Gojushiho Dai
五十四歩大 · Gojushiho dai
Wörtlich: „Vierundfünfzig Schritte, groß“
Die längste JKA-Shotokan-Kata: 67 Bewegungen, Einfingerstiche im Katzenstand, die an einen Specht erinnern, und eine Verteidigung gegen einen Stock. Im SKIF heißt sie Gojushiho Sho.
Auf einen Blick
Über die Kata
Laut dem technischen Handbuch der JKA ist Gojushiho Dai die längste Kata des Shotokan: Sie hat 67 Bewegungen, zwei mehr als Gojushiho Sho. Das Handbuch beschreibt sie als eine Folge komplexer Blöcke mit offener Hand, Verschiebungen und Drehungen im Katzenstand neko ashi dachi sowie Fingerstichen nukite, die an einen arbeitenden Specht erinnern. Dieselbe Zahl nennt auch die Aufschlüsselung von André Bertel, einem in Japan lebenden JKA-Instruktor; das einzige Kiai fällt darin auf Bewegung 59, einen Fauststoß nach einem Handrückenschlag und einem Faustkantenschlag. Welche Kata mit dem Namen gemeint ist, hängt von der Organisation ab. In der JKA und im größten Teil des Shotokan ist Gojushiho Dai jene mit den „Specht"-Schlägen, im von Kanazawa Hirokazu gegründeten SKIF heißt dieselbe Form Gojushiho Sho. Laut karatevancouver.ca haben beide Versionen ein fast identisches Embusen, sodass sie sich erst an der Technik unterscheiden lassen. Bertel hält sie für die technisch anspruchsvollere der beiden Versionen: Sho stehe seiner Ansicht nach dem okinawanischen Original näher und trete bei Prüfungen und Wettkämpfen häufiger auf, Dai schätzen eher erfahrene Karateka. Im Lehrplan des Dojos Minakami Bushido Karate zählt sie zu den Katas für den 3. Dan.
Die Kata in den Stilen
| Stil | Name im Stil | Bewegungen | Kiai |
|---|---|---|---|
| Shotokan | Gojushiho Dai | 67 | 1 |
Bedeutung des Namens
Gojushiho bedeutet „54 Schritte“, das Suffix dai (大) bedeutet „groß, Haupt-“. Bei dieser Kata passt die Bezeichnung nur zur Hälfte: Sie unterscheidet sich von Gojushiho Sho um zwei Bewegungen, und beide haben laut karatevancouver.ca ein fast identisches Embusen. André Bertel erklärt die beiden Versionen auf zwei Arten: Zweimal 54 ergibt die im Buddhismus bedeutsame Zahl 108, und Dai belastet im neko ashi dachi das linke Bein, Sho im kokutsu dachi das rechte. Laut themartialway.com.au wollte Funakoshi Gichin die Kata wegen ihrer Fingerstiche in Hotaku, Specht, umbenennen; der Name setzte sich nicht durch.
Urheber und Geschichte
Wer die Shotokan-Version Dai geschaffen hat, ließ sich nicht eindeutig belegen. Die englische Wikipedia und historyoffighting.com schreiben Gojushiho (okinawanisch Useishi) Matsumura Sokon zu, Jaap Kooman gibt an, dass sein Schüler Itosu Anko die Versionen Dai und Sho schuf. Bertel nennt zwei Überlieferungen: Beide Versionen stammten aus dem von Mabuni Kenwa mitgebrachten Shito-ryu-Gojushiho und seien von Funakoshi Yoshitaka bearbeitet worden, oder Dai stamme von Nakayama Masatoshi. Über die Vertauschung der Namen kursieren zwei Versionen. Laut karatevancouver.ca und historyoffighting.com kündigte in den neunzehnhundertsechziger oder -siebziger Jahren bei einer japanischen Meisterschaft ein hochrangiger JKA-Instruktor Gojushiho Dai an und führte Sho vor; die JKA vertauschte daraufhin die Namen, und Kanazawa Hirokazu beließ sie im SKIF so. Die englische Wikipedia weist diese Geschichte zurück: Laut Traditional Karate Magazine von 2003 vertauschte Kanazawa die Namen im SKIF selbst, weil sho seiner Ansicht nach besser zur kleineren, schwierigeren Kata passte, und die JKA nannte diese Form dai, weil sie sie früher in den Lehrplan aufgenommen hatte.
Unterschiede zwischen den Stilen
Gegenüber Gojushiho Sho hat Dai in der JKA-Terminologie laut themartialway.com.au zwei zusätzliche Techniken, koko sukui uke mit tsukidashi und washide, die das Shotokan sonst nicht kennt. Die große Ryuun-Reihe aus Sho wird hier durch die kleinere Kitsutsuki-Reihe ersetzt: kitsutsuki no kamae, keito nagashi uke und otoshi ippon nukite. Dai hat von allen Shotokan-Katas die meisten Bewegungen in neko ashi dachi und zusammen mit Unsu keine einzige in kokutsu dachi (Tekki nicht mitgerechnet). Im SKIF heißt diese Form Gojushiho Sho. In der WUKF-Liste vom 7. April 2024 führen sie Shotokan, Budokan und Shisui-ryu als wahlfreie Tokui-Kata.
Bunkai – Anwendungen
Das technische Handbuch der JKA nennt eine Verteidigung gegen den Bo-Stock als Teil der Kata. Bei André Bertel sind das die Bewegungen 28 und 31, bo tsukami uke mit beiden Handflächen in kiba dachi. Bertel sieht Schläge und Würfe gegen den Hals als auffälligstes Merkmal beider Gojushiho-Versionen. Die englische Wikipedia liest shuto nagashi uke, den typischen fließenden Handkantenblock von Gojushiho, auch als Wurf, nicht nur als Block.
Wettkampfeinstufung
Häufige Fehler
Unsicherer neko ashi dachi: Shotokan-Karateka trainieren viel mehr kokutsu dachi und vernachlässigen den Katzenstand, obwohl er in Gojushiho Dai öfter vorkommt als in jeder anderen Kata.
Wichtiger Tipp
Fingerstiche sind hier die Regel, daher die empfindlichen Punkte des Gegners kennen, auf die sie zielen.
Techniken in der Kata
Verwandte Katas
- Variante von: Sushiho
Weitere Quellen zum Thema (10)
- jka.or.jp/wp/wp-content/uploads/2017/04/tech_manual_instructor.pdf
- andrebertel.blogspot.com/2014/07/gojushiho-dai-kata-generic-outline.html
- andrebertel.blogspot.com/2014/06/gojushiho-dai.html
- themartialway.com.au/gojushiho-dai
- karatevancouver.ca/kata/gojushiho
- en.wikipedia.org/wiki/Gojūshiho
- historyoffighting.com/the-blog/the-history-of-the-gojushiho-kata
- jaapkooman.nl/karate/kata/sushiho.html
- bushidokarate.co.uk/kata/gojushiho-dai
- wukf-karate.org/wp-content/uploads/2024/05/OFFICIAL-WUKF-KATA-LIST-07-AP…