Taido
躰道Taido ist ein modernes japanisches Budo von Seiken Shukumine, abgeleitet vom Karate gensei-ryu und gegründet auf dynamische Bewegungen um die eigene Körperachse.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Taido
Über Taido
Taido ist ein modernes japanisches Budo, das laut dem Wörterbuch Digital Daijisen nach dem Zweiten Weltkrieg der Okinawaner Karateka Seiken Shukumine begründete. Store norske leksikon definiert es als modernen japanischen Kampfsport, der aus dem traditionellen Karate entwickelt wurde, und deutet den Namen als Weg des Körpers, ebenso wie das finnische YLE, laut dem in taido der ganze Körper als Waffe gilt. Die Universität Tokio gibt an, taido sei aus gensei-ryu systematisiert worden, einem Zweig des Karate, den Shukumine laut dem finnischen Verband 1953 benannte.
Weiterlesen
Laut der World Taido Federation entstand die Japan Taido Association am 23. Januar 1965, und Store norske leksikon legt die Vorstellung des taido in dasselbe Jahr. Der finnische Verband schreibt jedoch, Shukumine habe das neue System schon 1962 benannt und 1965 zu einer geschlossenen Form geordnet. Laut Store norske leksikon unterscheidet sich taido vom Karate durch dynamische Bewegungen um die eigene Körperachse, und Schläge und Tritte werden darin liegend, stehend und in der Luft geführt. Die Regeln der World Taido Federation arbeiten mit fünf Bewegungskreisen sen, un, hen, nen und ten sowie mit den Begriffen unsoku und unshin. Wettkämpfe gibt es in den Disziplinen hokei, jissen und tenkai, und Kontakt ist laut den Regeln erlaubt, doch der Treffer muss kontrolliert sein. Laut eigener Website gründete Shukumine die World Taido Federation am 1. April 1984, die japanische Wikipedia nennt 1983 und die englische 1984 und 1985. Die World Taido Federation bezeichnet die finnische Organisation als die größte in Europa. Store norske leksikon schätzt international etwa 4000 aktive Mitglieder in zwölf Ländern.
Geschichte
Laut Store norske leksikon wurde Seiken Shukumine 1925 geboren und starb 2001. Die Nationale Parlamentsbibliothek Japans verzeichnet das Buch Japan Taido Association, das im November 2016 zum neunzigsten Jahrestag seiner Geburt erschien. Der finnische Verband gibt an, dass er 1953 seinen Karatestil gensei-ryu nannte, 1962 das neue System taido und 1965 die Japan Taido Federation und das Taido Hon-in gründete. Store norske leksikon schreibt, er habe das taido 1965 vorgestellt, weil er die linearen Bewegungen des Karate für weniger wirksam hielt. Nach der japanischen Wikipedia starb er am 26. November 2001 in Ito im Alter von 76 Jahren. Die erste japanische Meisterschaft fand laut dem finnischen Verband 1967 statt. Der Finne Kauko Korhonen erwarb ihm zufolge 1968 bis 1969 in Japan den ersten finnischen Schwarzgurt und gründete 1970 in Schweden das Taidokan, den ersten Taido-Klub außerhalb Japans. Nach Finnland brachte 1972 der Student Minoru Okanda das taido, und der erste Anfängerkurs begann 1974. Die Suomen Taidoliitto wurde laut YLE 1981 gegründet und laut dem finnischen Verband 2014 aufgelöst, wobei das taido als Sektion unter den Finnischen Karateverband überging.
Was es unterscheidet
Store norske leksikon gibt an, dass sich Taido vom traditionellen Karate, aus dem es hervorgegangen ist, durch dynamische Bewegungen um die eigene Körperachse unterscheidet. Die World Taido Federation betont, dass Taido-Techniken auf dynamischer Körperbewegung beruhen und nicht auf Schlägen und Tritten aus einem statischen Stand. Die japanische Wikipedia ergänzt, dass Taido in der Verteidigung dem Ausweichen mit dem Körper den Vorzug vor dem Abfangen eines Angriffs gibt. Die Regeln der World Taido Federation verbieten im Jissen Schläge zum Kopf, Greifen, Ringen und Würfe und erlauben nur kontrollierte Schläge und Tritte zum Rumpf, Fußfeger und Scherentechniken. Gegen einen Gegner am Boden sind ihnen zufolge nur Handtechniken zulässig, und auf jeden Tritt muss das Zurückziehen des Beines folgen.
Technik
Die japanische Wikipedia definiert taido als budo, das Angriff und Verteidigung durch Wechsel der Körperachse entwickelt, und beschreibt fünf sotai. Sentai ist eine Drehung um das Bein als Achse, untai ein Sprung nach vorn vom hinteren Bein, hentai ein Fall mit Achsenwechsel, nentai eine Körperverwindung und tentai eine Achsenrotation einschließlich Saltos. Die Regeln der World Taido Federation ordnen die Techniken fünf Klassen zu: sengi, ungi, hengi, nengi und tengi. Der Verband beschreibt unsoku als technikgebundene Beinarbeit und unshin als gymnastische Bewegungen, die der zweidimensionalen Beinarbeit eine dritte Dimension hinzufügen. Die Regeln verlangen, dass der Angriff unmittelbar aus unsoku oder unshin hervorgeht. Nach dem Start aus kamae muss der Wettkämpfer mindestens 45° unsoku ausführen, und Techniken ohne Körperbewegung werden bestraft. Tritte und Schläge dürfen den Gürtel und die Stellen darüber bis zum Hals treffen, verboten sind Kopf, Hals und Leistengegend. Igarashi, Ino, Ozawa und Kollegen von der Tokai University untersuchten 2015 den im taido oft verwendeten Tritt manji-geri und stellten fest, dass erfahrene Übende das Knie von Stand- und Trittbein stärker beugen.
Training
Laut World Taido Federation besteht das Training neben den Wettkampfformen aus Grundtraining, Anwendungstraining und Training zu Innovation und Gestaltung. YLE beschrieb das Training 2008 als Grundtechniken, Solo-hokei und Kampf auf der Tatami und gab an, ein schwarzer Gurt erfordere etwa sechs Jahre regelmäßigen Trainings. Die Universitätswochenzeitung Waseda Weekly stellte taido 2017 als budo vor, das Elemente von Gymnastik und Karate zu verbinden scheine, mit Überschlägen, Flickflacks und Salti rückwärts. Hokei sind nach den Regeln der World Taido Federation feste Formen von Techniken und Bewegungen gegen gedachte Gegner, die der Wettkämpfer nach Ankündigung beim Hauptkampfrichter abändern darf. Der finnische Verband gibt an, dass Junioren keine hokei üben und damit etwa mit elf bis zwölf Jahren in der Vorbereitung auf den blauen Gurt beginnen. Der Club der Kokushikan-Universität schreibt, die meisten Studierenden begännen mit taido erst an der Universität und lernten dort, Angriffen auszuweichen statt sie zu blocken.
Graduierungen und Fortschritt
Store norske leksikon nennt den blauen Gurt für den 6. und 5. kyu, den grünen für den 4. und 3. kyu und den braunen für den 2. und 1. kyu, danach folgt der schwarze Gurt mit insgesamt acht dan-Graden. Derselbe Text spricht dabei von fünf kyu-Graden, obwohl er sechs aufzählt. Die japanische Wikipedia nennt eine Skala vom 6. kyu bis zum 9. dan. Der finnische Verband gibt Junioren einen weißen Gurt mit Streifen und mon-Zeichen als 7. kyu, danach folgen Blau, Grün, zwei Braun und Schwarz, und einen dan kann man nach ihm erst ab achtzehn Jahren ablegen. Laut World Taido Federation werden in Finnland jährlich etwa 120 bis 130 kyu-Grade und 8 bis 15 dan vergeben. Die Regeln des Verbands lassen zur Weltmeisterschaft nur Wettkämpfer ab sechzehn Jahren mit mindestens dem 1. dan zu, bei der Europameisterschaft genügt der 2. kyu. Kampfrichter der Welt- und Europameisterschaften müssen mindestens den 4. dan haben, und die internationale Klassifikation der Kampfrichter vergibt Taido Hon-in.
Wettkampf
Die Regeln der World Taido Federation von 2023 kennen keine Gewichtsklassen. Jissen dauert zwei Minuten, bei Junioren anderthalb Minuten und in den Kämpfen um Gold und Bronze bei Welt- und Europameisterschaften drei Minuten. Gewertet werden yuko mit einem Viertelpunkt, waza-ari mit einem halben Punkt und ippon, der den Kampf beendet. Es gewinnt, wer als Erster einen ippon erzielt oder nach Ablauf der Zeit mehr Punkte oder weniger Verwarnungen hat. Hokei bewerten drei Kampfrichter mit Fähnchen, und es gewinnt, wer zwei oder drei erhält. Tenkai dauert 25 bis 30 Sekunden, wird von sechs Kampfrichtern mit maximal 70 Punkten bewertet, und für jede halbe Sekunde Abweichung wird ein halber Punkt abgezogen. Der finnische Verband gibt an, dass die erste Europameisterschaft 1987 in Uddevalla und die erste offizielle Weltmeisterschaft 1993 in Japan stattfanden. Weitere Ausrichter waren nach seinen Angaben Helsinki 1997 und 2013, Göteborg 2005, Hiroshima 2009 und Kofu 2017. Laut dem Programm der Japan Taido Association fand die 57. Japanische Meisterschaft am 17. November 2024 in Saku statt.
Heute
Die World Taido Federation nennt als ihre Mitglieder die nationalen Verbände der USA, Australiens, Dänemarks, der Niederlande, Finnlands, Frankreichs, Deutschlands, Japans, Portugals und Schwedens. Die Japan Taido Association hat nach ihren Angaben über 1500 Mitglieder in mehr als neunzig Klubs, und die finnische Organisation bezeichnet sie als die größte in Europa mit zwanzig aktiven Klubs und über 600 Praktizierenden. YLE nannte dabei 2008 in Finnland etwa dreißig Klubs. Store norske leksikon schreibt, dass Taido 2009 nach Norwegen kam und dort dem Norges Kampsportforbund untersteht. Die American Taido Association wurde laut WTF 2015 gegründet, ist seit 2019 Vollmitglied und hat ein einziges Dojo in Dunwoody in Georgia. Die Stadt Numazu kündigte für den 12. Juli 2025 ein japanisch-amerikanisches Taido-Freundschaftsspiel in der Halle Koryo Arena an. Svenska Taidoförbundet verweist auf die Seite der Weltmeisterschaft 2027 in Schweden.
Wissenswertes
Die finnische Föderation gibt an, dass Shukumine 1943 in der Marineeinheit Kaiten diente, also bei den menschlichen Torpedos. Die japanische Wikipedia erwähnt unter Verweis auf ein Buch von 1980 eine Legende, nach der er in einer Live-Fernsehübertragung mit der Handkante 34 Dachziegel auf einmal zerschlug. Laut der japanischen Wikipedia übte der Sänger Yutaka Ozaki Taido in der Kindheit und der Schriftsteller Hideo Yokoyama an der Universität aus, und Taido ist das Thema des Shojo-Mangas 瞳をそらさずにいて. Das Magazin Sportiva des Verlags Shueisha schreibt, dass Yuji Itadori in Kapitel 121 des Mangas Jujutsu Kaisen den Tritt manji-geri einsetzt und dass Tetsuji Nakano viermal in Folge die Weltmeisterschaft gewann. Der PlayStation Blog schrieb 2023, dass die Figur Reina in Tekken 8 in einem akrobatischen, vom Taido ausgehenden Stil kämpft und dass Tetsuji Nakano an ihren Bewegungen mitwirkte.
Häufige Fragen
Wer hat taido gegründet und wann?
Taido gründete Seiken Shukumine. Laut der World Taido Federation entstand die Japan Taido Association am 23. Januar 1965, der finnische Verband gibt aber an, er habe den Namen taido schon 1962 gewählt.
Ist im taido ein Schlag auf den Kopf erlaubt?
Nein. Die Regeln der World Taido Federation erlauben Treffer nur von der Gürtellinie aufwärts bis zum Hals, Kopf, Hals und Schritt sind verboten, und der Kontakt muss kontrolliert sein.
Welche Disziplinen hat der Wettkampf im taido?
Laut den Regeln der World Taido Federation tritt man in hokei, also festen Formen, im Kampf jissen und in tenkai an, das sechs Kampfrichter mit höchstens 70 Punkten bewerten.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.