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Defendu

Selbstverteidigungssystem, das W. E. Fairbairn 1926 als Lehrbuch der Schanghaier Polizei beschrieb. Im Zweiten Weltkrieg lehrte Fairbairn britische und amerikanische Einheiten den Nahkampf.

Wichtige Daten

Meister & Persönlichkeiten
HerkunftslandVereinigtes Königreich
RegionEuropa
HauptfokusGemischt

Charakter & Herkunft

StatusWiederbelebt
LinieMilitärisch
Entstehungszeit20. Jahrhundert

Training

BekleidungKeine besondere Kleidung
Rolle der WaffenWaffen optional
Rolle der FormenOhne Formen

Für wen

KinderprogrammeKein Kindertraining
SeniorenfreundlichMit Anpassungen geeignet
Körperliche Anforderung2/5
Verletzungsrisiko2/5
Übertrag auf Selbstverteidigung4/5
Konditioneller Nutzen2/5
Wie wir die Skalen bewerten →

Organisation & Wettkampf

WettkampfformatKeine Wettkämpfe
GewichtsklassenNein
Olympischer StatusNicht olympisch
Geschätzte PraktizierendeUnter 10 000

Woraus der Stil besteht

Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.

HandschlägeZentral
TritteBedeutend
WürfeBedeutend
BodenkampfNicht verwendet
Hebel & HaltegriffeBedeutend
WaffenAm Rande

Kataloge & Datenbanken für Defendu

👥 Persönlichkeiten & Meister2 Einträge
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Über Defendu

Defendu ist ein Selbstverteidigungssystem, das William E. Fairbairn im Buch Defendu (Scientific Self-Defence) beschrieb. Es erschien 1926 in Schanghai als offizielles Lehrbuch der Polizei von Schanghai, Hongkong und Singapur. Fairbairn war damals Ausbilder der Schanghaier Stadtpolizei. Im Vorwort von 1925 schreibt er, das System sei völlig neu und originell und dürfe nicht mit Jujutsu oder einer anderen bekannten Methode verwechselt werden. Einige Griffe seien ihm zufolge eine Kombination mehrerer Methoden, die meisten aber originell. Das Buch behandelt die Abwehr verschiedener Griffe, die Entwaffnung eines Angreifers mit Pistole oder Messer, Polizeigriffe und das Fesseln eines Festgenommenen, Würfe, Schläge mit der Handkante, den Schlagstock, den Spazierstock und Stürze. Laut Vorwort erfordert das System keine athletischen Fähigkeiten und lehrt drastische und unangenehme Arten der Abwehr und des Angriffs gegen die rohen Methoden einer bestimmten Klasse von Menschen. Im Zweiten Weltkrieg lehrte Fairbairn britische Einheiten und den amerikanischen Nachrichtendienst OSS den Nahkampf. Im Kriegshandbuch Get Tough! schreibt er, seine Methoden verdankten etwas dem Judo und dem chinesischen Boxen, beruhten aber vor allem auf seiner Erfahrung aus einem der härtesten Hafenviertel der Welt. Mit Eric A. Sykes entwarf er das Kampfmesser Fairbairn-Sykes.

Geschichte

Das Buch Defendu druckt Belege zu Fairbairns Ausbildung ab. Ein Foto von 1908 zeigt ihn in Schanghai mit dem Jujutsu-Professor Okada. Ein Zertifikat des Kodokan nimmt ihn zum 8. Dezember 1918 als Instruktor der Schanghaier Stadtpolizei auf, und ein weiteres Zertifikat verleiht ihm im Januar 1919 den braunen Gürtel 3. Kyu im Judo. Als Mitglied des Kodokan mit braunem Gürtel 3. Grades nennt ihn auch das Titelblatt von 1926. Green (2001) schreibt, dass die Schanghaier Polizei seit 1909 Unterricht in chinesischem Kampf erhielt und dass die Polizisten in den zwanziger Jahren auf Fairbairns Drängen eine Kombination aus japanischen Würfen, britischen Schlägen, chinesischen Tritten, Sikh-Ringen und dem amerikanischen Schnellziehen der Pistole lernten.

Weiterlesen

Das Empfehlungsschreiben des Polizeikommissars K. J. McEuen vom 4. März 1925 stellt Inspektor Fairbairn vor, den Ausbilder der Schanghaier Stadtpolizei, der auf einen achtmonatigen Urlaub nach England fährt, um ein Buch über das System Defendu herauszugeben. Das Vorwort ist 1925 in Schanghai unterzeichnet und gibt an, dass die Vorbereitung des Systems mehrere Jahre dauerte. Das Buch erschien 1926 im Verlag North-China Daily News and Herald. Das spätere Buch Scientific Self-Defence bekennt sich laut seinem Vorwort zu Defendu als einem früheren Werk für die Polizei des Fernen Ostens. Im Zweiten Weltkrieg heuerten laut Green die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Kanada Fairbairn, Dermot O'Neill und weitere ehemalige Schanghaier Polizisten an, um Kommandos im Nahkampf zu unterrichten. Das Vorwort von Get Tough! gibt an, dass die Methode eine anerkannte Standardausbildung der britischen Streitkräfte ist und dass Kommandos, Fallschirmjäger und die Home Guard darin ausgebildet wurden. Laut dem CIA-Museum wurde Fairbairn dem amerikanischen Geheimdienst OSS als Instruktor ausgeliehen.

Was es unterscheidet

Defendu von 1926 ist ein Polizeilehrbuch mit Festhaltegriffen und Handschellen. Blanton (2008) gibt an, dass es Selbstverteidigung, Entwaffnung und Festnahme abdeckt, während Get Tough! von 1942 direkt für die britische Armee geschrieben wurde. Das Vorwort von Get Tough! verweist nicht auf Defendu. Rex Applegate dankt im Vorwort des Buches Kill or Get Killed (1943) Major Fairbairn und Hauptmann Sykes für seine Ausbildung im Nahkampf. Die Diplomarbeit von Lorah (2010) gibt an, dass Applegate die Techniken seines Lehrers Fairbairn für amerikanische Soldaten modernisierte. Blanton schreibt, dass die Wurzeln des älteren Armeehandbuchs FM 21-150 auf die Techniken von Fairbairn, Sykes und Applegate aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgehen, während Modern Army Combatives seit 1995 auf brasilianischem Jiu-Jitsu beruht.

Technik

Das Buch Defendu von 1926 gliedert sich in Abwehr gegen Griffe am Handgelenk, Würgen, Umklammerungen, Griffe an Haaren, Mantel und Gürtel, in die Entwaffnung eines Angreifers mit Pistole und Messer, in Polizeigriffe einschließlich eines Griffs zum Anlegen von Handschellen, in Würfe, Schläge mit der Handkante, Kampf mit Schlagstock und Spazierstock, in einen Knoten zum Fesseln eines Festgenommenen und in Stürze. Das Vorwort betont den Schutz lebenswichtiger Körperteile. Das Kriegshandbuch Get Tough! ordnet die Techniken in Schlaggruppen, zu denen der Handkantenschlag, der Schlag unter das Kinn, der seitliche Stiefeltritt und das Knie gehören, ferner in Befreiung aus Griffen, Griffe, Würfe, Kampf mit Messer und smatchet und Entwaffnung eines Angreifers mit Pistole. Den Handkantenschlag enthält bereits Defendu.

Training

Das Vorwort von Defendu verspricht, dass sich das Gefühl von Sicherheit und Selbstvertrauen schon nach kurzem Studium des Systems einstellt und dass es keine athletische Leistung verlangt. In Get Tough! rät Fairbairn, sich etwa zehn Methoden nach Größe, Gewicht und Körperbau auszuwählen und sie mit einem Freund mindestens zehn Minuten täglich zu üben. Zuerst wird langsam und flüssig geübt, dann schneller, und ein Schlag wird beim Üben nie mit voller Kraft geführt. Das Vorwort warnt, dass fast jede der Methoden ohne Hemmungen angewandt zum Tod oder zur Verstümmelung des Gegners führt, und fügt hinzu, dass man sich im Krieg keine Überempfindlichkeit leisten kann. Laut dem National Park Service unterrichtete Fairbairn OSS-Agenten im Lager B-2 im heutigen Catoctin Mountain Park. Sein als gutter fighting bezeichneter Kampf, später als Fairbairn-Technik bekannt, verband Jujutsu und Straßenkampf. Im Lager gab es Gruben mit Sägespänen zum Üben von Jujutsu, Ringen und Messerkampf und ein Haus für das Schießen auf kurze Distanz.

Heute

Das amerikanische Feldhandbuch FM 3-25.150 von 2002 und das gültige Ausbildungshandbuch TC 3-25.150 von 2017 erwähnen weder Defendu noch Fairbairn. Die englische Wikipedia bezeichnet unter dem Stichwort Defendu ein Nahkampfsystem, das laut ihr Fairbairn und Sykes in den zwanziger Jahren entwickelten und das später in erweiterter Form in SOE und OSS gelehrt wurde. Das Buch von 1926 nennt dagegen als einzigen Autor Fairbairn und erwähnt Sykes nicht. Das Kampfmesser Fairbairn-Sykes wurde laut dem CIA-Museum 1941 vorgestellt, und seine Autoren sammelten Erfahrung im Nahkampf bei der Schanghaier Polizei.

Wissenswertes

Das Vorwort von Get Tough! gibt an, dass Einheiten der amerikanischen Marineinfanterie, die von 1927 bis 1940 in China stationiert waren, die Methode direkt vom Autor lernten, als dieser stellvertretender Kommissar der Schanghaier Polizei war. Green (2001) schreibt, dass die übermenschlichen Fähigkeiten von James Bond in angewandter Gewalt offenbar von einer Vorführung ehemaliger Schanghaier Polizisten bei Ottawa 1943 stammen. Auf dem Titelblatt von Defendu von 1926 ist der Kodokan als Tokyo Jui-jitsu University angegeben. Das spätere Buch Scientific Self-Defence gibt an, dass Fairbairn den schwarzen Gürtel 2. Grades des Kodokan hat und chinesisches Boxen bei Tsai Ching Tung studierte, einem ehemaligen Instruktor des Gefolges der Kaiserinwitwe in Peking.

Häufige Fragen

Wer hat Defendu geschaffen und wann?

Das System stellte William E. Fairbairn zusammen, ein Instruktor der Schanghaier Stadtpolizei. Das Vorwort des Buches unterzeichnete er 1925 und gibt darin an, dass die Vorbereitung mehrere Jahre dauerte. Das Buch erschien 1926 in Schanghai.

Ist Defendu dasselbe wie Fairbairns Kriegsausbildung in Get Tough!?

Nicht ganz. Defendu ist ein Polizeilehrbuch mit Festhaltegriffen und Handschellen, Get Tough! von 1942 entstand laut Blanton (2008) direkt für die britische Armee und enthält auch Messerkampf. Das Vorwort von Get Tough! verweist nicht auf Defendu.

Welchen Gürtel hatte Fairbairn im Judo?

Das in Defendu abgedruckte Zertifikat des Kodokan verleiht ihm im Januar 1919 den braunen Gürtel 3. Kyu, ebenso nennt ihn das Titelblatt von 1926. Den schwarzen Gürtel 2. Grades nennt erst das spätere Buch Scientific Self-Defence.

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