Kosen Judo
高専柔道Judo japanischer höherer Schulen und Universitäten mit unbeschränktem Übergang zum Bodenkampf. Das erste Turnier fand 1914 in Kyoto statt, heute setzt es Nanatei fort.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Kosen Judo
Über Kosen Judo
Kosen-Judo ist die Form des Judo, die japanische höhere Schulen und Fachschulen bei eigenen Turnieren entwickelten. Laut einer Studie von Okamoto Hiroshi (2018) fand das erste landesweite Turnier der höheren Fachschulen am 29. Dezember 1914 in der Butokuden in Kyoto statt. Die Kaiserliche Universität Kyoto veranstaltete es auf Anregung von Absolventen, die zuvor an höheren Schulen Judo geübt hatten. Einen benannten Gründer hat das Kosen-Judo nicht. Die Regeln beschränkten den Übergang vom Stand in den Bodenkampf (hikikomi) in keiner Weise. Entschieden wurde nur durch ippon oder Unentschieden, und Mannschaften mit fünfzehn Mitgliedern traten in einem System an, in dem der Sieger auf der Matte bleibt. Als das Kodokan den Bodenkampf in den zwanziger Jahren einschränkte, lehnten die Schulen die Änderung ab und schrieben eigene Regeln. Okamoto bezeichnet das Kosen-Judo daher als eigenen Zweig gegenüber dem Kodokan. Das Bildungsministerium löste das Turnier 1941 auf. Fortgeführt wird das Kosen-Judo heute vom Nanatei-Judo, einem Wettbewerb von sieben ehemaligen kaiserlichen Universitäten (Hokkaido, Tohoku, Tokio, Nagoya, Kyoto, Osaka und Kyushu), der seit 1952 stattfindet. Laut der Zeitung Hokkaido Shimbun ist dort hikikomi weiterhin erlaubt, und es siegen nur ippon oder zwei waza-ari. Eine Frauenkategorie gibt es seit 2001.
Geschichte
Das erste landesweite Judoturnier der höheren Fachschulen (Kosen taikai) fand am 29. Dezember 1914 in der Butokuden in Kyoto statt. Laut einer Studie von Okamoto Hiroshi (Bulletin Toyama Prefectural University, 2018) richtete es die Kaiserliche Universität Kyoto aus, die Anregung kam aber von Absolventen, die an höheren Schulen Judo geübt hatten, nicht von der Universität, der Butokukai oder dem Kodokan. Im ersten Jahrgang traten die Vierte (Kanazawa), Fünfte (Kumamoto) und Sechste (Okayama) Höhere Schule an. Kyoto veranstaltete das Turnier bis zum 11. Jahrgang allein, ab 1925 mit Tokio und ab 1926 mit vier kaiserlichen Universitäten. Ein Forschungsbericht von Nakajima Tetsuya (KAKEN, Universität Kagoshima, 2014) erklärt die Entstehung des Turniers mit Regeln, die für alle Schulen fair waren, und der wachsenden Rivalität der staatlichen höheren Schulen.
Weiterlesen
Auf den Turnieren setzte sich der Bodenkampf (newaza) stark durch. Das Kodokan änderte daraufhin die Regeln, um ihn einzuschränken, doch die Schulen lehnten die Änderung ab, gründeten den Judoverband der kaiserlichen Universitäten und schrieben eigene Regeln. Das Jahr der Änderung nennen die Quellen unterschiedlich: Nakajima 1924, Okamoto 1922 und 1925, Syd Hoare in seinem Überblick über die Entwicklung der Wettkampfregeln 1925, als das Kodokan laut ihm strenge Bedingungen für den Übergang vom Stand zum Boden einführte und das Würgen des Rumpfes mit den Beinen (dojime) sowie alle Hebel außer Ellbogenhebeln verbot. Das Bildungsministerium löste das Turnier 1941 auf und belebte es nicht wieder, die englische Wikipedia nennt eine Austragung bis 1944.
Was es unterscheidet
Die Regeln der Kosen-Turniere gingen nach Okamoto von den Regeln der Butokukai und älteren Kodokan-Regeln aus und übernahmen nicht die Einschränkungen des Bodenkampfs, die das Kodokan in den zwanziger Jahren einführte. Okamoto bezeichnet das Kosen-Judo daher als eigenen Zweig gegenüber dem Kodokan, und Okubo Hideaki schreibt von einer Rivalität mit dem Kodokan. Der Unterschied liegt vor allem im Übergang zum Boden. Das Kodokan führte nach Syd Hoare mit den Regeln von 1925 strenge Bedingungen für den Übergang vom Stand in den Bodenkampf ein, verbot das Würgen des Rumpfes mit den Beinen und alle Hebel außer Ellbogenhebeln, während die Kosen-Regeln das Herabziehen des Gegners zu Boden in keiner Weise beschränkten. Bei den Kosen-Turnieren entschied zudem nur ippon oder Unentschieden. Bei den heutigen Nanatei-Wettkämpfen bleibt hikikomi erlaubt, und der Kampfrichter unterbricht den Bodenkampf bei Stillstand nicht, während das Kodokan-Judo hikikomi verbietet.
Technik
Nach Okamoto traten beim Kosen-Turnier Mannschaften mit fünfzehn Mitgliedern in einem System an, in dem der Sieger auf der Matte bleibt: Wer gewann, blieb gegen den nächsten Gegner auf der Matte. Entschieden wurde nur durch ippon oder Unentschieden (hikiwake), einen Punktsieg gab es nicht. Die Regeln beschränkten den Übergang vom Stand in den Bodenkampf durch Herabziehen des Gegners (hikikomi) in keiner Weise, ab dem achten Jahrgang 1921 galt ein Zeitlimit, und Hebel auf Knöchel und Knie waren verboten. Syd Hoare beschreibt das Kosen-Judo als Form mit fast unbeschränkter Bodenarbeit, die auch in den folgenden Jahrzehnten auf newaza setzte. Okamoto nennt als bedeutenden technischen Beitrag des Kosen-Judo das Dreieckswürgen (sankaku-jime), das nach ihm an der Sechsten Höheren Schule in Okayama entstand.
Training
Das Kosen-Judo wurde in den Judoklubs höherer Schulen und Universitäten gepflegt. Die Judoabteilung der Universität Kyoto entstand laut dem Universitätsmagazin Kurenai 1900, und die Techniken werden in ihr laut Universität ohne Unterbrechung weitergegeben. Eine Studie von Okubo Hideaki (Japan Journal of Sport Sociology, 2008) arbeitet mit dem Tagebuch des Judoklubs der Vierten Höheren Schule in Kanazawa, erhalten aus den Jahren 1914 bis 1946, die regelmäßige jährliche Führung des Tagebuchs begann 1922 nach der Niederlage des Klubs beim landesweiten Turnier. Okubo schreibt, die Schulen hätten eine eigene Sportkultur geschaffen, die sich vom Kodokan unterscheide. Der Klub der Universität Nagoya veranstaltet laut einem Zeitungsausschnitt auf seiner Website öffentliche newaza-Kurse.
Heute
An das Vorkriegs-Kosen-Judo knüpft das Nanatei-Judo an, ein Wettbewerb von sieben ehemaligen kaiserlichen Universitäten: Hokkaido, Tohoku, Tokio, Nagoya, Kyoto, Osaka und Kyushu. Laut der Zeitung Hokkaido Shimbun findet er seit 1952 statt. Die Mannschaften haben fünfzehn Mitglieder, und der Sieger bleibt auf der Matte, ein Kampf dauert sechs Minuten, beim vierzehnten und fünfzehnten Mitglied acht Minuten. Es siegen nur ippon oder zwei waza-ari, das Herabziehen in den Bodenkampf ist erlaubt, und der Kampfrichter unterbricht nicht, wenn die Kämpfer am Boden festhängen. Eine Frauenkategorie gibt es seit 2001, der Jahrgang 2024 fand am 6. und 7. Juli in der Aichi Budokan in Nagoya statt. Der Klub der Universität Kyoto gibt auf seiner Website an, dass man beim Nanatei wie im Kosen-Judo mit Schwerpunkt auf newaza kämpft, nicht nach den Regeln des Kodokan, und dass hier hikikomi erlaubt ist, das das Kodokan-Judo verbietet. Laut dem Klub findet das Turnier jedes Jahr im Juli statt, und die meisten Siege (26) hat Kyoto.
Wissenswertes
Das Dreieckswürgen (sankaku-jime) entstand nach Okamoto an der Sechsten Höheren Schule in Okayama und gehört zu den technischen Beiträgen des Kosen-Judo. Der Judoklub der Vierten Höheren Schule in Kanazawa führte ein Tagebuch, das aus den Jahren 1914 bis 1946 erhalten ist und aus dem die soziologische Studie von Okubo Hideaki schöpft. Die regelmäßige Führung des Tagebuchs begann nach Okubo nach der Niederlage beim landesweiten Turnier 1922. Die Universität Kyoto hat laut ihrem Klub im Wettbewerb Nanatei die meisten Siege, 26. Die englische Wikipedia nennt als Literatur zum Kosen-Judo das Buch Nanatei Judo (2001) von Matsubara Ryuichiro, in den von uns verwendeten Quellen haben wir es nicht überprüft. Die englische Wikipedia erwähnt eine Ähnlichkeit des Kosen-Judo mit dem brasilianischen Jiu-Jitsu, eine Fachquelle dazu haben wir nicht gefunden.
Häufige Fragen
Wodurch unterscheidet sich Kosen-Judo vom gewöhnlichen Judo?
Die Kosen-Regeln beschränkten den Übergang vom Stand zum Bodenkampf nicht, entschieden wurde nur durch ippon oder Unentschieden. Das Kodokan schränkte den Bodenkampf in den zwanziger Jahren ein, die Schulen lehnten das ab und schrieben eigene Regeln.
Wo wird Kosen-Judo heute ausgetragen?
Im Wettbewerb Nanatei-Judo von sieben ehemaligen kaiserlichen Universitäten (Hokkaido, Tohoku, Tokio, Nagoya, Kyoto, Osaka und Kyushu), der seit 1952 stattfindet. Das Herabziehen in den Bodenkampf (hikikomi) ist dort erlaubt, eine Frauenkategorie gibt es seit 2001.
Wann entstand das Kosen-Judo?
Das erste landesweite Turnier der höheren Fachschulen fand am 29. Dezember 1914 in der Butokuden in Kyoto statt, veranstaltet von der Kaiserlichen Universität Kyoto auf Anregung von Absolventen. Das Bildungsministerium löste es 1941 auf.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.