Hanare / Der Loslass
離れ
Der Moment des Loslassens der Bogensehne im Kyūdō, der spontan als natürlicher Höhepunkt des vollen Zuges erfolgen soll, statt als bewusstes Abschießen des Pfeils.
Auf einen Blick
Definition
Hanare ist eine der acht Phasen der traditionellen Kyūdō-Schießabfolge (Hassetsu) und bezeichnet den Moment, in dem der rechte Daumen sich vom Haken des Yugake-Handschuhs löst und die Sehne den Pfeil nach vorne treibt. Anders als beim westlichen Bogenschießen, wo das Lösen der Sehne ein bewusster Willensakt ist, lehrt die Kyūdō-Philosophie, dass ein korrektes Hanare von selbst geschehen soll, als natürliche Folge der in der Kai-Phase aufgebauten Spannung, ohne dass der Schütze über den Schuss selbst entscheidet. Dieses Konzept ist eng mit den buddhistischen und Zen-Einflüssen im Kyūdō verbunden, die betonen, dass der Geist nicht am Ergebnis oder am Moment des Loslassens haften soll (Mushin, der Zustand des Nicht-Geistes). Auf Hanare folgt eine Phase namens Zanshin, in der der Schütze in Position bleibt und den Flug des Pfeils beobachtet, was als fester Bestandteil der Technik und Ausdruck innerer Ruhe gilt. Ein fehlerhaftes, erzwungenes oder bewusst gerissenes Hanare gilt im Kyūdō als technischer Fehler, den Lehrer oft auf unzureichende Entspannung in den vorangegangenen Phasen, insbesondere in Kai, zurückführen.
Verwandte Begriffe
Zustand kontinuierlicher Wachsamkeit vor, während und nach einer Technik.
Kamae構えPhysische Kampfstellung und geistige Bereitschaft im Kampfsport.
Kai / Volle Zugphase会Die Phase des Kyūdō, in der der Schütze die Sehne im Moment scheinbarer Ruhe voll gespannt hält, hinter der sich in Wirklichkeit stetig wachsende innere Spannung verbirgt, die natürlich in den Loslass (Hanare) übergeht.
Yumi / Japanischer Langbogen弓Der traditionelle japanische Langbogen mit ausgeprägt asymmetrischer Form, dessen Griff etwa ein Drittel vom unteren Ende entfernt liegt und nicht mittig wie bei westlichen Bögen.
