Juego del Palo (Kanarischer Stockkampf)
Kanarischer Stockkampf in der Tradition der Guanchen. Die Schläge werden kontrolliert geführt, nicht mit voller Kraft: Es entscheidet die Genauigkeit.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über Juego del Palo (Kanarischer Stockkampf)
Juego del palo ist der Stockkampf der Kanarischen Inseln, der an die Tradition der Guanchen anknüpft, der Ureinwohner des Archipels. Er hat weder Gründer noch Entstehungsjahr – es ist eine Volkstradition, keine gegründete Schule. Die Belege dafür sind ungewöhnlich alt. Gaspar Frutuoso hielt im 15. Jahrhundert fest, wie die Inselbewohner gehärtete Stöcke, die sogenannten paos tostados, gegen die Portugiesen einsetzten. Noch wertvoller ist der Bericht des italienischen Ingenieurs Leonardo Torriani von 1590, der ein rituelles Duell zweier Guanchen-Krieger beschrieb und mit einer Illustration versah; nach seiner Schilderung ging dem Stockkampf das Werfen von Steinen voraus. Der technische Kern ist ungewöhnlich. Es geht nicht darum, den Gegner mit voller Kraft zu treffen, sondern den Stock so genau zu führen, dass die Berührung offensichtlich ist und zugleich nicht schadet. Die Sicherheit wird nicht durch Schutzausrüstung gewährleistet, sondern durch die Zurückhaltung des Angriffs; ein Kämpfer muss also nicht stärker sein, sondern genauer und besser im Halten der Distanz. Die Tradition gliedert sich in Familienstile – Verga, Acosta, Quintero, Conejero und weitere, heute werden neun gezählt. Jeder hat eigenen Griff, eigene Stände und ein eigenes Verständnis der Distanz. In den 1970er Jahren erlebte Juego del palo eine Wiederbelebung im Zuge der Bewahrung kanarischer Volkstraditionen.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.
