LINE (Nahkampfsystem der Marineinfanterie)
Nahkampfsystem, das die US-Marineinfanterie von 1989 bis 1998 verwendete. Sechs feste Technikabfolgen endeten mit einem tödlichen Abschluss, abgelöst von Close Combat und MCMAP.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über LINE (Nahkampfsystem der Marineinfanterie)
LINE (Linear In-Fighting Neural-override Engagement) ist ein Nahkampfsystem, das die US-Marineinfanterie im März 1989 als ihre erste standardisierte Nahkampfausbildung übernahm und bis 1998 verwendete. Die Auflösung der Abkürzung weicht in den Quellen leicht ab. Als Schöpfer gilt Ronald S. Donvito. Ein Artikel in Marine Corps History (2026) gibt unter Verweis auf Tank Todd an, er habe das System in den siebziger Jahren noch als Zivilist entwickelt und sei erst später in die Marineinfanterie eingetreten. Die Abschlussarbeit von James F. Blanton (2008) datiert die Entstehung auf 1977 oder 1978.
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Laut der Arbeit von Major Richard D. Hall (2002) sollte das System leicht erlernbar und merkbar sein und auch in Erschöpfung, in voller Ausrüstung und bei schlechter Sicht anwendbar. Das Handbuch FMFM 0-7 von 1993 nennt es das Herzstück der Nahkampfausbildung. Es gliedert es in sechs Teile, von grundlegenden Techniken des Griffkampfs über Schläge und Tritte, Messerabwehr und Messerkampf bis zum Ausschalten feindlicher Personen und zur Bajonettabwehr. Die Techniken sollen laut Handbuch einen solchen Schaden verursachen, dass das Nervensystem des Gegners das bewusste Denken überlagert, und die Abfolgen enden wiederholt mit einem Stampfen mit der Ferse auf den Kopf des Gegners. Eine Schwäche des Systems war laut der Arbeit von Singleton (2012) die begrenzte Fähigkeit, auf das gesamte Spektrum des Kampfes und die Abstufung der Gewalt zu reagieren, weil alle Techniken mit einem tödlichen Stampfen endeten. Die Mitteilung ALMAR 142-98 nennt laut Blanton als einen der Hauptgründe für die Änderung den Bedarf an mehr nicht tödlichen Techniken. 1998 beendete der Commandant, General Krulak, die LINE-Ausbildung. Zwischen LINE und dem Programm MCMAP bestand von 1997 bis 1999 das Marine Corps Close Combat Training Program.
Geschichte
Schöpfer des Systems ist Ronald S. Donvito, den die Arbeiten von Major Richard D. Hall (2002) und Major James F. Blanton (2008) im Rang eines gunnery sergeant nennen. Ein Artikel in der Zeitschrift Marine Corps History (2026) schreibt unter Verweis auf Tank Todd, er habe das System in den siebziger Jahren als Zivilist entwickelt und sei später in das Korps eingetreten. Blanton datiert die Entstehung auf 1978, an anderer Stelle seiner Arbeit auf 1977. Donvito gibt in einem Interview für Fight Times (2007) an, er habe das System vor seinem Eintritt in die Marineinfanterie im Jahr 1978 geschaffen.
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Laut Hall sollte LINE eine einheitlichere Nahkampfausbildung bringen, wurde zuerst an der Ostküste eingeführt und später allen Angehörigen des Korps beigebracht. Der Artikel in Marine Corps History gibt an, das Korps habe das System im März 1989 übernommen und bis 1998 verwendet. Das Handbuch FMFM 0-7 Close Combat vom 9. Juli 1993 beschreibt LINE als Teil des Marine Corps System of Close Combat. Donvito stellte das System 1995 im Artikel Close Combat: The LINE System in der Marine Corps Gazette vor. Im Frühjahr 1996 berief der Commandant, General Krulak, das Close Combat Review Board ein, dem unter anderem Jack Hoban und master gunnery sergeant Cardo Urso angehörten. Laut Hall zog das Gremium etwa zehn Experten für Karate, Judo, Jiu-Jitsu und Aikido hinzu. Das daraus entstandene Marine Corps Close Combat Training Program bestand von 1997 bis 1999, und das Handbuch MCRP 3-02B vom 18. Februar 1999 ersetzte FMFM 0-7. 1998 beendete Krulak die LINE-Ausbildung. Die Quellen weichen bei den Daten voneinander ab. Das Handbuch MCRP 3-02B von 2011 datiert die Entstehung von LINE allgemein in die achtziger Jahre, und eine Lehrpräsentation des MCMAP-Instruktorenkurses von 2015 nennt den Beginn der achtziger Jahre und die Entstehung des Programms Close Combat 1998.
Was es unterscheidet
Vom Programm MCMAP, das LINE nach einem Übergangsprogramm ablöste, unterschied sich das System laut Singleton (2012) durch zwei Schwächen. Es konnte nicht auf das gesamte Spektrum des Kampfes und die Abstufung der Gewalt antworten, weil alle Techniken mit einem tödlichen Stampftritt auf den Kopf endeten, und es fehlte die Verbindung zur Wertevermittlung und zur Führung. MCMAP verbindet körperliches Training mit einer mentalen und charakterlichen Komponente. Blanton (2008) schreibt, das Korps sei zu dem Schluss gekommen, dass man sich nicht darauf verlassen könne, das Nervensystem zu übersteuern. LINE wird als fester Ablauf ausgeführt, sodass der Ablauf abbricht, wenn der Angreifer anders reagiert oder den Angriff blockt. MCMAP lehrt dagegen einzelne Techniken, die dem Soldaten erlauben, sich an eine veränderliche Situation anzupassen. Blanton schreibt auch, dass die sechs Drills des Handbuchs FMFM 0-7 eine Weiterentwicklung der Techniken von Applegate und Fairbairn zu einem leicht erlernbaren System mit relativ wenigen Techniken darstellen. Das ist seine Deutung, das Handbuch selbst nennt diese Autoren nicht.
Technik
Das Handbuch FMFM 0-7 (1993) gliedert das Grundsystem LINE in sechs Teile, die aufeinander aufbauen. LINE I enthält grundlegende Angriffs- und Verteidigungstechniken und Takedowns für die Phase des Griffkampfs und ist die Grundlage für LINE II bis IV. LINE II betrifft die mittlere Distanz, also Schläge und Tritte. LINE III ist die unbewaffnete Verteidigung gegen Messerangriffe, LINE IV Messerkampf gegen einen Gegner mit Messer, LINE V das Ausschalten feindlicher Personen so schnell und leise wie möglich und LINE VI die unbewaffnete Verteidigung gegen Bajonettangriffe.
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Die Techniken zielen laut Handbuch darauf, den Körper des Gegners so zu schädigen, dass sein zentrales Nervensystem das bewusste Denken überlagert. Der Gegner wird so bewegungsunfähig und beherrscht und nach Erlangen der Kontrolle ausgeschaltet. Die Abfolgen im Handbuch enden wiederholt mit der Anweisung, schnell und heftig mit der Ferse auf den Kopf des Gegners zu stampfen. Blanton (2008) beschreibt LINE als sehr fest geordnetes System, in dem jede Technik in eine Reihe von Bewegungen namens ditties unterteilt ist. Es beruht laut ihm auf grober Motorik, die wiederholt geübt wird, damit der Verteidiger einen einfachen Satz von Techniken hat. Auf den Bodenkampf zielt es nicht ab, rechnet aber mit ihm. Das Handbuch FMFM 0-7 gibt im Teil über Angriffsfertigkeiten an, dass Tritte im Nahkampf einfach und in Kampfausrüstung, in Erschöpfung und im Dunkeln ausführbar sein müssen und dass Tritte über der Taille die Leiste freilegen und das Gleichgewicht stören.
Training
Das Handbuch FMFM 0-7 schreibt vor, die LINE-Techniken ständig zu wiederholen, damit sie zu instinktiven konditionierten Reaktionen werden, die schnell und heftig ausgeführt werden. Für sicheres Training mit hartem Kontakt empfiehlt das Handbuch andere Zielbereiche und kleine Anpassungen der Techniken. Laut Hall (2002) sollte das System auch bei Erschöpfung, in voller Ausrüstung und bei schlechter Sicht einsetzbar sein. Major Hall schreibt im Vorwort seiner Arbeit, dass er den LINE-Ausbilderkurs kurz nach dessen Einführung absolviert habe. Donvito gibt in einem Interview von 2007 an, der Grundkurs für Ausbilder habe zwei Wochen gedauert, etwa fünfzig Stunden, und die Techniken seien aus medizinischer Sicht von einem Militärgerichtsmediziner und einer Gruppe von Gerichtspathologen beurteilt worden. In der Ausbildung der Einheiten setzte sich LINE laut Singleton (2012) nie durch. Singleton zitiert Oberstleutnant Bristol, den Leiter des Kampfkunstzentrums des Korps: Das System sei abseits des Hauptstroms geblieben, in der Grundausbildung und bei einigen Getreuen mit Begeisterung geübt worden, doch das Korps als Ganzes habe es übersehen.
Heute
Im Marine Corps wird LINE seit 1998 nicht mehr trainiert. Blanton (2008) schreibt, dass der Stabschef der Luftwaffe, General T. Michael Moseley, auf einen Artikel in Air Force Times darüber reagierte, dass Luftwaffenangehörige LINE lernen. Seine Anfrage veranlasste das Ausbildungskommando der Luftwaffe, das beste System des Nahkampfs zu suchen, und das daraus hervorgegangene Air Force Combatives Program beruhte unmittelbar auf der ersten Stufe von Modern Army Combatives. Laut der englischen Wikipedia und laut Donvitos Aussage von 2007 übernahm seit 1998 der Qualifikationskurs für die Spezialkräfte der Armee LINE. Laut Wikipedia löste ihn dort im Oktober 2007 das Modern Army Combatives Program ab. Ein Artikel von 2007 nennt einen Kontakt für LINE Combatives.
Wissenswertes
Donvito sagt in einem Interview für Fight Times (2007), der Name sei nach dem Vorgehen eines Feuertrupps in der Reihe entstanden. Als das Korps das System in MCSOCC umbenennen wollte und fragte, was LINE bedeute, schlug er nach eigenen Worten Linear Infighting Neural-override Engagement vor und wählte die Wörter nachträglich nach den Buchstaben aus. Das Handbuch FMFM 0-7 von 1993 verwendet tatsächlich den Namen Marine Corps System of Close Combat (MCSOCC). Die Auflösung des Akronyms unterscheidet sich in den Quellen. Major Hall schreibt im Vorwort seiner Arbeit von 2002 Linear Integrated Neural-Override Engagement.
Häufige Fragen
Wer hat das System LINE geschaffen und wann?
Der Schöpfer ist Ronald S. Donvito. Ein Artikel in Marine Corps History (2026) mit Verweis auf Tank Todd gibt an, er habe das System in den Siebzigerjahren als Zivilist entwickelt, Blanton (2008) nennt das Jahr 1977 oder 1978. Das Marine Corps übernahm das System im März 1989.
Warum gab das Marine Corps das System LINE auf?
Die Meldung ALMAR 142-98 nennt laut Blanton (2008) als einen der Hauptgründe den Bedarf an mehr nicht tödlichen Techniken. Singleton (2012) ergänzt, dass alle Techniken mit einem tödlichen Stampftritt auf den Kopf endeten und dem System die Wertevermittlung fehlte. General Krulak beendete das LINE-Training 1998.
Aus welchen Teilen bestand das System LINE?
Das Handbuch FMFM 0-7 (1993) gliedert es in sechs Teile. Dazu gehören Griffkampf, Schläge und Tritte, Messerabwehr, Messerkampf gegen Messer, das Ausschalten feindlicher Personen und Bajonettabwehr.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.