Grima (Kolumbianisches Machetenfechten)
Sammelbegriff für mehr als dreißig überwiegend afrokolumbianische Stile des Fechtens mit Machete, Stock bordón und weiteren Waffen, deren Zentrum die Region Cauca war.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über Grima (Kolumbianisches Machetenfechten)
Grima, eine Kurzform des spanischen esgrima (Fechten), ist nach T. J. Desch-Obi ein Sammelbegriff für mehr als dreißig Stile der Kampfkunst, die bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts geübt wurden und deren Zentrum die kolumbianische Region Cauca war. Mit vollem Namen heißt sie esgrima de machete y bordón, Fechten mit Machete und Stock. Die grundlegenden Stile begannen nach Desch-Obi Menschen afrikanischer Herkunft in Cauca schon zur Zeit der Sklaverei zu entwickeln, und sie übten darin den Kampf mit der Machete, der Waffe azagaya, dem Stock und auch ohne Waffen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts differenzierte sich die grima in mehr als dreißig Stile aus, und Handschriften namens cartillas de malicia hielten die Techniken, den Unterricht und die Abstammungslinie jedes Stils fest. Heute wird die grima von Schulen im Norden von Cauca gepflegt, darunter eine Akademie in Puerto Tejada. Der Nationalrat für das Kulturerbe beurteilte am 25. Juli 2025 die Kandidatur von esgrima de machete y bordón del Norte del Cauca für das nationale Verzeichnis des immateriellen Erbes positiv, was nach Angaben des Ministeriums den Weg zu einem Schutzplan öffnet.
Geschichte
T. J. Desch-Obi schreibt in einem begutachteten Artikel von 2020, dass Menschen afrikanischer Herkunft in Cauca die grundlegenden Stile der grima zur Zeit der Sklaverei zu entwickeln begannen und dass diese Stile auf den Grundsätzen des Kampfes der afrikanischen Diaspora beruhten, vor allem auf körperlicher Gewandtheit und List (malicia). 1850 zogen Landbewohner afrikanischer Herkunft bei einem Aufstand in die Städte ein und richteten ihre Kampfstöcke gegen die höheren Schichten. Die Abschaffung der Sklaverei in Kolumbien trat im Januar 1852 in Kraft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts differenzierte sich die grima in mehr als dreißig Stile aus, jeder mit eigenen Choreografien.
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Der Stil Caucaseco entstand nach Desch-Obi 1858 im Gebiet Caucaseco, einem Zufluchtsort liberaler Kämpfer afrikanischer Herkunft nach dem gescheiterten Aufstand Melos 1854. Er verband mindestens zwei ältere Stile: Relancino, der bis in die Zeit der Sklaverei zurückreicht und auf der Waffe azagaya aufbaut, und Español, den ersten einer Reihe aufrechter Stile für den Kampf auf Distanz. Die erhaltene Handschrift ist die erweiterte zweite Ausgabe, die der maestro Manuel Cárdenas 1875 niederschrieb und die später der maestro Agapito Lenis benutzte, der im Tausendtagekrieg ein geheimer Bote der Liberalen war. Michael J. Ryan führt in einem Artikel von 2020 an, dass in den Unabhängigkeitskriegen zu Beginn des 19. Jahrhunderts und im Tausendtagekrieg zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Klinge eine der wichtigsten Angriffswaffen war. Soldaten afrikanischer Herkunft aus Cauca, die zum Grenzkrieg mit Peru eingezogen wurden, stellten nach seinen Worten fest, dass ihre Einzelladergewehre gegen die peruanischen Repetiergewehre nicht ausreichten, und griffen zur Machete. Der maestro Miguel Lourido verlegt die Anfänge der Geschichte von Puerto Tejada laut der Zeitung El País (Cali) an das Ende des 18. Jahrhunderts in die freie Siedlung geflohener Sklaven Monte Oscuro. Die Afrikaner brachten ihm zufolge Kampfwissen mit, das sich in Amerika mit dem spanischen Säbelfechten vermischte, und die ersten maestros übertrugen es auf die Machete und verbanden es mit dem Stock bordón. Laut einem Artikel von Jhonny Alexander Muñoz Aguilera von 2023 wurde die Praxis zu Beginn der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit Gefängnis bestraft, weil sie als subversiv galt.
Was es unterscheidet
Desch-Obi gibt an, dass Venezuela, Argentinien und Kuba parallele Kampfkunsttraditionen hatten, aber keine davon offenbar eine schriftliche Tradition hervorbrachte, die mit den kolumbianischen cartillas de malicia vergleichbar wäre. Nach Ryan entwickelten die Schulen der grima Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts besondere Auslagen, die den Gegner in bestimmte Angriffe locken sollten, und andere Schulen schufen dagegen Gegentaktiken, zum Beispiel den Stil Venezolano Moderno gegen den Stil Grenadino.
Technik
Ryan beschreibt die grima als Sammelbegriff für mehrere überwiegend afrokolumbianische Kampfsysteme mit einem einzelnen Stock oder einer Machete oder mit Stock und Machete in beiden Händen. Einige Stile lehrten auch die kürzeren und dünneren Macheten peinillas, zwei peinillas, den Speer, das Messer, die Peitsche und das Rasiermesser. Von fünfunddreißig noch geübten Stilen nennt er als die beliebtesten unter anderem Sombra Caucana, Palo Negro, Cubano, Español, Francés, Relancino, Venezolano, el Costeño und Sombra Japonés. Alle teilen nach ihm einen gemeinsamen Kern aus acht Schlägen und grundlegenden Deckungen.
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Die Ausgangsstellung mit einer Waffe heißt nach Desch-Obi parada und ähnelt der Auslage im europäischen Fechten. Aus ihr beginnt die cruza, eine Choreografie zu zweit, die den Kern des Unterrichts bildete. Die Handschrift des Stils Caucaseco hat 72 Seiten und fünf Abschnitte, darunter Juego Sencillo mit den ersten dreißig Lektionen für eine Waffe, Juego Doble mit cruzas für zwei und mehr Waffen und Paradas Sueltas mit zwanzig ergänzenden paradas. Das zentrale Waffenpaar in diesem Stil war die azagaya zusammen mit einer Klinge, der Machete oder einem Schwert. Die azagaya gab es in drei Längen und Formen, und man konnte mit ihr werfen, stechen und hauen. Die Zeitung El País beschreibt die Technik falso diagonal, bei der der Machetenkämpfer ein Dreieck hin und zurück beschreibt, einen Ausfall andeutet, damit sich der Gegner deckt, und dann auf die andere Seite schlägt. Der maestro Lourido erwähnt die Technik elástico de sombra, das Fechten im Dunkeln, die nach seinen Worten verloren geht. Das juego des maestro Ananías Caniquí hat laut Muñoz Aguilera insgesamt 16 cruzas.
Training
Das Training beginnt nach Muñoz Aguilera mit dem einfachen Spiel (juego sencillo) mit einer Waffe oder einem Stock bordón und setzt sich mit dem doppelten Spiel (juego doble) fort, bei dem eine zweite Waffe oder ein zweiter Stock hinzukommt. Die meisten Übungskämpfe werden laut einem von Global Voices übernommenen Artikel mit Stöcken ausgetragen, und die verwendeten Macheten sind stumpf. Der Stock bordón besteht laut der Zeitung El País aus dem Holz des guásimo. Ryan zählt Kolumbien neben Barbados und Teilen Venezuelas zu den Ländern, in denen den Unterricht im Kampf mit Stock und Klinge eine feste Pädagogik prägt und kein intuitives Training auf der Grundlage von Vollkontakt-Sparring. Die Meister der grima nahmen nach Desch-Obi Schüler an, die das volle Schulgeld für den Stil bezahlten, manche erlaubten die Zahlung für einzelne paradas, und das Manuskript Caucaseco nennt auch paradas, die der Meister überhaupt nicht lehren soll.
Graduierungen und Fortschritt
Nach Desch-Obi dienten die Manuskripte cartillas de malicia vor allem als Abzeichen der Autorität, und die Schüler schätzten sie als Diplom, das sie als Meister bestätigte. Eine Kopie der cartilla des Meisters erhielt nur, wer die Ausbildung abgeschlossen und die Abschlussprüfung bestanden hatte. Muñoz Aguilera gibt an, dass der Besitz einer cartilla ebenso prestigeträchtig ist wie ein Diplom und dass die Schüler während der Ausbildung keinen Zugang dazu haben. Nach Meister Lourido in der Zeitung El País stieg man vom Schüler (discípulo) über den contramaestro, einen begabten Schüler auf der höchsten Stufe, zum Meister auf, zu dem ein contramaestro wurde, wenn ihm der Hauptmeister die cartilla übergab.
Heute
Bei einer Sitzung des Nationalrats für das Kulturerbe (CNPC) in Bogotá am 25. Juli 2025 stellten die Träger der Tradition esgrima de machete y bordón del Norte del Cauca einen Antrag auf Aufnahme in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes (LRPCI) vor. Der Rat gab laut dem Kulturministerium eine positive Stellungnahme zur Kandidatur ab, die es ermöglicht, zur Ausarbeitung eines besonderen Schutzplans überzugehen. An dem Schutzplan arbeitete man laut der Verwaltung des Departements Cauca mit Unterstützung des Ministeriums schon im September 2021. Die Akademie für Fechten mit Machete und Stock in Puerto Tejada leitet laut der Zeitung El País der Meister Miguel Lourido, und sie hat ihren Sitz in der Casa del Cacao, einem Zentrum des ethnischen und kulturellen Gedächtnisses. Im November findet in Puerto Tejada ein Festival statt, bei dem sich Meister und Schüler von Schulen aus dem Norden von Cauca versammeln. Lourido lernte hauptsächlich bei Héctor Elías Sandoval, genannt don Sando, der 2022 im Alter von 93 Jahren starb und vom Kulturministerium den Preis Premio Vida y Obra erhielt. Laut Muñoz Aguilera machen die Schüler des Meisters Ananías Caniquí in Mazamorrero und San Francisco (Santander de Quilichao) weiter.
Wissenswertes
Nach Desch-Obi bestand die Tradition, die Bücher eines Meisters nach seinem Tod zu verbrennen, und das Manuskript des Stils Caucaseco blieb nur deshalb erhalten, weil César Lenis sie brach. Ryan gibt an, dass die kolumbianische grima dadurch ungewöhnlich ist, eine wie große Rolle Frauen in ihr spielten. Laut der Zeitung El País sind auf den Porträts in der Akademie in Puerto Tejada neben Meistern wie Manuel María Caicedo und Teófilo Arboleda auch die Frauen Torelia Sandoval und Fanny Molina zu sehen. Eine Vorführung des Fechtens mit Machete und Stock eröffnete 2025 das Festival der Pazifikmusik Petronio Álvarez.
Häufige Fragen
Was bedeutet das Wort grima?
Grima ist eine Kurzform des spanischen Wortes esgrima, Fechten. Mit vollem Namen heißt die Kunst esgrima de machete y bordón, Fechten mit Machete und dem Stock bordón.
Wird grima mit scharfen Macheten geübt?
Laut einem Artikel, den Global Voices im Jahr 2025 übernommen hat, sind die verwendeten Macheten stumpf, und die meisten Übungskämpfe werden mit Stöcken geführt. Das Training beginnt nach Muñoz Aguilera mit einer Waffe oder einem Stock, und erst später kommt die zweite hinzu.
Ist die grima als immaterielles Erbe Kolumbiens verzeichnet?
Das Kulturministerium führt zum 25. Juli 2025 eine positive Stellungnahme des Nationalrats für das Kulturerbe zur Kandidatur von esgrima de machete y bordón del Norte del Cauca an, keine Aufnahme. Die Stellungnahme ermöglicht nach Angaben des Ministeriums den Übergang zur Vorbereitung eines besonderen Schutzplans.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.