Juego de Mani
Juego de maní ist laut dem Atlas Etnográfico de Cuba ein Boxtanz, bei dem ein Solist in der Kreismitte die ihn umringenden Gegner angreift.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Über Juego de Mani
Juego de maní ist laut dem Atlas Etnográfico de Cuba ein Boxtanz, den meist eine Gruppe von Männern aufführt, obwohl ihn früher auch Frauen tanzten. Ortiz (1951) beschreibt ihn in der Nacherzählung von Mora Basart (2021) im Grunde als Faustkampf, bei dem ein Tänzer einen Verteidiger im Kreis um sich herum angreift. Wikipedia nennt außerdem den Namen baile de maní und den überlieferten längeren Namen juego de maní con grasa. Das Wort maní bedeutet laut Wikipedia angeblich Krieg in einer nicht näher bestimmten afrikanischen Sprache und hat mit Erdnüssen nichts zu tun. Gründer und Entstehungsjahr haben wir in den Quellen nicht gefunden.
Weiterlesen
Mora Basart ordnet maní nach Ortiz den bantuischen und kongolesischen Folklorezyklen palo, makuta und garabato zu, als Ableitung eines der symbolischen Tänze der Bantu-Religion. Laut Wikipedia verteidigen manche Forscher einen westafrikanischen Ursprung, andere verorten die Wurzeln im Kongo. Ortiz beschreibt maní laut Mora Basart als Tanz und Kampf versklavter Zuckerrohrarbeiter, ingenios, und Kämpfe zwischen Zuckermühlen unterstützten oft die Besitzer, die die Einsätze erhöhten. Laut Wikipedia prägte sich die kubanische Form im 19. Jahrhundert auf den Zuckerrohrplantagen deutlich aus. Die Quellen gehen darüber auseinander, welche Schläge maní erlaubte. Ortiz schreibt laut Mora Basart, dass Schläge unterhalb der Gürtellinie, mit dem Ellbogen und mit dem Fuß verboten waren. Wikipedia erwähnt unter Verweis auf ein populäres Buch von Crudelli (2008) und den Praktiker Quijano niedrige Tritte, Fußfeger sowie Schläge mit Kopf, Ellbogen und Knien. Green (2001) zählt maní zu den afroamerikanischen Kampfkünsten, die möglicherweise bereits untergegangen sind.
Geschichte
Ortiz (1951) beschreibt nach Mora Basart (2021) das maní als Tanz und Kampf versklavter Arbeiter auf den kubanischen Zuckermühlen, den ingenios, und erwähnt die Rivalität zwischen den einzelnen Zuckermühlen. In Gegenden wie Aguacate, Canasí und Caraballo waren die Kämpfer nach seinen Angaben sehr geschickt, und als erfahrenster Spieler galt Indalecio Esponda. Einige versklavte Kämpfer kauften sich nach Mora Basart mit ihrem Verdienst aus dem maní frei. Nach Wikipedia bildete sich die kubanische Form im 19. Jahrhundert auf den Zuckerrohrplantagen klar heraus. Dieselbe Wikipedia führt an, dass einige Forscher einen westafrikanischen Ursprung des maní vertreten, während andere seine Wurzeln im Kongo sehen. Mora Basart ordnet das maní nach Ortiz den Bantu- und Kongo-Folklorezyklen zu. Miguel Quijano (2025) verortet auf capoeirahistory.com den Ursprung des maní im Gebiet von Kongo und Angola. Die Geschichte gliedert er in die Plantagenära bis 1886, die Ära der cabildos und Straßenkämpfe von 1887 bis in die sechziger Jahre und die Folklore-Ära ab den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts.
Was es unterscheidet
Green (2001) ordnet das kubanische maní zusammen mit der brasilianischen Capoeira, der martinikanischen ladjia, der venezolanischen broma, dem guadeloupischen chat'ou und der surinamischen susa als afroamerikanische Kampfkünste mit Musikbegleitung in eine Gruppe ein. Wikipedia erwähnt unter Verweis auf das Buch Ring of Liberation (1992) von J. Lowell Lewis eine Ähnlichkeit mit der Capoeira sowie mit l'agya und danmyé aus Martinique und Guadeloupe. Der Unterschied zur Capoeira ergibt sich aus dem Vergleich zweier Quellen. Laut Ortiz (1951), wie ihn Mora Basart (2021) nacherzählt, war maní vor allem ein Faustkampf mit dem Verbot von Tritten und Schlägen unterhalb der Gürtellinie, während die Capoeira nach Green auf Tritten, Fußfegern und Kopfstößen beruht. Eine Liste von Techniken mit Tritten, Fußfegern, Kopfstößen und Ellbogen enthält nur Wikipedia, entnommen aus Crudellis populärem Buch (2008) und vom Praktiker Quijano.
Technik
Der Solist steht nach dem Atlas Etnográfico de Cuba in der Mitte des Kreises, vertritt seine Gruppe und ist von Gegnern umgeben. Der Tänzer in der Mitte teilt nach dem Atlas manchmal mit verbundenen Augen Schläge aus und singt Spottlieder, mit denen er die anderen Männer im Kreis provoziert. Der Solotanz zeichnet sich nach dem Atlas durch Improvisation und unerwartete Bewegungen aus, mit denen der Tänzer die Gegner verwirrt, um sie mit wirksamen Schlägen zu überraschen. Den Rhythmus gaben nach Ortiz (1951), wie ihn Mora Basart (2021) wiedergibt, die Trommeln yuca und agogó oder Schläge auf die Hacke, die guataca, vor. Ein Trommler, der aus dem Rhythmus fiel, hörte nach seinen Angaben auf zu spielen und griff in den Kampf ein. Ortiz schreibt nach Mora Basart, dass Schläge auf verwundbare Stellen verboten waren und Schläge unter die Gürtellinie, mit dem Ellbogen und mit den Füßen fulastrerías hießen und hart bestraft wurden. Wikipedia führt unter Verweis auf Crudelli (2008) und Quijano (2024) an, dass das maní niedrige Tritte, Fußfeger, Faustschläge sowie Schläge mit Kopf, Ellbogen, Unterarm, Knien und Handfläche umfasst. Die Musik des maní ist nach Wikipedia die Musik des palo monte, als Quelle dient jedoch nur der Praktiker Miguel Quijano.
Training
Maniseros gingen nach Ortiz (1951), wie ihn Mora Basart (2021) nacherzählt, barfuß und mit nacktem Oberkörper, in kurzen oder hochgekrempelten Hosen. Waffen trugen sie nicht, nur ein buntes Tuch an einem breiten Ledergürtel, das den Bauch schützte. Vor dem Kampf sangen die Champions nach Mora Basart epische Lieder über ihre Taten. Nach derselben Quelle kämpfte man mit bloßen Händen, mit Armbändern oder mit einem Körper, der mit Fett eingerieben war und die Schläge dämpfte. Yvonne Daniel (2005) gibt nach Wikipedia an, dass die maní-Tänzer manchmal lederne Handgelenkschützer mit Metallverzierung trugen und der frühe maní deshalb besonders gefährlich war.
Wettkampf
Der getroffene Mann geht nach dem Atlas Etnográfico de Cuba entweder selbst in die Mitte des Kreises oder scheidet aus dem Tanz aus. Kämpfe zwischen verschiedenen Zuckerfabriken waren nach Ortiz (1951), wie ihn Mora Basart (2021) nacherzählt, üblich und wurden oft von den Besitzern selbst unterstützt, die die Wetten erhöhten. Die Wetten verwaltete nach ihm der Anführer des cabildo oder ein Ältester der Gruppe. Wikipedia führt mit Verweis auf Crudelli (2008) an, dass manche Sklavenhalter maní als Kampf betrachteten und auf den Ausgang wetteten, und erwähnt auch die Vermutung von Kämpfen auf Leben und Tod. Zweikämpfe konnten nach Mora Basart tödlich enden. Einen schwer verprügelten Kämpfer legte man nach ihm in einen besonderen Trog, die batea, und die Verletzungen behandelte man mit einer Mischung aus Urin, Branntwein und Tabakspeichel.
Heute
Green (2001) ordnet das kubanische maní den afroamerikanischen Kampfkünsten zu, die möglicherweise schon verschwunden sind. Laut Ortiz (1951), wie ihn Mora Basart (2021) nacherzählt, wurde maní in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts noch von schwarzen Gemeinschaften in Pocitos in Marianao bei Havanna gespielt. Miguel Quijano (2025) schreibt auf capoeirahistory.com, dass maní seit den Sechzigerjahren vor allem als Bühnenfolklore des Conjunto Folklórico Nacional de Cuba lebt, davor in cabildos und Casas de Ocha. Der Autor selbst ist Praktiker und bezeichnet sich als einzigen zertifizierten Meister. Laut Wikipedia waren die Gründungsmitglieder des Conjunto Folklórico Nacional acht Schüler von Argeliers León, die eine tänzerisch aufgefasste folkloristische Version des maní lehrten.
Wissenswertes
Mora Basart (2021) verbindet die Bewegung des kubanischen Boxers Yordenis Ugás mit der Tradition des maní. Mora Basart erinnert auch daran, dass die Kämpfer oft so zerschlagen waren, dass sie bei der Zuckerrohrernte nicht arbeiten konnten. Noch länger überliefert ist laut Wikipedia der Name juego de maní con grasa, den Ortiz (1951) anführt. Wikipedia nennt außerdem die kürzeren Namen juego de maní und baile de maní. Auch Mora Basart erinnert an Fett. Ihm zufolge kämpfte man manchmal mit eingefettetem Körper, das Fett dämpfte die Schläge. Das Wort maní bedeutet laut Wikipedia angeblich Krieg in einer nicht näher bestimmten afrikanischen Sprache und steht in keinem Zusammenhang mit Erdnuss.
Häufige Fragen
Was ist juego de maní?
Laut dem Atlas Etnográfico de Cuba ist maní ein Boxtanz, bei dem ein Solist in der Kreismitte die ihn umringenden Gegner angreift. Laut dem Atlas tanzen ihn meist Männer, früher auch Frauen.
Welche Schläge erlaubte maní?
Ortiz (1951) schreibt laut Mora Basart (2021), Schläge unterhalb der Gürtellinie, mit Ellbogen und Fuß seien verboten gewesen. Tritte, Fußfeger und Ellbogen nennt nur Wikipedia nach Crudelli und dem Praktiker Quijano.
Wird maní heute noch aufgeführt?
Green (2001) schreibt, maní sei möglicherweise bereits untergegangen. Laut Quijano auf der Website capoeirahistory.com lebt maní seit den Sechzigerjahren vor allem als Bühnenfolklore des Conjunto Folklórico Nacional de Cuba fort.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.