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Handschrift

Codex Wallerstein (Cod.I.6.4º.2)

Originaltitel: Codex Wallerstein

1420–1470DeutschlandLehrbuch

Augsburger Handschrift, zusammengefügt aus zwei bis drei Traktaten aus den Jahren etwa 1420–1470 über Schwert, Messer, Dolch, Ringen, Kurzschwert und langen Schild.

Der Codex Wallerstein, auch Baumanns Fechtbuch (Vonn Baumanns Fechtbuch) genannt, ist eine deutsche Fechthandschrift, die in der Universitätsbibliothek Augsburg unter der Signatur Cod.I.6.4º.2 aufbewahrt wird. Ihre Autoren und Illustratoren sind nicht bekannt. Der Band verbindet zwei bis drei ursprünglich selbständige Teile, die sich in Zeichnung und Schrift unterscheiden. Der älteste Teil C entstand um 1420 im Gebiet des Oberrheins, die Teile A und B in den Jahren 1465–1470 in Mittel- oder Nordbayern, dem auch die Wasserzeichen des Papiers von 1420 und 1464/1465 entsprechen. Die Handschrift umfasst 110 Papierblätter im Format 140 × 210 mm, auf jeder Seite steht eine Illustration mit dem Text darüber. Die Teile A und B lehren aus der Augsburger Tradition das lange Schwert, das Ringen sowie den Kampf mit dem Dolch und mit dem Messer. Teil C gehört zur Tradition des Pseudo-Gladiatoria, enthält das lange Schwert, das Kurzschwert, den langen Schild und das Ringen und hängt nicht von der Schule Liechtenauers ab. Neben bewaffneten Kämpfern zeigen die Bilder auch eine Arena mit Zuschauern, eine Raubszene, Gerichtskämpfe und eine Hochzeitsszene. Die Handschrift gehörte der Familie Baumann, in den Jahren 1556–1579 besaß sie Paulus Hector Mair, danach die Fugger, seit der Mitte des 17. Jahrhunderts die Öttingen-Wallersteiner und seit 1980 befindet sie sich in Augsburg. Die Teile A und B beeinflussten die Fechthandschrift Albrecht Dürers, nach Wiktenauer aus der Zeit um 1500, nach der englischen Wikipedia von 1512. Hans-Peter Hils gab die Handschrift 1991 heraus, ins Englische übersetzten sie G. Zabinski mit B. Walczak (2002) und Christian Henry Tobler mit Jessica Finley (2022).

Kampfkünste im Werk

HEMAZentralRingen (mittelalterlich)Zentral

Inhalt

Nach Wiktenauer nimmt Teil A die Blätter 3r–14v und 21rv ein und enthält die Lehre des langen Schwertes der Augsburger Tradition. Teil B auf den Blättern 15r–20v und 33r–73v behandelt das Ringen. Dazwischen liegt ein Abschnitt über den Dolch (22r–28v) und das Messer (29r–32v), ebenfalls aus der Augsburger Tradition, dessen Zugehörigkeit zu Teil A oder B wir nicht sicher belegen konnten. Teil C (nach Wiktenauer Blätter 75r–108v) wechselt zwischen dem langen Schwert (76r–80v und 101r–102v), dem Kurzschwert (81r–95v und 103r–108r), dem langen Schild (96r–98v) und dem Ringen (98v–100v). Mit den Handschriften der Gruppe Gladiatoria teilt er etwa 16 Stücke, unterscheidet sich aber in der Darstellung deutlich. Blatt 109r trägt ein Register, die Blätter 109v–110 blieben leer.

Entstehung

Die Teile wurden vor 1549 zu einem Band gebunden. Nach der englischen Wikipedia besaß Michael Baumann die Handschrift in den Jahren 1471–1495, nach Wiktenauer die Familie Baumann, vielleicht aus Augsburg. In den Jahren 1556–1579 gehörte sie Paulus Hector Mair, nach Wiktenauer hatten sie danach Markus Fugger (1580–1597) und Marquart Fugger (1597–1653), die englische Wikipedia hält den Besitz der Fugger nur für möglich. Auf das Schloss der Öttingen-Wallersteiner ging sie nach Wiktenauer im Jahr 1652 über, nach der englischen Wikipedia im Jahr 1653. 1980 erwarb sie die Universitätsbibliothek Augsburg, wo sie 1989 neu gebunden wurde.

Ausgaben und Übersetzungen

Die Edition besorgte Hans-Peter Hils, sie erschien 1991 bei Edition Helga Lengenfelder unter dem Titel Fecht- und Ringbuch / Vermischtes Kampfbuch. Die englische Übersetzung von G. Zabinski und B. Walczak gab 2002 der Verlag Paladin Press als A Medieval Fighting Book from the Fifteenth Century on the Longsword, Falchion, Dagger, and Wrestling heraus. Eine neue englische Übersetzung von Christian Henry Tobler und Jessica Finley erschien 2022 unter dem Titel Bauman's Fight Book bei HEMA Bookshelf. Nach der englischen Wikipedia erschien 2014 auch eine von Welle erstellte Transkription, deren Einzelheiten haben wir in den Quellen nicht gefunden.

Personen und Kampfkünste

  • Hans-Peter HilsHerausgeber
  • G. ZabinskiÜbersetzer
  • B. WalczakÜbersetzer
  • Christian Henry ToblerÜbersetzer
  • Jessica FinleyÜbersetzer

Angaben

Form
Handschrift
Aufbewahrungsort
Universitätsbibliothek Augsburg
Signatur
Cod.I.6.4º.2
Blätter
110
Material
Papier
Digitalisat der Bibliothek
nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba002009-1

Ausgaben

  • 1991 · DE · Fecht- und Ringbuch / Vermischtes Kampfbuch · Edition Helga Lengenfelder
  • 2002 · EN · A Medieval Fighting Book from the Fifteenth Century on the Longsword, Falchion, Dagger, and Wrestling · Paladin Press · Übersetzung
  • 2022 · EN · Bauman's Fight Book · HEMA Bookshelf · Übersetzung

Weitere Titel

  • Vonn Baumanns Fechtbuch (Alternativtitel, DE)
  • Fecht- und Ringbuch / Vermischtes Kampfbuch (Alternativtitel, DE)
  • Bauman's Fight Book (Übersetzter Titel, US)
  • A Medieval Fighting Book from the Fifteenth Century on the Longsword, Falchion, Dagger, and Wrestling (Übersetzter Titel, US)
Weitere Quellen zum Thema (3)
  1. wiktenauer.com/wiki/Codex_Wallerstein
  2. en.wikipedia.org/wiki/Codex_Wallerstein
  3. de.wikipedia.org/wiki/Codex_Wallerstein