Handschrift
Codex Schwabenspiegel (Cgm 558)
Originaltitel: Codex Schwabenspiegel
1462–1493DeutschlandLehrbuch
Münchner Konvolut Cgm 558 mit Landrecht, Schweizer Chroniken und einem alemannischen Fechttraktat über Schwert, Dolch und Ringen, verbunden mit Hugo Wittenwiler.
Der Codex Schwabenspiegel (Cgm 558) ist ein Papiersammelband, den die Bayerische Staatsbibliothek in München unter der Signatur Cgm 558 verwahrt. Er umfasst 160 Folia und ist ein Konvolut: In den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts wurde er aus Handschriften zusammengebunden, deren Inhalt einige Jahrzehnte älter ist. Den ersten Teil (fol. 1–100) schrieb um 1462 Otmar Gossau ab. Er besteht aus dem Landrecht Schwabenspiegel, nach dem der Band benannt ist, und dem Landfrieden König Rudolfs von 1287. Den zweiten Teil schrieben zwei Schreiber. Er enthält die Zürcher Chronik, Aufzeichnungen zur Schweizer Geschichte der Jahre 1385–1446, eine kleine Toggenburger Chronik und auf fol. 125r–136r einen Fechttraktat. Dieser behandelt das lange Schwert, Stangenwaffen, das Fechten zu Pferd, den Dolch und das Ringen und ist im alemannischen Dialekt des Frühneuhochdeutschen verfasst. Darauf folgen Texte über die Hirschjagd und die Falknerei, Verse über die Planeten und eine monatliche Lebensordnung. Der Fechtteil ist mit dem Namen Hugo Wittenwiler verbunden, der die Handschrift unterschrieb. Oft wird er als Autor des Traktats bezeichnet, wahrscheinlich war er aber nur dessen Schreiber. Das Datum bei der Unterschrift ist verderbt und wird als Jahr um 1493 gelesen, vorgeschlagen wird auch 1503. Der Entstehungsort wird mit Fragezeichen ins schweizerische Toggenburg gelegt, Wiktenauer ordnet die Handschrift dabei zugleich den deutschen Quellen zu. Mit der Tradition Johannes Liechtenauers hat der Traktat kaum etwas zu tun.
Kampfkünste im Werk
Inhalt
Der Fechttraktat auf fol. 125r–136r beginnt mit dem Satz „Item wiltu lernen hoflich und weidalich mit dem langen schwert vechten“. Er lehrt den Kampf ohne Handschuhe und ohne Rüstung gegen verschiedene Waffen. Am umfangreichsten ist der Abschnitt über das lange Schwert (fol. 125r–130r). Auf fol. 130r schließen sich die Stangenwaffen an, auf fol. 130v–131r das Fechten zu Pferd, auf fol. 131r–133v der Dolch und auf fol. 133v–136r das Ringen. Die englische Übersetzung von Christian Trosclair gliedert den Dolchabschnitt feiner in Baselard, Dolch, kurzes Messer und Verteidigung ohne Waffe gegen den Dolch. Rechts- und Chroniktexte nehmen fol. 1r–124r ein. Auf den Traktat folgen die Lehre von der Hirschjagd (fol. 136r–141r), ein unvollständiges Falknereihandbuch (fol. 141r–150r), Verse über die Planeten (fol. 151r–153r) und eine monatliche Lebensordnung mit Unglückstagen (fol. 153r–160r).
Urheberschaft
Hugo Wittenwiler unterschrieb auf fol. 140v–141r mit den Worten „per manus Hugonis dicti wittenwiller“, also von der Hand Hugos, genannt Wittenwiller. Gerade im Hinblick auf diese Unterschrift halten ihn die Kommentatoren von Wiktenauer eher für den Schreiber als für den Autor des Traktats. Das Jahr bei der Unterschrift, datiert auf den Tag nach dem Fest Mariä Geburt, ist verderbt als „m. y. iij“ überliefert und wird als um 1493 oder als 1503 gedeutet, andere Lesungen ergeben 1408. Dieter Bachmann meint, das Konvolut sei um 1530 entstanden, der gesamte Inhalt aber sei älter, und sicher sei der Zeitraum 1450–1500. Jaquet (2010) nennt 1462–1530, Bachmann weist jedoch darauf hin, dass das Jahr 1462 dem Teil Otmar Gossaus angehört, der mit Wittenwiler nicht zusammenhängen muss. Die Wittenwiler waren niederer Adel aus Wittenwil im heutigen Kanton Thurgau, 1339 verarmt. Hugo gehörte wahrscheinlich dem Toggenburger Zweig der Familie an, sonst wissen wir über sein Leben wenig.
Ausgaben und Übersetzungen
Die englische Übersetzung des Traktats gab 2008 erstmals Jeffrey Hull im Druck heraus. Auf Wiktenauer sind die Transkription von Dieter Bachmann und Didier de Grenier sowie die englische Übersetzung von Christian Trosclair veröffentlicht, der mit de Grenier auch transkribierte. Es gibt eine französische Übersetzung, ihren Autor und ihr Entstehungsjahr haben wir in den Quellen nicht gefunden. Die Bayerische Staatsbibliothek hat Aufnahmen des gesamten Bandes als gemeinfreies Werk zugänglich gemacht. Wie die Handschrift in die Münchner Bibliothek gelangte, konnten wir nicht belegen.
Personen und Kampfkünste
- Hugo WittenwilerAutor
Angaben
- Form
- Handschrift
- Aufbewahrungsort
- Bayerische Staatsbibliothek, München
- Signatur
- Cgm 558
- Blätter
- 160
- Material
- Papier
- Digitalisat der Bibliothek
- daten.digitale-sammlungen.de/~db/0003/bsb00035322/images
Ausgaben
- 2008 · EN · Erstausgabe
- EN · Wiktenauer · Übersetzung
Weitere Titel
- Hugo Wittenwiller's Fechtbuch (Alternativtitel, DE)
- Cgm 558 (Alternativtitel, DE)