Capoeira Angola
Stil der Capoeira, verbunden mit Mestre Pastinha, der 1941 in Salvador die Schule CECA registrierte. Langsamerer Rhythmus, Betonung der Musik, Training in Schuhen.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Vergleiche
Kataloge & Datenbanken für Capoeira Angola
Über Capoeira Angola
Capoeira Angola ist ein Capoeira-Stil, der sich in den 1940er Jahren in Salvador in Bahia als Schule etablierte. Er wird mit Vicente Ferreira Pastinha verbunden, genannt Mestre Pastinha (1889–1981), den die Quellen als Kodifizierer des traditionellen Stils bezeichnen, nicht als dessen Erfinder. Sein Centro Esportivo de Capoeira Angola war laut dem Stadtamt von Belo Horizonte die erste Angola-Schule in Brasilien, das Gründungsjahr nennen die Quellen unterschiedlich. Als Schule entstand sie etwa zehn Jahre später als Regional und strebt eine traditionellere Praxis an.
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Pastinha ging vom langsameren Rhythmus angola aus, und seine Schule betonte Musikalität und Selbstausdruck statt Kampfwirksamkeit und Athletik. Das Spiel findet in einem Kreis statt, den eine bateria mit drei berimbau, zwei pandeiro, atabaque, agogô und ganzuá begleitet. Angoleiros trainieren in Schuhen, um 1950 führte Pastinha die Farben Gelb und Schwarz ein, einige spätere mestres tragen Weiß. Ein System farbiger Schnüre hat Angola nicht, Pastinha führte aber in seinem Zentrum die Rollen der Ausbilder, contramestres und mestres ein. Zu Pastinhas wichtigsten Schülern zählen João Grande und João Pequeno, mit einer Delegation reiste er 1966 zum Festival der schwarzen Künste nach Dakar. In den 1970er Jahren verlor der Stil an Beliebtheit und lebte ab 1985 wieder auf, zur Erneuerung gehört die Grupo Capoeira Angola Pelourinho, die Mestre Moraes 1980 in Rio gründete und 1982 nach Salvador verlegte. Der Anthropologe Alejandro Frigerio beschreibt Angola als Kunst und Regional als Sport, Nestor Capoeira sieht Angolas Betonung der Authentizität als erfundene Tradition.
Geschichte
Capoeira Angola etablierte sich als Schule innerhalb der Capoeira in den 1940er Jahren, etwa zehn Jahre nach Regional. Die brasilianische Regierung verbot die Capoeira selbst bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, und im Jahr 2014 nahm die UNESCO den Capoeira-Kreis in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.
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Der Stil wird mit Vicente Ferreira Pastinha verbunden, genannt Mestre Pastinha (5. 4. 1889 Salvador – 13. 11. 1981). Die Quellen bezeichnen ihn als Kodifizierer des traditionellen Stils, nicht als dessen Erfinder. 1941 vertrauten ihm die älteren Meister der Angola die Leitung des Zentrums in Liberdade an. Das Gründungsjahr des Centro Esportivo de Capoeira Angola (CECA) nennen die Quellen unterschiedlich, 1941 oder 1949, und das Stadtamt von Belo Horizonte verlegt dessen Gründung in Pelourinho in Salvador in das Jahr 1952. 1966 reiste er mit der brasilianischen Delegation zum ersten internationalen Festival der schwarzen Künste nach Dakar. Zu seinen wichtigsten Schülern zählen João Grande und João Pequeno. In den 1970er Jahren widerstanden die angoleiros den Bestrebungen, die Capoeira als brasilianischen Nationalsport zu vereinheitlichen, viele wechselten zu Regional, und Angola verlor an Beliebtheit. Ab 1985 lebte sie mit neuen Schülern wieder auf. Zur Erneuerung gehört Pedro Moraes Trindade, Mestre Moraes, der 1980 in Rio de Janeiro die Grupo Capoeira Angola Pelourinho (GCAP) gründete und ihren Sitz 1982 nach Salvador verlegte.
Was es unterscheidet
Laut dem Dossier der brasilianischen Behörde IPHAN stellte Mestre Bimba seine Regional als brasilianische Kampfkunst dar, während die Meister der Angola den afrikanischen Ursprung betonen. Pastinha nannte seinen Stil nach Schimith Angola, um die Weitergabe von den Vorfahren zu schützen und sich von Bimbas Änderungen abzugrenzen, und verbot den Schülern, barfuß oder ohne T-Shirt zu spielen. Barreto von der Bundesuniversität von Bahia beschreibt Regional als schnelleres, kämpferischeres, überwiegend aufrechtes Spiel, in dem die Musik eine zweitrangige Rolle spielt, während Angola langsamere und schnellere Phasen, ein tiefes Spiel mit den Händen am Boden und eine Musik hat, die das Tempo vorgibt. Nach Ramos (2009) trainieren angoleiros in Schuhen und gewöhnlicher Kleidung, in Regional barfuß. Grão Mestre Chico sagt laut Lott, dass Regional nur schneller sei und Bimba einen einzigen Durchgang verändert habe, in dem Regional vorwärts geht und Angola zurückweicht. Die dritte Strömung, capoeira contemporânea, mischt nach Fonseca (2010) Elemente von Regional und Angola. Ein Beispiel ist die Gruppe Senzala, die 1964 in Rio entstand und laut dem IPHAN-Dossier Bimbas Lehre mit den Bewegungen und Instrumenten der Angola verband.
Technik
Laut Britannica weicht Capoeira allgemein Angriffen durch Ausweichen und akrobatische Bewegungen aus, statt zu blocken, und Beweglichkeit, Schnelligkeit und malícia, also Listigkeit, zählen mehr als Kraft. Angola fügt das tiefe Spiel hinzu, jogo baixo. Laut João da Mata wird hauptsächlich am Boden gespielt, Hände und Füße haben ständigen Kontakt mit dem Boden. Wanessa Pires Lott beschreibt tiefe Fußfeger und Abwehr mit gebeugten Beinen und geneigtem Oberkörper. Mandinga ist nach da Mata keine Magie, sondern eine Strategie der List, der Improvisation und der Überraschung. Laut einer Studie von Nonato und Palhares (2021) lehrte Pastinha, dass ein Schlag nicht überstürzt werden darf und nur treffen soll, wenn die Chance zu verfehlen am geringsten ist. In der Akademie von Mestre João Grande übt man unter anderem rabo de arraia, chapa, cabeçada, ein kurzes aú, eine tiefe tesoura und rolê. Man unterscheidet jogo de dentro, das nahe, tiefe und listigere Spiel, und jogo de fora in höheren Positionen mit Ausweichbewegungen. Aus Pastinhas Manuskripten zitiert der Historiker Mauricio Acuña eine Beschreibung der ginga als fließende und sehr flexible Bewegung.
Training
Vor den dreißiger und vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts lernten die Schüler laut Goulart (2018) durch Beobachten und Teilnahme an rodas ohne feste Methode, Pastinha führte im CECA ein organisiertes Training mit festgelegten Zeiten und Orten ein. Sein Schüler João Pequeno wurde um 1945 zum Ausbilder (treinel) und schlug eine zehnteilige Folge von Grundbewegungen und Konditionsübungen vor, die nach seiner Ansicht in etwa drei Monaten auf die roda vorbereitet. In seiner Akademie wechselten sich Trainingstage und roda-Tage ab. Mestre João Grande nimmt laut der amerikanischen Stiftung NEA in jede Stunde eine halbe Stunde Musiktraining auf, und die Schüler müssen lernen, alle Instrumente zu spielen. Nach dem Training folgt sitzend ein Musikteil, in dem die Schüler singen und die Rhythmen São Bento Grande, Angola und Jogo de Dentro spielen. Die Gruppe GCAP hatte laut einer Untersuchung von 2010 bis 2020 zwei bis drei Trainingseinheiten und eine roda pro Woche und lernt mündlich und von Angesicht zu Angesicht.
Graduierungen und Fortschritt
Angola hat kein System farbiger Schnüre. Nach Ramos (2009) gibt es in ihr keine formell anerkannte Hierarchie, und der mestre gewinnt Respekt von seiner Gemeinschaft, während Regional Stufen mit farbigen cordões verwendet. Pastinha führte aber nach Schimith in seinem Zentrum die Rollen der Ausbilder (trenel), der Orchestermitglieder, der contramestres und der mestres ein. Farbige Schnüre wurden in den Gruppen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts üblich, teils im Bemühen um die Anerkennung der Capoeira als Sport, und 1972 wurde die Capoeira als Sport unter der Brasilianischen Boxkonföderation anerkannt. Der Titel mestre ist laut UNESCO eine Frage der Anerkennung: Wissen geben Meister weiter, die in der Tradition ausgebildet wurden und von ihren Gleichgestellten als Meister anerkannt werden. Mestre João Grande erhielt 1968 ein Diplom von Pastinhas Akademie.
Ausrüstung
Etwa ab 1950 führte Pastinha als Kennzeichen seiner Angola die Farben Gelb und Schwarz ein, die Farben seines Lieblingsklubs Ypiranga. Einige spätere mestres wechselten zu rein weißer Kleidung. Die angoleiros trainieren in Schuhen, anders als viele andere Gruppen, die barfuß spielen. Das Musikensemble namens bateria hat heute in der Angola typischerweise drei berimbau, zwei pandeiro, einen atabaque, einen agogô und einen ganzuá. In der älteren Besetzung, die sich vermutlich in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts festigte, stand anstelle des ganzuá ein reco-reco.
Heute
Angola etablierte sich als Schule etwa zehn Jahre später als Regional und strebt eine traditionellere Praxis an. Pastinha ging vom langsameren Rhythmus angola aus, Mestre Bimba bevorzugte São Bento Grande. Pastinhas Angola nahm einen afrozentrischen Ansatz an, der auf Musikalität und Selbstausdruck statt auf die Betonung von Kampfwirksamkeit und Athletik ausgerichtet ist, und Pastinha lehnte die Neuerungen von Bimba ab. Den Tritt martelo empfinden die angoleiros als aus anderen Kampfkünsten übernommen. Der Anthropologe Alejandro Frigerio beschreibt Angola als Kunst und Regional als Sport. Nestor Capoeira sieht die Betonung der Authentizität bei Angola als erfundene Tradition. Sandra Pelegrini gibt in der Zeitschrift História (2008) an, Pastinha habe einen afrikanischen Ursprung der Capoeira behauptet, Bimba dagegen einen brasilianischen.
Wissenswertes
Pastinha wurde am 5. April 1889 in Salvador als Sohn eines spanischen Kaufmanns und einer ehemaligen Sklavin geboren. Laut dem Stadtamt von Belo Horizonte lernte er Capoeira von Kindheit an bei dem freigelassenen Afrikaner Benedito, trat 1902 in die Schule für Marinelehrlinge ein, wo er sich dem Fechten und dem Gitarrenspiel widmete, und begann mit 21 Jahren, Capoeira zu unterrichten, obwohl das Strafgesetzbuch sie verbot. Das Buch Capoeira Angola erschien 1964, nach einer anderen Quelle 1965, mit einem Umschlag von Carybé und einem Text von Jorge Amado. Pastinhas Manuskripte erschienen 1997 als A Herança de Pastinha, und das Einschreibebuch des CECA mit mehr als dreihundert Mitgliedern befindet sich heute im Afro-Brasilianischen Museum von Bahia. Mestre João Grande erhielt 2001 die amerikanische Auszeichnung NEA National Heritage Fellowship und unterrichtet seit 1990 in New York. Das bemalte berimbau von Mestre Waldemar wurde laut dem IPHAN-Dossier in den fünfziger Jahren zum Symbol der bahianischen Identität. Capoeira wird laut UNESCO in mehr als 150 Ländern ausgeübt.
Häufige Fragen
Was ist Capoeira Angola?
Capoeira Angola ist der traditionelle Stil der Capoeira, der mit Mestre Pastinha aus Salvador in Bahia verbunden ist. Die amerikanische Stiftung NEA beschreibt sie als Verbindung von Musik, Tanz, Kampfkunst, Ritual und Glauben, die zwei Spieler in einem Kreis von Musikern mit dem berimbau spielen. Das Spiel ist stellenweise tief, am Boden, und die Musik gibt laut Fachleuten sein Tempo vor.
Was ist der Unterschied zwischen Capoeira Angola und Regional?
Regional schuf Mestre Bimba als schnelleres und kämpferischeres, überwiegend aufrechtes Spiel mit farbigen Schnüren und Training barfuß. Angola ist laut Fachtexten ein tiefes Spiel mit der Musik in der Mitte und der Betonung von List (malícia), geübt wird in Schuhen und ohne Schnursystem.
Wer war Mestre Pastinha?
Vicente Ferreira Pastinha (1889–1981) war ein bahianischer mestre, der das Centro Esportivo de Capoeira Angola in Salvador leitete, laut der Stadtverwaltung von Belo Horizonte die erste Angola-Schule in Brasilien. Im Jahr 1966 führte er die Angola-Gruppe beim ersten Weltfestival der Schwarzen Künste in Dakar an. Quellen bezeichnen ihn als Kodifizierer des traditionellen Stils.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.