Ladja
Kampftanz aus Martinique, bei dem sich zwei Kämpfer im Kreis zu Trommeln und Gesang messen. Auf der Insel heißt er auch danmyé, kokoyé oder wonpwen.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über Ladja
Ladja ist ein Kampftanz aus Martinique. Thomas A. Green gibt in der Enzyklopädie Martial Arts of the World an, dass er im Süden der Insel ladjia heißt, im Norden damie, außerdem ronpoin und kokoye. Green ordnet ihn den afrikanischen Kampftraditionen zu, die nach Amerika gelangten, und den der Capoeira ähnlichen Künsten. Zwei Kämpfer treffen im Kreis aufeinander, begleitet von Trommeln und dem Gesang eines Vorsängers, auf den ein Chor antwortet, und die Musik bestimmt nach Green Tempo und Charakter des Kampfes. Das Verhältnis der Namen ladja und danmyé deuten die Quellen unterschiedlich. Green beschreibt im Süden eine blutige Kampf-ladjia und im Norden die tänzerischere damie. Pierre Dru hielt in seiner Masterarbeit fest, dass einige ältere Zeitzeugen beide Formen unterschieden, die meisten befragten Kämpfer ladja und danmyé jedoch für dasselbe hielten. Der Verein AM4 gibt in einem Dokument von 2004 an, dass die Namen danmié, ladja, kokoyé und wonpwen heute dieselbe Praxis bezeichnen. Die amerikanische Tänzerin Katherine Dunham sah und filmte ladja (ag'ya) laut der Library of Congress auf ihrer Reise durch die Karibik von 1935 bis 1936. Ihr erstes abendfüllendes Ballett L'Ag'Ya wurde am 27. Januar 1938 im Federal Theater in Chicago uraufgeführt. Der Verein AM4 gründete laut eigener Website 1983 eine bèlè-Schule und eine danmyé-Schule und wurde selbst 1986 gegründet.
Geschichte
Green gibt an, dass die martinikanischen Formen oft mit kadjia aus Benin verglichen werden, einem Ritual im Zusammenhang mit einer Agrarzeremonie, in dem Griffe und Würfe gegenüber Schlägen und Tritten überwiegen. Pierre Dru nennt zwei Hypothesen zum Ursprung des Wortes ladja: einen wolofischen (senegalesischen) Ursprung und die Verbindung der Ausdrücke lagia und kadja. Kadja ist laut Josy Michalon ein ritueller Ringkampf aus Séméré in der Provinz Atakora in Benin, der bei Vollmond während des Yamsfests getanzt wird. Laut der Nachrichtenseite Outremers360 leitet Michalon in dem Buch Le ladjia, origine et pratiques danmyé vom Ringkampf kadjia des Volkes Basantché und vom Ringkampf kokoulé des Volkes Kotokoli aus Benin ab und stützt sich dabei auf die Ähnlichkeit der Ausdrücke. Die englische Wikipedia schreibt T. J. Desch-Obi die Ansicht zu, der Kern der ladja-Technik entspreche einem Bantu-System und der westafrikanische Ringkampf habe bis Anfang des 20. Jahrhunderts nur eine begrenzte Rolle gespielt.
Weiterlesen
Laut der Library of Congress sah und filmte Katherine Dunham ag'ya, den Kampftanz von Martinique, auf ihrer Reise durch die Karibik von 1935 bis 1936. Dru gibt an, dass sie ladja 1936 vor allem in den Gemeinden Le Vauclin und Les Trois-Ilets filmte und dass Führer sie, manchmal auf einem Maultier, zu den Orten brachten, wo sie gespielt wurde. Laut Dru umfasste ladja in diesem Film Griffe, an manchen Orten aber noch nicht den Ringkampf, der damals als eigene Kampfform existierte. Das von dieser Reise inspirierte Ballett L'Ag'Ya wurde am 27. Januar 1938 im Federal Theater in Chicago uraufgeführt. Die Informanten von Dru nennen als für ladja berühmte Gemeinden unter anderem Marin, Rivière-Pilote, Rivière-Salée, Sainte-Marie, Grand-Rivière, Robert und Lamentin. Dru sammelte seit 1974 Zeugnisse von Zeitzeugen, übte seit 1983 danmyé und wirkte 1986 an der Gründung des Vereins AM4 (Association Mi Mes Manmay Matinik) mit. Laut Dru stellte der Verein anfangs die tänzerische Seite des danmyé zurück, weil junge Männer den Männertanz als etwas empfanden, das sie herabsetzt, bis einige Ältere die Kadenz des danmyé verlangten. Lionel Arnaud analysiert 2025 die Wiederentdeckung der Tänze danmyé, kalennda und bèlè auf Martinique und wie seine Deutung von der négritude (Aimé Césaire) und der antillanité (Édouard Glissant) beeinflusst wurde.
Was es unterscheidet
Green nennt als auffälligsten regionalen Unterschied die blutige Wildheit der kämpferischen ladjia im Süden gegenüber der tänzerischen Auffassung der damie im Norden. Dru verzeichnete auch die Gegenansicht: Die ladja werde mehr getanzt, das danmyé sei mehr ein Kampf. AM4 schreibt auf seiner Website, dass das danmyé in allen Teilen Martiniques mit demselben Zeremoniell und Orchester gespielt wurde, aber mit musikalischen Nuancen zwischen Nord und Süd. Laut AM4 halten die Menschen im Süden das nördliche danmyé für vom Einfluss des bèlè aufgeweicht, die im Norden das südliche für zu grob. Green zählt die ladja zu den der capoeira ähnlichen Künsten und nennt als weitere, möglicherweise untergegangene afrokaribische Kampfkunst das kubanische mani.
Technik
Laut Green wird ladjia von Schlaginstrumenten begleitet, vor allem Trommeln, aber auch gegeneinander geschlagenen Stöcken, und vom Gesang eines Vorsängers mit Chorantwort. Die Musik bestimmt Tempo und Charakter des Kampfes, und die Praktizierenden behaupten laut Green, ohne Gesang gebe es keine ladjia. Bietet sich die Gelegenheit, treten die Kämpfer, schlagen zu oder stoßen die Finger in die Augen. Wer den Gegner hochhebt und auf den Rücken wirft, wird zum Sieger erklärt. Laut Outremers360 treffen zwei Kämpfer in einem Zuschauerkreis namens lawonn aufeinander und verbinden im Trommelrhythmus Schläge und Griffe. Nach Drus Glossar ist die Musik der danmyé dieselbe wie bei der ladja, wird aber nur mit einer Trommel gespielt und ist gedrängter und kämpferischer. Dru gibt außerdem an, dass die ladja Schläge mit Kopf, Fäusten, Ellbogen, Knien und Füßen umfasst. Die französische Wikipedia unterscheidet nach AM4-Materialien drei Kampfhaltungen: kò doubout (aufrecht), kò ba (tief) und kò ba atè (sehr tief), vier Gruppen von Faustschlägen und neun von Tritten. Sie gibt auch an, dass einige Schläge im Wettkampf verboten sind.
Graduierungen und Fortschritt
Die französische Wikipedia gibt an, dass die Kleidung beim danmyé Schüler (apranti, schwarze Hose und rotes Oberteil), Meister (djoubaka, rote Hose und schwarzes Oberteil) und die Wettkampfkleidung (schwarze Hose und beliebiges Oberteil) unterscheidet.
Wettkampf
In Drus Glossar definiert der Verein AM4 katel als Bezeichnung für einen Wettkampf im danmyé, während Zeitzeugen katel als verabredeten Kampf (konba arété), Herausforderung oder Treffen zum Kampf beschreiben. Laut Texten, die bei den Seminaren Sanblé danmyé 2015 und 2016 angenommen und auf der Website von AM4 veröffentlicht wurden, hat das danmyé drei Formen: danmyé lib (ein freier traditioneller Kreis ohne Schiedsrichter und feste Regeln), katel danmyé (ein sportlicher Wettkampf mit Regeln, einem Schiedsrichter namens met katel, einer Jury und vorgeschriebener Kleidung) und danmyé fè moun wè (Vorführungen). Seit Januar 2014 wirkt im danmyé lib ein met lawonn, der als Einziger den Kampf unterbrechen darf. Dieselben Texte unterscheiden danmyé anmizé mit kontrollierten Schlägen, die nur angedeutet oder berührt werden, und goumen danmyé oder danmyé sérié mit vollen Schlägen. Darin sind tödliche und verstümmelnde Schläge verboten, Schutzausrüstung und ein medizinisches Team sind Pflicht.
Heute
Der Soziologe Lionel Arnaud untersucht in La politique des tambours (2021) den Verein Tanbo Bô Kannal in Fort-de-France, den er von 2011 bis 2018 beobachtete und dessen Tätigkeit sich um danmyé, kalennda und bèlè dreht. Laut Arnaud versuchen solche Vereine, diese Praktiken von der verachteten Folklore zu Werkzeugen der politischen, sozialen und kulturellen Anerkennung zu verschieben. Der Verein AM4 gibt an, dass aus seiner 1983 gegründeten danmyé-Schule vier Schulen hervorgingen: lékol bòkannal, lékol lonè vié neg, lékol lisid und lékol jenn manmay. In einer Plattform von 2004 beschrieb AM4 danmyé als Kampf zweier danmyétè (majo oder jwa) im Kreis won, den Anhänger (atlaj) und Zuschauer bilden und den ein Orchester (mizik-la) leitet. In der vom Kulturministerium veröffentlichten Liste des französischen nationalen Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes stehen weder danmyé noch ladja. Von Martinique ist dort nur La yole ronde de la Martinique aufgeführt.
Wissenswertes
Laut der englischen Wikipedia hießen die Aufseher auf den Plantagen, die die ladja beherrschten, majò, und der Ausdruck wurde später zu einer bewundernden Bezeichnung für einen tüchtigen Kämpfer. Das Wort majo für einen Kämpfer verwendet auch die Plattform AM4 von 2004. Laut einem Informanten aus Sainte-Marie in Drus Glossar wird das Wort kokoyé eher im Norden Martiniques verwendet und bezeichnet auch die Trommel, die es begleitet. Dru weist darauf hin, dass T. J. Desch-Obi in der Einleitung zu Fighting for Honor den afrikanischen Ursprung von Capoeira, ladja und danmyé beschreibt und auch engolo aus Zentral- und Südangola behandelt.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen ladja und danmyé?
Die Quellen sind sich uneinig. Green beschreibt eine blutige kämpferische ladjia im Süden Martiniques und eine tänzerischere damie im Norden, die meisten Kämpfer, mit denen Pierre Dru sprach, hielten beide Namen jedoch für dasselbe. Der Verein AM4 gibt an, dass die Namen danmié, ladja, kokoyé und wonpwen heute dieselbe Praxis bezeichnen.
Wann wird in der ladja ein Sieger ausgerufen?
Laut Green wird derjenige zum Sieger erklärt, der den Gegner hochhebt und auf den Rücken wirft. Der Wettbewerb katel danmyé hat laut vom Verein AM4 veröffentlichten Texten Regeln, einen Schiedsrichter namens met katel und eine Jury.
Was hat die ladja mit Katherine Dunham gemeinsam?
Laut der Library of Congress sah und filmte die amerikanische Tänzerin Katherine Dunham die ladja (ag'ya) während ihrer Reise durch die Karibik in den Jahren 1935 bis 1936 auf Martinique. Von der Reise wurde ihr erstes abendfüllendes Ballett L'Ag'Ya inspiriert, das am 27. Januar 1938 in Chicago Premiere hatte.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.