Vale Tudo
Brasilianische Kämpfe zwischen Vertretern verschiedener Kampfdisziplinen mit Regeln, die je nach Veranstaltung und Region variierten. Quellen sehen darin einen Vorläufer von MMA.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Vale Tudo
Über Vale Tudo
Vale tudo ist ein brasilianischer Ausdruck für Kämpfe zwischen Vertretern verschiedener Kampfdisziplinen und zugleich ein historischer Vorläufer von MMA. Miranda (2012) gibt an, dass MMA früher vale tudo hieß, und Furtado, Camilo und Camilo (2018) bezeichnen das erste UFC 1993 als Übergang vom vale-tudo zu MMA. Die Anfänge werden in den Quellen unterschiedlich datiert. Alonzo u. a. (2008) legen die ersten vale-tudo-Veranstaltungen in die frühen 1930er Jahre zu Hélio Gracie, andere Arbeiten schon in die 1920er Jahre. Lise und Capraro weisen in der Revista Brasileira de Ciências do Esporte (2018) darauf hin, dass Sada Miyako in Rio bereits 1908 Begegnungen verschiedener Disziplinen veranstaltete, und die Vorstellung vom Vorrang der Gracies nennen sie eine erfundene Tradition. Laut ihnen war der Ausdruck vale-tudo damals unüblich. Von 1959 bis 1962 wurden die Kämpfe in der Fernsehsendung Heróis do Ringue gezeigt, und nach deren Absetzung wurde vale tudo im Bundesstaat Guanabara wegen des Gesundheitsrisikos für die Kämpfer verboten, berichten Müller Júnior, Lise und Capraro (2025). Die Veranstaltungen kehrten 1983 zurück, und in den 1980er und 1990er Jahren trug sie in Rio die Rivalität des jiu-jitsu mit dem Bündnis aus muay thai und luta livre.
Geschichte
Lise und Capraro zitieren die Gazeta de Notícias vom 2. Mai 1909, die einen Kampf des Japaners Sada Miyako gegen den Brasilianer Cyríaco da Silva beschrieb, der mit einem Tritt rabo de arraia endete. Die Biografie von Reila Gracie von 2012 nennt nach ihnen Carlos Gracies Kampf gegen den Capoeirista Samuel Ende der 1920er Jahre den ersten öffentlichen vale-tudo-Kampf. Garcia, Lima da Silva und Votre geben in Movimento (2016) an, dass Zeitungen in Rio in den 1930er Jahren oft Veranstaltungen mit Boxen, jiu-jitsu, Capoeira, griechisch-römischem Ringen und gelegentlich Begegnungen verschiedener Disziplinen ankündigten. Correio da Manhã schrieb laut ihnen im März 1930 über den Kampf von Manoel Rufino gegen einen Vertreter des amerikanischen luta livre von der Besatzung eines amerikanischen Kreuzers. Green (2001) gibt an, dass Carlos Gracie in Zeitungen seine Bereitschaft anzeigte, gegen jeden zu kämpfen.
Was es unterscheidet
Garcia und andere schreiben, dass sich das jiu-jitsu gegen andere Kampfdisziplinen durchsetzen musste und sein Hauptgegner das luta livre wurde, das in enger Zusammenarbeit mit dem olympischen Ringen aufgebaut wurde und in Shorts gekämpft wurde. Miranda gibt an, dass das UFC wegen der Kritik an Gewalt die Regeln überarbeitete, um sich von der Idee des vale tudo zu entfernen. Laut Furtado und anderen hatte das erste UFC 1993 noch keine Gewichtsklassen, Handschuhe, Mundschutz oder Zeitlimit.
Technik
Die Regeln unterschieden sich je nach Veranstaltung und Region. Pinheiro (2010) schreibt nach Lise und Capraro, dass die ersten Kämpfe von Carlos und Hélio Gracie ohne Regeln und Zeitlimit stattfanden. Der Zeitzeuge João Ricardo beschreibt bei Garcia und anderen das Ende der 1960er Jahre: drei Runden, bei manchen Veranstaltungen keine Faust- und Kopfschläge, in Rio galten offene Handfläche, Knie und Ellbogen, aber nicht der Kopf, und in Goiás wurde mit echten Fäusten gekämpft. Die Regeln einer Veranstaltung von 1984 verboten laut Müller Júnior und anderen Schläge mit geschlossener Faust, Ellbogen und Kopf sowie Tritte gegen einen am Boden liegenden Gegner, die Kämpfer hielten sich laut dem Kommentator Léo Batista aber nicht daran. Der Zeitzeuge Sylvio Bhering erinnert sich an einen Ring mit Seilen, bloße Hände und alles erlaubt außer einem Finger im Auge.
Wettkampf
Die Veranstaltungen in Rio organisierten laut Garcia und anderen bekannte Kämpfer des luta livre und jiu-jitsu, die einander herausforderten und auch an Stränden, auf Straßen und Parkplätzen kämpften. Müller Júnior und andere geben an, dass die Veranstaltungen 1983 zurückkehrten, als Gouverneur Leonel Brizola Robson Gracie an die Spitze der staatlichen Sportverwaltung SUDERJ berief, und der erste Abend im Maracanãzinho 15 Tausend Menschen anzog. Die Veranstaltung Gracie (jiu-jitsu) gegen Thaiboxen am 30. November 1984 hatte 22 Tausend Zuschauer, und Jornal do Brasil schrieb von Geschrei, Schlägereien, fliegenden Stühlen und Beschimpfungen. Seit den 1980er Jahren suchten Promoter laut Garcia und anderen weltweit die besten Kämpfer, und ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre war Japan das Zentrum des vale-tudo.
Heute
Bei einer Anhörung des brasilianischen Abgeordnetenhauses im Oktober 2016 sagte Guilherme Farhat, Berater von UFC Brasil, die Zeit des vale-tudo, in der alles erlaubt war, sei vorbei, und MMA habe über 40 verbotene Schläge. Der Vorsitzende der Comissão Atlética Brasileira de Artes Marciais Mistas (CABMMA), Rafael Thomas Favetti, erklärte dort, die Kommission sei weder staatlich noch ein Verband und veranstalte keine Wettkämpfe, sorge aber für Regulierung, Gesundheit der Sportler, Regeln und Anti-Doping. Ein Gesetzentwurf, der die Übertragung von Kampfsportkämpfen verbieten sollte, wurde laut dem Vorsitzenden der Anhörung einstimmig abgelehnt.
Wissenswertes
Jornal do Brasil druckte laut Garcia und anderen am 9. Januar 1960 den Brief eines Polizeichefs im Rang eines major-brigadeiro der Luftwaffe mit der Bitte um ein Verbot solcher Vorführungen, und die Sache gelangte zum Conselho Nacional de Desportos. Green gibt an, dass Hélio Gracie Joe Louis herausforderte und sein Sohn Royce Mike Tyson, aus den Herausforderungen wurde aber nichts. Müller Júnior und andere schreiben nach Martinez (2011), dass die Rivalität von muay thai und jiu-jitsu in Rio als Grundlage für die Entstehung des UFC 1993 diente.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen vale tudo und MMA?
Miranda (2012) gibt an, dass MMA früher vale tudo hieß, und Furtado und andere (2018) sehen im ersten UFC 1993 den Übergang zu MMA mit Regeln. Ein Vertreter von UFC Brasil sagte 2016 vor dem brasilianischen Abgeordnetenhaus, die Zeit des vale-tudo sei vorbei.
Wann entstand vale tudo?
Die Quellen weichen ab und datieren die Anfänge in die 1920er und 1930er Jahre. Lise und Capraro (2018) belegen Begegnungen verschiedener Disziplinen in Rio um 1909.
Warum wurde vale tudo verboten?
Laut Müller Júnior und anderen (2025) verbot der Staat Guanabara vale tudo nach der Absetzung der Fernsehsendung Heróis do Ringue wegen des Gesundheitsrisikos für die Kämpfer. Die letzte Folge war von einer schweren Verletzung geprägt.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.