Mok Yan Jong
木人樁 · muk6 yan4 jong1
Wörtlich: „Pfahl des Holzmanns“
Auch bekannt als: Muk Yan Jong, Mok Yan Chong, Muk Yan Chong, Mu Ren Zhuang
Eine Wing-Chun-Form, die gegen einen Holzpfahl mit drei Armen und einem Bein geübt wird. In der von Yip Man gelehrten Fassung hat sie 116 Bewegungen in acht Abschnitten.
Auf einen Blick
Über die Kata
Mok Yan Jong ist eine Wing-Chun-Form, die nicht in die Luft, sondern gegen einen Holzpfahl geübt wird. Der Pfahl hat drei Arme und ein Bein und stellt laut der englischen Wikipedia den Körper des Gegners in verschiedenen Stellungen sowie die daraus hervorgehenden Kraftlinien dar. Barry Pang bezeichnet sie als die fortgeschrittenste Form des Stils; in der von Yip Man gelehrten Fassung hat sie 116 Bewegungen in acht Abschnitten. Die Schule von Samuel Kwok (kwokwingchun.com) erklärt den Unterschied zu den drei waffenlosen Formen: Deren Techniken müssen sich im Kampf der Situation anpassen, hier zielen sie dagegen direkt auf Arme, Bein und Rumpf des Pfahls. Die Form übernimmt Anwendungen aus diesen drei Formen und fügt ein Herunterziehen am Nacken sowie weitere Tritte hinzu. Der Pfahl bewegt sich kaum, sodass der Übende Beweglichkeit lernt, indem er ihn umkreist und dabei zugleich deckt und angreift. Dieselbe Quelle sieht als Hauptnutzen die richtige Distanz, Kraft aus der Hüfte (yiu ma) und eine saubere Technikstruktur, dazu die Abhärtung von Händen und Armen. Ein starrer Pfahl verrät Fehler von selbst: Ein falscher Deckungswinkel oder schlecht geführte Kraft endet im Gleichgewichtsverlust oder in einem schmerzhaften Aufprall und erschwert auch die folgende Bewegung.
Die Kata in den Stilen
| Stil | Name im Stil | Bewegungen | Kiai |
|---|---|---|---|
| Wing Chun | Muk Yan Jong | 116 | — |
Bedeutung des Namens
Die englische Wikipedia übersetzt die chinesischen Zeichen 木人樁 (kantonesisch muk yan jong, Pinyin mu ren zhuang) als Pfahl des Holzmanns, also Holzpfahl. Form und Werkzeug tragen somit denselben Namen. Yip Ching nennt sie in einem Artikel auf kwokwingchun.com die Essenz der drei waffenlosen Wing-Chun-Formen und den Schlüssel zum Training der gesamten Fertigkeit.
Urheber und Geschichte
Die englische Wikipedia führt eine verbreitete Legende an, wonach die Nonne Ng Mui 108 einzelne Holzpfähle aus dem Shaolin-Kloster zu einem verband. Auch die Schule von Samuel Kwok geht davon aus, dass die Idee, an einem Pfahl zu üben, in den Shaolin-Klöstern entstand, schreibt die heutige Form aber Yip Man zu: Er setzte sie aus 108 Techniken zusammen und fügte später Tritte hinzu, sodass 116 Bewegungen entstanden. Laut Barry Pang verschob er einen Abschnitt, der dort ursprünglich nicht stand, an den Anfang, als er dessen Bedeutung erkannte. In Hongkong entwarf Yip Man laut Wikipedia auch einen an der Wand aufgehängten Pfahl auf federnden Latten, damit er in eine Wohnung passte; ältere Pfähle waren im Boden verankert. Laut kwokwingchun.com führte er die Form noch 1972 vor.
Unterschiede zwischen den Stilen
Wie viele Bewegungen die Form hat, hängt von der Linie ab. Globalwingchunacademy.com zufolge wird außerhalb von Wang Kius System die 108er-Originalfassung heute selten geübt, üblich ist die 116er-Fassung. Wong Si Wing lernte die 108er-Fassung von Wang Kiu, weshalb der Autor folgert, Yip Man habe beide gelehrt; laut derselben Quelle sagten Wang Kiu und Duncan Leung, Yip Man habe oft Dinge geändert. Samuel Kwoks Schule räumt unterschiedliche Praxis der Linien ein, hält aber Yip Mans Version für die verbreitetste.
Bunkai – Anwendungen
Barry Pang weist darauf hin, dass die Form mit einem Griff beginnt, oft gelesen als gleichzeitiges Fassen von Arm und Kopf; für ihn geht es vor allem um die Distanz, da die richtige Position zum Gegner Kraft besser kontrollieren und abgeben lässt. Globalwingchunacademy.com beschreibt den ersten Abschnitt als tan sau mit Halsschlag, ziehende Hand zum Hals und bong sau. Anfängern wird gerade dieser Abschnitt zuerst gelehrt, da sich daraus viele Kampfübungen bilden lassen, und Wang Kiu sagte laut derselben Schule, die meisten Kämpfe in Hongkong seien mit wenigen seiner Bewegungen gewonnen worden.
Häufige Fehler
Laut Yip Ching führen viele beim Übergang von tan sau zu gan sau die Hand nicht auf dem kürzesten Weg, sondern ziehen sie zurück, um Kraft zu holen. Der Pfahl steht dabei für den Gegner, und der zurückgezogene Arm öffnet ihm den Weg zum Angriff.
Wichtiger Tipp
Yip Ching rät zu passender Pfahlhöhe und dazu, in jeder Bewegung Hüfte und Beine beim Kraftabgeben abzustimmen.