regeln von K-1 und Glory an, die Ellbogen und Würfe verbieten und den Clinch auf einen sofortigen Kniestoß beschränken.
Warum sind die Niederländer im Kickboxen so erfolgreich?
Die Ursache des Erfolgs konnten wir in keiner unabhängigen Quelle belegen. Belegen lassen sich die Ergebnisse: Die Niederländer gewannen 15 von 19 Ausgaben des K-1 World Grand Prix, darunter Peter Aerts, Ernesto Hoost, Remy Bonjasky, Semmy Schilt und Alistair Overeem. Die Gyms Mejiro, Chakuriki und Golden Glory gründeten laut dem Magazin Black Belt Jon Bluming und seine Schüler.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.