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Tinku (andiner Ritualkampf)

tinku

Ritueller Kampf der Quechua-Ayllus im bolivianischen Norte Potosí. Laut TIME bedeutet Tinku auf Quechua Begegnung, und vergossenes Blut soll der Überlieferung nach der Ernte nützen.

Wichtige Daten

RegionSüdamerika
HauptfokusSchlagtechnik
KontaktstufeVollkontakt

Charakter & Herkunft

StatusLebendig, informell
LinieVolkstümlich

Training

BekleidungTraditionelle Kleidung
SparringVollkontakt
Rolle der FormenOhne Formen

Organisation & Wettkampf

Olympischer StatusNicht olympisch

Woraus der Stil besteht

Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.

HandschlägeZentral
TritteAm Rande
WürfeAm Rande
BodenkampfAm Rande
Hebel & HaltegriffeNicht verwendet
WaffenAm Rande

Über Tinku (andiner Ritualkampf)

Tinku ist ein ritueller Kampf der Quechua-Ayllus im bolivianischen Norte Potosí, den Fernández Droguett und Fernández Droguett (2015) als Begegnung und körperlichen Zweikampf von Menschen definieren, die ihre Ayllus vertreten. Das Wort Tinku bedeutet laut TIME (2010) sowie Medina Portilla und Cohen (2008) auf Quechua Begegnung, und Reuters (2024) ergänzt, dass es im lokalen Aymara körperlicher Angriff heißt. Platt (2010) versteht Tinku als ausgewogenen Wettstreit und gewalttätiges Spiel, pujllay, im Gegensatz zu ch'ajwa, die er als unausgewogene Zerstörung bezeichnet.

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Das größte Tinku der Puna findet laut Platt in San Pedro de Macha am Fest des Kreuzes am 3. Mai statt. Los Tiempos (2025) nennt als Termin den 3. bis 5. Mai, Medina Portilla und Cohen beobachteten das Fest 2008 vom 2. bis 4. Mai. Die Zusammenstöße sind ihnen zufolge Mann gegen Mann, und erlaubt sind nur Faustschläge. Gegeneinander stehen laut Platt in der Regel die Hälften Alasaya und Majasaya. Vergossenes Blut ist laut den Informanten von Medina Portilla und Cohen die wichtigste Opfergabe an die Mutter Erde Pachamama und hilft der Überlieferung nach, wie TIME berichtet, zu einer guten Ernte. Platt verbindet dagegen Blut, das zur Besänftigung der Erdgottheiten vergossen wird, mit der ch'ajwa. Al Jazeera (2007) berichtet, dass bei Tinku in den letzten Jahren Dutzende Menschen gestorben sind, und die Polizei bewacht die Kämpfe laut Reuters oft und setzt Tränengas ein.

Geschichte

Der Atlas Patrimonial de Bolivia (2011), wie ihn die Bachelorarbeit von Machicado Veizagy (2020) zitiert, bezeichnet das Tinku als vorspanisches Ritual, das unter anderem zwischen den Gemeinschaften der Laimes aus dem nördlichen Potosí und der Jucumanis aus dem südlichen Oruro stattfindet. Fernández Droguett und Fernández Droguett (2015) sehen im Fest chakana in Macha das rituelle Vorbild. Platt (2010) beschreibt rituelle Schlachten, Tinkus, im gesamten Norte Potosí. Das bedeutendste Tinku in den Tälern findet nach ihm in San Marcos de Miraflores an Fronleichnam statt. Macha liegt laut Al Jazeera (2007) auf 4000 Metern Höhe, und die Feierlichkeiten dauern mehrere Tage. Laut Correo del Sur (2021) legen der alférez und die mayuras am 2. Mai die Einzelheiten des Festes fest und halten abends eine Vigil am Kalvarienberg. Am 3. Mai werden laut der Zeitung dem Kreuz Tata Wila Cruz Opfer dargebracht, begleitet von der Musik der jula julas und des charang. Laut TIME wurden 2010 in Macha zwei Menschen getötet.

Technik

Medina Portilla und Cohen (2008) beschreiben Zweikämpfe Mann gegen Mann, bei denen nur Faustschläge erlaubt sind. Los Tiempos (2025) schreibt vom Kampf mit bloßen Händen und TIME (2010) vom Kampf Körper an Körper, ohne Waffen zu erwähnen. Esteban Paco Taquichiri sagt laut Reuters (2024), die Teilnehmer beträten den Platz tanzend aus allen Ecken, um aufeinanderzutreffen. Die Tänzer bilden laut Medina Portilla und Cohen einen Kreis um einen Charango-Spieler, und der Tanz umfasst zapateo. Die Kämpfer haben laut Correo del Sur (2021) die Fingerknöchel mit ñuqus umwickelt, während die mayuras die Menge mit geflochtenen Peitschen aus Kuhleder bändigen. Reuters nennt lederne Montera-Helme mit buntem Gefieder, die an die Helme der Konquistadoren erinnern. VICE (2014) schreibt, dass einige Teilnehmer Steine in den Händen halten, die sie auf kurze Distanz werfen. Wenn die Polizeiaufsicht versagt, gilt laut Medina Portilla und Cohen alles, Tritte, Steine und blanke Waffen.

Graduierungen und Fortschritt

Bolivianische Folkloreforscher passten laut Fernández Droguett und Fernández Droguett (2015) in den Siebzigerjahren die Körpertechniken der Begegnung und des Kampfes als Tanz an, der in den Carnaval de Oruro aufgenommen wurde. Die Tanzgruppe Tinkus Wistus wurde laut Wikipedia 1992 von Studenten in La Paz gegründet und trat 1993 erstmals bei der Folkloreparade der UMSA auf. Das Aymara-Wort wistu in ihrem Namen bedeutet laut Wikipedia krumm und verweist auf die Bewegungen des Tanzes. Der bolivianische Senat würdigte in der Erklärung Declaración Cameral 009/2022-2023 vom 16. November 2022 die am 1. Januar 1986 gegründete Fraternidad Tinkuy Tolckas für die Pflege des Tanzes Tinkuy. Laut der Erklärung hat diese fraternidad Zweigstellen in Argentinien, im chilenischen Calama, in Peru und in Tarija.

Heute

Das Gesetz Ley 237 vom 20. April 2012 erklärt das Ritual el Tinku zum kulturellen und immateriellen Erbe Boliviens mit Ursprung in Norte Potosí, bestimmt Macha in der Gemeinde Colquechaca als seinen Hauptort und beauftragt das Kulturministerium mit seiner Verbreitung. Reuters (2024) beschreibt das Tinku als traditionelle Art der Streitbeilegung und laut der Agentur überwacht die Polizei die Kämpfe oft und setzt Tränengas ein. Al Jazeera (2007) berichtet, dass die Polizei den Ankommenden mögliche Waffen abnimmt und darauf achtet, dass immer nur zwei Männer gegeneinander antreten. Der Kommandant Juan Carlos Vargas sagte laut Medina Portilla und Cohen (2008), ohne Polizeikontrolle wäre das Fest ein allgemeines Massaker. Quechua-Migranten schufen laut Los Tiempos (2025) im Süden von Cochabamba die Kampfarena Runatinku. In Santiago de Chile führte die fraternidad Ayllu laut Fernández Droguett und Fernández Droguett seit 1997 beim Marsch am 12. Oktober einen Tinku-Tanz auf.

Wissenswertes

Frauen kämpfen laut TIME (2010) beim Fest ebenfalls. Laut Correo del Sur (2021) zeigen sie sich beim Tinku in den besten Kleidern, die sie selbst angefertigt haben, und das Fest ist ein Ort der Brautwerbung zwischen den Huaynuchos und den Imilla Wawas. Los Tiempos (2025) gibt an, dass zum Fest auch Liebesbegegnungen gehören, an denen ledige Mädchen, die Imilla Wawas, teilnehmen. Das Kreuz Tata Wila Cruz schmückt laut Correo del Sur auch die montera del Tinku. Vor dem Kampf opfern die Männer laut Medina Portilla und Cohen (2008) Lamas, um deren Blut der Mutter Erde Pachamama zu opfern. TIME schreibt, dass die Quechua vor dem Kampf in den frühen Morgenstunden Getreidealkohol trinken.

Häufige Fragen

Was bedeutet das Wort Tinku?

Laut TIME (2010) sowie Medina Portilla und Cohen (2008) bedeutet Tinku auf Quechua Begegnung. Reuters (2024) ergänzt, dass es im lokalen Aymara körperlicher Angriff heißt.

Wann und wo findet Tinku statt?

Das größte Tinku des Hochlands (Puna) findet laut Platt (2010) in San Pedro de Macha am Fest des Kreuzes statt. Los Tiempos (2025) nennt als Termin den 3. bis 5. Mai.

Welche Schläge sind beim Tinku erlaubt?

Laut Medina Portilla und Cohen (2008) sind die Zusammenstöße Mann gegen Mann, und erlaubt sind nur Faustschläge. Wenn die polizeiliche Aufsicht versagt, gilt ihnen zufolge alles.

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