Traktat
Ergrundung Ritterlicher Kunst der Fechterey (Andre Paurñfeyndt, 1516)
Originaltitel: Ergrundung Ritterlicher Kunst der Fechterey
1516ÖsterreichLehrbuch
Fechtbuch von Andre Paurenfeyndt, 1516 in Wien gedruckt, mit 32 Abbildungen zu Schwert, Dussack, Stab, Dolch und Buckler, verfasst für junge Schüler.
Ergrundung Ritterlicher Kunst der Fechterey ist ein Fechtbuch, das 1516 Hieronymus Vietor in Wien druckte. Der Autor Andre Paurenfeyndt wurde in Ernsbrunn in Niederösterreich geboren und schrieb sich am 13. Oktober 1512 an der Universität Wien ein, weitere Angaben zu seinem Leben konnten wir nicht belegen. In der Einleitung stellt er sich als Freifechter und Leibwächter des Kardinals Matthäus Lang von Wellenburg vor, dem er das Buch widmete. Der Text ist in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst und wird von 32 nummerierten Abbildungen und einem heraldischen Bild begleitet. Laut Vorwort schrieb Paurenfeyndt nicht für erfahrene Fechter, sondern für junge Schüler. Er gibt ihnen zwölf Regeln für Anfänger und will sie von Glücksspiel und schlechter Gesellschaft abbringen. Der größte Teil, die Seiten 3 bis 44, gehört dem Schwert, es folgen Abschnitte über den Dussack, den Stab, den Dolch und das Schwert mit Buckler. Die letzten beiden Abschnitte stammen von Andre Lignitzer. Das Buch knüpft an die Tradition von Johannes Liechtenauer an und enthält seine Verse, bringt aber auch deutlich eigenes Material. Die Abweichungen von Liechtenauer könnten nach Ansicht der Herausgeber von Wiktenauer gerade damit zusammenhängen, dass es für Anfänger bestimmt ist. Sydney Anglo bezeichnete es als wahrscheinlich ältesten gedruckten Fechttraktat mit Abbildungen. Die vollständige Redaktion des Textes übernahm Christian Egenolff in Frankfurt am Main in seinen Druck, 1538 erschien in Antwerpen eine französische Übersetzung, und 1564 schrieb Lienhart Sollinger das ganze Werk ab.
Kampfkünste im Werk
Inhalt
Der Druck von 1516 beginnt mit einem Vorwort auf den Seiten 1 und 2. Dem Schwert gehören die Seiten 3 bis 44, dem Dussack die Seiten 45 bis 58 und dem Stab die Seiten 59 bis 65. Es folgen der Dolch auf den Seiten 66 und 67 und das Schwert mit Buckler auf den Seiten 68 und 69, beide kurzen Abschnitte stammen von Andre Lignitzer. Das Buch schließt mit einem Schlusswort auf den Seiten 69 und 70. Die zwölf Regeln für Anfänger sind im Druck nicht illustriert. Die Abbildungen auf den Seiten 57 und 59 zeigen Paare, in denen beide Fechter einen Dussack halten, obwohl der Text einen von ihnen als unbewaffnet beschreibt. Einige Abbildungen sind aus vierzehn halben, mit den Buchstaben A bis O bezeichneten Blöcken zusammengesetzt, die übrigen bestehen aus ganzen Blöcken.
Ausgaben und Übersetzungen
Vollständige Abbildungen hat nach den Herausgebern von Wiktenauer nur die Wiener Ausgabe von 1516, spätere Fassungen sind unvollständig und ungeordnet. Christian Egenolff in Frankfurt am Main nahm die vollständige Redaktion des Textes in seinen Druck Der Allten Fechter gründtliche Kunst auf. Seine erste Ausgabe ist nicht datiert und erschien zwischen 1531 und 1537 mit neuen Illustrationen von Hans Weiditz, die dem Text besser entsprechen als die Wiener. Weitere Ausgaben folgten, die vierte gaben 1558 die Erben Egenolffs heraus. 1538 gab Willem Vorsterman in Antwerpen eine französische Übersetzung heraus, La noble science des ioueurs d'espee. Sie lässt alle Verse Liechtenauers weg, den Rest des Inhalts und die ursprünglichen Bilder bewahrt sie. Den Abschnitt über die Stangenwaffen schrieb ein unbekannter Schreiber in den Jahren 1535 bis 1540 in die Handschrift Goliath (MS Germ.Quart.2020) ab, und 1564 schrieb Lienhart Sollinger den ganzen Text in einen Kodex ab, den Paulus Hector Mair band.
Personen und Kampfkünste
- Andre PaurenfeyndtAutor
- Andreas LiegnitzerMitautor
Angaben
- Form
- Druck
- Signatur
- E.1939.65.357
- Abbildungen
- 32
Ausgaben
- 1516 · DE · Ergrundung Ritterlicher Kunst der Fechterey · Hieronymus Vietor · Erstausgabe
- 1538 · FR · La noble science des ioueurs d'espee · Willem Vorsterman · Übersetzung
- DE · Der Allten Fechter gründtliche Kunst · Christian Egenolff
Weitere Titel
- Exploration of the Chivalric Art of Swordplay (Übersetzter Titel, en)
- La noble science des ioueurs d'espee (Übersetzter Titel, BE)
- The Noble Science of the Sword-Players (Übersetzter Titel, en)