Xilam
Eine moderne mexikanische Kampfkunst, inspiriert von den Kriegerkulturen der Azteken, Maya und Zapoteken. Gegründet von Marisela Ugalde, wird sie in sieben Tiergraden geübt.
Wichtige Daten
Charakter & Herkunft
Training
Für wen
Organisation & Wettkampf
Woraus der Stil besteht
Redaktionelle Bewertung auf einer Skala von 0–3, danach wie viel Raum der Bereich im normalen Training einnimmt.
Kataloge & Datenbanken für Xilam
Über Xilam
Xilam ist nach George Jennings eine kürzlich geschaffene, moderne mexikanische Kampfkunst, inspiriert von den vorspanischen Kriegerkulturen der Mexica (Azteken), Maya und Zapoteken, die deren Philosophie retten, wiederentdecken und neu erleben will. Es wird nach Jennings shi-lam ausgesprochen, und der Name leitet sich laut ihm vom Maya-Wort Dzilam in der Bedeutung von Haut abstreifen ab. Jennings und Cynarski bezeichnen es als nicht sportliche Kampfkunst.
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Xilam gründete Marisela Ugalde Velázquez de León, die nach Jennings und Cynarski jahrzehntelang bei verschiedenen asiatischen Meistern trainierte und deren spiritueller Lehrer Andrés Segura Granados war. Das Gründungsjahr unterscheidet sich je nach Quelle. Jennings nennt 2015 die Gründung im Jahr 1986 und die Registrierung als soziale Vereinigung 1992, Jennings und Cynarski den Ursprung Ende der 80er Jahre und die Registrierung 1992 in Mexiko-Stadt, und Jennings 2018 Gründung und Registrierung im Jahr 1992. Nach Jennings und Cynarski wird Xilam in sieben nach Tieren benannten Graden geübt, Schlange, Adler, Ozelot, Affe, Hirsch, Leguan und Gürteltier, denen farbige Gürtel von Weiß bis Schwarz zugeordnet sind. Die Stände sind laut Jennings tief und breit, ähnlich dem Reiterstand. Jennings und Cynarski geben an, dass Xilam in Mexiko-Stadt, im Bundesstaat México und in Hidalgo unterrichtet wird und starker kommerzieller Konkurrenz ausgesetzt ist.
Geschichte
Laut Jennings (2015) sind die Kampfsysteme der Mexica und der Maya untergegangen, und Versuche einiger nichtakademischer Gruppen in den Vereinigten Staaten, die mexikanische Kunst Yaomachtia wiederzuentdecken, sind umstritten. Jennings gibt 2018 an, Marisela Ugalde habe Xilam nach Jahren der Praxis asiatischer Kampfkünste als Antwort auf den Untergang der indigenen mexikanischen Kampftraditionen nach der Eroberung geschaffen. Jennings und Cynarski schreiben, die Gründerin habe jahrzehntelang bei verschiedenen asiatischen Meistern trainiert, und ihr spiritueller Lehrer sei Andrés Segura Granados gewesen, nach Jennings ein Anführer des Concheros-Tanzes. Nach Jennings studiert die Gründerin weiterhin Kodizes, Keramik und Ruinen, um daraus die vorspanische Philosophie der Kunst zu schöpfen. In einem Interview, das Jennings 2015 anführt, sagt sie, Xilam werde seit 1991 ausgetragen und sei nach 23 Jahren noch immer nicht geboren, und sie bezeichnet sich selbst als seine Mutter. Das Gründungsjahr nennt Jennings in verschiedenen Arbeiten mit 1986, Ende der 1980er Jahre oder 1992.
Was es unterscheidet
Jennings grenzt Xilam 2015 von zwei erhaltenen indigenen Ringkämpfen ab, dem zapotekischen Chupaporrazo und der tarahumarischen Lucha Tarahumara, die die Federación Mexicana de Juegos y Deportes Autóctonos y Tradicionales unterstützt. Laut Jennings (2018) ist Xilam indigenistisch, nicht feministisch, und konzentriert sich auf Gleichgewicht und Dualität. Die Gründerin schuf Xilam laut Jennings nach Jahren der Praxis asiatischer Kampfkünste. Jennings gibt 2021 an, dass Kritiker Xilam vorwerfen, ostasiatische Techniken zu übernehmen, und dass sich Online-Debatten um die Herkunft einzelner Techniken drehen.
Technik
Jennings und Cynarski nennen sieben Tiere des Xilam: Schlange, Adler, Ozelot (ocelotl), Affe, Hirsch, Leguan und Gürteltier. Nach Jennings entsprechen die sieben Haltungen den sieben Tieren, und die Haltungen sind breit und tief, ähnlich der Reiterhaltung. Die Haltung der Schlange arbeitet mit Fingerspitzenschlägen zur Kehle, und ihre Form heißt Venda, ein zapotekisches Wort. Die Grundformen haben 20 Bewegungen, die Jennings mit zwanzig aztekischen Kalendereinheiten verbindet. UNESCO ICM ordnet Xilam den gemischten Künsten zu (Grappling, Striking) und gibt an, dass die Schläge aus Schultern und Hüften kommen. Jennings schreibt, dass Faustschläge zuerst in die Luft geübt werden. Jennings und Cynarski beschreiben Partnerübungen mit direkten und potenziell tödlichen Techniken, darunter Augenstiche, Schläge auf Kehle und Genitalien, Ziehen an den Ohren und Reißen der Haut. In fortgeschrittenen Stufen kommen nach Jennings Waffen hinzu, unter anderem macuahuitl, conchas und Hirschgeweihe. UNESCO ICM ergänzt, dass Xilam auch aus dem mesoamerikanischen Ballspiel und vorspanischen Tanzritualen schöpft.
Training
Jennings beschreibt eine Lektion von etwa 90 Minuten, oft auch zwei Stunden, mit Spielen wie patos und einer geführten Meditation am Ende. Gezählt wird nach ihm auf Nahuatl, Spanisch und Maya. Dazu gehört paarweises Abhärten mit leichten Schlägen in den Bauch, und im Konditionstraining ersetzen nach Jennings und Cynarski Baumstämme die Hanteln. Der Unterricht verläuft nach Jennings in drei Schritten: Form in vier Richtungen, Form in mehrere Richtungen und Anwendung in der Selbstverteidigung. Jennings und Cynarski geben an, die erste Form sei das Üben von Stellungen in ritueller Bewegung in die vier Himmelsrichtungen, die dritte die Bewegung zwischen Stellungen, Höhen und Richtungen. Jeder Schritt der Form hat nach Jennings eine Selbstverteidigungsanwendung, zum Beispiel einen tiefen Block gegen einen Tritt in die Leiste. Die Bewegungen sind nach ihm symbolisch und rituell, werden von gesprochenen Mantras begleitet, und die Abfolgen folgen den Richtungen des vorspanischen Kalenders.
Graduierungen und Fortschritt
Xilam hat nach UNESCO ICM sieben aufeinanderfolgende Stufen, benannt nach sieben Tieren der Region. Jennings und Cynarski geben Gürtelfarben von Weiß bis Schwarz an, gepaart mit sieben Tierstufen, nämlich mit Schlange, Adler, Ozelot, Affe, Hirsch, Leguan und Gürteltier. Nach Jennings werden die Stufen in der Reihenfolge der Tiere gemäß dem Niveau geübt, und sieben Stellungen entsprechen den sieben Tieren. Er selbst erreichte nach der ersten Prüfung die Stufe des Adlers und den gelben Gürtel. In den fortgeschrittenen Stufen kommen nach ihm Waffen hinzu, unter anderem macuahuitl, conchas und Hirschgeweihe.
Wettkampf
Das Verhältnis von Xilam zum Wettkampf beschreiben die Quellen unterschiedlich. UNESCO ICM gibt an, dass es Sportspektakel und reglementierten Kampf meidet. Jennings und Cynarski bezeichnen es 2019 als nicht sportliche Kampfkunst, die sich dagegen wehrt, zu einem Kampfsport zu werden. Jennings gibt 2018 an, dass sich Xilam 2011 gegen Wettkämpfe sträubte, zum Zeitpunkt der Abfassung des Artikels aber bereits für diese Möglichkeit offen war. 2021 schreibt er in der Zeitschrift Ethnography, dass sich Xilam langsam als Sport des Handkampfs entwickelt. Laut Jennings betont Xilam dabei Gewaltlosigkeit, Respekt und Würde.
Heute
Jennings und Cynarski berichten, dass Xilam in Mexiko-Stadt, im Bundesstaat México und in Hidalgo unterrichtet wird und dass Seminare etwa in Guadalajara stattfinden. Ihnen zufolge stößt es auf starke kommerzielle Konkurrenz und sogar Verachtung verschiedener Kampfkunstkreise im städtischen Mexiko und hat sich als globales Phänomen bisher nicht durchgesetzt. Jennings berichtet, dass die von ihm beobachtete Filiale in Mexiko-Stadt etwa ein Dutzend Schüler pro Stunde hatte, je zur Hälfte Frauen und Männer, und im August 2012 aufgelöst wurde. Die Mitgliederzahl insgesamt nennt er nicht. Xilam betont laut Jennings Gewaltlosigkeit sowie Respekt und Würde, die Teil seines Mantras und Credos sind. Jennings erwähnt das Programm Poder Xilam für drogengefährdete Jugendliche und berichtet von einer Tournee durch China und der Zusammenarbeit mit dortigen Wushu-Organisationen.
Wissenswertes
Der Name Xilam wird laut Jennings shi-lam ausgesprochen. Laut Jennings und Contreras Islas stammt er vom Maya-Wort Dzilam mit der Bedeutung die Haut abstreifen, und beide Autoren deuten Xilam im Jahr 2022 mit dem Begriff remover la piel als Alternative zum Begriff la raza cósmica, den Vasconcelos 1925 prägte. Jennings hält die Gründung einer Kampfkunst durch eine Frau für eine Rarität in der Welt der Kampfkünste. Die Tochter der Gründerin, Mayra, ist ihm zufolge auf den aztekischen Kalender und die Astrologie spezialisiert, und Jennings erwähnt auch eine geplante Show für Jugendliche, Los Siete Guerreros.
Häufige Fragen
Wer gründete Xilam und wann?
Gegründet wurde es von Marisela Ugalde Velázquez de León. Jennings nennt einmal die Gründung 1986 und die Registrierung 1992, ein andermal Gründung und Registrierung 1992, mit Cynarski dann den Ursprung Ende der 80er Jahre.
Welche Tiere bilden die Grade des Xilam?
Nach Jennings und Cynarski sind es Schlange, Adler, Ozelot, Affe, Hirsch, Leguan und Gürteltier, denen farbige Gürtel von Weiß bis Schwarz zugeordnet sind.
Wird im Xilam an Wettkämpfen teilgenommen?
Laut UNESCO ICM meidet Xilam sportliche Schauspiele und reglementierten Kampf. Jennings schreibt jedoch 2021, dass es sich langsam als Sport des Nahkampfs entwickelt.
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Ausgewählt nach Übereinstimmung im Stilprofil, nicht nach historischer Verwandtschaft.