Kuntaw
Kuntaw ist eine historische Kunst der Samal im Süden der Philippinen und zugleich das moderne System kuntaw lima-lima, das sein Begründer Carlito A. Lanada vom chinesischen kun-tao abgrenzt.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Kuntaw
Über Kuntaw
Kuntaw bezeichnet zwei verschiedene Dinge. Green (2001) beschreibt nach Ronald Harris kuntaw als Kunst der Samal von Jolo, der Rivalen des Stammes der Tausug, und Wiley (1996) schreibt, dass sich kun-tao bei den Samal und Tausug unter dem Namen langka-kuntaw erhalten hat. Die zweite Bedeutung ist das moderne System kuntaw lima-lima, dessen Begründer laut Wiley Carlito A. Lanada ist. Lanada besteht laut Wiley darauf, dass das philippinische kuntaw nicht in dieselbe Kategorie gehört wie das chinesische oder indonesische kun-tao. Das Wort entstand nach seiner Deutung aus dem spanischen con segrado, mit Heiligkeit, und dem Tagalog hataw, schlagen, und lima-lima bedeutet fünf, es ist also die Kunst der fünf heiligen Schläge. Wiley gibt an, die Techniken erinnerten an das Okinawa-Karate Shorin-ryu und Shito-ryu mit Elementen des chinesischen Kung-Fu. Lanada selbst sagte Wiley, er habe die Kunst 1960 organisiert, die nationale Organisation Kuntaw ng Pilipinas und danach die International Kuntaw Association gegründet, deren Gründer und Exekutivdirektor er ist. Zugleich sagt er, er beanspruche nicht das ganze kuntaw, das seiner Ansicht nach seit 1365 existiert, sondern nur die Organisation. Das Gesetz RA 9850 von 2009 erklärt arnis zur philippinischen Nationalkampfkunst und zum Nationalsport und erwähnt kuntaw nicht.
Geschichte
Green (2001) führt an, dass einige Verfechter des philippinischen silat den chinesischen Einfluss leugnen und behaupten, kuntao, oft als Kung-Fu oder Weg der Faust übersetzt, habe sich in abgeschiedenen chinesischen Gemeinschaften entwickelt und gehalten. Wiley (1996) schreibt, kun-tao stamme aus der chinesischen Provinz Fukien und sei von den Samal und Tausug der südlichen Philippinen übernommen worden. Laut Wiley erzählt Lanada, kuntaw lasse sich bis 1365 zurückverfolgen und Gouverneur Narcisco Claveria habe es 1849 verboten. Seine Linie leitet er von Yoyong Hueno aus der Region Bicol ab, dessen Sohn Yong Iban Hueno nach dem Dekret über spanische Familiennamen den Namen Lanada annahm und Carlitos Vater war. Laut Wiley begann Carlito mit neun oder zehn Jahren bei seinem Vater, einem Guerillakommandanten, zu lernen. Die Website FMA Pulse nennt Lanadas Geburt 1936, die Gründung der Philippine Karate/Kung-fu (Kuntaw) Association 1957 in Olongapo und die Entstehung der International Kuntaw Federation 1979.
Was es unterscheidet
Green gibt im Artikel über Südostasien an, kuntao werde meist als Sammelname für die chinesischen Kampfkünste auf dem Archipel und der Malaiischen Halbinsel verstanden, und Draeger leitet mit Smith das Wort vom hokkien-Dialekt der Provinz Fujian ab. Kuntao ist ihm zufolge rein kämpferisch und hat keine sportliche Dimension, und die Bewegungen des philippinischen kuntao sind tödlich und passen nicht in Wettkampfregeln. Lanada besteht dagegen laut Wiley darauf, dass sein kuntaw mit dem chinesischen oder indonesischen kun-tao keinerlei Zusammenhang hat.
Technik
Green schreibt nach Harris, die Formen des kuntaw enthielten Schläge mit Händen, Füßen, Knien und Ellbogen, ähnelten im Aussehen dem taijiquan und hätten auch akrobatische Elemente, Rollfälle und Seitüberschläge. Die Hauptwaffe der Samal sind ihm zufolge vergiftete Fingernägel, früher lange eigene, heute künstliche aus Aluminium oder aus dem Horn des Büffels karabao. Lanadas kuntaw lima-lima hat laut Wiley fünf Entwaffnungen, fünf Stiche, fünf Schläge, fünf Würfe und fünf weiche und fünf harte Blocks, und laut Lanada ist darin alles auf fünf aufgebaut. Die Fußarbeit beruht auf zwei Dreiecken, einem umgekehrten und einem normalen. Zu den Formen namens sayaw gehören naga, umbenannt in sagayan, sampaguita, mayon und die fortgeschrittene bulsinara.
Training
Green gibt an, dass Sparring erst nach dem Beherrschen der Formen kommt und dass die Auf- und Abbewegungen namens langka große Beinkraft erfordern. Lanadas Grundlagen, balangkas, beruhen laut Wiley auf der Acht, dem Buchstaben X und dem Prinzip des Fließens agos. Lanada beschrieb Wiley auch paligitan, einen Kampf im Kreis, in dem die Gegner einander über die Grenzen hinauszudrängen versuchen und um den im Süden der Philippinen um Säcke unverarbeiteten Reis gekämpft wurde.
Graduierungen und Fortschritt
Green schreibt nach Harris, die höchste Stufe des kuntao sei der gelbe Gürtel. Lanada nennt laut Wiley für die Meisterstufe im kuntaw lima-lima drei Gesichtspunkte, Zeit, Alter und internationalen Respekt. Ein Meister soll mindestens fünfzig Jahre alt sein, und die Meisterstufe wird nicht für fünf Turniersiege verliehen. Die Website FMA Pulse beschreibt eine Struktur aus sieben niedrigeren Gürteln, fünf Graden des schwarzen Gürtels, drei Meistergraden und den Stufen GrandMaster und Great-GrandMaster.
Heute
Lanada sagte Wiley, seine Organisation habe Mitglieder in mehreren Ländern, meist in Saudi-Arabien, es habe auch Schulen im Iran und im Libanon gegeben, und er habe selbst auf der Clark Air Base, der Subic Naval Base und bei der philippinischen Luftwaffe unterrichtet. Laut der Website FMA Pulse zog Lanada in die USA, und die Föderation sitzt in Kalifornien. Das Gesetz RA 9850 von 2009 erklärt arnis zur philippinischen Nationalkampfkunst und zum Nationalsport und erwähnt kuntaw nicht.
Wissenswertes
Green schreibt im Artikel über die Philippinen, kuntao, eine philippinische Kunst mit Bewegungen ohne Waffe ähnlich dem taijiquan, sei bis in eine Provinz zurückverfolgt worden, die er Kuntung nennt. Wileys Bibliografie führt das Buch von S. K. Dowd Kuntaw: the ancient art of Filipino hand and foot fighting an, das 1978 der Verlag Koinonia in Stockton herausgab. Die Website FMA Pulse gibt an, Lanada sei 1996 in das Martial Arts Museum of America und die International Karate Hall of Fame aufgenommen worden.
Häufige Fragen
Ist kuntaw dasselbe wie das chinesische kuntao?
Die Quellen gehen auseinander. Green beschreibt kuntao als Sammelnamen für die chinesischen Künste in Südostasien, und Wiley gibt kun-tao aus der Provinz Fukien bei den Samal und Tausug an. Lanada besteht aber laut Wiley darauf, dass sein kuntaw mit dem chinesischen kun-tao nichts zu tun hat.
Wer ist Carlito A. Lanada?
Laut Wiley (1996) der Begründer des kuntaw lima-lima und nach eigenen Worten Gründer und Exekutivdirektor der International Kuntaw Association. Die Kunst hat er laut ihm 1960 organisiert.
Was bedeutet kuntaw lima-lima?
Nach Lanadas Deutung bei Wiley ist kuntaw eine Kurzform aus dem spanischen con segrado und dem Tagalog hataw, und lima-lima bedeutet fünf, also die Kunst der fünf heiligen Schläge.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.