Juego del Palo (Kanarischer Stockkampf)
Traditionelles kanarisches Stockspiel, bei dem zwei Spieler Angriffe und Abwehr zeigen, ohne sich zu verletzen. Der große Stock von Gran Canaria ist seit 2025 als Kulturgut geschützt.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über Juego del Palo (Kanarischer Stockkampf)
Juego del palo ist ein traditionelles Stockspiel von den Kanarischen Inseln, bei dem zwei Spieler Angriffe und Abwehr vorführen, ohne sich verletzen zu wollen. Der amtliche Anhang zur Erklärung des Kulturguts von 2025 unterscheidet drei Modalitäten nach der Länge des Stocks: kurz, mittel (vara) und groß. Eine Variante des großen Stocks ist das Juego del Garrote Tradicional de Gran Canaria, das die kanarische Regierung mit dem Dekret 133/2025 zum immateriellen Kulturgut (Bien de Interés Cultural) erklärt hat. Laut demselben Anhang lassen die Quellen nicht mit Sicherheit feststellen, dass das Spiel einen rein indigenen Ursprung hat, auch wenn Indizien darauf hindeuten, vor allem seine enge Verbindung mit der Weidewirtschaft. Die Chroniken der Eroberung der Inseln erwähnen indigene Krieger mit Schwertern aus feuergehärtetem Holz. Das Spiel wurde in den Familien weitergegeben, und die Stile tragen die Namen von Familien und Meistern. Auf Lanzarote wurde 2026 das Verfahren zur Anerkennung als Kulturgut für den Stil des maestro Cristín Feo eingeleitet, und die kanarische Regierung genehmigte im Juli 2026 laut Presse das Kulturgut für den Stil Quintero auf der Insel El Hierro.
Geschichte
Der amtliche Anhang zum Dekret über das Kulturgut von 2025 zitiert die Chroniken der Eroberung von Gran Canaria, nach denen der indigene Anführer Doramas fünfhundert kanarische Krieger anführte, die mit Speeren und breiten Schwertern aus feuergehärtetem Holz (palo tostado) bewaffnet waren. Marín de Cubas beschrieb 1694 hölzerne montantes aus dem Holz von acebuche und sabina, mit denen mit beiden Händen gekämpft wurde. Der Anhang führt zugleich an, dass die schriftlichen Quellen einen rein indigenen Ursprung des Spiels nicht mit Sicherheit bestimmen lassen, auch wenn die Indizien, vor allem die Verbindung mit der Weidewirtschaft, in diese Richtung weisen.
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Die spanischsprachige Wikipedia setzt die erste Erwähnung der Stöcke der Ureinwohner in die Chronik Crónica Bethencouriana (1402), in der es um die Bimbache der Insel El Hierro geht, und die zweite in das Werk des italienischen Ingenieurs Leonardo Torriani von 1590. Laut der englischsprachigen Wikipedia beschrieb Torriani, wie die Gegner zunächst auf Steinerhebungen standen, geworfenen Steinen auswichen, ohne die Füße zu bewegen, und dann hinabstiegen und mit Stöcken kämpften. Die englischsprachige Wikipedia erwähnt auch den Bericht des azorischen Chronisten Gaspar Frutuoso (um 1522–1591) über angesengte Stöcke, die gegen die Portugiesen eingesetzt wurden. Der amtliche Text zum Verfahren auf Lanzarote führt an, dass das Spiel auf dem Land von Kameltreibern und vor allem von Hirten gespielt wurde, die in den Pausen übten und einander herausforderten, und dass mehrere Familien eigene Stile hatten. Eine gewisse Geheimhaltung trug ihm zufolge dazu bei, dass das Spiel fast verschwand. Die Wiederbelebung des großen Stocks auf Gran Canaria begann laut dem Anhang von 2025 in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts und knüpfte an Inseln wie Tenerife an, wo das Stockspiel bereits gepflegt wurde und die Familien Déniz, Acosta und Morales hervorragten. Die Schlüsselfigur war der Hirte aus Telde Francisco Santana Suárez, genannt maestro Paquito, der 1985 starb und bei José Calderín, genannt Pispi, lernte. Alle heutigen Spieler des traditionellen großen Stocks stammen laut dem Anhang im Wesentlichen aus der Familie Calderín aus Valsequillo und Telde.
Was es unterscheidet
Die amtliche Anlage von 2025 unterscheidet das traditionelle Juego del Garrote von Lucha del Garrote. Diese habe ihr zufolge den spielerischen Charakter verloren und sei zu einer Art kanarischer Kampfkunst mit eigenem Wortschatz und Wettkampfmodus unter einem besonderen Sportverband geworden. Die Pressemitteilung der kanarischen Regierung zur Woche der traditionellen Sportarten, die palo canario mit lucha del garrote gleichsetzt, schreibt darüber, dass es keine Wettkampfkomponente und weder Sieger noch Besiegte gebe.
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Die spanischsprachige Wikipedia ordnet die Familienstile nach Insel und Stocklänge. Beim mittleren Stock nennt sie unter anderem die Stile Los Morales aus San Andrés, Los Acosta, Los Verga der Familie Díaz und Los Déniz, den Stil Vicente Vidal auf La Palma, palo conejero auf Lanzarote, verbunden mit dem Meister Cristín Feo, und Quintero Zamora auf der Insel El Hierro. Die englischsprachige Wikipedia führt neun Hauptstile an. Laut der englischsprachigen Wikipedia ähnelt juego del palo dem portugiesischen jogo do pau und dem venezolanischen juego del garrote. Das kanarische Juego del Garrote mit dem großen Stock ist nicht dasselbe wie das venezolanische juego del garrote. Die spanischsprachige Wikipedia fügt hinzu, dass man vom kurzen Stock, der in Südamerika überlebt, nicht ohne Irrtum einen kanarischen Ursprung behaupten könne, da dessen Spieler nur einen venezolanischen Ursprung anerkennen.
Technik
Der amtliche Anhang definiert das Juego del Garrote als Fechten mit Stöcken zwischen zwei Spielern, dessen Ziel nicht Verletzung, sondern Vorführung eines breiten Repertoires an Angriffs- und Abwehrtechniken ist. Jeder Spieler versucht mit seinen mañas, einen Treffer anzuzeigen oder den Gegner zu entwaffnen. Man unterscheidet das Spiel auf Distanz (juego largo) und aus der Nähe (juego corto).
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Spieler des großen Stocks auf Gran Canaria stehen sich gegenüber und halten den Stock in der Mitte, die Hände etwa schulterbreit, die Daumen in dieselbe Richtung. Sie benutzen beide Enden und den Teil zwischen den Händen, die Hände dürfen sich nicht kreuzen. Der Anhang nennt die Grundbewegungen vareo, cruzado und cambio de manos, die Angriffe quites, revoliás, enganches, envolvíos und Stiche in Bauch oder Kopf und die Abwehr cambios de manos, escachones, barridos, bloqueos, vacíos und despejes. Die spanischsprachige Wikipedia unterscheidet den großen Stock (garrote oder lata), länger als der Spieler, den mittleren Stock (vara), meist vom Boden bis zum Herzen des Spielers, und den kurzen Stock. Laut der englischsprachigen Wikipedia wird ohne Schutzausrüstung gespielt, und die Sicherheit beruht auf kontrollierten Angriffen. Der Stil Quintero von der Insel El Hierro hat laut der Zeitung Diario de Avisos ein geschlossenes technisches System, und seine Technik juegopalo prüft den Gegner mit seitlichen Schlägen von oben auf die Hüften.
Training
Der Stock garrote wurde laut der amtlichen Anlage von 2025 traditionell aus dem Holz von acebuche, almendrero oder brezo gefertigt, heute meist aus Eukalyptus. Er wird bei abnehmendem Mond geschnitten, sechs Monate bis ein Jahr getrocknet, über dem Feuer mit Talg (sebo) gerade gerichtet, geschält und mit Fett eingerieben. Seine Länge soll der Körpergröße des Spielers entsprechen oder sie leicht übertreffen. Das Spiel eröffnet eine Herausforderung, die örtlich echar una pechada heißt.
Heute
Das Dekret 133/2025 vom 13. Oktober 2025, veröffentlicht im Amtsblatt der Kanarischen Inseln (BOC) am 17. Oktober 2025, erklärte das Juego del Garrote Tradicional de la isla de Gran Canaria zum immateriellen Kulturgut in der Kategorie der traditionellen Spiele und Sportarten mit inselweiter Reichweite. Eine in der Anlage des Dekrets zitierte Schätzung nennt rund fünfzig Spieler des traditionellen großen Stocks mit einem Durchschnittsalter zwischen 40 und 50 Jahren. Das Spiel pflegen die Schulen Familia Maestro Paquito, La Revoliá (seit 1989) und La Barranquera-Telde (seit 1992).
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Auf Lanzarote leitete die Inselverwaltung (Cabildo) mit einem Beschluss vom 15. Mai 2026, veröffentlicht im BOC am 17. Juni 2026, das Verfahren über ein Kulturgut für das Juego del Palo de Lanzarote im Stil des Meisters Cristín Feo ein. Den Antrag stellte der Verein Club Deportivo Jugadores de Palo La Era. Die kanarische Regierung genehmigte laut dem Fernsehsender RTVC am 13. Juli 2026 ein Dekret, das den Stil Quintero auf der Insel El Hierro zum immateriellen Kulturgut erklärt. Das Verfahren unterstützten Gutachten der Universitäten in La Laguna und in Las Palmas de Gran Canaria. Der Stil Quintero wird laut der Zeitung Diario de Avisos heute nur freundschaftlich und zur Vorführung gespielt. Im Oktober 2025 veranstaltete der Verein Asociación Cultural MAHO mit Unterstützung der Inselverwaltung Vorführungen von juego del palo an einem Tag in allen vierzehn Gemeinden der Insel Fuerteventura.
Wissenswertes
Im Wortschatz des großen Stocks auf Gran Canaria bedeutet bajarte el garrote, einen Treffer zu markieren. Ein Schlag, der eine Spur hinterlässt, heißt mérito, und ein Spieler, der viele méritos sammelt, ist nicht gern gesehen. Laut der amtlichen Anlage von 2025 leitete Miguel Calderín den Unterricht im großen Stock an der Universität in Las Palmas de Gran Canaria bis in die neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Die spanischsprachige Wikipedia führt an, dass das Spiel auch banot oder banod genannt wird, Wörter vorhispanischen Ursprungs, und dass das guanchische banod einen feuergehärteten Wurfspeer aus Harzkiefer bedeutete.
Häufige Fragen
Berühren die Spieler beim Juego del palo den Gegner mit dem Stock?
Laut dem amtlichen Anhang von 2025 ist das Ziel nicht die Verletzung des Gegners, sondern das Vorführen von Angriffen und Abwehr und das Anzeigen des Treffers. Ein Schlag mit Spur heißt mérito, und Spieler mit vielen méritos sieht man nicht gern. Laut der englischsprachigen Wikipedia wird ohne Schutzausrüstung gespielt, die Sicherheit beruht auf kontrollierten Angriffen.
Wie lang ist der Stock beim Juego del palo?
Der amtliche Anhang unterscheidet einen kurzen, mittleren und großen Stock. Der große garrote von Gran Canaria soll so lang sein wie der Spieler oder ihn leicht überragen. Der mittlere Stock (vara) reicht laut der spanischsprachigen Wikipedia meist vom Boden bis zum Herzen des Spielers.
Ist das Juego del palo als Kulturgut geschützt?
Der große Stock von Gran Canaria wurde mit dem Dekret 133/2025 zum immateriellen Kulturgut erklärt. Auf Lanzarote wurde 2026 ein Verfahren für den Stil des maestro Cristín Feo eingeleitet, und die kanarische Regierung genehmigte im Juli 2026 laut dem Fernsehsender RTVC das Kulturgut für den Stil Quintero auf der Insel El Hierro.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.