Kai / Volle Zugphase
会
Die Phase des Kyūdō, in der der Schütze die Sehne im Moment scheinbarer Ruhe voll gespannt hält, hinter der sich in Wirklichkeit stetig wachsende innere Spannung verbirgt, die natürlich in den Loslass (Hanare) übergeht.
Auf einen Blick
Definition
Kai ist die sechste der acht Phasen der Kyūdō-Schießabfolge (Hassetsu) und tritt ein, nachdem der Schütze die volle Bogenspannung (Daizatsu) erreicht hat und diese Position hält, wobei er nach außen völlig ruhig und still wirkt. Innerlich hält die Kyūdō-Lehre jedoch fest, dass sich eine feine, kontinuierliche Ausdehnung des Zuges in alle Richtungen (Nobiai genannt) fortsetzt, die die Spannung stetig steigert, bis die Sehne selbst gleichsam um ihr Loslassen bittet. Das Wort Kai lässt sich wörtlich mit Treffen oder Versammlung übersetzen und bezieht sich auf die Vereinigung von Geist, Atem und physischem Zug zu einem einzigen ungeteilten Moment. Der deutsche Philosoph und Bogenschütze Eugen Herrigel beschrieb seine Erfahrung der Kai-Phase im berühmten Buch Zen in der Kunst des Bogenschießens und schilderte sie als Zustand, in dem es schießt, nicht der Schütze. Die Dauer des Kai kann bei fortgeschrittenen Übenden erheblich variieren, doch das Überstürzen dieser Phase oder ihre künstliche Verkürzung gilt als einer der häufigsten technischen Fehler bei Anfängern.
Verwandte Begriffe
Zustand kontinuierlicher Wachsamkeit vor, während und nach einer Technik.
Hanare / Der Loslass離れDer Moment des Loslassens der Bogensehne im Kyūdō, der spontan als natürlicher Höhepunkt des vollen Zuges erfolgen soll, statt als bewusstes Abschießen des Pfeils.
Yumi / Japanischer Langbogen弓Der traditionelle japanische Langbogen mit ausgeprägt asymmetrischer Form, dessen Griff etwa ein Drittel vom unteren Ende entfernt liegt und nicht mittig wie bei westlichen Bögen.
