Kalinda (Karibischer Stockkampf)
Trinidadischer Stockkampf bois im Kreis gayelle, begleitet von Trommeln und Gesang. Heute wird er zur Karnevalszeit als Wettkampf mit Schiedsrichtern veranstaltet.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
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Über Kalinda (Karibischer Stockkampf)
Kalinda (auch Calinda oder Kalenda) ist auf Trinidad ein Stockkampf (bois) in einem Kreis namens gayelle, begleitet von Trommeln und dem Gesang eines Vorsängers. Laut der trinidadischen Nationalen Karnevalskommission (NCC) bezeichnet das Wort kalenda den Stockkampf, den Tanz, die Lieder und die weiteren Darbietungen, die ihn begleiten, und seine Anfänge reichen spätestens bis ans Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Das Wort calenda belegte schon Labat im Jahr 1722, beschrieb damit aber einen Tanz von Paaren versklavter Afrikaner auf den französischen Inseln, ohne Stöcke und Kampf. Nach der Abschaffung der Sklaverei gelangte die Kalinda laut J. D. Elder und Michael J. Ryan in den Karneval. Der Versuch der Polizei, sie zu unterdrücken, führte laut Elder 1881 zu den Canboulay-Unruhen, danach zog sich der Stockkampf in den Städten in den Hintergrund zurück. Ryan beschreibt die heutige Kalinda in einem begutachteten Artikel aus dem Jahr 2020 als formale Kampfkunst mit einem Stock aus Hartholz und als Sport mit Schiedsrichtern. Die NCC veranstaltet jedes Jahr einen nationalen Wettbewerb, und der Sieger unter den Einzelnen erhält den Titel King of the Rock.
Geschichte
Labat beschrieb die Calenda in seinem Reisebericht Nouveau voyage aux isles de l'Amérique (1722) als beliebten Tanz versklavter Afrikaner auf den französischen Inseln. Getanzt wurde in zwei einander gegenüberstehenden Reihen von Männern und Frauen in einem Zuschauerkreis, begleitet von Trommeln und einem Vorsänger, dessen Refrain die Zuschauer sangen und dazu klatschten. Labat führt an, dass auf den Inseln Verordnungen gegen Calendas erlassen wurden, wegen unanständiger Bewegungen und aus Furcht vor großen Sklavenversammlungen, die zu Aufständen führen konnten. Die Calenda unterscheidet er vom Tanz der Kongolesen, den er als völlig entgegengesetzt beschreibt. Julian Gerstin schließt in einer Studie von 2004, dass Sklaven aus dem Gebiet von Kongo und Angola wahrscheinlich eine Schlüsselrolle bei der Entstehung dieser frühen Tänze spielten, deren Verbreitung mit dem französischen Kolonialismus zusammenhing.
Weiterlesen
Die Nationale Karnevalskommission (NCC) gibt an, dass die Kalenda als Stocktanz bis in die vorkoloniale Zeit zurückreicht, spätestens ans Ende des 18. Jahrhunderts. Laut der NCC handelt es sich entgegen einigen Mythen nicht um eine Kreuzung aus afrikanischem Stockkampf und europäischem Fechten, sondern um eine Kunst nahe den Kampfkünsten afrikanischen Ursprungs. J. D. Elder schrieb, dass nach der Emanzipation 1838 die Kalinda und der Canboulay in den Karneval gelangten und der Vorsänger (chantwelle) die kämpferischen Lieder der Kalinda auf städtischen Höfen zum Kampf mit Stöcken aus Hartholz sang, begleitet von Trommeln. Der Versuch der Polizei, die Kalinda zu unterdrücken, führte laut Elder 1881 zu den Canboulay-Unruhen, nach denen Gesang und Stockkampf in den Städten in den Hintergrund traten, auf dem Land aber nie verschwanden. Die englischsprachige Wikipedia nennt Unruhen 1881 und 1884 und ein Gesetz von 1884, das in der Öffentlichkeit unter anderem das Tragen von Fackeln, das Trommeln und das Ringen mit Stöcken verbot. Laut Ryan setzte der Staat spätestens seit 1904 ein Verbot durch, Stöcke von mehr als drei Fuß Länge zu tragen, und 1944 kamen weitere Einschränkungen für Kalinda-Spieler und afrikanische Trommler hinzu. Die Anerkennung der Kalinda durch die Regierung in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts war laut ihm Teil des Bemühens, eine nationale Identität zu schaffen, und in den neunziger Jahren wurde sie wieder zu einem festen Bestandteil des Karnevals.
Was es unterscheidet
Greens Enzyklopädie aus dem Jahr 2001 gibt an, dass der trinidadische Stockkampf offenbar auf Techniken des langen Stocks und des Knüppels mit Obergriff beruht und dass bois, das in den ehemaligen französischen Kolonien in der Karibik geübt wird, offenbar la canne vermischt mit afrikanischen Traditionen ist. Die NCC lehnt dagegen ausdrücklich ab, dass die Kalenda eine Kreuzung aus afrikanischem Stockkampf und europäischem Fechten sei. Ryan ordnet der Kalinda die Kunst Gilpin mit zwei Macheten zu, die dieselben gesellschaftlichen Wurzeln beansprucht, bis 2018 vor der Öffentlichkeit verborgen blieb und deren Bewegungen aus der Bewegungsmechanik der Kalinda hervorgehen. Die englischsprachige Wikipedia erwähnt verwandte Formen auf Martinique, Guadeloupe, Haiti, Barbados und Puerto Rico.
Technik
Laut der NCC treffen bei der Kalenda Tänzer mit Stöcken (bois) in einem Scheinkampf in der Mitte eines Kreises namens gayelle aufeinander, begleitet von Trommeln und Gesang, oft auf Kreolisch (patois). Angeführt wurden sie von einem Vorsänger (chantuelle) oder einer Vorsängerin, der oder die die Tänzer ermunterte oder verspottete, begleitet von einem Frauenchor. Ryan beschreibt die Kalinda als formale Stockkampfkunst mit einem Hartholzstock von etwa 48 Zoll Länge. Das Internationale Zentrum für Kampfkünste der UNESCO (ICM) nennt Stöcke von etwa 80 Zentimetern Länge, oft geölt und im Feuer gehärtet. Das Hauptziel ist laut Ryan der Kopf, wo der Kämpfer versucht, dem Gegner die Haut aufzuschlagen, damit er blutet.
Wettkampf
Die Kalinda ist laut Ryan ein formaler Sport mit einem oder mehreren Schiedsrichtern. Die Trommler am Kreis beginnen den Rhythmus, der Vorsänger singt einen Refrain, auf den das Gefolge des Kämpfers und die Zuschauer antworten, und jeder Gegner zeigt solistische Tanzschritte. Das einzige wesentliche Verbot ist ein Schlag unter die Gürtellinie. Den Kampf gewinnt, wer dem Gegner am Kopf die Haut aufschlägt oder ihn mit Körperschlägen ausschaltet, oder die Schiedsrichter entscheiden über den Sieger. Ein Kämpfer mit blutendem Kopf wird zur Blutgrube in der Mitte des Kreises geführt, um den Ahnen Blut zu opfern. Der nationale Wettbewerb der NCC (National Stick Fighting Competition) gipfelte im Jahr 2026 im Finale am 9. Februar in Moruga zwischen vier Dreierteams, nach dem Halbfinale am 4. Februar in Sangre Grande. Eine ältere Seite der NCC gibt an, dass das Finale in den frühen Morgenstunden des Karnevalsfreitags stattfindet. Ein Einzelner erhält den Titel King of the Rock und ein Team den Titel Champion Gayelle. Im Jahr 2015 gewannen sie laut der Zeitung Trinidad Express Selwyn John und sein Team Rio Claro Gayelle. Im Januar 2026 führte die NCC einrundige Wettbewerbe Welcome to the Gayelle in verschiedenen Gemeinden ein, den ersten davon in Moruga gewann der frühere fünffache Landesmeister O'Neil Odle.
Heute
Greens Enzyklopädie gibt an, dass der Stockkampf in den Straßen von Trinidad während des Karnevals als Kalinda fortbesteht und dass Trinidad und Tobago Stockkampfwettbewerbe zur Karnevalszeit fördert. Die NCC bezeichnet die Kalenda als feste Attraktion des heutigen Karnevals. An die Canboulay-Unruhen erinnert laut der englischsprachigen Wikipedia jedes Jahr eine Nachstellung in Port of Spain am Karnevalsfreitag. Die englischsprachige Wikipedia nennt die Kalinda auch die nationale Kampfkunst von Trinidad und Tobago, eine amtliche Erklärung haben wir jedoch nicht gefunden. Der Sieger der Jahre 2015 und 2017, Selwyn John, erklärte laut der Zeitung Trinidad Express im Jahr 2017, dass für ein so gefährliches Spiel die Belohnung etwa 100 000 Dollar betragen sollte.
Wissenswertes
Elder zitiert einen alten Kalinda-Refrain Depi mama fe mwe, nom pa ka ba nwe bwa en bataille-la, den er als Seit meine Mutter mich geboren hat, hat mich im Kampf niemand besiegt übersetzt. In den Städten ersetzte laut ihm der Calypso-Sänger den Kalinda-Vorsänger, die alten Kalinda-Höfe ersetzten Karnevalszelte, und der Refrain Sans d'humanité hielt sich als Liedabschluss noch 1928. Laut Ryan belästigten die Kämpfer auch indische Händler und Arbeiter, die Händler stellten Männer ein, die in der indischen Stockkunst lathi bewandert waren, und bei den Unruhen von 1880 rief der Polizeichef von Port of Spain südasiatische Kämpfer zu Hilfe. Der Name canboulay stammt laut der englischsprachigen Wikipedia vom französischen cannes brûlées, verbranntes Rohr, Elder übersetzt ihn als Verbrennen des Rohrs.
Häufige Fragen
Wie gewinnt man bei der Kalinda?
Laut Michael J. Ryan gewinnt, wer dem Gegner am Kopf die Haut aufschlägt, ihn mit Körperschlägen ausschaltet oder wem die Schiedsrichter den Sieg zusprechen. Das einzige wesentliche Verbot ist ein Schlag unter die Gürtellinie.
Wie alt ist die Kalinda?
Das Wort calenda belegte Labat 1722, aber für einen Tanz von Paaren ohne Stöcke. Die trinidadische Nationale Karnevalskommission setzt die Anfänge der Kalenda als Stocktanz spätestens ans Ende des 18. Jahrhunderts.
Hängt die Kalinda mit dem Calypso zusammen?
Laut J. D. Elder sang der Kalinda-Vorsänger kämpferische Lieder zum Kampf mit Stöcken, und in den Städten ersetzten ihn später der Calypso-Sänger und die Kalinda-Höfe die Karnevalszelte. Die englischsprachige Wikipedia gibt an, dass sich die Karnevalslieder von den Gesängen der Kalinda ableiten.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.